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Zustand des deutschen E-Book-Marktes im Oktober 2014

Ich habe mal wieder versucht, ein E-Book zu kaufen…

Ich möchte Richard Dawkins: Das egoistische Gen* lesen. Und ich möchte es als E-Book lesen. Am liebsten als ePub3 ohne DRM, sodass ich es sowohl auf dem Mac und dem iPad in iBooks lesen kann, als auch auf meinem Android-Handy in Play-Books. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, mal sehen, was am Ende des heutigen Tages von meinen Wünschen übrig bleibt…

Ohne zu wissen, was mich dort erwartet, einfach aus Neugier beginne ich mal meine Suche bei Sobooks, dem neuen Stern am E-Book-Himmel. Sobooks sieht spannend aus, aber mein Buch gibt es da nicht, außerdem hätte ich es nur online lesen können, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Sobooks führt mein Buch nicht

Sobooks führt mein Buch nicht

Mein nächster Anlaufpunkt ist die Seite des Verlages. Das egoistische Gen ist beim Springer Fachverlag erschienen, der sogar einen eigenen E-Book-Shop hat. Die Seite scheint allerdings etwas instabil zu sein, vielleicht hatte sie aber auch nur einen schlechten Tag, jedenfalls konnte sie ständig nicht geladen werden, war dann mal wieder kurz da, anschließend wieder weg.

Daher schaute ich zwischendurch mal bei einem der großen Drei vorbei: im iBook-Store bin ich leider nicht erfolgreich. Das egoistische Gen wird dort nicht angeboten. Nur auf Englisch gibt es das Buch für 10,99 Euro. Der Preis wäre noch okay für mich, aber ich würde das Buch wirklich gerne auf Deutsch lesen.

Nun gut, mal gucken, ob ich bei Google Play mehr Erfolg habe. Dort gibt es das E-Book für 14,99 Euro, doch ein Blick ins Buch verrät, dass es gar kein E-Book ist, sondern ein PDF. Das man nicht wirklich auf dem Handy lesen kann.
Auch bei Amazon gibt es keine Version für den Kindle, sondern nur ein Taschenbuch*, das ich aber immerhin schon ab 16 Euro inklusive Versandkosten bekomme. Auf Englisch kann ich hier übrigens auch das E-Book bekommen und zwar für nur 6,86 Euro. Das verstehe ich nicht: Da heulen die Verlage rum, wie böse Amazon ist, aber dennoch bietet OUP Oxford das E-Book hier für über 4 Euro weniger an als bei Apple. So werdet ihr bestimmt Amazons Dominanz brechen, liebe Verlage!

In der Zwischenzeit hat sich die Seite von Springer gefangen und was ich da lese, lässt mein Herz kurz höher schlagen:

Springer Fachverlag über seine E-Books

Springer Fachverlag über seine E-Books

Springer sagt, das Buch lasse sich auf allen gängigen Readern lesen und sei sogar DRM-frei. Das ist ja top! Dafür bin ich sogar bereit die geforderten 14,99 Euro zu zahlen. Doch auf den zweiten Blick folgt sofort die Ernüchterung…

Erhältliche Formate: PDF

…heißt es da. PDF ist KEIN E-Book, sondern eine Datei, die du zur Druckerei tragen kannst! Und zu behaupten, dass ich ein PDF auf allen Readern lesen kann, ist schon kein Euphemismus mehr sondern kratzt haarscharf an der Lüge. Formal ist das zwar möglich, aber wenn ich versuche das PDF auf einem 4“ Handydisplay zu lesen, bekomme ich am Ende wahrscheinlich eine Sehnenscheidenentzündung vom vielen hin-und-her-scrollen…

Aber noch bin ich mit meinem Latein nicht am Ende. Da gab es doch noch dieses tolle Tolino-Netzwerk. Mal schauen was ebook.de so im Angebot hat. Ich weiß, ich weiß: Das grenzt schon an Verzweiflung. ebook.de führt immerhin auch das PDF, im Gegensatz zu Weltbild, das nur Sekundärliteratur bietet. Die Konkurrenz von ebookS.de bietet neben dem PDF für 14,99 immerhin auch die Möglichkeit, das Buch online zu lesen, auch wenn ich befürchte, dass man sich dafür in die Flash-Hölle begeben müsste.

