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Die Zukunft des Buches #1

Friedrich Forssman (Übrigens, Herr Forssman, das ist ein Link, wenn man im Internet zitiert, dann setzt man diese Links…) hat auf dem Blog von Suhrkamp eine Debatte über E-Books angestoßen. Zunächst dachte ich: Okay, wieder so ein alter Kulturpessimist, der sich in die seit Platon bestehende Tradition stellt, Medienwandel zu bedauern. Aber mit der Lektüre des Blogposts musste ich feststellen, dass es trotz aller Polemik einige Überschneidungen zwischen Fossmans und meine Meinung gibt.

Auf der Suche nach der Zukunft des Buches. Bild von mir. Lizenz: CC-BY 3.0

Auf der Suche nach der Zukunft des Buches. Bild von mir. Lizenz: CC-BY 3.0

Denn hinter aller Polemik und Glorifizierung des Papiers finden sich einige handfeste Argumente: Forssman kritisiert, dass man E-Books nicht weiterverkaufen oder ausleihen kann, dass der Leser nicht Bücher sondern Lizenzen kauft, dass mit der Pleite eines E-Book-Shops durch DRM allzu oft gekaufte Bücher unwiederbringlich verloren gehen. Er prangert an, dass das Leseverhalten getrackt und nach allem was wir wissen, wohl direkt an die NSA weitergeleitet wird. Forssman kritisiert weiterhin das unausgegorene Urheberrecht und dass man E-Books nicht verschenken kann. Seine Kritik am Begriff „Content“, wenn auch nur implizit geäußert, ist berechtigter, als sie vielleicht scheinen mag, aber dazu ein andermal mehr. Und auch mit dem unschönen Design vieler E-Books hat er ja recht, auch wenn die Gründe, die er nennt, volkommen falsch sind und ausgerechnet er, als „Buchgestalter, Typograf“ und „Gebrauchsgrafiker“ mit einer etwas offeneren Geisteshaltung viel daran ändern könnte.

Natürlich bringt Forssman auch viele Scheinargumente. Es scheint für die meisten Menschen sehr schwer zu sein, sich auf Fakten zu konzentrieren, wenn sie ihre Meinung in die Welt bringen möchten. So hat Fossman Angst, dass Bücher durch Tracking immer weiter an den Marktgeschmack angepasst werden. Das ist ein wohlfeiles Argument da gleiches auch jetzt schon in gedruckten Büchern passiert. Man bedenke nur, dass schon Arthur Conan Doyle im Jahre 1901 Sherlock Holmes nach Protesten seiner Leser von den Toten hat auferstehen lassen. Welch größeres Zugeständnis an den Markt könnte man wohl noch machen? Weiter ist die Aussage, dass E-Reader hässlich sind, ein anfechtbares Geschmacksurteil. Und dass sie kaputt gehen, wenn sie in die Badewanne fallen… – was soll ich dazu noch sagen? Meine „wasserdichten“ Bücher aus Papier kleben bestimmt niiiie zusammen, nachdem sie eine Runde geschwommen sind… Auch dass es sich nicht mehr lohnen würde, E-Books zu lektorieren, weil man mit ihnen nichts verdienen könne, ist ein bloßes Scheinargument, denn die Macher von Instagram haben sich ja auch nicht gesagt: Unsere App ist umsonst, also brauchen wir uns bei der Programmierung keine Mühe geben. Sie haben stattdessen ein geiles Stück Software geschrieben, das kurz darauf eine Milliarde Euro wert war. Entsprechend könnten Verlage sicher mit besseren Umsätzen rechnen, wenn sie endlich mal auf mich hören würden wenn sie endlich mal anfingen, liebevoller ihre E-Books zu layouten.
Und dass die Autoren nichts verdienen, außer ein paar Weltstars ist sogar mit Blick auf die wesentlich besseren Tantiemen beim Indie-Publishing eine reine Lüge. Denn die Wahrheit ist, dass im aktuellen Verlagssystem die Autoren so gut wie nichts verdienen, was die Verlage immer mit ihren hohen Kosten rechtfertigen. Bei E-Books hingegen fallen Druck, Transport und Lager weg, sodass für den Autor eigentlich mehr herausspringen könnte…

