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Ein Pamphlet gegen Verlagswesen und Buchhandel

7 Gründe, warum das Verlagswesen und der Buchhandel mit Hochgeschwindigkeit in die Krise schlittern

Das Bücherverlegen, so wie wir es jetzt kennen, ist eine sehr alte Kulturtechnik, die in Anschluss an den Buchdruck entstand. Der Büchervertrieb basiert größtenteils auf Notwendigkeiten die im Zuge der Entstehung liberaler Märkte im 18. und 19. Jahrhundert ergaben. Doch jetzt steht dieser Branche eine Umwälzung ins Haus, die sie noch immer nicht begriffen hat. Ein schmerzhafter Wandel, den die Musikbranche schon vor zehn Jahren zu spüren bekam und in dem sich auch die Filmindustrie gerade befindet. Und obwohl der relative Niedergang der Musikbranche – gemessen an den Verkaufszahlen der 90er Jahre – der Bücherwelt als mahnendes Beispiel vor Augen steht. Macht sie sich nicht daran, aus den Fehlern der anderen zu lernen, sondern rennt laut schreiend und mit aufgerissenen Augen dem Abgrund entgegen. Dabei könnten Verlage und Buchhandel es viel besser machen und am Ende als große Gewinner aus dem Spiel hervorgehen, wenn sie nur auf die Zeichen der Zeit erkennen würden.

Abgrund

Casares Abgrund. Urheber: Horst Goertz. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Ich möchte hier mal die sieben wichtigsten Fehler zusammenfassen, die ihr, liebes Verlagswesen und lieber Buchhandel fast unisono macht.

1. Formate

ePub2, ePub3, iBooks, Mobi und PDF. Das sind die gängigsten Formate, die derzeit auf dem Markt sind. Ich vereinfache hier stark, denn iBooks ist eigentlich nur eine Variante von ePub2 und ePub3 ist nicht wirklich auf dem Markt. Aber, worauf ich hinaus will: Das sind zu viele. Wenn ich mir ein Buch bei Apple kaufe, kann ich es auf dem Kindle nicht lesen. PDF ist sowieso komplett ungeeignet für E-Reader oder Tablets und der klägliche Rest eurer Bücher-Online-Shops außer Apple iBooks und Amazon verramscht fröhlich schlecht gecodetes ePub2, obwohl seit eineinhalb Jahren mit ePub3 der Nachfolger schon in den Startlöchern verstaubt.

Ja klar, kann man jetzt klagen, dass die großen Bosse im Handel – Amazon und Apple – sich eh nie auf ein Format einigen werden, aber man kann auch die Frage stellen, warum die beiden sich das erlauben können… Ganz einfach: Weil sie einfach keine ernstzunehmende Konkurrenz haben. Wenn 80% aller E-Books bei Amazon über den virtuellen Tresen gehen, dann wird Amazon bestimmt nicht auf ePub wechseln, klar. Hingegen sieht es bei Apple schon anders aus, da das Fallobst nur zehn bis fünfzehn Prozent Marktanteil hat, heißt es auch ePub2 willkommen.

Wenn ihr, liebe Verlage, euch einfach mal auf den freien, offenen Standard ePub3 einigen würdet, währet ihr in einer viel besseren Ausgangssituation. Wenn ihr begreifen würdet, welche Chance dieser gewaltige Quantensprung zwischen dem was in ePub2 und dem, was in ePub3 möglich ist, für euch bedeutet, wäre das die halbe Miete eurer Zukunftswohnung. Wenn ihr anfinget, gute Bücher zu layouten, die von Weltbild über Thalia bis zum kleinen Online-Shop um die Ecke überall in ePub3 zu bekommen sind, dann würden sich die Machtverhältnisse langsam wieder beginnen zurückzuschieben. Das geht nicht von heute auf morgen, nachdem ihr jahrelang geschlafen habt, aber das geht allmählich.

