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Ein Pamphlet gegen Verlagswesen und Buchhandel

7 Gründe, warum das Verlagswesen und der Buchhandel mit Hochgeschwindigkeit in die Krise schlittern

Das Bücherverlegen, so wie wir es jetzt kennen, ist eine sehr alte Kulturtechnik, die in Anschluss an den Buchdruck entstand. Der Büchervertrieb basiert größtenteils auf Notwendigkeiten die im Zuge der Entstehung liberaler Märkte im 18. und 19. Jahrhundert ergaben. Doch jetzt steht dieser Branche eine Umwälzung ins Haus, die sie noch immer nicht begriffen hat. Ein schmerzhafter Wandel, den die Musikbranche schon vor zehn Jahren zu spüren bekam und in dem sich auch die Filmindustrie gerade befindet. Und obwohl der relative Niedergang der Musikbranche – gemessen an den Verkaufszahlen der 90er Jahre – der Bücherwelt als mahnendes Beispiel vor Augen steht. Macht sie sich nicht daran, aus den Fehlern der anderen zu lernen, sondern rennt laut schreiend und mit aufgerissenen Augen dem Abgrund entgegen. Dabei könnten Verlage und Buchhandel es viel besser machen und am Ende als große Gewinner aus dem Spiel hervorgehen, wenn sie nur auf die Zeichen der Zeit erkennen würden.

Abgrund

Casares Abgrund. Urheber: Horst Goertz. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Ich möchte hier mal die sieben wichtigsten Fehler zusammenfassen, die ihr, liebes Verlagswesen und lieber Buchhandel fast unisono macht.

1. Formate

ePub2, ePub3, iBooks, Mobi und PDF. Das sind die gängigsten Formate, die derzeit auf dem Markt sind. Ich vereinfache hier stark, denn iBooks ist eigentlich nur eine Variante von ePub2 und ePub3 ist nicht wirklich auf dem Markt. Aber, worauf ich hinaus will: Das sind zu viele. Wenn ich mir ein Buch bei Apple kaufe, kann ich es auf dem Kindle nicht lesen. PDF ist sowieso komplett ungeeignet für E-Reader oder Tablets und der klägliche Rest eurer Bücher-Online-Shops außer Apple iBooks und Amazon verramscht fröhlich schlecht gecodetes ePub2, obwohl seit eineinhalb Jahren mit ePub3 der Nachfolger schon in den Startlöchern verstaubt.

Ja klar, kann man jetzt klagen, dass die großen Bosse im Handel – Amazon und Apple – sich eh nie auf ein Format einigen werden, aber man kann auch die Frage stellen, warum die beiden sich das erlauben können… Ganz einfach: Weil sie einfach keine ernstzunehmende Konkurrenz haben. Wenn 80% aller E-Books bei Amazon über den virtuellen Tresen gehen, dann wird Amazon bestimmt nicht auf ePub wechseln, klar. Hingegen sieht es bei Apple schon anders aus, da das Fallobst nur zehn bis fünfzehn Prozent Marktanteil hat, heißt es auch ePub2 willkommen.

Wenn ihr, liebe Verlage, euch einfach mal auf den freien, offenen Standard ePub3 einigen würdet, währet ihr in einer viel besseren Ausgangssituation. Wenn ihr begreifen würdet, welche Chance dieser gewaltige Quantensprung zwischen dem was in ePub2 und dem, was in ePub3 möglich ist, für euch bedeutet, wäre das die halbe Miete eurer Zukunftswohnung. Wenn ihr anfinget, gute Bücher zu layouten, die von Weltbild über Thalia bis zum kleinen Online-Shop um die Ecke überall in ePub3 zu bekommen sind, dann würden sich die Machtverhältnisse langsam wieder beginnen zurückzuschieben. Das geht nicht von heute auf morgen, nachdem ihr jahrelang geschlafen habt, aber das geht allmählich.