Schließlich führt Forssman noch eine Reihe von Argumenten zu Felde, die eigentlich keine sind, weder pro noch kontra, sondern einfach einen Medienwandel beschreiben: Etwa, dass wir zukünftig keine Bücherregale mehr haben werden. Ich finde Bücherregale auch dekorativ und bezweifle auch, dass sie ganz verschwinden werden, aber ich finde auch Grammophone schön ohne zu verzagen, dass sie heutzutage nirgends mehr herumstehen. Übrigens, Herr Forssman, bin ich kein „Berliner Hipster“ und muss trotzdem ständig mit meinen paar Tausend Büchern umziehen, weil Ihre Generation (um mal genauso doof zu pauschalisieren) den Arbeitsmarkt so sehr liberalisiert hat, dass ich ständig meinen Job wechseln muss. Auch gab es sicher Menschen, die kritisierten, dass man auf CDs keine Rillen mehr zählen kann, so wie Forssman die Dicke des E-Books fehlt, aber hat sich das tatsächlich als Nachteil herausgestellt?
Alles in allem also hat Friedrich Forssman einen ebenso polemischen wie kontroversen Blogpost geschrieben, für den wir dennoch dankbar sein sollten, denn er hat einen langen überfälligen Diskurs angestoßen, wie die Zukunft des Buches aussehen sollte. In diesem Diskurs haben sich nun schon eine ganze Reihe weiterer Spieler im großen Bücherspiel zu Wort gemeldet und ich möchte hier als Chronist in den nächsten Tagen und Wochen mal einen Überblick und eine Einschätzung zu den jeweiligen Positionen geben. Auf dass am Ende das Buch eine große Zukunft erwartet.

Fortsetzung folgt.

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Blackbox Urheberrecht seit heute auch auf Papier

Einmal muss ich hier noch Werbung machen. Denn heute ist es soweit. Blackbox Urhberrecht ist jetzt auch auf Papier erschienen. Damit habe ich den Verwertungskreis wohl geschlossen.

Zur Feier des Tages verlose ich das Buch heute noch einmal: Ein Exemplar auf Papier und drei Mal als E-Book werden unter allen verlost, die diesen Content auf irgendwelchen Netzwerken teilen (und mich gegebenenfalls darüber informieren)…

Beim Verlag bekommen die Autoren und ich mehr Tantiemen, bei Amazon unterstützt ihr mich mittels Affiliate…

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Noch 25 Tage…

Noch 25 Tage bis mein Buch auf Papier erscheint. Drüben auf der Perspektiefe erzähle ich, wie es entstand.

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Reden wir über Geld – E-Book-Preisgestaltung

Da ich kein Geld habe, kann ich meinen Autoren, die ich hinter den Kulissen fleißig am Kontaktieren bin, erst einmal nichts bieten. Das ist natürlich ein schlechtes Geschäft. Aber ich habe auch schon eine Antwort darauf: Gewinnbeteiligung. Und wenn ich meine Einnahmen schon verteile, bevor ich sie überhaupt erzielt habe, muss ich mir zuallererst einmal Gedanken über den Preis machen, zu dem ich das E-Book anbieten möchte.

Ein 20 Markschein aus Altenburg in Sachsen aus dem Jahre 1918

20 Mark Altenburg (Sachsen), 1918, Vorderseite. Urheber: Altenburg (Sachsen).

Eines vorneweg: Außer bei Apple kann ich ein E-Book nirgends umsonst anbieten. Okay, ich könnte es auf die eigene Webseite stellen oder als Torrent ins Netz. Ferner könnte ich es exklusiv bei Amazon anbieten und bekäme fünf Tage oder so geschenkt, an denen die Kunden das Buch umsonst downloaden können. Woooohoooo! Aber abgesehen davon, dass ich damit den letzten Anreiz für potentielle Autoren in den Wind schießen würde, könnte ich auch nicht die Reichweite der Kombination von Amazon, Apple und Google nutzen. Also werde ich Geld für das Buch verlangen.

Wie nun soll ich festlegen, wie viel Geld ich für das E-Book verlangen soll? Denn in dieser Wahl bin ich zunächst einmal frei, abgesehen von den Grenzen, die mir Amazon auferlegt und der Forderung von Apple, dass der Preis entweder auf ,99 oder ,49 enden muss.

