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Tantiemen bei Amazon – kindle direkt publishing

Der vielleicht wichtigsten Frage im E-Book-Vertrieb habe ich mich noch gar nicht gewidmet: Was verdient man denn da eigentlich? Anfangen will ich mit dem Marktführer, quasi dem Drive-In des Indiepublishings: Amazon.

Ein wenig Kleingeld

Bei Amazon verdient man wohl eher Kleingeld

Zunächst einmal gibt es bei Amazon zwei verschiedene Tantiemen-Modelle. Zum einen die Rundum-sorglos-aber-nur-35%-Option und zum anderen die Wir-nennen-es-70%-das-kommt-bei-der-Presse-gut-an-Option.

Man muss also erst einmal wählen, ob man 35% Tantiemen möchte oder doch lieber 70%. Und dass Qualitätsjournalismus und Netzgemeinde nicht schon ob dieser mysteriösen Wahl ins Grübeln gerieten, sondern Amazon im Kim-Jong-Il-Style für seine autorenfreundliche Preispolitik feierten, spricht für sich selbst.

Also steigen wir noch einmal hinab in die Tiefen der AGB des Kindle Direktvertriebs und schauen uns an, vor welche Wahl uns da die Sphinx tatsächlich gestellt hat:

Zunächst die 35%.

Die gelten weltweit mit der Formel:

35% x Listenpreis = Tantiemen

Es sei denn, sie muss an Wettbewerbspreise angepasst werden, also euer Buch wird woanders günstiger verkauft. Ferner dürft ihr euren Preis frei bestimmen solange er zwischen 0,86 € und 173,91 € liegt – das dürfte machbar sein. „Listenpreis“ ist übrigens ganz wörtlich zu nehmen, in eurem kdp-Konto könnt ihr die Preise eingeben. „Hurra, hurra, alles ist einfach, alles ist wunderbar.“

Anders hingegen bei der so genannten 70%-Option.

Dieser liegt nämlich folgende Formel zugrunde:

70% x (Listenpreis – Versandkosten) = Tantiemen

Versandkosten? Bei E-Books? Werden die am Ende auf CD gebrannt und mit – gnade uns Gott – Hermes verschickt? Ganz so schlimm ist es zwar nicht aber nicht minder absurd. Amazon verlangt nämlich für die Auslieferung eurer E-Books 0,12 € pro angefangenem Megabyte. Ja, das ist korrekt! Ein Roman mit 200.000 Zeichen ohne nennenswerte Bilder dürfte im Mobipocketformat ca 3-5 MB groß sein. das heißt, ihr kommt ganz gut weg. Anders hingegen sieht es aus, wenn ihr ein „enhanced E-Book“ anbietet. Also eines, das mit multimedialen Inhalten angereichert wurde, dann habt ihr nämlich ganz schnell einige hundert Megabyte oder sogar ein paar Gigabyte zusammen. Rechnen wir das mal kurz durch. Wollt ihr die 70%-Option spielen, muss euer Listenpreis zwischen 2,60 € und 9,70 € liegen. Wir nehmen 9,70. Unser Buch ist 1 GB groß, also 1000 MB. Eure Tantiemen belaufen sich folglich auf:

70% x (9,70 - 1000 x 0,12) = -77,21 €

Mit anderen Worten: ihr dürft Amazon für jedes ausgelieferte E-Book 77,21 € zahlen. Wer da nicht die 35%-Option wählt, ist selbst schuld. Zum Glück dürft ihr die Tantiemen für jedes Buch individuell festlegen, könnt das also vorher immer durchrechnen.

Amazon begründet die Liefergebühren übrigens mit ihrem „Wispernet“ also der Möglichkeit, E-Books mit dem Kindle jederzeit via Handynetz zu beziehen. Allerdings war das ein Vertriebsweg, der für den klassischen Kindle galt. Mittlerweile haben sie zum einen – habe ich gehört – das weltweite Wispernet gekappt, also kannst du nicht länger mit deinem deutschen Kindle auch in Neuseeland Bücher runterladen, zum anderen verfügt zumindest der Kindle Fire auch über W-LAN und obendrein gibt es die Kindle App für so ziemlich jedes Betriebssystem. Mit anderen Worten: es wird nur ein Teil der E-Books via Wispernet ausgeliefert, aber das stört Amazon nicht.