Allerdings gibt es ein Hindernis: Wenn ePub3 als von allen akzeptierter Standard der Jedi ist, dann ist DRM die dunkle Seite der Macht.

2. DRM

DRM ist eine Pest. DRM schützt nicht, denn jeder, der Google bedienen kann, kann auch E-Books von DRM befreien. Aber dennoch klammert ihr, liebe Verlage, euch an das digitale Rechtemanagement wie der Ertrinkende an die letzte Planke. Was ihr dabei aber überseht, ist, wie unglaublich unattraktiv euer Angebot dadurch wird. Und dass ihr dadurch die Leser in Scharen zu Amazon hintreibt. Denn, wie sieht die Realität derzeit aus? Wenn ich mein E-Book in einem deiner Shops kaufe, lieber Buchhandel, kann ich es nur auf einer kleinen Anzahl an Plattformen lesen. Ich kann in der Regel keinen Text kopieren, teilen, keine Bücher ausleihen, geschweige denn kopieren oder so etwas abwegiges wie verschenken. Aber, wenn ich sowieso nur die Wahl zwischen verschiedenen Käfigen habe, dann wähle ich doch den goldenen und den bietet mir Amazon.

„Aber wenn wir die E-Books ohne DRM verkaufen, dann verbreiten die bösen Leser mit ihrer Kostenloskultur die doch einfach im Netz!!!!!1!11einself“

So what? Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass DRM ja, wie gesagt, sowieso nicht hilft und ihr, liebe Verlage, nichts anderes tut, als die ehrlichen Leser zu bestrafen. Ja, abgesehen davon müssen eure Bücher nicht mehr mit 100qm Verkaufsfläche anderer Bücher konkurrieren, sondern mit dem ganzen großen World Wide Web. Und da kommen wir gleich zum nächsten Punkt:

3. Preise

Ihr könnt doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich 20 Euro für ein E-Book zahle, wenn das nächste Blog, die Wikipedia oder YouTube nur einen Klick entfernt sind. Ja, ja, ich weiß, E-Books werden auch nicht aus Luft und Liebe gemacht, aber erstens gibt es da schon einen ordentlichen Spielraum, der bislang noch allzu oft ungenutzt bleibt. Und zweitens habe ich mal irgendwann in der Schule gelernt, dass in diesem ekeligen Kapitalismus sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergibt. Das Angebot ist so groß da draußen, dass E-Books billiger werden müssen, sonst wird halt einfach die nächste kostenlose App aus dem Store gezogen, anstatt das neue Buch von Charlotte Roche gelesen. Und wo ich schon bei der Konkurrenzsituation bin, komme ich doch gleich zum nächsten Punkt:

4. Die Reader

Die Zukunft des Buches ist nicht der E-Reader sondern das Tablet. Warum? Wegen ePub3. ePub3 kann so ziemlich all das, was das Internet kann. Aber auf einem schwarz-weißen E-Ink-Display wird das nichts bringen. Klar wird das das Medium Buch verändern, aber anstatt jetzt mal wieder den Untergang des Abendlandes anzuprangern, wären mutige Konzepte, wie man Video, Audio, Interaktivität und Social Media sinnvoll in ein Buch integrieren kann, angebracht. Ich habe die und neben mir noch viele andere, die noch viel mehr können als ich. Und wenn ihr die nicht umsetzt, dann werden es andere tun, während ihr dann irgendwann den Insolvenzvertrag unterschreibt.

Dennoch können E-Reader sinnvoll sein und bleiben. Die lange Akkulaufzeit und der gute Kontrast sind schon ziemlich cool, aber wenn E-Reader überleben sollen, müssen sie zwei Dinge beherzigen:

Erstens müssen die Dinger billiger werden. Ihr werbt immer damit, dass ich auf dem E-Reader auch ganz toll am Strand lesen kann, während das iPad da nur noch spiegelt. Stimmt. Aber was bringt mir das, wenn der Reader mir geklaut wird, während ich in den Wellen plansche? Was bringen mir 1000 abgespeicherte Bücher, wenn sie mir im Schwimmbad vom Handtuch geklaut werden, während mein Taschenbuch dort unbehelligt liegen bleibt. Doch genau dort ist der zukünftige Einsatzort für E-Reader: wo mir das Tablet zu teuer ist.

