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Lohnen sich E-Books?

Ein Leser stellte mir per Mail die Frage, ob sich der E-Book-Verkauf lohne. Die Antwort darauf ist ein ganz klares: Kommt darauf an.

Ernüchternde Zahlen

Zunächst einmal knochentrockene Fakten: Je nach Zählweise und/oder Rangliste und/oder Jahreszeit gilt ein gedrucktes Buch in Deutschland „schon“ ab 10.000 verkauften Exemplaren als Bestseller. Charlotte Roche oder Dan Brown bilden da die ganz großen Ausreißer, aber ein Buch von irgendeiner mittelbekannten Autorin, das in der Buchhandlung mit dem Prädikatsaufkleber „Bestseller“ versehen wurde, hat wahrscheinlich so um die 10.000 Brüder und Schwestern gehabt.

Der E-Book-Mark in Deutschland macht nach neueren Zahlen (2013) 2,6% des Gesamtmarktes aus. So weit so wenig… Das heißt, unser Bestseller, der 10.000 Mal auf Papier verkauft wurde, wurde etwa 260 Mal als E-Book verkauft. Fragt euch also selbst, ob Ihr davon leben könntet…

Klar gibt es auch im elektronischen Lesen Ausreißer. Aber wieder: fragt euch, ob Ihr wirklich glaubt, dass euer Buch dazugehört. Und wichtiger noch: fragt euch, ob ihr auch damit rechnen könnt.

Bücher schreibt man nicht wegen des Geldes

Solltet Ihr das ganze deswegen gleich aufgeben? Wieder: Kommt darauf an! Wenn Ihr mit dem Verkaufen von Büchern Geld verdienen wollt, dann ist das E-Book vielleicht nicht euer bestes Pferd im Stall aber euer erstes. Das Beste, was euch passieren kann, ist das, was mir derzeit widerfährt: Ein Verlag — in meinem Fall der JMB Verlag — findet eure Idee so gut, dass er sie auf Papier herausbringen will. Denn dann könnt ihr wahrscheinlich mit ein paar Euro mehr rechnen.

Aber Bücher schreibt man sowieso nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Namens. Angenommen, ihr habt ein Forum oder ein Blog über Bohrmaschinen. Dann seid ihr wahrscheinlich eine der Koryphäen auf eurem Gebiet, aber in unserer noch ach zu analogen Welt wird das gerne übersehen. Anders, wenn ihr ein Buch zum Thema veröffentlicht habt, dann wird man euch zitieren, vielleicht interviewen, wenn es eine internationale Bohrmaschinenkrise gibt oder euch zur internationalen Bohrmaschinenconvention einladen, wo ihr dann einen Vortrag über die neuesten Entwicklungen des Bohrhammers halten dürft. Mit anderen Worten: selbst wenn ihr mit eurem (E-)Buch nicht wirklich viel verdient, könnt ihr vielleicht mit dem Rattenschwanz, der hintendran kommt, etwas verdienen.

Was sind die Voraussetzungen?

Eine starke Community und viel Geduld. Wenn ihr 10.000 Follower auf Twitter habt, dann werdet ihr sich mehr Bücher verkaufen, als wenn ihr 449 habt. Wenn eure Seite täglich 10.000 Mal aufgerufen wird, werdet ihr mehr verkaufen, als wenn alle 14 Tage mal jemand euren Blog mit der Bildersuche von Google findet.

Ich habe bei „Blackbox Urheberrecht“ mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Frank Schirrmacher und Julia Schramm (um nur einige zu nennen) ja durchaus ein paar prominente Kontributoren zusammenbekommen. Und so langsam tröpfeln bei mir die ersten reliablen Zahlen rein, an denen ich erkennen kann, dass mein Sammelband sich verglichen mit dem Markt ganz achtsam schlägt, dass aber dieser Teilmarkt eben nur 2,6% ausmacht.

Daher  solltet ihr das ganze als Langzeitentwicklung sehen. Ihr werdet euer Buch vielleicht fünf Mal im ersten Monat an alle eure Omas verkaufen. Aber vielleicht, vor allem, wenn der E-Book-Markt weiter so schnell wächst, wie bisher, werdet ihr im Laufe der Zeit das ein oder andere Buch hinterher schieben können. Dafür solltet Ihr natürlich ein geeignetes Thema haben und nicht z. B. über die Milchpreise am 12. August 2013 schreiben. Dann aber bietet das elektronische Buch einen großen Vorteil gegenüber dem papiernen: es ist viel leichter patchable: Ihr könnt immer wieder Updates und Erweiterungen, Sondereditionen und Auszüge veröffentlichen, ohne dass es so viel Aufwand bereitet, wie ein Gang in die Druckerei.

Konkrete Fragen

Zum Schluss will ich noch ein paar Detailfragen meines Fragenstellers beantworten:

„Ein paar regelmäßige Euros nebenbei wären kein Fehler nicht.“

Mit „regelmäßigen“ Euros können Sie eher nicht rechnen, wie Sie meinen Ausführungen entnehmen können.

„Als Preis habe ich mir knapp 10.- € vorgestellt, billiger nicht. Mehr auch nicht unbedingt, die Leute sollen es ja schließlich kaufen.
Und bei einem knappen 10er könnte ich mir einige Spontankäufe vorstellen.“

Das halte ich für zu teuer. Hier habe ich mal aufgezeigt, dass der Durchschnittspreis bei 5,99 liegt. Das kann sich geändert haben und unterliegt natürlich auch Schwankungen, aber 10 Euro sind dann halt doch mal mehr als 1/3. über dem Durchschnittspreis. Mit Spontankäufen ist wohl eher zu rechnen, wenn der Preis unter den 5,99 liegt…

„Mein Problem besteht eigentlich darin, daß ich den eBooks nicht so recht traue.
Wer mag schon ein Buch auf so einem Ding lesen? Lesen die Leute nicht nach wie vor lieber ein richtiges Buch?“

Das ist kompliziert. Klar sprechen die oben erwähnten 2,6% eine eindeutige Sprache. Aber meines Erachtens liegt das nicht am Medium oder den Readern (man kann ein E-Book schließlich genauso auf Smartphones, Tablets und zur Not auch Laptops oder Desktoprechnern lesen). Und wenn man sich die Leserzahlen von SpOn und Co. anschaut, ist das Lesen am Display schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Ich habe in den vergangenen Wochen viel mit potentiellen Lesern gesprochen, die mein Buch lesen wollten, aber es dann doch nicht taten. Das Argument: „Ich will es auf Papier haben“ habe ich nur ein einziges Mal gehört. Das viel eklatantere Problem, das ich unzählige Male gehört habe, war, dass die Vertriebswege noch viel zu kompliziert sind. vom spontanen 1-Click-Buy sind wir noch weit entfernt. Selbst bei Apple, wo der Weg noch am bequemsten ist, waren manche Menschen schon damit überfordert, dass das Buch nicht im Appstore war, sondern dass sie erst die iBooks-App downloaden sollten, um „Blackbox Urheberrecht“ dann als In-App-Buy zu kaufen. Aber, wenn es dann in Richtung Amazon und Google geht, ist das alles wirklich noch immer eine DRM-Hölle, wo viele (technisch nicht so versierten) Leser sagten, dass sie es versucht haben, zu kaufen, aber es ihnen nicht gelungen ist.