Allerdings gibt es ein Hindernis: Wenn ePub3 als von allen akzeptierter Standard der Jedi ist, dann ist DRM die dunkle Seite der Macht.

2. DRM

DRM ist eine Pest. DRM schützt nicht, denn jeder, der Google bedienen kann, kann auch E-Books von DRM befreien. Aber dennoch klammert ihr, liebe Verlage, euch an das digitale Rechtemanagement wie der Ertrinkende an die letzte Planke. Was ihr dabei aber überseht, ist, wie unglaublich unattraktiv euer Angebot dadurch wird. Und dass ihr dadurch die Leser in Scharen zu Amazon hintreibt. Denn, wie sieht die Realität derzeit aus? Wenn ich mein E-Book in einem deiner Shops kaufe, lieber Buchhandel, kann ich es nur auf einer kleinen Anzahl an Plattformen lesen. Ich kann in der Regel keinen Text kopieren, teilen, keine Bücher ausleihen, geschweige denn kopieren oder so etwas abwegiges wie verschenken. Aber, wenn ich sowieso nur die Wahl zwischen verschiedenen Käfigen habe, dann wähle ich doch den goldenen und den bietet mir Amazon.

„Aber wenn wir die E-Books ohne DRM verkaufen, dann verbreiten die bösen Leser mit ihrer Kostenloskultur die doch einfach im Netz!!!!!1!11einself“

So what? Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass DRM ja, wie gesagt, sowieso nicht hilft und ihr, liebe Verlage, nichts anderes tut, als die ehrlichen Leser zu bestrafen. Ja, abgesehen davon müssen eure Bücher nicht mehr mit 100qm Verkaufsfläche anderer Bücher konkurrieren, sondern mit dem ganzen großen World Wide Web. Und da kommen wir gleich zum nächsten Punkt:

3. Preise

Ihr könnt doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich 20 Euro für ein E-Book zahle, wenn das nächste Blog, die Wikipedia oder YouTube nur einen Klick entfernt sind. Ja, ja, ich weiß, E-Books werden auch nicht aus Luft und Liebe gemacht, aber erstens gibt es da schon einen ordentlichen Spielraum, der bislang noch allzu oft ungenutzt bleibt. Und zweitens habe ich mal irgendwann in der Schule gelernt, dass in diesem ekeligen Kapitalismus sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergibt. Das Angebot ist so groß da draußen, dass E-Books billiger werden müssen, sonst wird halt einfach die nächste kostenlose App aus dem Store gezogen, anstatt das neue Buch von Charlotte Roche gelesen. Und wo ich schon bei der Konkurrenzsituation bin, komme ich doch gleich zum nächsten Punkt:

4. Die Reader

Die Zukunft des Buches ist nicht der E-Reader sondern das Tablet. Warum? Wegen ePub3. ePub3 kann so ziemlich all das, was das Internet kann. Aber auf einem schwarz-weißen E-Ink-Display wird das nichts bringen. Klar wird das das Medium Buch verändern, aber anstatt jetzt mal wieder den Untergang des Abendlandes anzuprangern, wären mutige Konzepte, wie man Video, Audio, Interaktivität und Social Media sinnvoll in ein Buch integrieren kann, angebracht. Ich habe die und neben mir noch viele andere, die noch viel mehr können als ich. Und wenn ihr die nicht umsetzt, dann werden es andere tun, während ihr dann irgendwann den Insolvenzvertrag unterschreibt.

Dennoch können E-Reader sinnvoll sein und bleiben. Die lange Akkulaufzeit und der gute Kontrast sind schon ziemlich cool, aber wenn E-Reader überleben sollen, müssen sie zwei Dinge beherzigen:

Erstens müssen die Dinger billiger werden. Ihr werbt immer damit, dass ich auf dem E-Reader auch ganz toll am Strand lesen kann, während das iPad da nur noch spiegelt. Stimmt. Aber was bringt mir das, wenn der Reader mir geklaut wird, während ich in den Wellen plansche? Was bringen mir 1000 abgespeicherte Bücher, wenn sie mir im Schwimmbad vom Handtuch geklaut werden, während mein Taschenbuch dort unbehelligt liegen bleibt. Doch genau dort ist der zukünftige Einsatzort für E-Reader: wo mir das Tablet zu teuer ist.