Das Taschenbuch bekomme ich übrigens bei ZVAB auch ab 14 Euro inklusive Versand und bei Booklooker sogar schon ab 6 Euro! Nun könnte man natürlich einwenden, dass das nicht ganz fair ist, schließlich gibt es keine gebrauchten E-Books zu kaufen. Das wiederum ist aber eines der Hauptargumente, warum die Verlage E-Books dringend günstiger machen sollten…

Und so schade das ist, bevor ich mir jetzt ein PDF für 15 Euro kaufe, dass ich dann halbgar mit Calibre in eine ePub umwandeln muss, von dem ich dann so wenig überzeugt sein werde, dass ich am Ende noch selbst den Texteditor öffne um das E-Book, für das ich bezahlt habe, schön zu machen, bevor ich das also mache und damit wahrscheinlich sogar den Bereich dessen verlasse, was ich legal mit einem E-Book machen darf, da kaufe ich mir doch lieber für 6 Euro ein Taschenbuch.

Fazit: Das E-Book ist im Herbst 2014 noch immer nicht in Deutschland angekommen.

*hinterhältiger Affili-Link: Kauf ihr das Buch, bekomme ich eine winzige Provision und freue mich.

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Notiz zum Zustand des E-Book-Marktes in Deutschland 2014

Ich will eigentlich wieder mehr lesen. Also Bücher, denn ich lese den ganzen Tag, aber in letzter Zeit fast immer Texte im Internet. Das Buch, das auf meinem Nachttisch liegt, ist „Die offene Gesellschaft und Ihre Feinde I„* von Karl Popper. Nach anfänglichen Schwierigkeitem hat es mich mitlerweile durchaus gefesselt. Aber dennoch lese ich eher selten darin.

Einer der Gründe dafür ist ganz klar, dass es sich um ein dickes Hardcover handelt, das gefühlt 93,5 Kg wiegt. Wenn ich morgens das Haus verlasse, trage ich neben meinem Smartphone immer auch die ca. 294 Kg schwere illustrierte Version von Michael Endes „Momo„* mit mir herum, um diese in der Bahn auf dem Weg zur Kita meiner Tochter vorzulesen.

Daher hatte ich eine knorke Idee: Das ist der Paradefall, um mir die offene Gesellschaft als E-Book zu ziehen und dann immer auf dem Smartphone zu lesen. Ich also rein in den Google Play Store und gesucht: Fehlanzeige. Keine Gesellschaft, weder offen noch geschlossen, weit und breit.

Also gut, dann eben doch die Kindle-App mit ihrer Minimalästhetik. Geklickt, gewartet, gestaunt: Auch hier nur der Hinweis: Informieren Sie den Verlag, dass Sie das Buch gerne als E-Book lesen wollen.

Hmm, krass. Als Probe aufs Exempel habe ich auch noch in iBooks vorbeigeschaut, obwohl das iPad von der Dame benutzt wird: Nix, auch hier nicht zu finden, das Buch.

Das kann doch nicht sein, denke ich so bei mir und befrage als nächstes dir große Suchmaschine nach „Die offene Gesellschaft E-Book“ – 414.000 Treffer. Davon gefühlte 413.949 Hausarbeiten beim Grin Verlag über die offene Gesellschaft aber nicht der Text im Original.

„Fündig“ werde ich schließlich bei Weltbild. Dort bietet man mir „Karl Raimund Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (eBook / PDF)“ für 12,99 Euro an.

*Riesenseufzer hier einfügen*

Was mich daran stört? Zum ersten: PDF IST KEIN BESCHISSENES E-BOOK SONDERN EINE DATEI, DIE IHR ZUR DRUCKEREI TRAGEN KÖNNNT!!!!! Wie soll ich denn bitte ein seitenbasiertes PDF auf einem 4-Zoll-Bildschirm lesen? Bevor ich mit einer Seite fertig bin, sind mir die Finger vom hinundherscrollen abgefallen.

Und zum zweiten: dafür verlangt ihr 12,99? Ich kenne ja eure Argumente, dass E-Books nicht aus Luft und Liebe gemacht werden. Aber dieses PDF habt ihr ÜBERHAUPT NICHT GEMACHT! Das PDF liegt bei euch rum, seit ihr es an eure Druckerei ausgeliefert habt. Es war 0,00 Euro wert, bis jemand erklärte: „Eigentlich sind PDFs doch auch E-Books“ und schwupp, habt ihr eine extra Einnahmequelle zum maßlosen abkassieren.