Mit der 70%-Option gehen übrigens noch weitere Beschränkungen einher:

  • Sie findet zunächst nur Anwendung in Andorra, Österreich, Belgien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Liechtenstein, Luxemburg, Monaco, San Marino, der Schweiz, Spanien, dem Vereinigten Königreich, den USA und im Vatikan. Ferner unter bestimmten Bedingungen in Indien. Im Rest der Welt gilt wieder automatisch die 35%-Option. Sollte Amazon zudem gezwungen sein, den Listenpreis an Mitbewerber anzupassen, nehmen sie plötzlich auch noch die Steuern mit in die Gleichung hinein.
  • Der Listenpreis muss mindestens 20% niedriger sein als der eines inhaltsgleichen gedruckten Buches.
  • Die Inhalte dürfen nicht gemeinfrei sein. Ihr könnt also nicht eine Neuedition Shakespeares zu 70% verkaufen. Allerdings wird es wohl auch mit Bloginhalten unter CC-Lizenz problematisch. Fraglich ist nur, inwieweit Amazon das überprüft.
  • Ferner müsst ihr das E-Book selbst layouten sowie mit einem Cover versehen und könnt nicht einfach den Text hochladen und Amazon die Arbeit machen lassen, was bei 35% auch möglich ist.
  • Aber der schönste Punkt ist: solltet ihr irgendeine Richtlinie der 70%-Option verletzen, reduziert Amazon die Tantiemen automatisch wieder auf 35%. Dies gilt auch nachträglich für bereits ausgezahlte Tantiemen! Zugleich behält Amazon sich aber vor, die Regeln für die 70%-Option jederzeit zu ändern!

Ich muss schon sagen, Leute, ihr habt Recht: Amazon ist fantastisch für Selbstverlage!

Allerdings glaube ich nicht, dass Amazon zumindest die MB-Grenze langfristig aufrechterhalten kann. Dagegen sprechen folgende Gründe:
Apple drängt massiv auf den Markt mit enhanced E-Books. iBooks Author macht es kinderleicht, Videos und Animationen in ein E-Book einzubinden. Apple selbst empfiehlt dabei, dass E-Books nicht größer als 2 Gigabyte sein sollten. Um der Konkurrenz zu begegnen hat Amazon sein Tablet Kindle Fire auf den Markt gebracht und ins neueste Format kf8 viele Optionen für multimediale Anreicherung mit aufgenommen. Der Kindle Fire wird quersubventioniert. Amazon macht pro Verkauf Verluste und hofft die wieder einzufahren, indem die Kunden dann im großen Stil (unter anderem) E-Books bei Amazon kaufen. Aber wie soll das funktionieren, wenn alles multimediale sich im Verkauf nicht wirklich lohnt und das Internet mit YouTube und Co. nur einen Klick entfernt ist?

Es bleibt zumindest spannend. Morgen zeige ich euch, wie es bei Google Play so mit dem Geldverdienen aussieht (Auch nicht sonderlich rosig).

Quelle: Amazon – kdp Preisseite

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Für euch gelesen: Die AGB von Amazon – kindle direct publishing

Der kleine Grammatiknazi in mir kann sich folgenden Vorabkommentar nicht verkneifen: AGB steht für Allgemeine GeschäftsbedingungEN. Plural. Das heißt, dass man niemals nie, nicht, auf keinen Fall AGBs schreibt. Und jeder, der es doch tut, landet später einmal in der Grammatikhölle!
Foto von den AGB des kindle direct publishing
Doch zum Thema: Die häufigste Lüge im Internet ist laut Terms of Service – Didn’t Read „Ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen, verstanden und stimme ihnen zu“. Amerikanische Wissenschaftler™ haben herausgefunden, dass man im Jahr 201 Stunden (also 25 Arbeitstage) damit verbringen müsste, die AGB von all den Webdiensten zu lesen, die man den lieben langen Tag so benutzt. Das ist ja jetzt schlechterdings nicht praktikabel. Allerdings auch kein Grund in Gram zu versinken, denn in den AGB dürfen nach deutschem Recht „keine von der wesentlichen Erwartung abweichenden Regelungen getroffenen werden.“ Will sagen, ihr könnt eure Seele nicht verkaufen, selbst wenn Facebook, Google oder eben Amazon das reinschrieben.