Zweitens müssen E-Reader langsam mal anfangen, den Code, den der Setzer geschrieben hat, auch genauso zu interpretieren, wie es das IDPF vorgesehen hatte. Und ich meine damit zu 100%. Nicht zu 70, 80 oder 90%. Denn auch ein einzelner Absatz, der sich total verschoben hat oder ein einziges Bild, das nicht richtig angezeigt wird, nervt eure Leser. Womit wir bei Punkt Nummer fünf währen…

5. Die Wertschätzung des Mediums

Ich sehe Leser, die sich über Rechtschreib- und Formatfehler beschweren. Ich sehe Verlage, die mir ihr Druck-PDF als E-Book andrehen wollen, ich sehe E-Books, in denen Fußnoten mitten im Text stehen, anstatt anständig in Endnoten umgewandelt worden zu sein. Und ich sehe Setzer, die bei HilfDirSelbst.ch über Witwen und Waisen jammern, anstatt sich über die vielen neuen Möglichkeiten zu freuen.

Was ich vermisse, ist einfach etwas mehr Wertschätzung dem Medium gegenüber! Ein kleines Beispiel: Ich habe mein E-Book auch in ePub2 gesetzt, weil es in ePub3 ja niemand hätte lesen können. Aber erstens habe ich mein E-Book nicht dreckig mit Calibre aus einer Worddatei heraus konvertiert, sondern habe mir jede Codezeile im Texteditor angesehen, damit möglichst wenig Fehler am Ende im Dokument stehen. Zweitens habe ich alles aus dem Medium herausgequetscht, was möglich war. Ich habe ein halbes Dutzend Schriften eingebettet, auch wenn ich manche nur an einer Stelle im Buch verwende, ich habe mit Drop Caps gearbeitet, ich habe unsorted Lists mit eigens erstellten Grafiken als Aufzählungszeichen verwendet und dergleichen mehr. Warum? Weil es mein Buch für die Leser schöner macht.

Aber zugleich wusste ich, dass da draußen jede Menge schlechter E-Reader kursieren, die das alles nicht anzeigen können. Deshalb habe ich das Buch noch ein zweites Mal gesetzt ohne den ganzen Firlefanz und in die Ausgabe mit dem schicken Layout habe ich ins Impressum geschrieben, dass sich jeder Leser bei mir melden kann, wenn er oder sie Anzeigeschwierigkeiten hat, und sie oder er bekommt dann das Simple Layout.

Das ist Wertschätzung. Und die fehlt mir bei euch leider komplett. Ihr macht das alles schnell und dreckig, möglichst ohne zusätzliche Arbeit. Aber Hauptsache möglichst viel Gewinn rauspressen. Womit wir zu Punkt sechs kommen.

6. Der Handel

Es ist eine unbequeme und bittere Wahrheit, aber in zehn, spätestens in zwanzig Jahren wird der Großteil des heutigen Buchhandels schlichtweg nicht mehr existieren. Aber statt zu überlegen, wie man neue Perspektiven schaffen kann, klammert ihr euch an alte Modelle. Ein Beispiel: Ich habe mal mit einer Angestellten von Libri verhandelt, ob sie nicht ein E-Book von mir vertreiben wollen. Libri bekommt beim Vertrieb von Printbüchern 50% Rabatt. Diesen forderten sie auch bei E-Books ein. Als ich fragte, wie sie den gleichen Rabatt rechtfertigen, da ihnen ja ihre Hauptkosten: Lager und Transport wegfallen, entgegnete mir die Dame, man habe „andere Kosten“. Interessiert fragte ich nach, welche Kosten das seien. Woraufhin sie sagte: Auf dem Niveau werde sie nicht weiterverhandeln. Ich bin dann zu Apple und Amazon gegangen und schau mir mal an, wie lange Libri es noch machen wird.