Ich weiß, dass dies nur eine Einzelfallbeschreibung ist. Aber so wie ich das beobachtet habe, ist sie symptomatisch für den Zustand des deutschen E-Book-Marktes und einer der Gründe, warum euch euer unflexibles Gebahren in nicht allzu ferner Zukunft um die Ohren fliegen wird und das Verlagswesen in die Krise stürzen wird!

*hinterhältige Affili-Links.

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Von ungeöffneten Mobi-Dateien, iBooks Metarmorphosen, papierweißen ePubs und verschenkten Büchern

Heute aber mal ein paar schnell zu beantwortender Fragen:

„womit öffne ich eine mobi datei“?

Mit dem Kindle respektive dem Kindle-Desktop-Reader oder der Kindle-App. Es gibt auch andere Programme, wie Calibre, aber die besten Ergebnisse erzielt alles rund um den Kindle.

„export ibooks author to google play“

Kannste knicken! Selbst wenn es dir gelänge, darfst du 1. keine mit iBooks Author gelayouteten E-Books woanders verkaufen als auf iBooks (dem hast du mit dem Häkchen bei den AGB zugestimmt). 2. Gibt es nur zwei Gründe, E-Books mit iBooks Author statt mit einem Texteditor zu schreiben: multimediale Anreicherung und Fixed Layout. Beides macht iBooks iPad-optimiert. Auf Play hingegen werden E-Books für Android verkauft. Entsprechend macht es keinen Sinn ein iBook auf Google Play zu verkaufen.

„epub auf paperwhite ohne umwandlung“

Wenn ich davon ausgehe, dass du den Kindle Paperwhite meinst, lautet die Antwort auch hier: Kannste knicken! Mobipocket ist das native Format aller Kindles. ePub wird nicht unterstützt. Zwar tauchen immer mal wieder Gerüchte auf, dass die immer nächste Kindle-Version nun aber wirklich ePub-kompatibel sein wird. Aber das wird nicht passieren. Amazon ist der Marktführer auf dem E-Book-Markt aus einem einfachen Grund: Sie liefern das Gesamtpaket vom besten E-Reader bis zu den Büchern. Alles ist darauf angelegt, dass der Kunde die Amazon-Infrastruktur nicht verlässt. Wenn Amazon ePub auf dem Kindle erlauben würde, würden sie sich ihr eigenes Geschäftsmodell kaputtmachen. Deshalb wird das nicht passieren.

Und einen noch: „bücher durch ibooks verschenken“

DAS ist wiederum möglich – sofern du von deinen eigenen Büchern sprichst. Ich habe schon beschrieben, wie du dir einen iBooks-Account zulegen kannst. Im Zuge des Registrierungsprozesses wirst du gefragt, ob du deine Bücher verkaufen willst oder umsonst anbieten möchtest. Du musst dich entscheiden, beides erlaubt dir Apple nicht mit dem gleichen Account. o.O Wenn du hingegen meintest, ob du jemandem anderes ein iBook wie ein physisches Buch schenken kannst, lautet die Antwort: kannste knicken!

Nun gut, du kannst in der Drogerie eine iTunes-Guthabenkarte kaufen und die verschenken, aber du kannst nicht ein bestimmtes Buch verschenken… noch nicht.

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Die Preisentwicklung bei E-Books

Es hat sich ziemlich wenig getan seit letzter Woche in den E-Book-Preisen. Der Preis zieht leicht an auf einen Durchschnittswert von 5,90 €. Damit liegt das Allzeitmittel bei 6,46 €.
Die E-Book-Preise stiegen Anfang Dezember leicht.
Die teuersten und billigsten Bücher haben sich bei keinem der drei Shops verändert. Ach nein, Her Jaud mit seinem Überman hat ein Strohfeuer abgebrannt und ist bei Apple nicht länger in den Top 10. Statt dessen sind auch hier die Grauschattierungen mit 9,99 € die teuersten Bücher.

Amazon bietet diese Woche die günstigsten Bücher für 5,51 €. Dort geht es auch weiter bergab für Shades of Grey, während die Bücher bei Apple und Google unverändert weit oben stehen (bei Google wieder nur durch die Grimmschen Märchen geschlagen).
Der Durchschnittspreis bei Google liegt bei 5,56 € und bei Apple hat er die 6,64 € erreicht. Bei Apple wirft der Kinostart des Hobbits seine Schatten voraus und katapultiert Tolkiens Buch in die Top 10. Meine Prognose: in zwei oder drei Wochen steht das Buch in allen drei Shops ganz oben.