Daher wird mit meiner Blackbox neben dem Printbuch  demnächst auch ein weiterer (elektronischer) Weg eingeschlagen, der wesentlich kundenfreundlicher ist…

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Für euch gelesen: die Google Play AGB

Also eigentlich: Die AGB zum Google Buch Partner-Programm und die Google E-Books Ergänzungsvereinbarung, aber, da man die Überschrift eines Textes immer zuerst liest, habe ich das mal etwas griffiger formuliert.

Bild der AGB von Google Play

Vorneweg wieder der Hinweis: natürlich übernehme ich keine Gewähr. Google wird die Vereinbarungen beliebig im Laufe der Zeit ändern, außerdem habe ich nicht Jura studiert, mich nur schon ein paar Mal mit E-Book-Vertriebsverträgen beschäftigt (etwa hier) und das ganze ist natürlich nicht vollständig. Wollt ihr Rechtssicherheit, dann meldet euch bei Google Books an und lest selbst nach. Jetzt aber los!

Um bei Google Play E-Books zu verkaufen, muss man zunächst den AGB für das „Google Buch Partner-Programm“ zustimmen. Dieses Programm beschäftigt sich weitgehend mit dem – so komisch das klingt – klassischen Google Books. Das heißt, mit der damals hochumstrittenen Aktion von Google, Bücher einzuscannen und so für die Suchmaschine indizierbar zu machen. Entsprechend haben die ganzen AGB ziemlich wenig mit unserem Anliegen zu tun, weswegen ich sie hier lakonisch zusammenfasse mit:

Der Verlag muss Google seine Bücher schicken, Google scannt die ein, präsentiert sie dann auf Google Books und beteiligt den Verlag an den Werbeeinnahmen. Google schickt die eingescannten Bücher nicht zurück und darf im Übrigen so ziemlich alles damit machen, garantiert aber für nichts und der Verlag bekommt Kohle nach Googles Gutdünken dafür.

Damit kommen wir zur Ergänzungsvereinbarung für E-Books und bleiben bei den Zahlungen. Denn eines fiel mir als erstes auf. Google schweigt sich darüber weitgehend aus. Die einzige Zahl, die ich finden konnte ist folgende: Wenn Google Bücher über Drittanbieter verkauft, erhält der Verlag einen Anteil von 45% des Nettopreises. Auch im Netz, mit Hilfe einer gewissen Suchmaschine, findet man nur sehr mühsam Informationen. Ich hatte schließlich bei buchreport Glück, der behauptet mehr zu wissen, nämlich dass Verlage beim Direktverkauf über Google Play 52% des Nettopreises bekommen. Wenn man allerdings sieht, was buchreport zu Amazons Tantiemen schreibt, ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen, denn was da über Amazon steht, ist schlichtweg falsch. Ich berichtete über die wahren Zahlen.

Gehen wir davon aus, dass die Zahlen stimmen, dann sind das extrem schlechte Zahlen. Schlechter als die Bedingungen, die die Großhändler im Printbereich gewähren, die liegen nämlich üblicherweise bei 50-60% des Bruttopreises für den Verlag. Ich werde mich mit der Preisgestaltung für E-Books noch eingehender beschäftigen, aber außer mit Marktmacht (die Google jedoch noch gar nicht hat) lassen sich die Zahlen der Kalifornier nicht begründen, denn schließlich fallen die Kosten für Lager und Transport, die die Printbuchhändler zu stemmen haben, weg. Klar muss Google Server betreiben und eine Shopinfrastruktur liefern, aber beides machen sie einerseits sowieso und bekommt andererseits die Konkurrenz von Amazon und Apple, die den Markt wirklich beherrscht, günstiger hin. Der einzige Vorteil Googles gegenüber Apple und Amazon ist die Bereitstellung dieser „elektronischen ISBN“, von der ich immer noch nicht genau weiß, was sie eigentlich sein soll. (Aber noch immer am recherchieren bin).

Nun gut, kommen wir zum Rest der Ergänzungsvereinbarung. Die ist zwar wesentlich knorriger geschrieben als die von Amazon, welche sich dagegen las wie ein leichter, grau schattierter Roman, enthält aber letztlich nur wenige Überraschungen, soweit sie mir auffielen.