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten um die Kunden auch in Zukunft in den stationären Buchhandel zu locken: Beispielsweise das Hauptproblem, dass man E-Books nicht anständig verschenken kann, ließe sich toll lösen, wenn ich in der Buchhandlung einen Gutschein für ein ganz bestimmtes Buch kaufen könnte. Noch besser währe es, wenn ich wie beim Vinyl zum Printbuch den Downloadcode fürs E-Book dazu bekäme. Jeder Buchladen sollte außerdem nebenher noch einen Online-Shop betreiben, so wie es in anderen Branchen schon Gang und Gebe ist. Das wären Ansätze, dem Untergang zu entgehen. Aber all das wird (in erster Linie) durch Buchpreisbindung und DRM aktiv verhindert. Doch so wird das nichts, liebe Verleger und Händler. Womit ich zum letzten Punkt komme

7. Die Wertschätzung der Leser

Ja, eure Leser können sich eure Bücher auch illegal dafür aber ganz umsonst besorgen. Doch das werdet ihr nicht verhindern können! Denn immer, wenn für euch eine Firma einen neuen, teuren Kopierschutz geschrieben hat, setzt sich da draußen ein Schwarm hin und zerlegt diesen. Und da die Manpower des Schwarms jene eurer Programmierer ums tausend- oder gar millionenfache übersteigt, könnt ihr den Wettlauf nicht gewinnen.

Ja, ihr könnt jetzt Armeen von Anwälten aussenden, die jeden abmahnen, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Aber trotzdem werdet ihr immer nur die Spitze des Eisberges erwischen. Denn da draußen sind, wie gesagt, Millionen, die gegen euch arbeiten.

Und jetzt könnt ihr natürlich eure Leser als Diebe und Piraten, als unsolidarisch und was weiß ich beschimpfen, aber das wird euch nicht ein Buch mehr verkaufen. Im Gegenteil: Jedes mal, wenn ihr eure Leser beschimpft, zeigen die weniger Bereitschaft, sich für euch zu entscheiden, wenn sie vor der Wahl stehen, ob sie jetzt Geld für euer Buch bezahlen sollen oder nicht. Statt dessen wäre der gegenteilige Weg der Richtige: Zeigt euren Lesern, dass ihr sie wertschätzt. Bittet sie darum, euer Buch zu kaufen, statt es zu sharen und macht das Kaufen ihnen so einfach und so komfortabel wie möglich: eben niederschwellig. Denn da könnt ihr euch auf den Kopf stellen: eure Leser werden euch nur ihr Geld geben, wenn ihr sie darum bittet. Aber dann machen sie es gerne! Denn eure Leser lesen eure Bücher gerne, sie lieben und verehren euch und eure Autoren und wenn ihr ihnen sagt: Seht her, wir haben viel Geld und Zeit investiert, um dieses Buch zu produzieren. Damit wir von unserer Arbeit leben können und euch auch in Zukunft gute Bücher machen können, wäre es echt toll, wenn ihr uns ein paar Euro für eine Kopie geben könntet.

Und wisst ihr was? Sie werden! Glaubt ihr nicht? Dann schaut euch mal Flattr, Kickstarter, und Betterplace.org an. Da passiert das schon jetzt. Jeden Tag.

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E-Book, du unbekanntes Wesen

Es geht voran mit meiner Autorensuche. Ich habe soeben die Rechte am „Wiederabdruck“ eines Textes eines großen deutschen Verlages eingeräumt bekommen. Näheres erfahrt ihr, wenn alles wasserdicht ist.

Denn leider zeigt sich hier einmal mehr, wie verkanntet dieses Medium ist und dass es sich gar nicht einfügen lassen will in die deutsche Verlagstradition.