Als Vorgeschmack gibt es hier schon einmal die beiden offiziellen Trailer:

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Die Preisentwicklung bei E-Books in dieser Woche, und mal ehrlich, es interessiert doch gar nicht welche KW das ist

Diese Woche kam es zu einem Preissturz auf das den Allzeittiefstpreis von: 5,52 €.
Der Vierwochendurchschnitt beträgt 6,60 €.

Die Preisentwicklung bei E-Books

Die Grafik zeigt: die Preise für E-Books fallen.

Pfennigfuchser waren erstaunlicherweise diesmal die Fanboys von Apple, die durchschnittlich 5,04 € für ein E-Book ausgaben. Sie folgten dabei jetzt auch den Androidlesern und hievten Grimms Märchen als günstigstes (oder sollte ich „billigstes“ sagen?) Buch in die Top 10. Für iLeser kostet dieses sogar nur 0,49€ und ist damit das günstigste Buch überhaupt in meiner kleinen Wochenstatistik. Aber auch das teuerste Buch wurde in iBooks gelesen: die große Werbekampagne des Fischerverlags scheint sich auszuzahlen Tommy Jaud: Überman für 14,99 € stieg auf Platz 10 der iBooks-Bestseller ein.

Androidleser bleiben sich treu und kaufen weiter Grimms Märchen wie die Blöden für 0,99 € (Platz 1 der Google Play Bestseller). Das teuerste Buch bei Google ist in dieser Woche Joshua Clark und Mark Lauren: Fit ohne Geräte (na, viel Erfolg beim sportlichen Lesen!) für sagenumwobene 12,99 €.

Bei Amazon ist die eigentliche Überraschung, dass es für die Shades of Grey bergab geht und die Trilogie erst auf den Plätzen 3,4 und 5 zu finden ist. Dafür sind sie in dieser Woche die teuersten Bücher für 9,99€. Neuer Nr. 1 Bestseller bei Amazon ist Nika Lubitch: Der 7. Tag. Das günstigste E-Book der Top 10 für den Kindle bleibt hingegen Marion Schreiner: die Scheune für 0,99 €.

Klicken Sie auch nächste Woche wieder rein, wenn es erneut heißt: was waren die teuersten Bücher?

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Antwort auf die Google Suche

Ein Mensch fand heute den Weg auf meine Seite mit dem Google Suchbegriff: „google play ebook shades of grey wieviele seiten“. Das ist für sich genommen schon spannend, aber um dem armen Tropf aus seiner Misere zu helfen, kann ich ihm sogar eine Antwort liefern.

Google Play vertreibt die besagte Trilogie als ePub. Da gibt es keine Seiten mehr, da du die Textgröße von Ameisenscheiße bis kurz vor Blind variieren kannst und zugleich das E-Book im Vollbildmodus eines 95.000-Zoll-Bildschirms oder in einem winzigen Handydisplay lesen kannst.
Nichts desto trotz verlangt der Mensch nach derlei banalen Angaben, weshalb Google Play einen Schätzwert abgibt. Diesen Findest du auf der jeweiligen Produktseite in der linken Spalte. Das spare ich mir mal zu verlinken. Kannst du ja googeln, wa?

Viel Erfolg!

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Für euch gelesen: die Google Play AGB

Also eigentlich: Die AGB zum Google Buch Partner-Programm und die Google E-Books Ergänzungsvereinbarung, aber, da man die Überschrift eines Textes immer zuerst liest, habe ich das mal etwas griffiger formuliert.

Bild der AGB von Google Play

Vorneweg wieder der Hinweis: natürlich übernehme ich keine Gewähr. Google wird die Vereinbarungen beliebig im Laufe der Zeit ändern, außerdem habe ich nicht Jura studiert, mich nur schon ein paar Mal mit E-Book-Vertriebsverträgen beschäftigt (etwa hier) und das ganze ist natürlich nicht vollständig. Wollt ihr Rechtssicherheit, dann meldet euch bei Google Books an und lest selbst nach. Jetzt aber los!

Um bei Google Play E-Books zu verkaufen, muss man zunächst den AGB für das „Google Buch Partner-Programm“ zustimmen. Dieses Programm beschäftigt sich weitgehend mit dem – so komisch das klingt – klassischen Google Books. Das heißt, mit der damals hochumstrittenen Aktion von Google, Bücher einzuscannen und so für die Suchmaschine indizierbar zu machen. Entsprechend haben die ganzen AGB ziemlich wenig mit unserem Anliegen zu tun, weswegen ich sie hier lakonisch zusammenfasse mit:

Der Verlag muss Google seine Bücher schicken, Google scannt die ein, präsentiert sie dann auf Google Books und beteiligt den Verlag an den Werbeeinnahmen. Google schickt die eingescannten Bücher nicht zurück und darf im Übrigen so ziemlich alles damit machen, garantiert aber für nichts und der Verlag bekommt Kohle nach Googles Gutdünken dafür.