Nichtsdestotrotz habe ich mich mal hingesetzt und mir die AGB vom „kindle direct publisihing“-Programm von Amazon zu Gemüte geführt, um euch im Stile von Terms of Service – Didn’t Read einen Überblick über einige Punkte zu ermöglichen.

Disclaimer!

Ich bin kein Jurist und übernehme entsprechend keinerlei Gewähr, dass das, was ich da herausgelesen habe, stimmt und natürlich ist es nicht vollständig. Ich bin einfach nur ein sprachkompetenter Mensch, der in seinem letzten Job den einen oder anderen Vertrag rund um den E-Book-Vertrieb gelesen hat und fasse hier zusammen, was mir so aufgefallen ist. Ich kann schon allein deswegen nicht garantieren, dass das hier Geschriebene richtig ist, weil sich diese AGB im Laufe der Zeit ändern, ich aber diesen Artikel nicht aktualisieren werde. Wer Rechtssicherheit will, der kann die AGB hier nachlesen.

Los geht’s:

  • Zunächst schreibt Amazon erst einmal, dass die AGB, die sie einem präsentieren, gar nicht gelten, sondern nur die englische Fassung und dass sie einfach aus Nettigkeit auch eine deutsche Version geliefert haben.
  • Klar ist, dass man am KDP nicht teilnehmen kann, wenn man den Bedingungen nicht zustimmt und das man für die Zustimmung gegebenenfalls bevollmächtigt sein muss, wenn man sie für jemand anderen tätigt (Etwa für einen Verlag).
  • Amazon darf die Bestimmungen jederzeit ändern.
  • Amazon darf dein Konto und damit den Vertrag jederzeit kündigen und muss dies nur 5 Tage vorher ankündigen. Ferner dürfen sie dein Konto auch ohne Benachrichtigung nach Lust und Laune sperren.
  • Selbst wenn der Vertrag gekündigt wurde, dürfen die Kunden die E-Books behalten. Logisch.
  • Du darfst nur ein Konto bei KDP führen und musst dafür deine richtigen Daten angeben. Warum letzteres sowieso notwendig ist, habe ich hier erklärt.
  • Amazon sendet keine Dateien zurück, auch wenn der Vertrag beendet wurde. Bei digitalen Gütern ist das ja auch unsinnig.
  • Du musst sicherstellen, dass deine E-Books frei von Malware sind.
  • Amazon darf das E-Book, den „Umschlag“, also die Coverdatei und die Metadaten mehr oder weniger nach eigenem Gusto verändern.
  • Du darfst keine Werbung innerhalb deines E-Books präsentieren.
  • Amazon darf dein E-Book jederzeit ablehnen oder aus dem Vertrieb zurückziehen. Letzteres kündigen sie wieder fünf Tage im Voraus an.
  • Amazon darf Teile des E-Books im Rahmen von Werbung kostenlos anbieten.
  • Kunden dürfen die E-Books verleihen. Wenn man sich für die 35%-Lizenzgebühr-Option entscheidet, kann man das Verleihen verbieten. (Über die Preise und Tantiemen werde ich hier demnächst noch ausführlich schreiben).
  • Wenn andere Händler, die dein E-Book auch führen, das Verleihen erlauben, dann darfst du diese Option nicht bei Amazon verbieten.
  • Wenn man sich nicht an die Inhaltsrichtlinien für E-Books von Amazon hält, verliert man seinen Anspruch auf Tantiemen.
  • Wenn dein Konto gekündigt wurde und du eröffnest einfach ein neues, ohne das Amazon dir das erlaubt hat, erhältst du keine Tantiemen von dem neuen Konto.
  • Du räumst Amazon ein nicht ausschließliches Vertriebsrecht für deine E-Books ein. Das heißt: du darfst deine E-Books auch woanders verkaufen. Ausnahme bildet das Programm KDP-Select. Bei dem räumst du Amazon für 90 Tage exklusive Rechte ein und bekommst dafür tolle Sachen. Da das für mich nicht in Frage kommt, habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt.
  • Amazon kann dir DRM (Digitales Rechte Management), also Kopierschutz, anbieten, muss das aber nicht. Außerdem übernimmt Amazon keine Gewähr, dass der Kopierschutz funktioniert.
  • Du behältst sämtliche Rechte an dem Buch (Urheberrecht etc.) räumst nur das nicht ausschließliche) Vertriebsrecht Amazon ein.
  • Wenn du dein Coverbild automatisiert von Amazon erstellen lässt (bist du schön blöd. Pardon.) dann bleiben sämtliche Rechte für dieses Bild bei Amazon.
  • Es gibt eine Geheimhaltungspflicht für den Vertrag. Die extrem lächerlich ist, da der Vertrag ja hier online steht.
  • Amazon übernimmt quasi überhaupt keine Gewährleistung, dass dein Buch verkauft wird und am Ende auch bei den Kunden landet.
  • Bei Vertragsstreitigkeiten darfst du nicht vor Gericht gehen, sondern musst ein Schiedsverfahren bei einer Organisation in den USA ankurbeln. Die Kontaktdaten stehen in den AGB.
  • Du darfst keine Sammelklagen gegen Amazon betreiben oder daran teilnehmen.
  • Abschließend kommen noch die Bestimmungen zu KDP Select, die hier – wie gesagt – nicht interessieren, die Preisliste, die ich noch gesondert behandeln werde und immer die letzten Änderungen an den AGB noch einmal zusammengefasst.