Vor dem Problem stehe ich selbst, wenn ich den Autoren den „Druckunterlagenschluss“ mitteile. Wenn man hier noch von einer Metapher sprechen kann, liegt das bei der oben erwähnten Rechteeinräumung leider anders. Denn ich habe das Nutzungsrecht für eine einmalige Nutzung eines „Wiederabdrucks“ in einer Auflage von 10.000 Stück eingeräumt bekommen.

Einfach, weil das die Vertragsrealität im Verlagswesen ist. Für mich bedeutet das aber, dass ich, sollte ich tatsächlich 10.000 E-Books verkaufen, mich erneut um die Rechte bemühen muss. Gut, das ist noch kein Problem, ginge mir ja auch so, wenn ich eine Auflage abverkauft hätte, und sollte ich tatsächlich 10.000 Bücher verkaufen (was Bestseller-Niveau wäre), bin ich gerne bereit, erneut zu verhandeln.

Mein Problem ist vielmehr das einmalige Nutzungsrecht, denn, wie ich schon erklärte, gibt es ja nicht „das E-Book“ sondern ePub, Mobi und PDF. Entsprechend muss ich da weiterverhandeln und im Zweifel eben eine abgespeckte Kindle-Edition herausgeben…

Es bleibt spannend.

Mit diesem Post will ich mich übrigens in keiner Weise lustig machen, oder so. Ich kenne das Problem einfach zu gut. Hier trifft eben ein neues, nur wenige Jahre altes Medium auf eine Jahrhunderte alte Verlegertradition. Dass es da viele Probleme gibt, ist klar.

Ähnlich sieht es mit dem Pflichtexemplar für die Deutsche Nationalbibliothek aus, diese ist auch noch nicht auf die Veränderung eingestellt und behandelt E-Books als Webseiten, oder im Bibliothekarsdeutsch „Netzpublikationen“. Und richtig verrückt wird es bei Bibliotheken, die ihren Lesern E-Books anbieten. Diese müssen nämlich analog zum gedruckten Buch jeweils ein E-Book erwerben, das sie dann verleihen können. Die Tatsache, dass man E-Books einfach kopieren kann (und dann gegebenenfalls das entsprechend lizensieren), wird also schlichtweg ignoriert.

P.S.: Während ich dies schrieb, kam übrigens das „Okay“ für die verschiedenen Formate. Also: ein Problem weniger. =)

P.P.S.: Und bevor ihr jetzt anfangt über das deutsche Verlagswesen zu lachen, denkt mal an eure anachronistischen Metaphern, wenn ihr auf paper.li eure „Hastenichgesehn“-Daily herausbringt…

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ISBN

… steht für Internationale Standardbuchnummer und ohne sie ging nichts im institutionalisierten Buchhandel mit physischen Büchern. Klar konnte man und kann man noch immer ein Buch herausgeben, ohne dass man dafür unbedingt eine ISBN braucht, doch außer es eigenhändig in der Fußgängerzone zu verticken, bleiben nicht mehr viele Vertriebswege übrig. Denn die gesamte Warenwirtschaft des Buchhandels ist auf die ISBN eingeschworen. Sie ist der Personalausweis eines jeden Buches.

Die ISBN von Georg Büchner: Dantons Tod. Reclam. Ditzingen 2002.

Die ISBN von Georg Büchner: Dantons Tod. Reclam. Ditzingen 2002.

Prinzipiell hat jedes Buch, jede Edition des gleichen Textes eine eigene ISBN. So müssen etwa Hardcover und Taschenbuch jeweils eine eigene ISBN zugeteilt sein. Genauso verhält es sich bei überarbeiteten oder erweiterten Neuauflagen eines Buches. Lediglich unveränderte Nachdrucke brauchen keine neue ISBN.

