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Zustand des deutschen E-Book-Marktes im Oktober 2014

Ich habe mal wieder versucht, ein E-Book zu kaufen…

Ich möchte Richard Dawkins: Das egoistische Gen* lesen. Und ich möchte es als E-Book lesen. Am liebsten als ePub3 ohne DRM, sodass ich es sowohl auf dem Mac und dem iPad in iBooks lesen kann, als auch auf meinem Android-Handy in Play-Books. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, mal sehen, was am Ende des heutigen Tages von meinen Wünschen übrig bleibt…

Ohne zu wissen, was mich dort erwartet, einfach aus Neugier beginne ich mal meine Suche bei Sobooks, dem neuen Stern am E-Book-Himmel. Sobooks sieht spannend aus, aber mein Buch gibt es da nicht, außerdem hätte ich es nur online lesen können, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Sobooks führt mein Buch nicht

Sobooks führt mein Buch nicht

Mein nächster Anlaufpunkt ist die Seite des Verlages. Das egoistische Gen ist beim Springer Fachverlag erschienen, der sogar einen eigenen E-Book-Shop hat. Die Seite scheint allerdings etwas instabil zu sein, vielleicht hatte sie aber auch nur einen schlechten Tag, jedenfalls konnte sie ständig nicht geladen werden, war dann mal wieder kurz da, anschließend wieder weg.

Daher schaute ich zwischendurch mal bei einem der großen Drei vorbei: im iBook-Store bin ich leider nicht erfolgreich. Das egoistische Gen wird dort nicht angeboten. Nur auf Englisch gibt es das Buch für 10,99 Euro. Der Preis wäre noch okay für mich, aber ich würde das Buch wirklich gerne auf Deutsch lesen.

Nun gut, mal gucken, ob ich bei Google Play mehr Erfolg habe. Dort gibt es das E-Book für 14,99 Euro, doch ein Blick ins Buch verrät, dass es gar kein E-Book ist, sondern ein PDF. Das man nicht wirklich auf dem Handy lesen kann.
Auch bei Amazon gibt es keine Version für den Kindle, sondern nur ein Taschenbuch*, das ich aber immerhin schon ab 16 Euro inklusive Versandkosten bekomme. Auf Englisch kann ich hier übrigens auch das E-Book bekommen und zwar für nur 6,86 Euro. Das verstehe ich nicht: Da heulen die Verlage rum, wie böse Amazon ist, aber dennoch bietet OUP Oxford das E-Book hier für über 4 Euro weniger an als bei Apple. So werdet ihr bestimmt Amazons Dominanz brechen, liebe Verlage!

In der Zwischenzeit hat sich die Seite von Springer gefangen und was ich da lese, lässt mein Herz kurz höher schlagen:

Springer Fachverlag über seine E-Books

Springer Fachverlag über seine E-Books

Springer sagt, das Buch lasse sich auf allen gängigen Readern lesen und sei sogar DRM-frei. Das ist ja top! Dafür bin ich sogar bereit die geforderten 14,99 Euro zu zahlen. Doch auf den zweiten Blick folgt sofort die Ernüchterung…

Erhältliche Formate: PDF

…heißt es da. PDF ist KEIN E-Book, sondern eine Datei, die du zur Druckerei tragen kannst! Und zu behaupten, dass ich ein PDF auf allen Readern lesen kann, ist schon kein Euphemismus mehr sondern kratzt haarscharf an der Lüge. Formal ist das zwar möglich, aber wenn ich versuche das PDF auf einem 4“ Handydisplay zu lesen, bekomme ich am Ende wahrscheinlich eine Sehnenscheidenentzündung vom vielen hin-und-her-scrollen…

Aber noch bin ich mit meinem Latein nicht am Ende. Da gab es doch noch dieses tolle Tolino-Netzwerk. Mal schauen was ebook.de so im Angebot hat. Ich weiß, ich weiß: Das grenzt schon an Verzweiflung. ebook.de führt immerhin auch das PDF, im Gegensatz zu Weltbild, das nur Sekundärliteratur bietet. Die Konkurrenz von ebookS.de bietet neben dem PDF für 14,99 immerhin auch die Möglichkeit, das Buch online zu lesen, auch wenn ich befürchte, dass man sich dafür in die Flash-Hölle begeben müsste.