Die veränderten Produktionskosten
Wen auch immer ich im Netz als Vorbereitung hierzu gelesen habe, sagte vor allem eines:

Die Leser möchten, dass E-Books signifikant günstiger sind als gedruckte Bücher, ansonsten gäbe es für sie keinen Anreiz zum Wechsel. Demgegenüber weinen die Verlage immer ein bisschen, dass die Produktion von E-Books teurer wäre, als immer alle denken. Da zwar einerseits Kosten wegfielen, aber andererseits auch sagenumwobene „neue Kosten“ entstünden.

Gehen wir also der Sache mal auf den Grund. Was kostet die Herstellung eines Printbuches und was die eines E-Books?

Im Vergleich zum Printbuch spare ich durch die E-Production durchaus etwas ein. Die Frage ist: wie viel? Dafür muss ich mir zunächst einmal Gedanken machen, welche Unkosten ich habe. Sowohl im Print, als auch im E-Book muss ich folgende Produktionskosten einberechnen:

1. Das Autorenhonorar
2. Redaktion und Lektorat
3. Das Layout
4. die Covergestaltung und andere Grafiken
5. Werbung
6. Allgemeine Vertriebskosten wie die Erstattung von zurückgegebenen Exemplaren und Ähnliches.

Was beim E-Book aber wegfällt, hingegen beim Printbuch ins Kontor schlägt, sind:

1. Druck (inklusive der Vorstufe und der Bindung)
2. Transport und Lagerung.

Ferner darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass der Händleranteil beim E-Book (abgesehen von Google) mitunter signifikant geringer ist. Als kleiner Verlag bin ich im Printvertrieb auf die großen Zwischenhändler, die Barsortimente, angewiesen. Diese verlangen etwa die Hälfte vom Kuchen. Im Buchhandel schwanken die Rabatte zwischen 35% und 50%. Wenn ich aber heute einen Verlag gründen würde, müsste ich wohl erst einmal 50% gewähren. Hingegen bietet im E-Book-Vertrieb Apple die besten Konditionen und verlangt nur 30%.

Doch zunächst zu Druck, Transport und Lagerung. Das sind recht schwer zu errechnende Werte, da sie abhängen von der Auflagenhöhe des gedruckten Buches, sowie von der Wahl des Materials. Klar, wenn ich viele bunte Seiten auf einem hochwertigen Papier haben möchte, wird der Spaß teurer, als wenn ich auf Farbe verzichte und braun-graues Recyclingpapier nehme. Ferner verlangt die Druckerei einen höheren Prozentanteil je geringer die Auflage ist. Lasse ich nur ein Buch ‚on Demand‘ drucken, schlagen die Kosten für die Prüfung der Daten, (gegebenenfalls) das Anfertigen der Druckvorlagen, das Hochfahren der Maschine und die Ausfälle durch Material- oder Maschinenfehler für die Druckerei viel höher ein, als wenn ich 1.000 Bücher im Bogenoffsetdruck produzieren lasse oder gar 50.000 im Rollenoffsetdruck. Dem gegenüber habe ich natürlich geringere Kosten für Lager und Transport, je geringer meine Auflage ist.

Trotz aller Widrigkeiten wollte ich gerne eine Zahl haben und habe mich im Internet auf die Suche begeben. Leider schweigen sich die Verlage über Produktionskosten weitgehend aus.
Recht gute Infos fand ich (mal wieder) beim Berlin Story Verlag sowie bei Turmsegler. Auch schön war diese Stimmensammlung bei boersenblatt.net.

Dennoch brachte mich das alles nicht wirklich voran in der Frage, wie viel Prozent denn nun Druck, Lager und Transport an den Produktionskosten ausmachen. Nach langer Suche habe ich bei Voland & Quist zumindest mal eine Zahl gefunden, die da jetzt so ganz ungeprüft steht. Wenn ich die Euroangaben überschlage, belaufen sich die Druckkosten auf etwa 14%. Händlerrabatt und Vertriebskosten (also auch Versand und Lager) fasst Voland & Quist zusammen. Gehe ich von 50% Prozent Händlerrabatt aus, dann bleiben noch etwa 7% für Lager und Versand. Schließlich kommt dann noch der Unterschied bei den Händlerrabatten.
Ich habe ja schon geschrieben, welchen Rabatt man bei Google (zwischen 48% und 55%) und bei Amazon (zwischen 31% und 65%) gewähren muss. Hinzu kommt der Rabatt von Apple. Der, wie oben schon geschrieben, folgendermaßen aussieht:

Apple 30% - wir 70%

Der Einfachheit halber gehe ich davon aus, dass unser E-Book nicht allzu viele Megabyte haben wird, sodass wir unsere „Liefergebühren“ niedrig halten und wir Amazon 40% Rabatt einräumen müssen. Bei Google hingegen kann ich nicht einschätzen, wie viele E-Books wir über Play und wie viele über angeschlossene Shops verkaufen, weshalb ich den Mittelwert nehme: etwa 52%.

Im Schnitt müssen wir also einen Händlerrabatt von 41% gewähren. Das sind noch einmal 9% weniger als im Handel mit gedruckten Büchern.

Alles in allem kommt heraus, dass die Produktionskosten von E-Books grob geschätzt 30% niedriger liegen als die von gedruckten Büchern.

Das Problem, das sich mir als nächstes stellt, ist die Frage, von welchem Buchpreis ich jetzt ausgehen möchte. Schließlich liegen Welten zwischen einem in Leder gebundenem Buch und einem Reclam. Ich hab da mal was vorbereitet™, eine Stichprobe gemacht und vollkommen willkürlich in mein Bücherregal gegriffen, um zehn verschiedene Bücher zu entnehmen und einen Mittelwert ihres Preises zu errechnen. Das teuerste war erstaunlicherweise kein Hardcover (von denen ich auch zwei gewählt habe) sondern ein ‚Lonely Planet‘ für 26,50 € und das günstigste erwartungsgemäß ein Reclam (Kafkas Prozess) für 2,10 €. Der Durchschnittspreis lag bei 12,07 €. Wobei zu erwähnen ist, dass meine Bibliothek recht Taschenbuchlastig ist. Aber darin sehe ich kein Problem, denn wenn man den amerikanischen E-Book-Markt ansieht, so stehen gerade Taschenbücher in direkter Konkurrenz zu E-Books.

70% von 12.07€ sind 8,45€.

8,45€ wäre also ein fairer Preis für ein E-Book.

Allerdings habe ich zwei Probleme mit dieser Zahl. Zum einen sind alle Werte, die ich oben angebe, recht wackelig. Zum anderen scheint sie mir nicht dem Leserwunsch zu entsprechen, signifikant günstiger zu sein als Printbücher. Kar: 30% sind 30% sind 30% und schließlich will ich ja meine Autoren beteiligen. Aber ein Buch gibt man für Leser heraus und was bringt mir alle Herrlichkeit, wenn es am Ende keiner kauft. Deshalb habe ich mir noch mehr Zahlen angeguckt:

Angebot und Nachfrage

Ich habe noch einmal etwas vorbereitet™ und wieder eine Stichprobe genommen (am 05. November 2012). Diese ergab, dass der durchschnittliche Preis für ein E-Book in Deutschland, unter der Berücksichtigung der Portale, in denen mein Buch präsent sein wird, zurzeit bei 6,02 € liegt.

Diese Zahl habe ich ermittelt, in dem ich den Durchschnittspreis der Top 10 bei Amazon, bei Apple und bei Google errechnete und daraus wieder den Durchschnitt bildete.

Im Detail sahen die Preise so aus:

Durchschnittspreis für E-Books bei Amazon: 6,68 €
Durchschnittspreis für E-Books bei Apple: 7,04 €
Durchschnittspreis für E-Books bei Google: 4,35 €

Wobei die ‚Shades of Grey‘-Trilogie mit jeweils 9,99 € den Preis wohl ziemlich nach oben getrieben hat. Ich denke, ich werde das mal beobachten.

Wenn ich aber den eben errechneten Preis marktüblich und applekonform abrunde, komme ich somit auf einen

Verkaufspreis von 5,99 €.

Und das erscheint mir sehr fair für die Leser. Obendrein dürfte auch noch nach dem Händlerrabatt genug übrig bleiben, sodass die Autoren nicht ganz leer ausgehen.

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