Die Stolperfallen der Google Play AGB

  • Google behält sich das Recht vor, die E-Books zu verändern.
  • Google wird die E-Books auch an lizenzierte Händler weiterverkaufen.
  • Wenn ihr euren Vertrag mit Google kündigt, dürfen die Kunden die E-Books natürlich behalten.
  • Google darf bis zu 20% der Bücher umsonst präsentieren.
  • Ihr könnt zwar angeben für welche Regionen der Welt ihr die Rechte an den E-Books haltet, Google übernimmt aber keine Gewähr, dass die Bücher nicht sonst wo verkauft werden können. Können sie nämlich nicht, wie ihr feststellen werdet, wenn ihr mal „VPN-Tunnel“ googelt.
  • Google und seine Freunde dürfen nach eigenem Ermessen den Verkauf eurer E-Books wieder einstellen.
  • Google darf im Rahmen von Marketingmaßnahmen Marken nutzen, auf die ihr die Rechte haltet, etwa euer Logo.
  • Der Verlag ist für die Einhaltung der Buchpreisbindung verantwortlich. Sind die Bücher nicht preisgebunden, kommt ein langer Rattenschwanz an Bestimmungen, wie Google den Preis gestalten darf, der uns aber nicht interessiert, wie ich ja schon erläutert habe.
  • Interessant ist dabei lediglich, dass Google einen Paketpreis für die Kombination Print und E-Book ermöglicht, „sofern der mit der Buchpreisbindung vereinbar ist“. Da das eine spannende Marketingmaßnahme wäre, werde ich da noch einmal beim Börsenverein nachhaken.
  • Google wird eure Tantiemen spätestens 60 Tage nach Abrechnungsmonatsende überweisen, sofern der Betrag höher als 100$ liegt, anderenfalls darf Google warten, bis der Hunderter erreicht ist. Solltet ihr oder Google den Vertrag kündigen, wird Google den Restbetrag innerhalb von 90 Tagen auszahlen, es sei denn, er liegt unter 1$.
  • Google muss euch natürlich keine Tantiemen zahlen, wenn die Käufer die E-Books zurückgegeben haben, in Deutschland zum Beispiel darf man ja über das Internet gekaufte Waren innerhalb von 14 Tagen zurückgeben. Google zahlt auch nichts aus, wenn das E-Book „betrügerisch“ von einem Kunden erworben wurde, etwa mit einer geklauten Kreditkarte.
  • Ihr dürft Google E-Books nicht missbrauchen, etwa als Spamschleudern, Viren-, Trojaner- oder allgemein Mallware-Lieferanten.
  • Google behält sich das Recht vor, Den Preis des E-Books an den Käufer „nach eigenem Ermessen“ zurückzuerstatten.
  • „Mit Google verbundene Unternehmen“ dürfen Kreditauskünfte über euch einholen.
  • Sowohl ihr als auch Google dürfen den Vertrag mit einer Frist von 30 Tagen kündigen. Es gibt ferner noch diverse Möglichkeiten der außerordentlichen Kündigung.
  • Ihr könnt Google schriftlich auffordern eines oder mehrere Bücher aus dem Verkauf zurückzuziehen.
  • Auch nach Kündigung des Vertrages dürfen die Endnutzer bereits gekaufte Bücher behalten.
  • Ihr habt zu gewährleisten, dass alle Infos, die ihr Google übermittelt, korrekt und aktuell sind, ihr über alle Rechte und Genehmigungen an euren E-Books verfügt, ihr nicht gegen geltendes Recht verstößt, ihr keine Malware in eure E-Books gepackt habt und eure Bücher von zufrieden stellender Qualität sind.
  • Ferner – und das ist vielleicht der problematischste Punkt – gewährleistet ihr, dass die Autoren eurer E-Books auf ihre „Urheberpersönlichkeitsrechte“ verzichten, respektive diese nicht gegen Google durchsetzen. Ich habe das mal gegoogelt 🙂 und zu den Urheberpersönlichkeitsrechten gehören: das Veröffentlichungsrecht, also dass der Urheber bestimmen darf, was veröffentlicht wird. Gut, das ist nicht problematisch, aber es geht weiter: Das Benennungsrecht. Der Urheber darf dem Werk den Namen geben. Das heißt mit anderen Worten: Google darf eure Bücher umbenennen. Schließlich gehört zu den Urheberpersönlichkeitsrechten auch das Beeinträchtigungsverbot: dass der Urheber bestimmen darf, welche Änderungen am Werk vorgenommen werden dürfen. Womit wir wieder bei dem Punkt von oben wären, dass Google die E-Books quasi umschreiben darf. Ich frage mich, in wie weit dieser Verzicht im Namen Dritter nach deutschem Recht überhaupt zulässig ist, glaube allerdings nicht, dass er letztlich weitgehend angewendet wird. Zumindest in Bezug auf das Beeinträchtigungsverbot habe ich beim Kauf von E-Books im Play-Store gesehen, was Google damit meint: sie packen nämlich Screenshots des Seitenlayouts im „Standardzoom“ in die Datei. Aufgrund des flexiblen Textflusses in der ePUB-Datei kann ein aufwändiges Layout auf einem kleinen Handydisplay schon einmal zerschossen werden. Dann sieht man mit dem Screenshot zumindest, wie sich das der Setzer eigentlich gedacht hatte. Allerdings weiß ich natürlich nicht, ob dies die einzige Veränderung ist, die Google jemals an E-Books vornehmen wird.
  • Ihr stellt Google von sämtlicher Haftung frei.
  • Schön finde ich: keine Partei ist berechtigt, Rechten oder Verpflichtungen ohne vorherige schriftliche Zustimmung des anderen an Dritte abzutreten. Ausgenommen sind „mit Google verbundene Unternehmen“. Mit anderen Worten: Google darf das, ihr nicht.
  • Gleiches gilt für das Entstehen von Rechten oder Vorteilen.
  • Die Egänzungsvereinbarung unterliegt deutschem Recht.
  • Wenn es Stress zwischen euch und Google gibt, soll zunächst eine Mediation einberufen werden.

Das war es.

Solltet ihr noch Fragen haben, empfehle ich die Lektüre des entsprechenden Hilfethemas bei Google selbst: Support zum Google Books Partnerprogramm

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Tantiemen bei Amazon – kindle direkt publishing

Der vielleicht wichtigsten Frage im E-Book-Vertrieb habe ich mich noch gar nicht gewidmet: Was verdient man denn da eigentlich? Anfangen will ich mit dem Marktführer, quasi dem Drive-In des Indiepublishings: Amazon.

Ein wenig Kleingeld

Bei Amazon verdient man wohl eher Kleingeld

Zunächst einmal gibt es bei Amazon zwei verschiedene Tantiemen-Modelle. Zum einen die Rundum-sorglos-aber-nur-35%-Option und zum anderen die Wir-nennen-es-70%-das-kommt-bei-der-Presse-gut-an-Option.

Man muss also erst einmal wählen, ob man 35% Tantiemen möchte oder doch lieber 70%. Und dass Qualitätsjournalismus und Netzgemeinde nicht schon ob dieser mysteriösen Wahl ins Grübeln gerieten, sondern Amazon im Kim-Jong-Il-Style für seine autorenfreundliche Preispolitik feierten, spricht für sich selbst.

Also steigen wir noch einmal hinab in die Tiefen der AGB des Kindle Direktvertriebs und schauen uns an, vor welche Wahl uns da die Sphinx tatsächlich gestellt hat:

Zunächst die 35%.