Das Taschenbuch bekomme ich übrigens bei ZVAB auch ab 14 Euro inklusive Versand und bei Booklooker sogar schon ab 6 Euro! Nun könnte man natürlich einwenden, dass das nicht ganz fair ist, schließlich gibt es keine gebrauchten E-Books zu kaufen. Das wiederum ist aber eines der Hauptargumente, warum die Verlage E-Books dringend günstiger machen sollten…

Und so schade das ist, bevor ich mir jetzt ein PDF für 15 Euro kaufe, dass ich dann halbgar mit Calibre in eine ePub umwandeln muss, von dem ich dann so wenig überzeugt sein werde, dass ich am Ende noch selbst den Texteditor öffne um das E-Book, für das ich bezahlt habe, schön zu machen, bevor ich das also mache und damit wahrscheinlich sogar den Bereich dessen verlasse, was ich legal mit einem E-Book machen darf, da kaufe ich mir doch lieber für 6 Euro ein Taschenbuch.

Fazit: Das E-Book ist im Herbst 2014 noch immer nicht in Deutschland angekommen.

*hinterhältiger Affili-Link: Kauf ihr das Buch, bekomme ich eine winzige Provision und freue mich.

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Notiz zum Zustand des E-Book-Marktes in Deutschland 2014

Ich will eigentlich wieder mehr lesen. Also Bücher, denn ich lese den ganzen Tag, aber in letzter Zeit fast immer Texte im Internet. Das Buch, das auf meinem Nachttisch liegt, ist „Die offene Gesellschaft und Ihre Feinde I„* von Karl Popper. Nach anfänglichen Schwierigkeitem hat es mich mitlerweile durchaus gefesselt. Aber dennoch lese ich eher selten darin.

Einer der Gründe dafür ist ganz klar, dass es sich um ein dickes Hardcover handelt, das gefühlt 93,5 Kg wiegt. Wenn ich morgens das Haus verlasse, trage ich neben meinem Smartphone immer auch die ca. 294 Kg schwere illustrierte Version von Michael Endes „Momo„* mit mir herum, um diese in der Bahn auf dem Weg zur Kita meiner Tochter vorzulesen.

Daher hatte ich eine knorke Idee: Das ist der Paradefall, um mir die offene Gesellschaft als E-Book zu ziehen und dann immer auf dem Smartphone zu lesen. Ich also rein in den Google Play Store und gesucht: Fehlanzeige. Keine Gesellschaft, weder offen noch geschlossen, weit und breit.

Also gut, dann eben doch die Kindle-App mit ihrer Minimalästhetik. Geklickt, gewartet, gestaunt: Auch hier nur der Hinweis: Informieren Sie den Verlag, dass Sie das Buch gerne als E-Book lesen wollen.

Hmm, krass. Als Probe aufs Exempel habe ich auch noch in iBooks vorbeigeschaut, obwohl das iPad von der Dame benutzt wird: Nix, auch hier nicht zu finden, das Buch.

Das kann doch nicht sein, denke ich so bei mir und befrage als nächstes dir große Suchmaschine nach „Die offene Gesellschaft E-Book“ – 414.000 Treffer. Davon gefühlte 413.949 Hausarbeiten beim Grin Verlag über die offene Gesellschaft aber nicht der Text im Original.

„Fündig“ werde ich schließlich bei Weltbild. Dort bietet man mir „Karl Raimund Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (eBook / PDF)“ für 12,99 Euro an.

*Riesenseufzer hier einfügen*

Was mich daran stört? Zum ersten: PDF IST KEIN BESCHISSENES E-BOOK SONDERN EINE DATEI, DIE IHR ZUR DRUCKEREI TRAGEN KÖNNNT!!!!! Wie soll ich denn bitte ein seitenbasiertes PDF auf einem 4-Zoll-Bildschirm lesen? Bevor ich mit einer Seite fertig bin, sind mir die Finger vom hinundherscrollen abgefallen.

Und zum zweiten: dafür verlangt ihr 12,99? Ich kenne ja eure Argumente, dass E-Books nicht aus Luft und Liebe gemacht werden. Aber dieses PDF habt ihr ÜBERHAUPT NICHT GEMACHT! Das PDF liegt bei euch rum, seit ihr es an eure Druckerei ausgeliefert habt. Es war 0,00 Euro wert, bis jemand erklärte: „Eigentlich sind PDFs doch auch E-Books“ und schwupp, habt ihr eine extra Einnahmequelle zum maßlosen abkassieren.

