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#ePrdctn 6 / Antwort auf die Google-Suche: Seitenzahlen in E-Books

Eine der häufigsten Suchanfragen, über die mein Blog gefunden wird, lautet „Seitenzahlen eBook/ePub/Mobi“. Grund genug, mich dem Thema noch einmal ausgiebiger zu widmen.

Screenshot eines von mir designten E-Books

Screenshot eines von mir designten E-Books

Grundsätzlich gibt es bei E-Books keine Seiten mehr. Sowohl bei ePub als auch bei Mobi handelt es sich um ein fortlaufendes Dokument. Das liegt am Responsive Design, also der Eigenschaft, dass der Text flexibel umbrechen kann. Dieses Responsive Design ist durch zweierlei motiviert: 1. ist die Schriftgröße verstellbar, kann also nach Geschmack und Sehvermögen vergrößert oder verkleinert werden. 2. Sind E-Books für mobile Endgeräte designet: E-Reader, Tablets und Smartphones. Diese Geräte verfügen über die unterschiedlichsten Displays. Das Responsive Design sorgt nun dafür, dass sich der Text immer dem Display anpasst, sodass man nur in eine Richtung scrollen oder blättern muss. Wer schon einmal eine statische Webseite auf dem Smartphone oder ein PDF auf dem Kindle gelesen hat, weiß, dass Responsive Design eine große Errungenschaft ist, denn statische Seiten führen zu wahren Scrollexzessen.

Allerdings sehe ich, dass die Notwendigkeit für Seitenzahlen in E-Books gegeben sein kann. Nämlich, wenn ich ein Printbuch nachträglich digitalisiere und es zitierfähig erhalten möchte.

Bei der Angabe von Quellen ist die Angabe der Seitenzahl eine Konvention. Eigentlich ist sie zwar im E-Book nicht länger nötig, denn dafür müssen wir uns nur den Zweck einer Quellenangabe klarmachen: die Quelle schnell und eindeutig zu finden. Klar, wenn ich ein 1000-Seiten starkes Buch vor mir habe, möchte ich es nicht komplett lesen müssen, um zu prüfen ob Herr zu Guttenberg richtig zitiert hat. Nun ist aber jede E-Reader-Software, die mir bekannt ist, mit einer Suchfunktion ausgestattet. Das heißt, dass die Angabe einer Seitenzahl obsolet ist, denn mit einer eindeutigen Werksangabe und einer kurzen Phrase (ich schätze drei Wörter genügen) im Suchfeld findet man das Zitat schnell und sicher.

Allerdings hat sich diese Erkenntnis noch nicht verbreitet, weswegen ich von Fällen gehört habe, in denen Dozenten in Hausarbeiten ihrer Studenten E-Books als Quellenangabe als nicht zitierfähig ablehnten. Es muss sich also noch eine Standardzitation für E-Books etablieren, so wie sie sich zu Beginn meines Studiums für das Internet durchsetzen musste. Bis es soweit ist, will ich hier eine Lösung vorstellen, wie man die Seitenzahlen der Printausgabe übernehmen könnte.

Nun ist es zwar so, dass die meisten E-Reader Seitenzahlen anzeigen, aber das sind weitgehend Phantasiewerte um den Lesern irgendeine Orientierung zu bieten. Daher sollte man sie nicht zum Zitieren nutzen, denn sie variieren je nach Reader.

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich Fixed Layout. Mit kf8, iBooks und ePub3 kann man das Responsive Design „abschalten“ um fixierte Seiten zu Layouten. Allerdings ist dieser Ansatz auch grundverkehrt, geradezu absurd. Denn der umfließende Text ist eine Errungenschaft von E-Books und Fixed Layout nur dazu da, um Bücher zu realisieren, die nicht überwiegend Fließtext enthalten: etwa Bilderbücher. Wenn ihr euer Buch fixiert layoutet, dann müsst ihr es nämlich wieder speziell auf ein Device mit einer spezifischen Displaygröße auslegen.

CSS Formate für Seitenzahlen

Nein, die Lösung, die ich hier vorstellen möchte, zeigt im Fließtext an, wo sich im Original die Seitenzahlen befanden, ähnlich wie man dies etwa aus manchen Reclams kennt. Natürlich könnte man sie einfach mit [XY] in den Text schreiben, aber ich habe mir eine Lösung überlegt, die ich etwas eleganter finde.