Damit kommen wir zur Ergänzungsvereinbarung für E-Books und bleiben bei den Zahlungen. Denn eines fiel mir als erstes auf. Google schweigt sich darüber weitgehend aus. Die einzige Zahl, die ich finden konnte ist folgende: Wenn Google Bücher über Drittanbieter verkauft, erhält der Verlag einen Anteil von 45% des Nettopreises. Auch im Netz, mit Hilfe einer gewissen Suchmaschine, findet man nur sehr mühsam Informationen. Ich hatte schließlich bei buchreport Glück, der behauptet mehr zu wissen, nämlich dass Verlage beim Direktverkauf über Google Play 52% des Nettopreises bekommen. Wenn man allerdings sieht, was buchreport zu Amazons Tantiemen schreibt, ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen, denn was da über Amazon steht, ist schlichtweg falsch. Ich berichtete über die wahren Zahlen.

Gehen wir davon aus, dass die Zahlen stimmen, dann sind das extrem schlechte Zahlen. Schlechter als die Bedingungen, die die Großhändler im Printbereich gewähren, die liegen nämlich üblicherweise bei 50-60% des Bruttopreises für den Verlag. Ich werde mich mit der Preisgestaltung für E-Books noch eingehender beschäftigen, aber außer mit Marktmacht (die Google jedoch noch gar nicht hat) lassen sich die Zahlen der Kalifornier nicht begründen, denn schließlich fallen die Kosten für Lager und Transport, die die Printbuchhändler zu stemmen haben, weg. Klar muss Google Server betreiben und eine Shopinfrastruktur liefern, aber beides machen sie einerseits sowieso und bekommt andererseits die Konkurrenz von Amazon und Apple, die den Markt wirklich beherrscht, günstiger hin. Der einzige Vorteil Googles gegenüber Apple und Amazon ist die Bereitstellung dieser „elektronischen ISBN“, von der ich immer noch nicht genau weiß, was sie eigentlich sein soll. (Aber noch immer am recherchieren bin).

Nun gut, kommen wir zum Rest der Ergänzungsvereinbarung. Die ist zwar wesentlich knorriger geschrieben als die von Amazon, welche sich dagegen las wie ein leichter, grau schattierter Roman, enthält aber letztlich nur wenige Überraschungen, soweit sie mir auffielen.