Zweitens müssen E-Reader langsam mal anfangen, den Code, den der Setzer geschrieben hat, auch genauso zu interpretieren, wie es das IDPF vorgesehen hatte. Und ich meine damit zu 100%. Nicht zu 70, 80 oder 90%. Denn auch ein einzelner Absatz, der sich total verschoben hat oder ein einziges Bild, das nicht richtig angezeigt wird, nervt eure Leser. Womit wir bei Punkt Nummer fünf währen…

5. Die Wertschätzung des Mediums

Ich sehe Leser, die sich über Rechtschreib- und Formatfehler beschweren. Ich sehe Verlage, die mir ihr Druck-PDF als E-Book andrehen wollen, ich sehe E-Books, in denen Fußnoten mitten im Text stehen, anstatt anständig in Endnoten umgewandelt worden zu sein. Und ich sehe Setzer, die bei HilfDirSelbst.ch über Witwen und Waisen jammern, anstatt sich über die vielen neuen Möglichkeiten zu freuen.

Was ich vermisse, ist einfach etwas mehr Wertschätzung dem Medium gegenüber! Ein kleines Beispiel: Ich habe mein E-Book auch in ePub2 gesetzt, weil es in ePub3 ja niemand hätte lesen können. Aber erstens habe ich mein E-Book nicht dreckig mit Calibre aus einer Worddatei heraus konvertiert, sondern habe mir jede Codezeile im Texteditor angesehen, damit möglichst wenig Fehler am Ende im Dokument stehen. Zweitens habe ich alles aus dem Medium herausgequetscht, was möglich war. Ich habe ein halbes Dutzend Schriften eingebettet, auch wenn ich manche nur an einer Stelle im Buch verwende, ich habe mit Drop Caps gearbeitet, ich habe unsorted Lists mit eigens erstellten Grafiken als Aufzählungszeichen verwendet und dergleichen mehr. Warum? Weil es mein Buch für die Leser schöner macht.

Aber zugleich wusste ich, dass da draußen jede Menge schlechter E-Reader kursieren, die das alles nicht anzeigen können. Deshalb habe ich das Buch noch ein zweites Mal gesetzt ohne den ganzen Firlefanz und in die Ausgabe mit dem schicken Layout habe ich ins Impressum geschrieben, dass sich jeder Leser bei mir melden kann, wenn er oder sie Anzeigeschwierigkeiten hat, und sie oder er bekommt dann das Simple Layout.

Das ist Wertschätzung. Und die fehlt mir bei euch leider komplett. Ihr macht das alles schnell und dreckig, möglichst ohne zusätzliche Arbeit. Aber Hauptsache möglichst viel Gewinn rauspressen. Womit wir zu Punkt sechs kommen.

6. Der Handel

Es ist eine unbequeme und bittere Wahrheit, aber in zehn, spätestens in zwanzig Jahren wird der Großteil des heutigen Buchhandels schlichtweg nicht mehr existieren. Aber statt zu überlegen, wie man neue Perspektiven schaffen kann, klammert ihr euch an alte Modelle. Ein Beispiel: Ich habe mal mit einer Angestellten von Libri verhandelt, ob sie nicht ein E-Book von mir vertreiben wollen. Libri bekommt beim Vertrieb von Printbüchern 50% Rabatt. Diesen forderten sie auch bei E-Books ein. Als ich fragte, wie sie den gleichen Rabatt rechtfertigen, da ihnen ja ihre Hauptkosten: Lager und Transport wegfallen, entgegnete mir die Dame, man habe „andere Kosten“. Interessiert fragte ich nach, welche Kosten das seien. Woraufhin sie sagte: Auf dem Niveau werde sie nicht weiterverhandeln. Ich bin dann zu Apple und Amazon gegangen und schau mir mal an, wie lange Libri es noch machen wird.