Die gelten weltweit mit der Formel:

35% x Listenpreis = Tantiemen

Es sei denn, sie muss an Wettbewerbspreise angepasst werden, also euer Buch wird woanders günstiger verkauft. Ferner dürft ihr euren Preis frei bestimmen solange er zwischen 0,86 € und 173,91 € liegt – das dürfte machbar sein. „Listenpreis“ ist übrigens ganz wörtlich zu nehmen, in eurem kdp-Konto könnt ihr die Preise eingeben. „Hurra, hurra, alles ist einfach, alles ist wunderbar.“

Anders hingegen bei der so genannten 70%-Option.

Dieser liegt nämlich folgende Formel zugrunde:

70% x (Listenpreis – Versandkosten) = Tantiemen

Versandkosten? Bei E-Books? Werden die am Ende auf CD gebrannt und mit – gnade uns Gott – Hermes verschickt? Ganz so schlimm ist es zwar nicht aber nicht minder absurd. Amazon verlangt nämlich für die Auslieferung eurer E-Books 0,12 € pro angefangenem Megabyte. Ja, das ist korrekt! Ein Roman mit 200.000 Zeichen ohne nennenswerte Bilder dürfte im Mobipocketformat ca 3-5 MB groß sein. das heißt, ihr kommt ganz gut weg. Anders hingegen sieht es aus, wenn ihr ein „enhanced E-Book“ anbietet. Also eines, das mit multimedialen Inhalten angereichert wurde, dann habt ihr nämlich ganz schnell einige hundert Megabyte oder sogar ein paar Gigabyte zusammen. Rechnen wir das mal kurz durch. Wollt ihr die 70%-Option spielen, muss euer Listenpreis zwischen 2,60 € und 9,70 € liegen. Wir nehmen 9,70. Unser Buch ist 1 GB groß, also 1000 MB. Eure Tantiemen belaufen sich folglich auf:

70% x (9,70 - 1000 x 0,12) = -77,21 €

Mit anderen Worten: ihr dürft Amazon für jedes ausgelieferte E-Book 77,21 € zahlen. Wer da nicht die 35%-Option wählt, ist selbst schuld. Zum Glück dürft ihr die Tantiemen für jedes Buch individuell festlegen, könnt das also vorher immer durchrechnen.

Amazon begründet die Liefergebühren übrigens mit ihrem „Wispernet“ also der Möglichkeit, E-Books mit dem Kindle jederzeit via Handynetz zu beziehen. Allerdings war das ein Vertriebsweg, der für den klassischen Kindle galt. Mittlerweile haben sie zum einen – habe ich gehört – das weltweite Wispernet gekappt, also kannst du nicht länger mit deinem deutschen Kindle auch in Neuseeland Bücher runterladen, zum anderen verfügt zumindest der Kindle Fire auch über W-LAN und obendrein gibt es die Kindle App für so ziemlich jedes Betriebssystem. Mit anderen Worten: es wird nur ein Teil der E-Books via Wispernet ausgeliefert, aber das stört Amazon nicht.

Mit der 70%-Option gehen übrigens noch weitere Beschränkungen einher:

  • Sie findet zunächst nur Anwendung in Andorra, Österreich, Belgien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Monaco, San Marino, der Schweiz, Spanien, dem Vereinigten Königreich, den USA und im Vatikan. Ferner unter bestimmten Bedingungen in Indien. Im Rest der Welt gilt wieder automatisch die 35%-Option. Sollte Amazon zudem gezwungen sein, den Listenpreis an Mitbewerber anzupassen, nehmen sie plötzlich auch noch die Steuern mit in die Gleichung hinein.
  • Der Listenpreis muss mindestens 20% niedriger sein als der eines inhaltsgleichen gedruckten Buches.
  • Die Inhalte dürfen nicht gemeinfrei sein. Ihr könnt also nicht eine Neuedition Shakespeares zu 70% verkaufen. Allerdings wird es wohl auch mit Bloginhalten unter CC-Lizenz problematisch. Fraglich ist nur, inwieweit Amazon das überprüft.
  • Ferner müsst ihr das E-Book selbst layouten sowie mit einem Cover versehen und könnt nicht einfach den Text hochladen und Amazon die Arbeit machen lassen, was bei 35% auch möglich ist.
  • Aber der schönste Punkt ist: solltet ihr irgendeine Richtlinie der 70%-Option verletzen, reduziert Amazon die Tantiemen automatisch wieder auf 35%. Dies gilt auch nachträglich für bereits ausgezahlte Tantiemen! Zugleich behält Amazon sich aber vor, die Regeln für die 70%-Option jederzeit zu ändern!

Ich muss schon sagen, Leute, ihr habt Recht: Amazon ist fantastisch für Selbstverlage!

Allerdings glaube ich nicht, dass Amazon zumindest die MB-Grenze langfristig aufrechterhalten kann. Dagegen sprechen folgende Gründe:
Apple drängt massiv auf den Markt mit enhanced E-Books. iBooks Author macht es kinderleicht, Videos und Animationen in ein E-Book einzubinden. Apple selbst empfiehlt dabei, dass E-Books nicht größer als 2 Gigabyte sein sollten. Um der Konkurrenz zu begegnen hat Amazon sein Tablet Kindle Fire auf den Markt gebracht und ins neueste Format kf8 viele Optionen für multimediale Anreicherung mit aufgenommen. Der Kindle Fire wird quersubventioniert. Amazon macht pro Verkauf Verluste und hofft die wieder einzufahren, indem die Kunden dann im großen Stil (unter anderem) E-Books bei Amazon kaufen. Aber wie soll das funktionieren, wenn alles multimediale sich im Verkauf nicht wirklich lohnt und das Internet mit YouTube und Co. nur einen Klick entfernt ist?

Es bleibt zumindest spannend. Morgen zeige ich euch, wie es bei Google Play so mit dem Geldverdienen aussieht (Auch nicht sonderlich rosig).

Quelle: Amazon – kdp Preisseite

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ISBN

… steht für Internationale Standardbuchnummer und ohne sie ging nichts im institutionalisierten Buchhandel mit physischen Büchern. Klar konnte man und kann man noch immer ein Buch herausgeben, ohne dass man dafür unbedingt eine ISBN braucht, doch außer es eigenhändig in der Fußgängerzone zu verticken, bleiben nicht mehr viele Vertriebswege übrig. Denn die gesamte Warenwirtschaft des Buchhandels ist auf die ISBN eingeschworen. Sie ist der Personalausweis eines jeden Buches.

Die ISBN von Georg Büchner: Dantons Tod. Reclam. Ditzingen 2002.

Die ISBN von Georg Büchner: Dantons Tod. Reclam. Ditzingen 2002.

