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Buchpreisbindung

Zurück zum eigentlichen Thema. Der Erklärbär ist mal wieder an der Reihe: Was ist eigentlich diese Buchpreisbindung?

Buddy Bear: SI Bär (former Air Bär). Standort/Location: in front of Best Western Hotel Steglitz International, Albrechtstr. 2, Berlin-Steglitz. Urheber: Wikimedia Commons User: BLueFiSH.as.

Buddy Bear: SI Bär (former Air Bär). Standort/Location: in front of Best Western Hotel Steglitz International, Albrechtstr. 2, Berlin-Steglitz. Urheber: Wikimedia Commons User: BLueFiSH.as.

In Deutschland gibt es die gute alte Buchpreisbindung. Wir, vertreten durch unseren Gesetzgeber waren und sind offenbar immer noch der Ansicht, dass Bücher ein schützenswertes Gut sind, das einer besonderen Behandlung bedarf. Das schlägt sich in der Buchpreisbindung nieder und gestaltet sich so aus:

Ein Verlag bringt ein Buch heraus und legt seinen Preis als sogenannten Listenpreis fest. Er kommuniziert diesen – gewöhnlich über das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) – und durch Titelmeldung bei den Barsortimenten, also den Zwischenhändlern (KNV, Libri und Umbreit). Und fortan darf kein Buchhändler in Deutschland, ob nun der kleine Buchladen um die Ecke, oder der große böse Internetverramscher, das Buch zu einem anderen Preis anbieten.

Natürlich gibt es Ausnahmen von der Regel. Wir alle kennen den schönen Mängelexemplar-Stempel. Genauso darf man bei einem Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe für maximal 30 Tage den gebundenen Buchpreis unterschreiten. Außerdem darf der Verlag den Preis ändern und sogar die Bindung aufheben. Letzteres aber frühestens nach 18 Monaten oder wenn bei einer periodischen Ausgabe der Nachfolgeband erschienen ist.

Die Frage, die uns jetzt interessiert, ist natürlich: Gilt die Buchpreisbindung auch für E-Books? Prinzipiell schon, ABER …

Im Buchpreisbindungsgesetz steht folgender lustiger Zusatz, nämlich dass die Preisbindung auch für Folgendes gilt:

„Produkte, die Bücher, Musiknoten oder kartographische Produkte reproduzieren oder substituieren.”[1]

Und darunter fallen nach Auffassung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels auch E-Books. Aber was heißt das jetzt? Muss ein E-Book so teuer sein wie ein gedrucktes Buch? Müssen alle E-Books in unterschiedlichen Formaten (PDF, ePUB, Mobipocket) den gleichen Preis tragen, oder was?

Hier herrscht bislang noch keine Rechtssicherheit, soweit ich das weiß. Was aber feststeht, ist zumindest folgendes: E-Books müssen nicht den gleichen Preis tragen wie Printausgaben. Das ist ja bisher auch nicht so bei Hardcovern und Taschenbüchern. Genauso sicher ist: Jedes E-Book, das die gleiche ISBN trägt, muss den gleichen Preis haben. Wobei es aber so ist, dass ihr für Amazon (Mobipocket) gar keine ISBN braucht und für ePUB und PDF jeweils eine eigene.

Wenn ihr also stur seid und einen guten Anwalt habt, könnt ihr euch auf den Standpunkt stellen, dass es sich jeweils um ein anderes Buch handelt, für das ihr dann auch jeweils einen anderen Preis ansetzt. Dann könnt ihr auf die erste Abmahnung durch den Börsenverein warten und das ganze ausfechten, bis wir alle endlich Rechtssicherheit haben.

Andererseits sind E-Books aber auch keine gedruckten Bücher, die Produktion ist nicht so aufwändig und dauert nicht so lang. Das heißt, wenn ihr also unbedingt in allen drei Formaten veröffentlichen wollt und genauso unbedingt für alle drei Formate einen anderen Preis ansetzen wollt, dann macht halt jeweils eine eigene Edition daraus und schreibt in der Amazonausgabe noch ein schönes Vorwort, in der ePUB-Ausgabe ein lustiges Nachwort und packt in die PDF-Variante ein paar anschauliche Grafiken und Statistiken und schon bewegt ihr euch ganz konform im Rahmen der Regeln des deutschen Buchhandels und könnt eure Preise individuell festlegen.

Viel Spaß.

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Eingeordnet unter E-Book Vertrieb, Voraussetzungen

Formate

Ein Wesen mit drei Gesichtern (und noch mehr Är… Äh, Sie wissen schon), so stellt sich das E-Book dieser Tage dar. Denn das E-Book gibt es nicht. Drei Formate in verschiedenen Versionen geben den Ton an.

PDF

Logoaus der Adobe Creative Suite 4 für PDF. Urheber: Adobe Systems.