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten um die Kunden auch in Zukunft in den stationären Buchhandel zu locken: Beispielsweise das Hauptproblem, dass man E-Books nicht anständig verschenken kann, ließe sich toll lösen, wenn ich in der Buchhandlung einen Gutschein für ein ganz bestimmtes Buch kaufen könnte. Noch besser währe es, wenn ich wie beim Vinyl zum Printbuch den Downloadcode fürs E-Book dazu bekäme. Jeder Buchladen sollte außerdem nebenher noch einen Online-Shop betreiben, so wie es in anderen Branchen schon Gang und Gebe ist. Das wären Ansätze, dem Untergang zu entgehen. Aber all das wird (in erster Linie) durch Buchpreisbindung und DRM aktiv verhindert. Doch so wird das nichts, liebe Verleger und Händler. Womit ich zum letzten Punkt komme

7. Die Wertschätzung der Leser

Ja, eure Leser können sich eure Bücher auch illegal dafür aber ganz umsonst besorgen. Doch das werdet ihr nicht verhindern können! Denn immer, wenn für euch eine Firma einen neuen, teuren Kopierschutz geschrieben hat, setzt sich da draußen ein Schwarm hin und zerlegt diesen. Und da die Manpower des Schwarms jene eurer Programmierer ums tausend- oder gar millionenfache übersteigt, könnt ihr den Wettlauf nicht gewinnen.

Ja, ihr könnt jetzt Armeen von Anwälten aussenden, die jeden abmahnen, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Aber trotzdem werdet ihr immer nur die Spitze des Eisberges erwischen. Denn da draußen sind, wie gesagt, Millionen, die gegen euch arbeiten.

Und jetzt könnt ihr natürlich eure Leser als Diebe und Piraten, als unsolidarisch und was weiß ich beschimpfen, aber das wird euch nicht ein Buch mehr verkaufen. Im Gegenteil: Jedes mal, wenn ihr eure Leser beschimpft, zeigen die weniger Bereitschaft, sich für euch zu entscheiden, wenn sie vor der Wahl stehen, ob sie jetzt Geld für euer Buch bezahlen sollen oder nicht. Statt dessen wäre der gegenteilige Weg der Richtige: Zeigt euren Lesern, dass ihr sie wertschätzt. Bittet sie darum, euer Buch zu kaufen, statt es zu sharen und macht das Kaufen ihnen so einfach und so komfortabel wie möglich: eben niederschwellig. Denn da könnt ihr euch auf den Kopf stellen: eure Leser werden euch nur ihr Geld geben, wenn ihr sie darum bittet. Aber dann machen sie es gerne! Denn eure Leser lesen eure Bücher gerne, sie lieben und verehren euch und eure Autoren und wenn ihr ihnen sagt: Seht her, wir haben viel Geld und Zeit investiert, um dieses Buch zu produzieren. Damit wir von unserer Arbeit leben können und euch auch in Zukunft gute Bücher machen können, wäre es echt toll, wenn ihr uns ein paar Euro für eine Kopie geben könntet.

Und wisst ihr was? Sie werden! Glaubt ihr nicht? Dann schaut euch mal Flattr, Kickstarter, und Betterplace.org an. Da passiert das schon jetzt. Jeden Tag.

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Die Preisentwicklung bei E-Books

Es hat sich ziemlich wenig getan seit letzter Woche in den E-Book-Preisen. Der Preis zieht leicht an auf einen Durchschnittswert von 5,90 €. Damit liegt das Allzeitmittel bei 6,46 €.
Die E-Book-Preise stiegen Anfang Dezember leicht.
Die teuersten und billigsten Bücher haben sich bei keinem der drei Shops verändert. Ach nein, Her Jaud mit seinem Überman hat ein Strohfeuer abgebrannt und ist bei Apple nicht länger in den Top 10. Statt dessen sind auch hier die Grauschattierungen mit 9,99 € die teuersten Bücher.