Screenshot: einer Seitenzahl in ePub

Screenshot: einer Seitenzahl in ePub

Dazu habe ich einen meiner Texte als PDF, als ePub und als Mobi gelayoutet. Die Dateien könnt ihr hier zur freien Verfügung downloaden. In der CSS findet ihr dann zwei Absatzformate, die meine Lösung enthalten:


p.letzterabsatz {
text-align : justify;
margin-bottom : 2em;
page-break-after: avoid;
}


p.seite {
text-align : right;
font-size : 0.7em;
page-break-after: always;
}

Das Absatzformat „p.letzterabsatz“ ist (ihr erinnert euch: sprechende Namen sind wichtig!) jenes für den letzten Absatz vor der Seitenzahl. Seine Attribute sind: Blocksatz, unterhalb des Absatzes ein Abstand von 2em und – das ist das Wichtige – dass nach dem Absatz ein Seitenumbruch vermieden werden soll.

Das Absatzformat „p.seite“ wiederum enthält die Spezifikationen für den Absatz, der die Seitenzahl enthalten soll. Er ist rechtsbündig, die Schriftgröße ist etwas kleiner als der reguläre Fließtext und nach diesem Absatz soll immer ein Seitenumbruch vollzogen werden.

Ich habe die Formate in verschiedenen Readern ausprobiert und wenn man die Schriftgröße nicht gerade zum absoluten Maximum ausreizt, sorgen die Absatzformate dafür, dass die Seitenzahl nie alleine steht, sondern immer am Fuße eines Absatzes. Ihr werdet feststellen, dass ich es mir etwas leichter gemacht habe, indem die PDF-Vorlage nie einen Seitenumbruch innerhalb eines Satzes enthält, was natürlich nicht realen Bedingungen entspricht, wenn ihr tatsächlich ein Printbuch nachträglich in ein E-Book umwandeln wollt und die Seitenzahlen an der genau richtigen Stelle behalten wollt.

Ach ja, ihr solltet auf alle Fälle im Impressum oder einer Legende erklären, was es mit den Seitenzahlen auf sich hat, denn an dem Screenshot oben seht ihr ja, dass sie von den Seitenzahlen des Readers höchstwahrscheinlich abweichen und somit verwirren können.

Und bitte versprecht mir, dass ihr dieses Format nur im „Notfall“ einsetzt und nicht anfangt, wie blöd jetzt E-Books mit Seitenzahlen zu generieren, denn das wäre ein Schritt zurück. Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß damit. Wie gesagt, die Dateien findet ihr hier.

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E-Taubenpost oder E-Book-News #4

Nach der sensationell hohen Beteiligung der Umfrage in der vergangenen Woche, hat sich der Name dieser kleinen Kolumne auf zwei heiße Kandidaten eingependelt. Ich halte die Umfrage aber weiter offen, sodass ihr am Ende dieses Posts nachwievor abstimmen könnt.

Was geschah so in letzter Zeit rund um elektronische Bücher?

10.11.12
Auf Carta wagt sich Torsten Larbig an eine Phänomenologie der Medialen Unterschiede zwischen Print- und elektronischem Buch. Das ist spannend zu lesen, wenn auch nicht umfassend, wie Larbig selbst einräumt. In der zweiten Hälfte des Artikels setzt er sich mit den Defiziten des Handels auseinander und fordert offenere Strukturen. Im Raum steht die Frage, ob der deutsche Buchhandel in der Lage sein wird, eine Antwort auf die marktbeherrschende Stellung der amerikanischen Händler zu finden und wie diese aussehen könnte.

08.11.12
Amazon und kein Ende. Das Unternehmen verschickt mal wieder kryptische E-Mails. Diesmal an Herausgeber zum Thema „Hochrisikopublikationen“. The Digital Reader berichtet. Soweit man das berichten nennen kann, denn wie immer bei Amazon ist alles nebulös.

05.11.2012
Walrus ist eine ziemlich innovative E-Book-Schmiede aus Frankreich, die uns in dieser Woche präsentiert, wie sie mit Hilfe von CSS3 ein animiertes Cover für iBooks optimierte E-Books erzeugt haben. Ganz im Sinne eines freien Netzes stellen Sie den Code zur Verfügung und erlauben explizit, ihn zu verwenden.

Interactive Cover for eBooks #1 from Walrus Books on Vimeo.

04.11.2012
Das Tumblr Life in Publishing zeigt den typischen Gesichtsausdruck, wenn man einen kleinen Formatfehler nur mal eben beheben will.

02.11.2012
Wer E-Books produzieren will, muss sich Gedanken über Größenangaben im Layout machen. Die CSS-Datei, die maßgeblich für das Layout in ePUBs und in Mobipocket-E-Books verantwortlich ist, erlaubt dabei als Maßeinheiten Pixel, Em und Prozent. Steve Hickey erklärt auf .net-magazine die Unterschiede. Er tut dies zwar anhand von Webseiten, aber das Gesagte ist ohne Probleme auf E-Books übertragbar.