Die Stolperfallen der Google Play AGB

  • Google behält sich das Recht vor, die E-Books zu verändern.
  • Google wird die E-Books auch an lizenzierte Händler weiterverkaufen.
  • Wenn ihr euren Vertrag mit Google kündigt, dürfen die Kunden die E-Books natürlich behalten.
  • Google darf bis zu 20% der Bücher umsonst präsentieren.
  • Ihr könnt zwar angeben für welche Regionen der Welt ihr die Rechte an den E-Books haltet, Google übernimmt aber keine Gewähr, dass die Bücher nicht sonst wo verkauft werden können. Können sie nämlich nicht, wie ihr feststellen werdet, wenn ihr mal „VPN-Tunnel“ googelt.
  • Google und seine Freunde dürfen nach eigenem Ermessen den Verkauf eurer E-Books wieder einstellen.
  • Google darf im Rahmen von Marketingmaßnahmen Marken nutzen, auf die ihr die Rechte haltet, etwa euer Logo.
  • Der Verlag ist für die Einhaltung der Buchpreisbindung verantwortlich. Sind die Bücher nicht preisgebunden, kommt ein langer Rattenschwanz an Bestimmungen, wie Google den Preis gestalten darf, der uns aber nicht interessiert, wie ich ja schon erläutert habe.
  • Interessant ist dabei lediglich, dass Google einen Paketpreis für die Kombination Print und E-Book ermöglicht, „sofern der mit der Buchpreisbindung vereinbar ist“. Da das eine spannende Marketingmaßnahme wäre, werde ich da noch einmal beim Börsenverein nachhaken.
  • Google wird eure Tantiemen spätestens 60 Tage nach Abrechnungsmonatsende überweisen, sofern der Betrag höher als 100$ liegt, anderenfalls darf Google warten, bis der Hunderter erreicht ist. Solltet ihr oder Google den Vertrag kündigen, wird Google den Restbetrag innerhalb von 90 Tagen auszahlen, es sei denn, er liegt unter 1$.
  • Google muss euch natürlich keine Tantiemen zahlen, wenn die Käufer die E-Books zurückgegeben haben, in Deutschland zum Beispiel darf man ja über das Internet gekaufte Waren innerhalb von 14 Tagen zurückgeben. Google zahlt auch nichts aus, wenn das E-Book „betrügerisch“ von einem Kunden erworben wurde, etwa mit einer geklauten Kreditkarte.
  • Ihr dürft Google E-Books nicht missbrauchen, etwa als Spamschleudern, Viren-, Trojaner- oder allgemein Mallware-Lieferanten.
  • Google behält sich das Recht vor, Den Preis des E-Books an den Käufer „nach eigenem Ermessen“ zurückzuerstatten.
  • „Mit Google verbundene Unternehmen“ dürfen Kreditauskünfte über euch einholen.
  • Sowohl ihr als auch Google dürfen den Vertrag mit einer Frist von 30 Tagen kündigen. Es gibt ferner noch diverse Möglichkeiten der außerordentlichen Kündigung.
  • Ihr könnt Google schriftlich auffordern eines oder mehrere Bücher aus dem Verkauf zurückzuziehen.
  • Auch nach Kündigung des Vertrages dürfen die Endnutzer bereits gekaufte Bücher behalten.
  • Ihr habt zu gewährleisten, dass alle Infos, die ihr Google übermittelt, korrekt und aktuell sind, ihr über alle Rechte und Genehmigungen an euren E-Books verfügt, ihr nicht gegen geltendes Recht verstößt, ihr keine Malware in eure E-Books gepackt habt und eure Bücher von zufrieden stellender Qualität sind.
  • Ferner – und das ist vielleicht der problematischste Punkt – gewährleistet ihr, dass die Autoren eurer E-Books auf ihre „Urheberpersönlichkeitsrechte“ verzichten, respektive diese nicht gegen Google durchsetzen. Ich habe das mal gegoogelt 🙂 und zu den Urheberpersönlichkeitsrechten gehören: das Veröffentlichungsrecht, also dass der Urheber bestimmen darf, was veröffentlicht wird. Gut, das ist nicht problematisch, aber es geht weiter: Das Benennungsrecht. Der Urheber darf dem Werk den Namen geben. Das heißt mit anderen Worten: Google darf eure Bücher umbenennen. Schließlich gehört zu den Urheberpersönlichkeitsrechten auch das Beeinträchtigungsverbot: dass der Urheber bestimmen darf, welche Änderungen am Werk vorgenommen werden dürfen. Womit wir wieder bei dem Punkt von oben wären, dass Google die E-Books quasi umschreiben darf. Ich frage mich, in wie weit dieser Verzicht im Namen Dritter nach deutschem Recht überhaupt zulässig ist, glaube allerdings nicht, dass er letztlich weitgehend angewendet wird. Zumindest in Bezug auf das Beeinträchtigungsverbot habe ich beim Kauf von E-Books im Play-Store gesehen, was Google damit meint: sie packen nämlich Screenshots des Seitenlayouts im „Standardzoom“ in die Datei. Aufgrund des flexiblen Textflusses in der ePUB-Datei kann ein aufwändiges Layout auf einem kleinen Handydisplay schon einmal zerschossen werden. Dann sieht man mit dem Screenshot zumindest, wie sich das der Setzer eigentlich gedacht hatte. Allerdings weiß ich natürlich nicht, ob dies die einzige Veränderung ist, die Google jemals an E-Books vornehmen wird.
  • Ihr stellt Google von sämtlicher Haftung frei.
  • Schön finde ich: keine Partei ist berechtigt, Rechten oder Verpflichtungen ohne vorherige schriftliche Zustimmung des anderen an Dritte abzutreten. Ausgenommen sind „mit Google verbundene Unternehmen“. Mit anderen Worten: Google darf das, ihr nicht.
  • Gleiches gilt für das Entstehen von Rechten oder Vorteilen.
  • Die Egänzungsvereinbarung unterliegt deutschem Recht.
  • Wenn es Stress zwischen euch und Google gibt, soll zunächst eine Mediation einberufen werden.

Das war es.

Solltet ihr noch Fragen haben, empfehle ich die Lektüre des entsprechenden Hilfethemas bei Google selbst: Support zum Google Books Partnerprogramm

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