Amazon bietet diese Woche die günstigsten Bücher für 5,51 €. Dort geht es auch weiter bergab für Shades of Grey, während die Bücher bei Apple und Google unverändert weit oben stehen (bei Google wieder nur durch die Grimmschen Märchen geschlagen).
Der Durchschnittspreis bei Google liegt bei 5,56 € und bei Apple hat er die 6,64 € erreicht. Bei Apple wirft der Kinostart des Hobbits seine Schatten voraus und katapultiert Tolkiens Buch in die Top 10. Meine Prognose: in zwei oder drei Wochen steht das Buch in allen drei Shops ganz oben.

Als Vorgeschmack gibt es hier schon einmal die beiden offiziellen Trailer:

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Die Preisentwicklung bei E-Books in dieser Woche, und mal ehrlich, es interessiert doch gar nicht welche KW das ist

Diese Woche kam es zu einem Preissturz auf das den Allzeittiefstpreis von: 5,52 €.
Der Vierwochendurchschnitt beträgt 6,60 €.

Die Preisentwicklung bei E-Books

Die Grafik zeigt: die Preise für E-Books fallen.

Pfennigfuchser waren erstaunlicherweise diesmal die Fanboys von Apple, die durchschnittlich 5,04 € für ein E-Book ausgaben. Sie folgten dabei jetzt auch den Androidlesern und hievten Grimms Märchen als günstigstes (oder sollte ich „billigstes“ sagen?) Buch in die Top 10. Für iLeser kostet dieses sogar nur 0,49€ und ist damit das günstigste Buch überhaupt in meiner kleinen Wochenstatistik. Aber auch das teuerste Buch wurde in iBooks gelesen: die große Werbekampagne des Fischerverlags scheint sich auszuzahlen Tommy Jaud: Überman für 14,99 € stieg auf Platz 10 der iBooks-Bestseller ein.

Androidleser bleiben sich treu und kaufen weiter Grimms Märchen wie die Blöden für 0,99 € (Platz 1 der Google Play Bestseller). Das teuerste Buch bei Google ist in dieser Woche Joshua Clark und Mark Lauren: Fit ohne Geräte (na, viel Erfolg beim sportlichen Lesen!) für sagenumwobene 12,99 €.

Bei Amazon ist die eigentliche Überraschung, dass es für die Shades of Grey bergab geht und die Trilogie erst auf den Plätzen 3,4 und 5 zu finden ist. Dafür sind sie in dieser Woche die teuersten Bücher für 9,99€. Neuer Nr. 1 Bestseller bei Amazon ist Nika Lubitch: Der 7. Tag. Das günstigste E-Book der Top 10 für den Kindle bleibt hingegen Marion Schreiner: die Scheune für 0,99 €.

Klicken Sie auch nächste Woche wieder rein, wenn es erneut heißt: was waren die teuersten Bücher?

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Preisentwicklung bei E-Books 2012 – KW47

Eine weitere Woche ist rum und hier die aktuelle Preisentwicklung bei E-Books.
Erstaunliches hat sich bei Amazon getan, da hat „Der 7. Tag“ von Nika Lubitch die „Shades“-Trilogie von Platz 1 verdrängt.
So hat dann auch der Neueinstieg von günstigen Büchern und das Verdrängen von Nele Neuhaus: „Böser Wolf“ aus den Top 10 dafür gesorgt, dass der Durchschnittspreis gewaltig gefallen ist.