Ich weiß, dass dies nur eine Einzelfallbeschreibung ist. Aber so wie ich das beobachtet habe, ist sie symptomatisch für den Zustand des deutschen E-Book-Marktes und einer der Gründe, warum euch euer unflexibles Gebahren in nicht allzu ferner Zukunft um die Ohren fliegen wird und das Verlagswesen in die Krise stürzen wird!

*hinterhältige Affili-Links.

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Antwort auf die Google-Suche: Kindle, PDF, sauberes ePub und Rechtliches

Ihr fragt, ich antworte. Erstaunlich viele Menschen werden von Google mit ganz konkreten Fragen zu mir geschickt und erstaunlich viele dieser Fragen kann ich beantworten. So zum Beispiel die folgenden.

Screenshot Google-Suche

Screenshot Google-Suche

„Bücher verkaufen“ Kindle Paperwhite 

Zunächst einmal bleibt festzustellen, dass es prinzipiell egal ist, ob du Bücher für den klassischen Kindle, den Kindle touch oder den Kindle Paperwhite verkaufen möchtest. Lediglich beim Kindle Fire stehen dir ein paar Features mehr, wie fixed Layout oder Multimedialität zur Verfügung.

Was brauchst du, um Bücher bei Amazon verkaufen zu können? 

Zunächt ein Konto bei Kindle Direct Publishing. Das klickst du dir in fünf Minuten, wie ich bereits erklärt habe. Dann brauchst du mittlerweile auch eine amerikanische Steuer ID. Wie du an die kommst, habe ich auch bereits erklärt. Das ist zwar unwesentlich schwerer aber auch keine Hexerei. Sollten dennoch Probleme auftreten, kann ich gerne behilflich sein. Dann musst du natürlich Inhalt haben. Sollte dieser im Fließtext vorliegen, ist der einfachste Weg, ihn im ePub-Layout-Programm Sigil zu setzen. Sigil ist Opensource und entsprechend kostenlos. Es hat einen What-You-See-Is-What-You-Get-Editor aber auch eine HTML-Ansicht. Denn ePub, genau wie mobi sind HTML-Dialekte. Hier im Blog findest du alles relevante zum Layout unter dem Tag #ePrdctn, mit dem du auf Twitter auch weitere spannende Tipps findest. Ist dein Buch fertig gesetzt, wandelst du es am besten mit dem Kindle-Previewer um. Auch beim Layout bin ich gerne behilflich, wenn ihr mal ein Problem habt. Sofern es sich da nur um Kleinigkeiten handelt, mache ich das übrigens in der Regel umsonst. Anschließend lieferst du deine Daten bei Amazon an, das ist auch ziemlich einfach. Das Spannenste dabei ist noch, dass du dich zwischen 35% und 70% Tantiemen entscheiden musst.

Du wirst wahrscheinlich nicht unglaublich viel verdienen mit deinem E-Book, aber das was du verdienst, musst du dann natürlich versteuern. Ich habe mich schlau gemacht und in Deutschland giltst du als Händler, wenn du E-Books über kdp verkaufst. Das heißt, du kannst das nicht als freiberufliche Tätigkeit versteuern, sondern musst ein Gewerbe anmelden. Dafür musst du (zumindest in Frankfurt) aufs Ordnungsamt. Die Anmeldung selbst dauert aber nur fünf Minuten und die Beamten beraten dich, was du wie machen musst. Das ganze kostet dann auch noch einen zweistelligen Eurobetrag Bearbeitungsgebühr. Nach ein paar Wochen bekommst du dann ein Formular vom Finanzamt, in dem du angeben musst, mit welchem Gewinn du rechnest. Da das im Normalfall keine Unsummen sein werden, kannst du einen Antrag auf Anerkennung als Kleingewerbetreibender stellen, dann brauchst du keine Gewerbe- und keine Mehrwertsteuer zu zahlen, sondern nur deinen Gewinn versteuern…

Wem das alles zu tricky ist, dem biete ich, wie viele andere auch den Service an, dass ich das alles übernehme. Im Gegensatz zu manch anderem, verlange ich dafür keine Bearbeitungsgebühren, sondern lediglich eine kleine Gewinnbeteiligung. Welchen Service ich insgesamt anbiete, findet ihr hier. Aber bevor das hier noch zur Werbeveranstaltung verkommt, schnell weiter zur nächsten Frage:

PDF zu sauberen ePub

That’s a tricky one. Das Grundproblem ist, dass du das properitäre, seitenbasierte PDF-Format in einen offenen, auf HTML-basierenden, responsiven Standard wandeln musst. Dafür stehen dir im Grunde zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Am saubersten wird es, wenn du Zeile für Zeile und Absatz für Absatz von Hand kopierst und dann noch die ganze Worttrennungen im HTML von Hand korrigierst. Das ist natürlich ein einziger „Pain in the Ass“, weswegen du diese Arbeit auch von meiner Nemesis Calibre erledigen lassen kannst.

Aber Calibre macht eines genau nicht: sauberes ePub. Das kannst du ihm in diesem Fall nicht einmal verdenken, denn das Problem ist einfach, dass PDF so störrisch ist und Calibre schlichtweg nicht entscheiden kann, was eine relevante Information ist und was nicht. So bleibt dir auch nach der automatischen Konvertierung nichts anderes übrig, als den Quelltext noch einmal von Hand durchzugehen und die ganzen unsinnigen HTML-Auszeichnungen und CSS-Befehle, die wahrscheinlich entstanden sind, rauszulöschen.

Eine Frage geht noch:

Kindle Direct Publishing rechtlich

Es gibt im Wesentlichen vier rechtliche Punkte zu beachten, wenn du E-Books bei Amazon verkaufen willst:

  1. Du brauchst eine amerikanische Steuernummer.
  2. Du musst das Urheberrecht berücksichtigen, darfst also keine Inhalte veröffentlichen, an denen du nicht die Rechte hältst.
  3. Du musst das Markenrecht beachten, darfst also keine eingetragenen Markenzeichen etwa als Titel deines Buches verwenden. Anders sieht das möglicherweise aus, wenn du über ein entsprechendes Produkt schreibst, konsultiere hierzu einen Anwalt.
  4. Und du musst ein Gewerbe anmelden, um deine Einnahmen richtig versteuern zu können.

Wie immer gilt übrigens: Ich bin kein Jurist, sondern nur stinknormaler Indie-Publisher. Wenn du sicher gehen willst, dann frag einen Fachmann.

Haut Fragen und/oder Anregungen einfach in die Kommentare, dann freue ich mich. Genauso freue ich mich natürlich auch, wenn Ihr diesen Post weiterverbreitet oder mich flattert.

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Das große PDF-Missverständnis

Leute, mal ehrlich, es spricht überhaupt nichts dagegen, eure Daten ins Netz zu stellen in Form eines PDFs. Die große Mehrheit arbeitet nach wie vor an Desktop-Computern und Laptops, auf denen man PDFs optimal nutzen kann.

Aber bitte hört auf, in diesem Fall von E-Books zu sprechen! PDFs sind keine E-Books. E-Books sind elektronische Textdokumente die für E-Reader und Tablets optimiert wurden. Und genau das trifft auf PDF nicht zu.

Ich will hier mal die These in die Welt stellen, dass – egal welches E-Book-Format sich in Zukunft als Sieger durchsetzen wird – es auf jeden Fall folgende Features unterstützen muss:

1. Veränderbare Textgröße
2. Responsive Design
3. Die Möglichkeit zu Fixed Layout, das aber auf die Bildschrimgrößen von Tablets und E-Readern optimiert wurde
4. Unterstützung von HTML, CSS und JavaScript

All das (unter Ausnahme der meist ungenutzten Möglichkeit von 3.) trifft auf PDF nicht zu.

So schwappte in meine Timeline eine Meldung der Bundeszentrale für Politische Bildung, dass sie ein E-Book zum Thema „Marketing im Web 2.0 für Bidungsanbieter“ herausgegeben haben. ‚Toll‘, denke ich mir und wil schauen, was die BPB da schönes gecoded hat, welche Tools sie verwendet hat (findet man in den Metadaten), ob sie sauberen Code schrieben oder alles quick and dirty Calibre-Style machten.