31.10.2012
APEX@IGP bietet Beispiele von Fixed Layout E-Books im ePUB3-Standard zum Download an. Sodass man sich angucken kann, wie die Auszeichnung auszusehen hat, wenn man sein E-Book in Portrait (Hochformat), in Landscape (Querformat), in 16:9 oder 4:3 (sowie in weiteren Varianten) schreiben will.

08.10.2003
Etwas älter ist dieses Stück, das diese Woche durch meine Timeline schwappte, aber nichtsdestotrotz noch immer aktuell. Joel on Software brüllt auf amüsante Weise Basiswissen über Zeichensätze und Unicode in HTML in die Welt. Und wenn wir mal von PDF absehen, so sind HTML-Dokumente das Herzstück von E-Books, weshalb jeder, der in die E-Production einsteigen will, sich Gedanken machen sollte, wie er verhindern kann, dass beim Leser nur ??? ???? ????‪‪‪‪‪‪‪‪‪‪ ankommt.

Und zum Schluss noch ein schönes Tool, das ebenfalls diese Woche durch meine Timeline wehte. EpubCrawler ist ein InDesign-Plugin für den Export von Fixed Layout ePUBs aus InDesign heraus.

Hier, wie versprochen, noch einmal die Umfrage.

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Exkurs: Neues rund um E-Books

Ich habe mal gesammelt, was in der letzten Woche so Interessantes an mir vorbeitickerte rund um E-Books.

20.10.12
Die Gerüchte verdichten sich, dass demnächst mit dem iPad-Mini eine neue Version von Apples Reader-App iBooks erscheinen wird. So fordert iBooks bereits jetzt zu einem – noch nicht möglichen – Update auf, wenn man fixed Layout E-Books nach dem ePUB3-Standard lesen möchte:

19.10.12
Freiabonnements für Gefangene e.V. sammelt zweckgebundene Spenden um Gefängnisinsassen einen Weihnachtswunsch zu erfüllen. Die Gefangenen durften sich jeweils ein Buch wünschen und wr können ihnen ihre Wünsche erfüllen. Da ich fest daran glaube, dass Bücher uns zu besseren machen können, bitte ich um zahlreiche Spenden.

19.10.12
ePUBs bestehen eigentlich nur aus einer Reihe Ordner mit verschiedenen Dokumententypen, Bildern und Schriften, die gezippt wurden. Allerdings muss dieses Zippen auf eine bestimmte Weise erfolgen, damit die ePUBs am Ende von Readern auslesbar werden. mobileread bietet jetzt eine Methode mit passendem Tool für Mac-User.

18.10.12
Digital Book World gibt – mehr oder weniger gute – Tipps, wie man seine Umsätze auf Amazon erhöhen kann:
1. Verfügbar sein. Sowohl in möglichst vielen verschiedenen Medien: Printbuch, E-Book, enhanced E-Book und Hörbuch, [EDIT: Das „als auch“ fehlte], als auch in möglichst vielen verschiedenen Sprachen.
2. Metadaten ausfüllen. Dem werde ich mich noch ausführlich widmen, wenn ich dann richtig in die #ePrdctn einsteige. Aber was bei Printbüchern immer mehr so ein „ja, muss man irgendwie haben.“-Faktor war, muss man sich bewusst sein, dass E-Books vollständig maschinenlesbar sind und je ausführlicher man die Metadaten sowohl in der E-Book-Datei, als auch im Verkausfportal ausfüllt, desto höher ist ide berühmt-berüchtigte Sichtbarkeit in Suchmaschinen.
3. Der Autor. Der Autor ist das wichtigste Marketinginstrument seines Buches. Er sollte folglich Präsenz in den sozialen Medien zeigen. Und zwar über das Veröffentlichen von Pressemeldungen hinaus. Nur wenn man mit seinen Lesern in einen Dialog eintritt, bringt das auch was.

16.10.12
Calibre ist ein Tool mit dem sich sehr einfach E-Book-Dateien und andere Arten digitaler Dokumente verwalten und in verschiedene Formate konvertieren lassen. Leider ist das Ergebnis nicht immer berauschend. The Digital Reader zeigt vier Tricks um bessere Ergebnisse zu erzielen.

14.10.12
Die FAZ widmet sich einer Eigenschaft von E-Books, die ihren Vettern aus den Druckpressen bislang fremd war: sie rücken ins Visier der Filesharer. Die FAZ tut das wie immer: mit harter Kritik, am Untergang des Abendlandes knapp vorbeischrammend und des Ärgerns würdig. Aber das auf höchstem Niveau.

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