Amazon-Durchschnittspreis: 5,95 €

Teuerstes Buch ist diesmal „Shades of Grey 3 / Befreite Lust“ von E. L. James, Andrea Brandl und Sonja Hauser für 9,99 €* und das günstigste bleibt „Die Scheune“ von Marion Schreiner fü 0,99€.

Google Play Käufer, mutmaßlich also alle, die über Android-Devices lesen, sind diesmal nicht länger die Sparfüchse, bleiben sich aber mit Grimms Märchen für 0,99 und dieser Hitler-Satire für 14,99 treu, was billigstes und teuerstes Buch anbelangt.

Google-Play-Durchschnittspreis: 6,69 €

Auch iBooks-Leser bleiben sich treu mit Nele Neuhaus „Böser Wolf“ für 16,99 €.als teuerstem und „Psychologie: Wie das Leben gelingt“ von Johanna Romberg für 0,99 € als günstigstem Buch. Allerdings drücken ein paar weitere Lebenshilfeschnäppchen für 0,99 € Den Durchschnitt etwas.

Der Durchschnittspreis bei Apple: 8,99 €.

Alles in allem liegt der durchschnittliche E-Book-Preis in dieser Woche also bei: 7,21 €

Nach drei Wochen hat sich der Allzeit-Durchschnittspreis für E-Books insgesamt auf 6,96 € eingependelt.

Was die inhaltliche Qualität der Bücher anbelangt, so empfehle ich dem Urteil meines Lieblingskritikers blind zu vertrauen:

Denis Scheck bespricht die Top 10 -Beletristik

*Bei gleichen Preisen, nehme ich das höher platzierte Buch.

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Reden wir über Geld – E-Book-Preisgestaltung

Da ich kein Geld habe, kann ich meinen Autoren, die ich hinter den Kulissen fleißig am Kontaktieren bin, erst einmal nichts bieten. Das ist natürlich ein schlechtes Geschäft. Aber ich habe auch schon eine Antwort darauf: Gewinnbeteiligung. Und wenn ich meine Einnahmen schon verteile, bevor ich sie überhaupt erzielt habe, muss ich mir zuallererst einmal Gedanken über den Preis machen, zu dem ich das E-Book anbieten möchte.

Ein 20 Markschein aus Altenburg in Sachsen aus dem Jahre 1918

20 Mark Altenburg (Sachsen), 1918, Vorderseite. Urheber: Altenburg (Sachsen).

Eines vorneweg: Außer bei Apple kann ich ein E-Book nirgends umsonst anbieten. Okay, ich könnte es auf die eigene Webseite stellen oder als Torrent ins Netz. Ferner könnte ich es exklusiv bei Amazon anbieten und bekäme fünf Tage oder so geschenkt, an denen die Kunden das Buch umsonst downloaden können. Woooohoooo! Aber abgesehen davon, dass ich damit den letzten Anreiz für potentielle Autoren in den Wind schießen würde, könnte ich auch nicht die Reichweite der Kombination von Amazon, Apple und Google nutzen. Also werde ich Geld für das Buch verlangen.

Wie nun soll ich festlegen, wie viel Geld ich für das E-Book verlangen soll? Denn in dieser Wahl bin ich zunächst einmal frei, abgesehen von den Grenzen, die mir Amazon auferlegt und der Forderung von Apple, dass der Preis entweder auf ,99 oder ,49 enden muss.

Die veränderten Produktionskosten
Wen auch immer ich im Netz als Vorbereitung hierzu gelesen habe, sagte vor allem eines:

Die Leser möchten, dass E-Books signifikant günstiger sind als gedruckte Bücher, ansonsten gäbe es für sie keinen Anreiz zum Wechsel. Demgegenüber weinen die Verlage immer ein bisschen, dass die Produktion von E-Books teurer wäre, als immer alle denken. Da zwar einerseits Kosten wegfielen, aber andererseits auch sagenumwobene „neue Kosten“ entstünden.

Gehen wir also der Sache mal auf den Grund. Was kostet die Herstellung eines Printbuches und was die eines E-Books?