Doch statt ein E-Book vorzufinden, wie angekündigt, also eine ePub- oder Mobidatei, stoße ich nur auf ein PDF und eine ODT-Datei (Das Format von Open Office). -.-

Ich gehe doch auch nicht hin, tackere eine Blättersammlung zusammen und nenne sie dann Buch. Ich habe es einmal gesagt und ich sage es wieder: PDF ist ein Format, mit dem ich meine Daten zur Druckerei trage. Es unterstützt weder Responsive Design noch ist es in der Regel auf dem Abmessungen von Readern oder Tablets abgestimmt, was zu Scroll-Exzessen führt. Schließlich und endlich gibt es auch kaum Enhancement, also die multimediale Anreicherung in PDFs, weil Adobe sich an seinen Flash-Standard klammert wie ein Bonobobaby an die Mama. Aber Flash wird halt nicht von iOS unterstützt und auch Android lässt es mehr und mehr sein.

Echte E-Books (zur Zeit ePub und Mobi) setzen auf HTML, CSS und Java, damit kann ich entweder variablen Text erzeugen, der sich jedem Lesegerät anpasst, oder ich mache fixed layout E-Books, die auf die Displaygröße meines Devices optimiert wurden. Zudem kann ich interaktive Elemente, Videos und Audiodateien einbinden.

Ich jedenfalls werde mit dem Predigen hier nicht aufhören, bevor auch der letzte es verstanden hat:

PDFs sind keine E-Books.

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#Eprdctn 1 – Die ePUB-Datei

Ich habe hier jetzt schon so oft erzählt, dass ich es voll drauf habe mit der #Eprdctn *hüstel*, da dachte ich mir, ich sollte das auch langsam mal unter Beweis stellen. Ich möchte dies tun, indem ich euch einfach mal unser Objekt der Begierde vorstellen möchte: Das E-Book.
Wie ein guter Anatom (oder sagt man Anatomist?) möchte ich das von innen heraus tun. Im Zentrum davon wird das Dateiformat ePUB stehen, wobei es für heute erst einmal egal ist, ob in der Version 2 oder 3.

Warum ePUB? Ganz einfach!

Meiner bescheidenen Meinung nach ist PDF gar kein E-Book-Format, sondern eine exhumierte Datei, mit der man ein Layout zur Druckerei trägt. Klar es gibt wunderschöne PDFs, auch die neuen interaktiven Elemente sind (teilweise) durchdacht und machen Spaß, aber um PDF geht es mir hier schlichtweg nicht. Wollt ihr ein PDF erzeugen, dann besorgt euch am besten InDesign, das ist und bleibt das beste Layoutprogramm für diesen Zweck. Wenn ihr gerade keine 900€ im Sparschwein habt, dann könnt ihr mit ‚Word‘ oder dem ‚OpenOffice Writer‘ auch schon ein bisschen was anfangen und aus letzterem sogar direkt PDFs exportieren.

Unser dritter Kandidat, das Mobipocket-Format, also die Kindle-nativen Dateien wiederum sind kein offenes Format. Es gibt zwar vertrackte Methoden, eine Mobipocket-Datei zu öffnen (leider finde ich gerade den Link nicht, ich werde ihn nachreichen), aber eigentlich will Amazon das nicht und es ist auch nicht notwendig, denn im Grunde steckt dahinter das gleiche wie bei ePUB und Amazon empfiehlt sogar explizit, dass man sein E-Book in ePUB schreibt und dieses dann anschließend mit dem KindleGen in mobi umwandelt. Natürlich muss man darauf achten, welche Spezifikationen kf8 (das ist die neueste Sprache, die hinter mobi steckt) unterstützt und welche nicht. Ich habe rechts die Dokumentation verlinkt.

ePUB

Womit ich also bislang gearbeitet habe und weiter arbeiten werde, ist ePUB. Die erste Frage, die sich uns stellt, ist: wie erzeuge ich denn so eine ePUB-Datei. Ein ePUB ist im Grunde nichts weiter als ein Zip-Ordner. Ihr könnt sogar euer E-Book umbenennen von DieUndertaker24.COM/YEAH!.epub in .zip und es anschließend entpacken. Aber vorsichtig! Macht das nicht mit der einzigen Version, die ihr habt, denn wenn ihr es anschließend wieder zippt und umbenennt, ist es unleserlich. Ihr müsst es ganz speziell zippen, für Mac habe ich unter ‚Tools‘ ja bereits ein Programm hierfür vorgestellt, für andere Betriebssysteme suche ich noch.