Mit dem E-Book hat sich hier schon wieder etwas geändert. Zwar braucht das E-Book, wenn es mit einer ISBN ausgestattet sein soll, eine eigene ISBN. Es darf also nicht die gleiche ISBN tragen wie ein inhaltsgleiches Printexemplar. Allerdings braucht das E-Book nicht mehr unbedingt eine ISBN.

So verzichtet Amazon gänzlich auf die ISBN und ersetzt sie durch das hausinterne System ASIN und Google bietet zu jedem E-Book gleich eine „Internet ISBN“ an, womit es wohl eine ISBN-A meint. Lediglich der dritte Händler – Apple – besteht bei E-Books weiterhin auf ISBNs.

Die ISBN-A ist laut den Informationen des MVB (Marketing und Verlagsservice des Buchhandels) so etwas wie die Internet-Visistenkarte des Buches. Mit ihr bekommt man eine Webseite, auf der man sein Buch präsentieren kann und sie ist (such)maschinenlesbar. Was genau Letzteres im Unterschied zur klassischen ISBN bedeuten soll, bleibt das Geheimnis des MVB. Jedenfalls habe ich gerade mal eine Stichprobe gemacht und Google liefert mir bei Eingabe einer alten ISBN zuverlässige Ergebnisse.

Interessant wäre die ISBN-A allenfalls, wenn sie die klassische ISBN ablösen würde, man somit einfach die Webseite noch obendrauf bekommt. Aber, ob ISBN und ISBN-A in einem Ersetzungs- oder Ergänzungsverhältnis zueinander stehen, geht aus den Informationen des MVB nicht hervor. Ich habe das per E-Mail angefragt, aber bislang keine Antwort bekommen. Für meine Zwecke ist die ISBN-A bislang sowieso nicht geeignet, denn das Angebot richtet sich an gewerbliche Verlage, während ich im Selbstverlag mit der klassischen ISBN vorlieb nehmen muss, darf und will.

Wie beantrage ich eine ISBN?

Dafür gibt es im Hause des MVB die Agentur für Buchmarktstandards, die in Deutschland das Monopol auf die Vergabe von ISBNs hält.

  • Unter www.german-isbn.de kommt ihr auf eine Webseite, die zeitgleich eine Zeitmaschine in die 90er zu sein scheint in ihrer zeitlosen Eleganz (Ob ich jetzt noch eine E-Mail-Antwort des MVB erhalte?).
  • Hier gibt es links einen Kasten mit dem Titel „ISBN“, den ihr anklickt.
  • Woraufhin ihr vor die Entscheidung gestellt werdet, ob ihr ein Verlag mit fortlaufender Produktion seid oder ein Selbstverlag mit „absehbar einmaliger Verlagsproduktion“. Ich habe mich für letzteres entschieden, da ich ja erst einmal ein E-Book herausgeben möchte, um dann weiterzusehen.
  • Wenn ihr vielleicht noch ein paar E-Books mehr herausgeben wollt, müsst ihr nicht in fingernägelabkauende Panik verfallen, denn mit der „absehbar einmaligen Produktion“ ist das nicht soooo ernst, wie das Bestellformular zeigt, zu dem wir gleich kommen. Dort wird nämlich gefragt, ob ihr schon einmal eine ISBN hattet, ohne dass darauf verwiesen wird, dass dies problematisch sei. Wenn ihr aber vorhabt ins Big Business einzusteigen, dann solltet ihr die Option für Verlage wählen. Denn einerseits bekommt ihr dann die ISBNs günstiger und andererseits wird auch eine eigene Verlagskennung in die Zahlenfolge der ISBN eingearbeitet.

    „Warum dann nicht gleich die Verlagsoption wählen?“, könnte man jetzt natürlich fragen. Nun, ganz einfach, weil damit fortlaufende Kosten verbunden sind. Als Voraussetzung bedarf es erst einmal eines Handelsregistereintrages, für den eine jährliche Gebühr fällig ist, ferner muss auch die Verlagskennung innerhalb eurer ISBNs mit einer jährlichen Gebühr abgegolten werden. Da ich mit meinem Projekt erst einmal ins Blaue marschiere, bin ich noch nicht bereit, diese Investitionen zu stemmen.