Im Vergleich zum Printbuch spare ich durch die E-Production durchaus etwas ein. Die Frage ist: wie viel? Dafür muss ich mir zunächst einmal Gedanken machen, welche Unkosten ich habe. Sowohl im Print, als auch im E-Book muss ich folgende Produktionskosten einberechnen:

1. Das Autorenhonorar
2. Redaktion und Lektorat
3. Das Layout
4. die Covergestaltung und andere Grafiken
5. Werbung
6. Allgemeine Vertriebskosten wie die Erstattung von zurückgegebenen Exemplaren und Ähnliches.

Was beim E-Book aber wegfällt, hingegen beim Printbuch ins Kontor schlägt, sind:

1. Druck (inklusive der Vorstufe und der Bindung)
2. Transport und Lagerung.

Ferner darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass der Händleranteil beim E-Book (abgesehen von Google) mitunter signifikant geringer ist. Als kleiner Verlag bin ich im Printvertrieb auf die großen Zwischenhändler, die Barsortimente, angewiesen. Diese verlangen etwa die Hälfte vom Kuchen. Im Buchhandel schwanken die Rabatte zwischen 35% und 50%. Wenn ich aber heute einen Verlag gründen würde, müsste ich wohl erst einmal 50% gewähren. Hingegen bietet im E-Book-Vertrieb Apple die besten Konditionen und verlangt nur 30%.

Doch zunächst zu Druck, Transport und Lagerung. Das sind recht schwer zu errechnende Werte, da sie abhängen von der Auflagenhöhe des gedruckten Buches, sowie von der Wahl des Materials. Klar, wenn ich viele bunte Seiten auf einem hochwertigen Papier haben möchte, wird der Spaß teurer, als wenn ich auf Farbe verzichte und braun-graues Recyclingpapier nehme. Ferner verlangt die Druckerei einen höheren Prozentanteil je geringer die Auflage ist. Lasse ich nur ein Buch ‚on Demand‘ drucken, schlagen die Kosten für die Prüfung der Daten, (gegebenenfalls) das Anfertigen der Druckvorlagen, das Hochfahren der Maschine und die Ausfälle durch Material- oder Maschinenfehler für die Druckerei viel höher ein, als wenn ich 1.000 Bücher im Bogenoffsetdruck produzieren lasse oder gar 50.000 im Rollenoffsetdruck. Dem gegenüber habe ich natürlich geringere Kosten für Lager und Transport, je geringer meine Auflage ist.

Trotz aller Widrigkeiten wollte ich gerne eine Zahl haben und habe mich im Internet auf die Suche begeben. Leider schweigen sich die Verlage über Produktionskosten weitgehend aus.
Recht gute Infos fand ich (mal wieder) beim Berlin Story Verlag sowie bei Turmsegler. Auch schön war diese Stimmensammlung bei boersenblatt.net.

Dennoch brachte mich das alles nicht wirklich voran in der Frage, wie viel Prozent denn nun Druck, Lager und Transport an den Produktionskosten ausmachen. Nach langer Suche habe ich bei Voland & Quist zumindest mal eine Zahl gefunden, die da jetzt so ganz ungeprüft steht. Wenn ich die Euroangaben überschlage, belaufen sich die Druckkosten auf etwa 14%. Händlerrabatt und Vertriebskosten (also auch Versand und Lager) fasst Voland & Quist zusammen. Gehe ich von 50% Prozent Händlerrabatt aus, dann bleiben noch etwa 7% für Lager und Versand. Schließlich kommt dann noch der Unterschied bei den Händlerrabatten.
Ich habe ja schon geschrieben, welchen Rabatt man bei Google (zwischen 48% und 55%) und bei Amazon (zwischen 31% und 65%) gewähren muss. Hinzu kommt der Rabatt von Apple. Der, wie oben schon geschrieben, folgendermaßen aussieht:

Apple 30% - wir 70%

Der Einfachheit halber gehe ich davon aus, dass unser E-Book nicht allzu viele Megabyte haben wird, sodass wir unsere „Liefergebühren“ niedrig halten und wir Amazon 40% Rabatt einräumen müssen. Bei Google hingegen kann ich nicht einschätzen, wie viele E-Books wir über Play und wie viele über angeschlossene Shops verkaufen, weshalb ich den Mittelwert nehme: etwa 52%.