Im Grunde könntet ihr also alle Dateien stur mit einem Texteditor schreiben, dann verpacken und hättet so euer ePUB. Natürlich gibt es komfortablere Methoden. Beispielsweise könnt ihr euer E-Book erst in einem anderen Programm layouten, angefangen vom einfachen Texteditor über Word bis hin wieder zu InDesign und das so entstandene Dokument dann mit diversen Tools in ePUBs umwandeln. Da gibt es Tools, die bessere Ergebnisse liefern (einmal mehr: InDesign) und welche die schlechtere liefern (etwa Calibre). Schließlich bleibt euch noch der Weg, mit einem speziellen ePUB-Editor zu arbeiten (einzig mir bekannter: Sigil) und da ich gerade eben nicht die 900 Euronen für InDesign habe, Calibre mir zu unsauber arbeitet und wir so oder so den Code noch einmal Zeile für Zeile anschauen müssen, wenn wir gute Ergebnisse wollen, wird Sigil das Instrument meiner Wahl sein.

Die Ordnerstruktur eines ePUB

Doch noch nicht heute, wo es mir erst einmal ums Kennenlernen geht. Denn Sigil versteckt vor uns pflichtbewusst all die Dateien, die wir nicht brauchen, sondern die Sigil automatisch erzeugen kann. Daher habe ich ein ePUB, an dem ich gerade bastle, entpackt und stelle es euch hier vor. Leser, das ist ePUB. ePUB, das ist der Leser.

ePUB-Datei

Wie ihr sehen könnt, stecken in unser Datei zwei Ordner und eine mimetype-Datei. Die mimetype definiert für jede Maschine, die versucht, unser ePUB zu lesen, um welchen Dateityp es sich handelt. Die Wikipedia erklärt das ganz wunderbar, sodass ich hier gar nicht weiter darauf eingehen muss.

Ordner Meta-Inf in der ePUB-Datei

Der Ordner META-INF ist ebenfalls schnell abgehandelt, er enthält lediglich eine XML-Datei, die nichts weiter tut, als dem Lesegerät zu sagen, dass es eigentlich alle Infos, die es braucht im Ordner OEBPS in der Datei content.opf findet.

Wirklich spannend ist also der Ordner OEBPS. Das steht für ‚Open eBook Publication Structure‘ und ist ein Relikt aus den Anfängen der digitalen Bücher, denn der Vorläufer unseres ePUB-Standards nannte sich noch ‚Open eBook‚. Schön, dass wir uns so noch ein bisschen an ihn erinnern.

Ordner OEBPS einer ePUB-Datei

Dieser OEBPS-Ordner wurde von Sigil erzeugt. Der Inhalt muss nicht bei jedem ePUB genauso aussehen, aber die hier vorhandenen Elemente müssen immer da sein. Gehen wir sie der Reihe nach durch.

content.opf

Das Herzstück ist die Datei content.opf. Es handelt sich hierbei um die Container-Datei, die hauptsächlich mit dem Reader kommuniziert, indem sie ihm sagt, wo er welches Dateiformat findet, in welcher Reihenfolge er die Textdateien anzeigen soll und welche Metainformationen der Editor mitgeliefert hat. Wir werden uns noch ausführlich mit der content.opf befassen, denn ohne sie gibt es kein E-Book. Hier ist nur erst einmal wichtig, dass alle Ordner und Dateien in der content.opf ausgezeichnet sein müssen, oder sie existieren für die Lesegeräte schlichtweg nicht. Solange ihr das aber macht, könnt ihr die wildesten Ordnerstrukturen anlegen oder komplett auf Ordner verzichten.

Fonts

Als nächstes haben wir da den Ordner ‚Fonts‘, in den ihr einfach alle Schriftsätze packt, die ihr in eurem E-Book verwenden wollt, am besten im ‚Open Type‘-Format. Aber Obacht! Schaut euch die Lizenzen der Fonts genau an. Dürft ihr sie verwenden? Dürft ihr sie auch kommerziell verwenden? Und last not least: dürft ihr sie denn auch weitergeben? Wie ich oben beschrieben habe, kann jeder, der ein ePUB erwirbt (das nicht mit DRM versehen ist) dieses einfach entpacken und sich die Schriftsätze herausholen. Meines Wissens nach gibt es noch keinen Präzedenzfall, ob der Verlag dann für die Weitergabe haftet.