So, jetzt wisst ihr, worauf ihr euch da einlasst. Viel Spaß. Mein nächster Artikel widmet sich der Anmeldung bei Google, die schon wesentlich vertrackter ist als das KDP.

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kindle direct publishing

Screenshot der Seite kdp.amazon.com – kindle direct publishing

Ich habe mich entschieden, mit den Anmeldungen zu beginnen, denn die sind nach meiner Erfahrung mit den meisten Komplikationen verbunden. Allerdings gilt das nicht für Amazon. So sehr ich über das Amazon-Format unten gelästert habe, so wenig gilt diese Kritik für den Vertriebsweg. Das hat Amazon schon spitze gemacht und ein einfaches Tool geliefert, mit dem jeder schnell publizieren kann.

Welche Voraussetzungen gibt es?

Nichts weiter als ein stinknormaler Amazon-Käufer-Account.

Ihr surft auf kdp.amazon.com klickt auf ‚Anmelden’ hackt Eure Daten in die Maske und schon öffnet sich das Fenster, dass ihr die ‚Kindle Direct Publishing Geschäftsbedingungen’ gelesen und akzeptiert habt. Da wir alle wissen, dass dies die größte Lüge im Netz ist und ihr sowieso keine andere Wahl habt, als zuzustimmen, werde ich hier im nächsten Blogpost kurz die Fallstricke zusammenfassen, damit ihr wisst, für was ihr eure Seele verkauft habt.

Wenn ihr also die AGB akzeptiert hat, kommt höchstwahrscheinlich die Meldung, dass eure Kontodaten unvollständig sind und ihr sie ergänzen müsst, bevor ihr publizieren könnt. Verlangt werden Name, Adresse und Kontoverbindung.

Kleiner AGB-Spoiler: ihr habt eben zugestimmt, dass ihr hier nur Klarnamen verwendet, was ihr auch tun solltet, wie ihr gleich sehen werdet.

Anschließend müsst ihr den Auszahlungsweg für eure Tantiemen für alle Amazon-Seiten festlegen. Bei den Amazon-Seiten aus dem Euro-Raum könnt ihr (zumindest solange es den Euro noch gibt) die Auszahlung via Überweisung wählen und mit eurer IBAN und eurer BIC die Bankverbindung angeben. IBAN und BIC stehen in der Regel auf eurer EC-Karte. Nicht wundern: in die IBAN ist die Kontonummer schon integriert, daher braucht man die nicht extra anzugeben.
Sobald nun eine Tantiemen-Summe von 10€ zusammengekommen ist, wird sie von der jeweiligen Amazon Seite (.de, .fr, .it und .es) auf euer Konto überwiesen.
Anders sieht es bei den anderen Amazon-Seiten aus. Da werden die Tantiemen per Scheck ausgezahlt, wenn 100 Piepen in der jeweiligen Währung zusammengekommen sind. Und das ist genau der Grund, wegen dessen ihr den richtigen Namen und die richtige Adresse angeben solltet.

Abschließend könnt ihr euch noch die Kontendetails als Mail zuschicken lassen, um alles Schwarz/Amazon-Blau-Gelb auf Weiß zu haben und damit ist eure Anmeldung abgeschlossen.

Herzlichen Glückwunsch, ihr könnt jetzt beginnen zu publizieren!

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