Im Schnitt müssen wir also einen Händlerrabatt von 41% gewähren. Das sind noch einmal 9% weniger als im Handel mit gedruckten Büchern.

Alles in allem kommt heraus, dass die Produktionskosten von E-Books grob geschätzt 30% niedriger liegen als die von gedruckten Büchern.

Das Problem, das sich mir als nächstes stellt, ist die Frage, von welchem Buchpreis ich jetzt ausgehen möchte. Schließlich liegen Welten zwischen einem in Leder gebundenem Buch und einem Reclam. Ich hab da mal was vorbereitet™, eine Stichprobe gemacht und vollkommen willkürlich in mein Bücherregal gegriffen, um zehn verschiedene Bücher zu entnehmen und einen Mittelwert ihres Preises zu errechnen. Das teuerste war erstaunlicherweise kein Hardcover (von denen ich auch zwei gewählt habe) sondern ein ‚Lonely Planet‘ für 26,50 € und das günstigste erwartungsgemäß ein Reclam (Kafkas Prozess) für 2,10 €. Der Durchschnittspreis lag bei 12,07 €. Wobei zu erwähnen ist, dass meine Bibliothek recht Taschenbuchlastig ist. Aber darin sehe ich kein Problem, denn wenn man den amerikanischen E-Book-Markt ansieht, so stehen gerade Taschenbücher in direkter Konkurrenz zu E-Books.

70% von 12.07€ sind 8,45€.

8,45€ wäre also ein fairer Preis für ein E-Book.

Allerdings habe ich zwei Probleme mit dieser Zahl. Zum einen sind alle Werte, die ich oben angebe, recht wackelig. Zum anderen scheint sie mir nicht dem Leserwunsch zu entsprechen, signifikant günstiger zu sein als Printbücher. Kar: 30% sind 30% sind 30% und schließlich will ich ja meine Autoren beteiligen. Aber ein Buch gibt man für Leser heraus und was bringt mir alle Herrlichkeit, wenn es am Ende keiner kauft. Deshalb habe ich mir noch mehr Zahlen angeguckt:

Angebot und Nachfrage

Ich habe noch einmal etwas vorbereitet™ und wieder eine Stichprobe genommen (am 05. November 2012). Diese ergab, dass der durchschnittliche Preis für ein E-Book in Deutschland, unter der Berücksichtigung der Portale, in denen mein Buch präsent sein wird, zurzeit bei 6,02 € liegt.

Diese Zahl habe ich ermittelt, in dem ich den Durchschnittspreis der Top 10 bei Amazon, bei Apple und bei Google errechnete und daraus wieder den Durchschnitt bildete.

Im Detail sahen die Preise so aus:

Durchschnittspreis für E-Books bei Amazon: 6,68 €
Durchschnittspreis für E-Books bei Apple: 7,04 €
Durchschnittspreis für E-Books bei Google: 4,35 €

Wobei die ‚Shades of Grey‘-Trilogie mit jeweils 9,99 € den Preis wohl ziemlich nach oben getrieben hat. Ich denke, ich werde das mal beobachten.

Wenn ich aber den eben errechneten Preis marktüblich und applekonform abrunde, komme ich somit auf einen

Verkaufspreis von 5,99 €.

Und das erscheint mir sehr fair für die Leser. Obendrein dürfte auch noch nach dem Händlerrabatt genug übrig bleiben, sodass die Autoren nicht ganz leer ausgehen.

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