Prinzipiell hat jedes Buch, jede Edition des gleichen Textes eine eigene ISBN. So müssen etwa Hardcover und Taschenbuch jeweils eine eigene ISBN zugeteilt sein. Genauso verhält es sich bei überarbeiteten oder erweiterten Neuauflagen eines Buches. Lediglich unveränderte Nachdrucke brauchen keine neue ISBN.

Mit dem E-Book hat sich hier schon wieder etwas geändert. Zwar braucht das E-Book, wenn es mit einer ISBN ausgestattet sein soll, eine eigene ISBN. Es darf also nicht die gleiche ISBN tragen wie ein inhaltsgleiches Printexemplar. Allerdings braucht das E-Book nicht mehr unbedingt eine ISBN.

So verzichtet Amazon gänzlich auf die ISBN und ersetzt sie durch das hausinterne System ASIN und Google bietet zu jedem E-Book gleich eine „Internet ISBN“ an, womit es wohl eine ISBN-A meint. Lediglich der dritte Händler – Apple – besteht bei E-Books weiterhin auf ISBNs.

Die ISBN-A ist laut den Informationen des MVB (Marketing und Verlagsservice des Buchhandels) so etwas wie die Internet-Visistenkarte des Buches. Mit ihr bekommt man eine Webseite, auf der man sein Buch präsentieren kann und sie ist (such)maschinenlesbar. Was genau Letzteres im Unterschied zur klassischen ISBN bedeuten soll, bleibt das Geheimnis des MVB. Jedenfalls habe ich gerade mal eine Stichprobe gemacht und Google liefert mir bei Eingabe einer alten ISBN zuverlässige Ergebnisse.

Interessant wäre die ISBN-A allenfalls, wenn sie die klassische ISBN ablösen würde, man somit einfach die Webseite noch obendrauf bekommt. Aber, ob ISBN und ISBN-A in einem Ersetzungs- oder Ergänzungsverhältnis zueinander stehen, geht aus den Informationen des MVB nicht hervor. Ich habe das per E-Mail angefragt, aber bislang keine Antwort bekommen. Für meine Zwecke ist die ISBN-A bislang sowieso nicht geeignet, denn das Angebot richtet sich an gewerbliche Verlage, während ich im Selbstverlag mit der klassischen ISBN vorlieb nehmen muss, darf und will.

Wie beantrage ich eine ISBN?

Dafür gibt es im Hause des MVB die Agentur für Buchmarktstandards, die in Deutschland das Monopol auf die Vergabe von ISBNs hält.

  • Unter www.german-isbn.de kommt ihr auf eine Webseite, die zeitgleich eine Zeitmaschine in die 90er zu sein scheint in ihrer zeitlosen Eleganz (Ob ich jetzt noch eine E-Mail-Antwort des MVB erhalte?).
  • Hier gibt es links einen Kasten mit dem Titel „ISBN“, den ihr anklickt.
  • Woraufhin ihr vor die Entscheidung gestellt werdet, ob ihr ein Verlag mit fortlaufender Produktion seid oder ein Selbstverlag mit „absehbar einmaliger Verlagsproduktion“. Ich habe mich für letzteres entschieden, da ich ja erst einmal ein E-Book herausgeben möchte, um dann weiterzusehen.
  • Wenn ihr vielleicht noch ein paar E-Books mehr herausgeben wollt, müsst ihr nicht in fingernägelabkauende Panik verfallen, denn mit der „absehbar einmaligen Produktion“ ist das nicht soooo ernst, wie das Bestellformular zeigt, zu dem wir gleich kommen. Dort wird nämlich gefragt, ob ihr schon einmal eine ISBN hattet, ohne dass darauf verwiesen wird, dass dies problematisch sei. Wenn ihr aber vorhabt ins Big Business einzusteigen, dann solltet ihr die Option für Verlage wählen. Denn einerseits bekommt ihr dann die ISBNs günstiger und andererseits wird auch eine eigene Verlagskennung in die Zahlenfolge der ISBN eingearbeitet.

    „Warum dann nicht gleich die Verlagsoption wählen?“, könnte man jetzt natürlich fragen. Nun, ganz einfach, weil damit fortlaufende Kosten verbunden sind. Als Voraussetzung bedarf es erst einmal eines Handelsregistereintrages, für den eine jährliche Gebühr fällig ist, ferner muss auch die Verlagskennung innerhalb eurer ISBNs mit einer jährlichen Gebühr abgegolten werden. Da ich mit meinem Projekt erst einmal ins Blaue marschiere, bin ich noch nicht bereit, diese Investitionen zu stemmen.

    Stattdessen habe ich mich für die Einzel-ISBN entschieden. Womit wir nun bei deren Kosten sind. Eine einzelne ISBN für Selbstverlage kostet 85 Euro. Diese setzen sich folgendermaßen zusammen:

    70 Euro Bearbeitungsgebühr
    1,43 Euro Versandkosten
    13,57 Euro Mehrwertsteuer

    Über die 1,43 Euro Versandkosten für eine Nummer möchte ich den Mantel des Schweigens breiten. Nein, doch nicht: ihr bezahlt damit, dass ihr vom MVB noch schöne Werbeprospekte mitgesandt bekommt.
    Was hingegen die 70 Euro Bearbeitungsgebühr betrifft, so spricht daraus, was ich vorhin nur so am Rande fallen ließ: Monopol. In meinem letzten Job hatte ich das Glück, auch ein wenig in der Datenbankverwaltung zu arbeiten. Wenn die Datenbank der Agentur für Buchmarktstandards jetzt nicht kompletter Murks ist, dürfte die Bearbeitung des Vorgangs in etwa so aussehen:
    Ich frage in meiner Datenbank die offenen ISBNs für Selbstverlage ab, wähle eine davon aus (mutmaßlich die erste), trage sie im kompliziertesten Fall von Hand in ein Formular, das diese ISBN fortan mit dem Namen eines bestimmten Selbstverlages verbindet und aus der Datenbank für offene ISBNs löscht (geschätzte Arbeitszeit: 5 Minuten), anschließend trage ich sie gemeinsam mit den Kontaktdaten und der Anrede in einen vorliegenden Standardbrief an den Selbstverlag ein, drucke den aus, lege ein paar Werbeflyer bei, stecke alles in einen Umschlag, lecke die Gummierung an, klebe zu, adressiere und frankiere, gebe den Brief auf. Voilà: 70 Euro (Jetzt erhalte ich sicher keine E-Mail-Antwort des MVB mehr).