    Stattdessen habe ich mich für die Einzel-ISBN entschieden. Womit wir nun bei deren Kosten sind. Eine einzelne ISBN für Selbstverlage kostet 85 Euro. Diese setzen sich folgendermaßen zusammen:

    70 Euro Bearbeitungsgebühr
    1,43 Euro Versandkosten
    13,57 Euro Mehrwertsteuer

    Über die 1,43 Euro Versandkosten für eine Nummer möchte ich den Mantel des Schweigens breiten. Nein, doch nicht: ihr bezahlt damit, dass ihr vom MVB noch schöne Werbeprospekte mitgesandt bekommt.
    Was hingegen die 70 Euro Bearbeitungsgebühr betrifft, so spricht daraus, was ich vorhin nur so am Rande fallen ließ: Monopol. In meinem letzten Job hatte ich das Glück, auch ein wenig in der Datenbankverwaltung zu arbeiten. Wenn die Datenbank der Agentur für Buchmarktstandards jetzt nicht kompletter Murks ist, dürfte die Bearbeitung des Vorgangs in etwa so aussehen:
    Ich frage in meiner Datenbank die offenen ISBNs für Selbstverlage ab, wähle eine davon aus (mutmaßlich die erste), trage sie im kompliziertesten Fall von Hand in ein Formular, das diese ISBN fortan mit dem Namen eines bestimmten Selbstverlages verbindet und aus der Datenbank für offene ISBNs löscht (geschätzte Arbeitszeit: 5 Minuten), anschließend trage ich sie gemeinsam mit den Kontaktdaten und der Anrede in einen vorliegenden Standardbrief an den Selbstverlag ein, drucke den aus, lege ein paar Werbeflyer bei, stecke alles in einen Umschlag, lecke die Gummierung an, klebe zu, adressiere und frankiere, gebe den Brief auf. Voilà: 70 Euro (Jetzt erhalte ich sicher keine E-Mail-Antwort des MVB mehr).

    Da ist es wirklich ein Segen, dass die beiden Internetriesen Amazon und Google dieses Monopol aufbrechen. Und es ist zugleich wieder traurig, dass erst zwei marktbeherrschende Kräfte aus Kalifornien dafür auf den deutschen Markt dringen müssen und alle Welt in Wehklagen um die kleinen Verlage ausbricht.

    Na ja, wie dem auch sei. Ich will eben auch mit Apple Geschäfte machen und die passen sich den bestehenden Strukturen an und verlangen eine ISBN. Daher klicke ich mich zu diesem PDF durch, das leider nicht interaktiv ist, sondern ausgedruckt und von Hand ausgefüllt werden muss. Ich trage dort alle Daten (auch meinen supergeheimen Buchtitel, den ich jetzt schon kenne) ein, wähle die Option Vorabüberweisung, überweise das Geld, gebe den Brief auf und warte, ob und wann mir dann die ISBN ins Haus flattert.

    Fertig.

    Eigentlich dachte ich, ich hätte jetzt alles für Apple zusammen, habe mich da aber geirrt. Denn man braucht, um mit Apple Geschäfte machen zu können, eine Kreditkartennummer (warum auch immer), die ist bei meiner Bank bestellt (darüber werde ich nicht schreiben, das schafft ihr schon) und ich warte so lange. Deshalb gibt es hier demnächst mal wieder den Erklärbären.