Images

Der Ordner ‚Images‘ enthält entsprechend alle Bilder, die im ePUB verwendet werden sollen.

Styles

Der Ordner ‚Styles‘ enthält die CSS-Datei, die später der Hauptverantwortliche sein wird für das Aussehen eures E-Books. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch mehrere CSS-Dateien verwenden, ihr müsst sie nur entsprechend angeben. Ferner müsst ihr beachten dass ePUB (genau wie mobi) nicht alle CSS-Befehle akzeptiert, die im Web funktionieren. Außerdem gibt es eine Handvoll Befehle, die im Netz keinen Sinn machen würden und ePUB-spezifisch sind. Das alles findet ihr in den von mir verlinkten Dokumentationen und ich werde später auch noch genauer darauf eingehen.

Text

Als nächstes haben wir da noch den Ordner ‚Text‘ in diesem steckt – ihr habt es bestimmt erraten – unser eigentlicher Buchtext. Und zwar in Form von HTML-Dokument(en). Prinzipiell könnt ihr alles in ein HTML-Dokument packen. Allerdings sind besonders die reinen E-Reader in Sachen Rechenleistung etwas schwach auf der Brust, sodass ich euch das nicht raten kann. Genauso könntet ihr für jeden Satz ein eigenes HTML-Dokument anlegen, aber auch das ist nicht ratsam, denn bei jeder neuen Datei fügen die Reader automatisch und notgedrungen einen Seitenumbruch ein. Ihr solltet euch also vor Beginn eine sinnvolle Dokumentstruktur überlegen. Als Faustregel sind Kapitel ein guter Beginn.

Das Inhaltsverzeichnis

Schließlich haben wir noch die Datei mit dem kryptischen Namen toc.ncx. Das ist das Inhaltsverzeichnis (Table of Content). So ziemlich jeder Reader kann Seitenunabhängig immer auf das Inhaltsverzeichnis zugreifen. Damit dies gelingt, braucht er die toc.ncx.

So lieber Leser, das ist also unser ePUB. Ich hoffe, es ist dir sympathisch und du schaust mal wieder rein. Bis dahin: viel Spaß!

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Formate

Ein Wesen mit drei Gesichtern (und noch mehr Är… Äh, Sie wissen schon), so stellt sich das E-Book dieser Tage dar. Denn das E-Book gibt es nicht. Drei Formate in verschiedenen Versionen geben den Ton an.

PDF

Logoaus der Adobe Creative Suite 4 für PDF. Urheber: Adobe Systems.

Logo aus der Adobe Creative Suite 4 für PDF. Urheber: Adobe Systems.

Da wäre zunächst einmal Adobes PDF-Format und es ist erstaunlich, wie viele Menschen das noch immer für das E-Book-Format schlechthin halten. Ist es nicht, um so viel hier ein für alle Mal klarzustellen. Warum? Nun, dafür muss man sehen, woher PDF kommt. Es ist das Dateiformat, mit dem Mediengestalter ihre Daten an die Druckerei liefern. Und zu diesem Zweck ist es perfekt geeignet, da es sich voll kontrolliert layouten lässt und unzählige Einstellungsmöglichkeiten im Farbmanagement und ähnlichem aufweist, um auch noch auf der letzten angestaubten Druckpresse eine gute Figur zu machen.

Damit es das kann, ist ein Faktor entscheidend: es weist ein seitenbasiertes Layout auf. Ich stelle in meinem Layout-Programm ein, dass ich bitte 300 Seiten in A5 haben möchte und kann dann beliebig viele Bücher in diesem Format drucken.

Ein Problem ist jetzt aber, dass es im digitalen Bereich sehr viele verschiedene Displaygrößen gibt. Das fängt an bei dem schönen 16:9-Bildschirm, an dem ich diese Zeilen schreibe, geht weiter über iPad, Kindle (in verschiedenen Ausführungen und Größen), Googles Nexus 7, bis hin zu Smartphones mit kleinen aber auch da noch sehr unterschiedlichen Displays. Und wer einmal ein PDF auf einen Smartphone gelesen hat, der weiß, dass man sich totscrollt und das auch noch kreuz und quer.