    Da ist es wirklich ein Segen, dass die beiden Internetriesen Amazon und Google dieses Monopol aufbrechen. Und es ist zugleich wieder traurig, dass erst zwei marktbeherrschende Kräfte aus Kalifornien dafür auf den deutschen Markt dringen müssen und alle Welt in Wehklagen um die kleinen Verlage ausbricht.

    Na ja, wie dem auch sei. Ich will eben auch mit Apple Geschäfte machen und die passen sich den bestehenden Strukturen an und verlangen eine ISBN. Daher klicke ich mich zu diesem PDF durch, das leider nicht interaktiv ist, sondern ausgedruckt und von Hand ausgefüllt werden muss. Ich trage dort alle Daten (auch meinen supergeheimen Buchtitel, den ich jetzt schon kenne) ein, wähle die Option Vorabüberweisung, überweise das Geld, gebe den Brief auf und warte, ob und wann mir dann die ISBN ins Haus flattert.

    Fertig.

    Eigentlich dachte ich, ich hätte jetzt alles für Apple zusammen, habe mich da aber geirrt. Denn man braucht, um mit Apple Geschäfte machen zu können, eine Kreditkartennummer (warum auch immer), die ist bei meiner Bank bestellt (darüber werde ich nicht schreiben, das schafft ihr schon) und ich warte so lange. Deshalb gibt es hier demnächst mal wieder den Erklärbären.

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    Eingeordnet unter Voraussetzungen

    Google Play

    Nach einer kleinen Pause, die ich nebenan (hier, hier und hier) überbrückt habe, geht es mit unserer kleinen Anleitung weiter. Wir haben noch weitere Anmeldungen in E-Book-Stores zu tätigen und ich verspreche euch: es wird jetzt nicht mehr so einfach, wie bei Amazon.

    Ein Screenshot der Anmeldemaske des Google Books Partnerprogramm

    Screenshot: Google Books Partnerprogramm

    Seit Ende April ist Google mit seinem Play-Store als dritter Global-Player in den E-Book-Direktvertrieb eingestiegen. Allerdings ist das „Partnerprogramm“ noch in der Betaphase, was man ihm mit Verlaub anmerkt.
    Um seine E-Books via Google Play zu verkaufen, muss man sich zunächst bei Google Books anmelden, und zwar hier:

    books.google.com/partner

    Was braucht ihr?

  • Eine Amerikanische Steuernummer
  • Ein Girokonto
  • Etwas Chuzpe


  • Nach der Anmeldung müsst ihr im angezeigten Formular folgende Angaben machen:

  • Ihr müsst zunächst versichern, dass ihr die Urheberrechte für eure E-Books innehabt oder vertretet.
  • Dann müsst ihr angeben, ob ihr Autor, Verleger oder etwas anderes (frei wählbar) seid. Da ich vorhabe für mein supergeheimes Thema andere schreiben zu lassen, habe ich forsch Verleger gewählt.
  • Anschließend müsst ihr angeben, wie viele E-Books ihr jetzt und wie viele voraussichtlich jährlich anliefern werdet. Ich habe jeweils so tief wie irgend möglich gestapelt (weniger als fünf).
  • Seid ihr eine Privatperson oder ein Unternehmen? Merkt euch den Punkt, denn wir gelangen nachher nach Absurdistan, wo er uns noch beschäftigen wird. Ich bin eine Privatperson.
  • Euer Heimatland muss angegeben werden.
  • Es folgen Kontaktdaten.
  • Welcher Verlagsname in Google Play angezeigt werden soll, hier kann also wieder „Die Undertaker24.COM/YEAH!“ rein.
  • Eure URL, so ihr eine habt.
  • Und schließlich noch wie viele nervige Newsletter ihr haben wollt.


  • Fertig! Nein, war nur ein Witz. Jetzt wird’s erst richtig lustig.

  • Falls Ihr schon ein Google-Konto habt, könnt ihr es jetzt verknüpfen. Ich habe aber ein neues angelegt.
  • Ihr stimmt als nächstes den Nutzungsbedingungen, der Datenschutzerklärung und den AGB des „Google Buch Partner-Programm“ zu. Ich werde die bei Zeiten wieder lesen und euch darlegen.
  • Auf der nächsten Seite klickt ihr oben auf den wunderschönen mintgrünen Reiter „Google eBooks“ und müsst jetzt noch der „GOOGLE EBOOKS ERGÄNZUNGSVEREINBARUNG“ zustimmen.
  • Es erscheint eine Liste mit Ländern, in denen ihr eure E-Books vertreiben könnt. Auf mich macht es den Eindruck, als wäre „weltweite Einstellungen“ bereits aktiviert, allerdings habe ich dennoch auch noch einmal Deutschland als Vertriebsgebiet aktiviert.
  • Ich wurde gefragt, ob ich DRM möchte, also Kopierschutz, und habe mich dagegen entschieden (warum, werde ich hier noch später mal ausführlich erklären).
  • Anschließend musste ich unter „Steuern“ noch angeben, ob meine E-Books buchpreisgebunden sind. Dass sie das sind, respektive inwieweit, habe ich ja neulich hier erklärt, weswegen ich es auch entsprechend angeklickt habe.


  • So weit, so gut. Jetzt wollen wir aber dem Mogul unsere E-Books nicht einfach so überlassen, sondern auch Tantiemen dafür einstreichen. Entsprechend müssen wir noch tiefer in den Kaninchenbau und unsere Bankverbindung sowie Steuerinformationen hinterlassen.