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    Eingeordnet unter Voraussetzungen

    Keynote

    Ich werde ein Buch herausgeben. Ja genau, ich allein. Na ja, mehr oder weniger. Also, zunächst einmal wird es ein E-Book und darüber hinaus werde ich es nicht selbst schreiben. Stattdessen wird es ein Sammelband und ich werde mir Autoren suchen, die ich dann schreiben lasse. Das Thema? Das verrate ich noch nicht. Das werde ich hier sensationell aufbauen. Ach ja, und es hat absolut rein gar nichts mit Lenin zu tun, der lag da nur und ich suchte einen dicken Schinken, um ein tolles Bild hochzuladen:

    Wenn ein E-Book gut gemacht ist, dann sollte es sich auf allen Geräte, auch auf dem Handy komfortabel lesen lassen.

    Wie komme ich darauf, ein Buch herauszubringen? Nun, ich habe ein Volontariat bei einem kleinen Frankfurter Verlag gemacht. Und weil der Verlag so klein war, hatte ich das Glück, alle Arbeitsbereiche kennen zu lernen. Von der Redaktion über das Lektorat, Marketing und Pressearbeit, Buchhaltung und Mediengestaltung. Da ich mich offensichtlich nicht ganz blöd angestellt habe, hat mein Chef mich im zweiten Ausbildungsjahr die E-Book-Sparte des Verlages weitgehend eigenständig aufbauen lassen.

    Das heißt, ich habe vom Layouten – der E-Production – bis hin zum Vertrieb alles schon einmal gemacht und dabei habe ich festgestellt, dass man heute keinen Verlag mehr braucht, um ein Buch herauszugeben. Es schadet natürlich nicht. Verlage sind tolle Einrichtungen, die viel Know-how und Leidenschaft für Bücher mitbringen, aber das Verlagswesen und die Vertriebsstrukturen in Deutschland haben es sich ziemlich bequem eingerichtet mit festgefahrenen Strukturen, die eine Menge Geld in ihre Taschen spülen und jetzt kommen da drei Global Player in unser beschauliches kleines Auenland und mischen den Markt auf.

    Wie lief das bisher? Etwa folgendermaßen (vereinfachte Darstellung): Ein Autor hat eine Idee, schreibt die auf und gibt sie einem Verlag. Der Verlag verdaut sie und spuckt am Ende etwas gen Druckerei, das der Idee des Autors noch entfernt ähnelt. Hat die Druckerei ihre Arbeit getan, kommen DHL oder eine Spedition – je nach Auflagenhöhe – und karren die Bücher in das Lager des Verlags. Der Verlag verkauft die Bücher dann in erster Linie an die Großhändler, die so genannten Barsortimente (KNV, Libri und Umbreit) und die großen Buchhandelsketten (Thalia, Hugendubel und Mayersche). Die Zwischenhändler und Ketten verkaufen dann weiter an kleine Buchläden respektive Filialen und die wiederum an den Leser.

    Wie gesagt, so lief es bisher. Doch dann kam Amazon. Dann kam Apple. Dann Kam Google. (Übrigens genau in dieser Reihenfolge). Und während die oben genannten Marktakteure noch schreien, dass die Internetriesen böse sind, baut sich gerade eine neue Verteilungskette auf.

    So läuft das jetzt: Der Autor schreibt auf. Lässt sein Werk mit Calibre schrecklich schlecht ins gewünschte Format konvertieren, lädt es bei Amazon, Apple und Google hoch. Dort lädt es ein Leser runter, knackt gegebenenfalls den Kopierschutz und stellt es dann in den Filesharingservice seiner Wahl ein, wo es die anderen Leser sich herholen können.

    Das fuchst natürlich all die Akteure des alten Vertriebsweges, aber es freut mich, denn ich kenne alle Stolperfallen und Fettnäpfchen des neuen Vertriebsweges und haue jetzt ein Buch raus. Euch werde ich an dieser Stelle erklären, wie das geht. Angefangen vom Anmelden bei den Portalen über das Akquirieren meiner Autoren bis hin zum Hochladen und dem ersten Mal, wenn mein Buch in einem Filesharingservice auftaucht, will ich alles dokumentieren.

    Ich hoffe euch wird es etwas Spaß machen. 🙂

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