Natürlich kann man jetzt für jede Displaygröße ein eigenes PDF erstellen, aber das ist nicht wirklich praktikabel. Die Antwort, die man im Mediendesign darauf fand, kam aus dem Webdesign und bringt den traditionellen Setzer ob der Witwen und Waisen (beziehungsweise politisch unkorrekt: Schusterjungen und Hurenkinder) fast um den Verstand: variabel fließender Text.

Die Grundidee kommt aus der Kombination von HTML und CSS. Dass man nämlich „Container“ schafft, innerhalb derer der Text frei fließen kann. Habe ich ein großes Display, füllt sich dieses mit viel Text, habe ich ein kleines, so wird eben nur wenig Text angezeigt. Zudem kann ich den Text vergrößern und verkleinern. Und der Text fließt immer automatisch so, dass ich nur in eine Richtung scrollen oder „blättern“ muss. Diese Möglichkeit bieten die beiden anderen gängigen Formate.

ePUB

Das ePUB-Logo des idpf. Urheber dieser Version Wikimedia Commons User: Inductiveload.

Das ePUB-Logo des idpf. Urheber dieser Version Wikimedia Commons User: Inductiveload.

ePUB ist toll! ePUB ist das am weitesten verbreitete E-Book-Format, aber vor allem ist es ein offener Standard. Es gibt hier eine Dokumentation, anhand derer jeder ein E-Book erstellen kann. Im Prinzip geht das mit jedem Standard-Text-Editor und einem Packprogramm. ePUB basiert auf HTML und CSS. Es ist ein so genannter HTML-Dialekt. Das heißt, dass nicht alle Auszeichnungen von HTML auch in ePUB funktionieren und dass andere, die auf Webseiten keinen Sinn machen, wohl aber in Büchern, hinzugefügt wurden. Wir sind mittlerweile bei der Version 3.0 angelangt. Leider verhält es sich hier noch genauso wie mit HTML und den Browsern in den frühen Jahren des Internets. Die Lesegeräte interpretieren ePUB teilweise recht eigenwillig, sie unterstützen auch noch nicht alle die 3.0-Version. Manche sind noch auf dem Stand von 2.0.1, andere, wie Adobe Digital Edition, unterstützen (warum auch immer) nur Teile von ePUB 3.0 und Apples iBooks wiederum unterstützt 3.0 weitgehend komplett, hat aber noch weitere Elemente hinzugefügt, wie „fixed Layout“ oder den Einsatz von Java-Script.

Dennoch ist es einfach das stärkste Projekt und wird sich hoffentlich langfristig durchsetzen. Denn bislang ist ein anderes Format federführend. Und zwar eine hybride Geburt aus dem Hause Amazon.

mobipocket/kf8/azw

Amazon kindle Logo. Urheber: Amazon.com

Amazon kindle Logo. Urheber: Amazon.com

Ebenso wie ePUB unterstützt Amazons E-Book-Sprache fließenden Text (in der neuesten Version auch „fixed Layout“). Aber im Unterschied zu ePUB ist der Standard nicht offen sondern mittlerweile eine dreifach verkorkste Ummantelung, die mir regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Das liegt daran, dass Amazon im E-Book-Geschäft der Marktführer ist und es auch bleiben will. So setzt Amazon alles daran, dass die Leser ihre Bücher auch nur über die Amazon-Webseite kaufen. Am liebsten wäre es dem Internetkaufhaus daher, wenn man Nur-Text-Dateien auf ihren Server laden würde und diese dann von Amazon selbst direkt in azw umwandeln ließe.

Da dies nun aber für jeden Mediengestalter äußerst unzufriedenstellend ist und auch beim Leser oft nicht so gut ankommt, muss man einen anderen Weg gehen, den ich später noch en detail erklären werde. Der in der Kurzform aber so aussieht. Man erstellt eine HTML-Datei oder ein ePUB, konvertiert dieses dann in das neueste Format kf8, das wird aber mit einem Mobipocket (dem alten Format) ummantelt. Anschließend lädt man es auf den Amazonserver, wo es in ein azw umgewandelt wird. Und das Ergebnis hat dann entfernte Ähnlichkeit mit dem Buch, das man mal irgendwann gelayoutet hat.

So sieht es derzeit aus. Als nächstes erzähle ich an dieser Stelle, wie man sich bei Amazon anmeldet und welche Nettigkeiten in ihren AGB stehen.

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