  • Dafür klickt ihr oben auf den wirklich ausgesprochen mintgrünen Reiter (schade, dass der Google-Webdesigner mit Geschmack gerade Urlaub hatte und das Ding schnell fertig werden musste) „Mein Konto“ und anschließend auf der moosgrünen Leiste darunter auf „Zahlungseinstellungen für E-Books“
  • Hier wollen wir ein „neues Zahlungskonto erstellen“.
  • Und an dieser Stelle hat Google plötzlich vergessen, dass wir ihm eben noch mitgeteilt haben, dass wir eine Privatperson sind. Denn die gute Firma Google verlangt einen Unternehmensnamen und macht erst weiter, wenn ihr einen angegeben habt. (Sollte ich irgendetwas übersehen haben und es doch irgendwo eine andere Kontenangabe für Privatpersonen geben, dann sagt es mir! Bitte, bitte!) Ich jedenfalls habe fleißig noch einmal alle meine Daten und einen Firmennamen angegeben. Anschließend habe ich auf „Daten bearbeiten“ geklickt und den Firmennamen wieder gelöscht. Das ging. Das ist nicht korrekt, das ist mir auch klar, aber solange Google in der Besser-geht-noch-Betaphase seinen Fehler nicht erkannt hat, erschien mir das die einzig gängige Methode. (Ich habe die Hilfethemen durchgewühlt und nichts Hilfreiches gefunden und eine Support-E-Mail wird natürlich nicht angeboten).
  • Wir erhalten so auf alle Fälle eine Abrechnungs-ID, die ich mir auch fleißig notiert habe, auch wenn ich (noch) nicht weiß, wofür. Abrechnungen halt.
  • Anschließend wählen wir unter „Zahlungseinstellungen“ ein „Zahlungsmittel hinzufügen“. Der ganze nun folgende Vorgang ist entweder mit Googles eigener Übersetzungsroutine schlecht aus dem Englischen übertragen worden, oder von irgendeiner anderen Seite abgeschrieben, wo es eher darum geht, dass die Kunden irgendetwas bezahlen sollen, als dass Google auszahlt. Dennoch behandelt die Seite letzteres, das kann ich euch versichern. Ihr gebt also eure Bankverbindung an mit eurem Namen, eurer IBAN und eurer BIC an (alles drei findet ihr auf eurer EC-Karte). Und wieder weise ich darauf hin: eure Kontonummer ist bereits in die IBAN integriert und muss nicht extra angegeben werden.
  • Ist das erledigt, müsst ihr noch euer Konto verifizieren. Die Methode ist von diversen Bezahldiensten im Internet bekannt: Google überweist einen Centbetrag auf euer Konto, den ihr dann haargenau in die Bestätigungsmaske eintragen müsst.
  • Zum Schluss müssen wir nun noch die Steuerinformationen „aktualisieren“. Das fette rote Banner ist nicht zu übersehen.


  • Hier nun setzt sich das Missverständnis fort, dass wir ja kein Unternehmen sind. Solltet ihr eines sein/haben habt ihr folglich kein Problem. Ich habe das folgendermaßen „gelöst“ respektive gewurschtelt:

  • Zunächst habe ich die Frage, ob ich US-Bürger o. ä. bin mit „Nein“ beantwortet.
  • Auf die Frage, welche Beschreibung am ehesten auf mich zutrifft, habe ich „Corporation“ beim Multiple Choice gewählt, da das Zweite eine steuerbefreite Entität war und das Dritte irgendetwas unverständliches, das mich (als ich es probeweise angeklickt habe) so tief ins Dungeon führte, dass ich schreiend wieder hoch lief.
  • Als nächstes kommt die Frage: „ 28. Is this product’s income effectively-connected with your business operations in the U.S.?” – Das habe ich auf der Webseite des IRS recherchiert und ja, Tantiemen sind “effectively connected”, weswegen ich es angekreuzt habe.
  • Als mein Land habe ich wieder Deutschland angegeben.
  • Um im Anschluss, als ich angegeben musste, welcher „Type of Entity“ ich bin, und der ersehnte „Sole proprietor“ nicht zur Verfügung stand, „Disregarded entity“ anzugeben, weil diese laut der Webseite des IRS wie ein „Sole proprietor“ behandelt wird.
  • Als nächstes wurde wieder meine Adresse abgefragt, die Google aber schon in das Formular übernommen hatte.
  • Schließlich dürfen wir unsere EIN angeben.
  • Als nächstes folgt die Frage, welche Art von Einkommen wir wohl erzielen werden. Ich gab „ebook royalties“ also Tantiemen aus E-Books an.
  • Abschließend kommt noch einmal eine Rechtsbelehrung, der ich nur zugestimmt habe, weil da drinstand, dass ich alles „nach besten Wissen und Gewissen“ eingegeben habe. Na gut, ich habe auch zugestimmt, weil ich E-Books über Google Play vertreiben möchte.
  • Und ganz zum Schluss muss man noch unterschreiben. Unterschreiben? Das ist doch Internet! Richtig. Man muss noch einmal seinen Namen eintippen. True Story.


  • Das ganze ist ein einziger Murks, das sehe ich ein. Aber ich habe mir folgendes gedacht: 1. Man kann die Steuerinfos in Zukunft bearbeiten, also hoffe ich einfach darauf, dass Google merkt, wie inkonsistent das alles ist und stattdessen auch Privatpersonen hier ihre Angaben machen dürfen/können. Es gibt nämlich sogar ein Hilfethema zu den Steuerangaben, in dem steht, dass Privatpersonen „Form 8233“ ausfüllen müssen. Dumm nur, dass die nicht angeboten wird. 2. Habe ich ja meine EIN angegeben und ich weiß, dass es für die eine Datenbank gibt (die Apple nämlich automatisiert abfragt. Ja, Google, so hätte man das auch lösen können!) und hoffe einfach, dass die amerikanische Steuerbehörde die Daten gegencheckt und entsprechend mich richtig einordnen kann (Ich weiß, ich weiß: utopisch). 3. Sollte mein E-Book ein so sensationeller Erfolg werden, dass Google für mich nennenswert Steuern abführen muss, werde ich mir halt einen Steuerberater, der sich mit amerikanischen Steuerrecht auskennt, anlachen und diesen noch einmal darüber schauen lassen.

    Bis dahin haben wir uns jetzt aber (mehr oder weniger) erfolgreich bei Google Play angemeldet und können unsere E-Books hier in Form von ePUBs oder PDFs hochladen. Google stellt sogar jeweils eine „Internet-ISBN“ zur Verfügung. Da ich aber nicht weiß, ob Apple die akzeptiert und ich auf jeden Fall auch bei iBooks vertreten sein möchte, werde ich hier dann beim nächsten Mal beschreiben, wie man sich als Privatperson eine ISBN besorgt.

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    Für euch gelesen: Die AGB von Amazon – kindle direct publishing

    Der kleine Grammatiknazi in mir kann sich folgenden Vorabkommentar nicht verkneifen: AGB steht für Allgemeine GeschäftsbedingungEN. Plural. Das heißt, dass man niemals nie, nicht, auf keinen Fall AGBs schreibt. Und jeder, der es doch tut, landet später einmal in der Grammatikhölle!
    Foto von den AGB des kindle direct publishing
    Doch zum Thema: Die häufigste Lüge im Internet ist laut Terms of Service – Didn’t Read „Ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen, verstanden und stimme ihnen zu“. Amerikanische Wissenschaftler™ haben herausgefunden, dass man im Jahr 201 Stunden (also 25 Arbeitstage) damit verbringen müsste, die AGB von all den Webdiensten zu lesen, die man den lieben langen Tag so benutzt. Das ist ja jetzt schlechterdings nicht praktikabel. Allerdings auch kein Grund in Gram zu versinken, denn in den AGB dürfen nach deutschem Recht „keine von der wesentlichen Erwartung abweichenden Regelungen getroffenen werden.“ Will sagen, ihr könnt eure Seele nicht verkaufen, selbst wenn Facebook, Google oder eben Amazon das reinschrieben.

    Nichtsdestotrotz habe ich mich mal hingesetzt und mir die AGB vom „kindle direct publisihing“-Programm von Amazon zu Gemüte geführt, um euch im Stile von Terms of Service – Didn’t Read einen Überblick über einige Punkte zu ermöglichen.

    Disclaimer!

    Ich bin kein Jurist und übernehme entsprechend keinerlei Gewähr, dass das, was ich da herausgelesen habe, stimmt und natürlich ist es nicht vollständig. Ich bin einfach nur ein sprachkompetenter Mensch, der in seinem letzten Job den einen oder anderen Vertrag rund um den E-Book-Vertrieb gelesen hat und fasse hier zusammen, was mir so aufgefallen ist. Ich kann schon allein deswegen nicht garantieren, dass das hier Geschriebene richtig ist, weil sich diese AGB im Laufe der Zeit ändern, ich aber diesen Artikel nicht aktualisieren werde. Wer Rechtssicherheit will, der kann die AGB hier nachlesen.

    Los geht’s:

    • Zunächst schreibt Amazon erst einmal, dass die AGB, die sie einem präsentieren, gar nicht gelten, sondern nur die englische Fassung und dass sie einfach aus Nettigkeit auch eine deutsche Version geliefert haben.
    • Klar ist, dass man am KDP nicht teilnehmen kann, wenn man den Bedingungen nicht zustimmt und das man für die Zustimmung gegebenenfalls bevollmächtigt sein muss, wenn man sie für jemand anderen tätigt (Etwa für einen Verlag).
    • Amazon darf die Bestimmungen jederzeit ändern.
    • Amazon darf dein Konto und damit den Vertrag jederzeit kündigen und muss dies nur 5 Tage vorher ankündigen. Ferner dürfen sie dein Konto auch ohne Benachrichtigung nach Lust und Laune sperren.
    • Selbst wenn der Vertrag gekündigt wurde, dürfen die Kunden die E-Books behalten. Logisch.
    • Du darfst nur ein Konto bei KDP führen und musst dafür deine richtigen Daten angeben. Warum letzteres sowieso notwendig ist, habe ich hier erklärt.
    • Amazon sendet keine Dateien zurück, auch wenn der Vertrag beendet wurde. Bei digitalen Gütern ist das ja auch unsinnig.
    • Du musst sicherstellen, dass deine E-Books frei von Malware sind.
    • Amazon darf das E-Book, den „Umschlag“, also die Coverdatei und die Metadaten mehr oder weniger nach eigenem Gusto verändern.
    • Du darfst keine Werbung innerhalb deines E-Books präsentieren.
    • Amazon darf dein E-Book jederzeit ablehnen oder aus dem Vertrieb zurückziehen. Letzteres kündigen sie wieder fünf Tage im Voraus an.
    • Amazon darf Teile des E-Books im Rahmen von Werbung kostenlos anbieten.
    • Kunden dürfen die E-Books verleihen. Wenn man sich für die 35%-Lizenzgebühr-Option entscheidet, kann man das Verleihen verbieten. (Über die Preise und Tantiemen werde ich hier demnächst noch ausführlich schreiben).
    • Wenn andere Händler, die dein E-Book auch führen, das Verleihen erlauben, dann darfst du diese Option nicht bei Amazon verbieten.
    • Wenn man sich nicht an die Inhaltsrichtlinien für E-Books von Amazon hält, verliert man seinen Anspruch auf Tantiemen.
    • Wenn dein Konto gekündigt wurde und du eröffnest einfach ein neues, ohne das Amazon dir das erlaubt hat, erhältst du keine Tantiemen von dem neuen Konto.
    • Du räumst Amazon ein nicht ausschließliches Vertriebsrecht für deine E-Books ein. Das heißt: du darfst deine E-Books auch woanders verkaufen. Ausnahme bildet das Programm KDP-Select. Bei dem räumst du Amazon für 90 Tage exklusive Rechte ein und bekommst dafür tolle Sachen. Da das für mich nicht in Frage kommt, habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt.
    • Amazon kann dir DRM (Digitales Rechte Management), also Kopierschutz, anbieten, muss das aber nicht. Außerdem übernimmt Amazon keine Gewähr, dass der Kopierschutz funktioniert.
    • Du behältst sämtliche Rechte an dem Buch (Urheberrecht etc.) räumst nur das nicht ausschließliche) Vertriebsrecht Amazon ein.
    • Wenn du dein Coverbild automatisiert von Amazon erstellen lässt (bist du schön blöd. Pardon.) dann bleiben sämtliche Rechte für dieses Bild bei Amazon.
    • Es gibt eine Geheimhaltungspflicht für den Vertrag. Die extrem lächerlich ist, da der Vertrag ja hier online steht.
    • Amazon übernimmt quasi überhaupt keine Gewährleistung, dass dein Buch verkauft wird und am Ende auch bei den Kunden landet.
    • Bei Vertragsstreitigkeiten darfst du nicht vor Gericht gehen, sondern musst ein Schiedsverfahren bei einer Organisation in den USA ankurbeln. Die Kontaktdaten stehen in den AGB.
    • Du darfst keine Sammelklagen gegen Amazon betreiben oder daran teilnehmen.
    • Abschließend kommen noch die Bestimmungen zu KDP Select, die hier – wie gesagt – nicht interessieren, die Preisliste, die ich noch gesondert behandeln werde und immer die letzten Änderungen an den AGB noch einmal zusammengefasst.

    So, jetzt wisst ihr, worauf ihr euch da einlasst. Viel Spaß. Mein nächster Artikel widmet sich der Anmeldung bei Google, die schon wesentlich vertrackter ist als das KDP.

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