Logo aus der Adobe Creative Suite 4 für PDF. Urheber: Adobe Systems.

Da wäre zunächst einmal Adobes PDF-Format und es ist erstaunlich, wie viele Menschen das noch immer für das E-Book-Format schlechthin halten. Ist es nicht, um so viel hier ein für alle Mal klarzustellen. Warum? Nun, dafür muss man sehen, woher PDF kommt. Es ist das Dateiformat, mit dem Mediengestalter ihre Daten an die Druckerei liefern. Und zu diesem Zweck ist es perfekt geeignet, da es sich voll kontrolliert layouten lässt und unzählige Einstellungsmöglichkeiten im Farbmanagement und ähnlichem aufweist, um auch noch auf der letzten angestaubten Druckpresse eine gute Figur zu machen.

Damit es das kann, ist ein Faktor entscheidend: es weist ein seitenbasiertes Layout auf. Ich stelle in meinem Layout-Programm ein, dass ich bitte 300 Seiten in A5 haben möchte und kann dann beliebig viele Bücher in diesem Format drucken.

Ein Problem ist jetzt aber, dass es im digitalen Bereich sehr viele verschiedene Displaygrößen gibt. Das fängt an bei dem schönen 16:9-Bildschirm, an dem ich diese Zeilen schreibe, geht weiter über iPad, Kindle (in verschiedenen Ausführungen und Größen), Googles Nexus 7, bis hin zu Smartphones mit kleinen aber auch da noch sehr unterschiedlichen Displays. Und wer einmal ein PDF auf einen Smartphone gelesen hat, der weiß, dass man sich totscrollt und das auch noch kreuz und quer.

Natürlich kann man jetzt für jede Displaygröße ein eigenes PDF erstellen, aber das ist nicht wirklich praktikabel. Die Antwort, die man im Mediendesign darauf fand, kam aus dem Webdesign und bringt den traditionellen Setzer ob der Witwen und Waisen (beziehungsweise politisch unkorrekt: Schusterjungen und Hurenkinder) fast um den Verstand: variabel fließender Text.

Die Grundidee kommt aus der Kombination von HTML und CSS. Dass man nämlich „Container“ schafft, innerhalb derer der Text frei fließen kann. Habe ich ein großes Display, füllt sich dieses mit viel Text, habe ich ein kleines, so wird eben nur wenig Text angezeigt. Zudem kann ich den Text vergrößern und verkleinern. Und der Text fließt immer automatisch so, dass ich nur in eine Richtung scrollen oder „blättern“ muss. Diese Möglichkeit bieten die beiden anderen gängigen Formate.

ePUB

Das ePUB-Logo des idpf. Urheber dieser Version Wikimedia Commons User: Inductiveload.

Das ePUB-Logo des idpf. Urheber dieser Version Wikimedia Commons User: Inductiveload.

ePUB ist toll! ePUB ist das am weitesten verbreitete E-Book-Format, aber vor allem ist es ein offener Standard. Es gibt hier eine Dokumentation, anhand derer jeder ein E-Book erstellen kann. Im Prinzip geht das mit jedem Standard-Text-Editor und einem Packprogramm. ePUB basiert auf HTML und CSS. Es ist ein so genannter HTML-Dialekt. Das heißt, dass nicht alle Auszeichnungen von HTML auch in ePUB funktionieren und dass andere, die auf Webseiten keinen Sinn machen, wohl aber in Büchern, hinzugefügt wurden. Wir sind mittlerweile bei der Version 3.0 angelangt. Leider verhält es sich hier noch genauso wie mit HTML und den Browsern in den frühen Jahren des Internets. Die Lesegeräte interpretieren ePUB teilweise recht eigenwillig, sie unterstützen auch noch nicht alle die 3.0-Version. Manche sind noch auf dem Stand von 2.0.1, andere, wie Adobe Digital Edition, unterstützen (warum auch immer) nur Teile von ePUB 3.0 und Apples iBooks wiederum unterstützt 3.0 weitgehend komplett, hat aber noch weitere Elemente hinzugefügt, wie „fixed Layout“ oder den Einsatz von Java-Script.

Dennoch ist es einfach das stärkste Projekt und wird sich hoffentlich langfristig durchsetzen. Denn bislang ist ein anderes Format federführend. Und zwar eine hybride Geburt aus dem Hause Amazon.

mobipocket/kf8/azw

Amazon kindle Logo. Urheber: Amazon.com

Amazon kindle Logo. Urheber: Amazon.com

Ebenso wie ePUB unterstützt Amazons E-Book-Sprache fließenden Text (in der neuesten Version auch „fixed Layout“). Aber im Unterschied zu ePUB ist der Standard nicht offen sondern mittlerweile eine dreifach verkorkste Ummantelung, die mir regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Das liegt daran, dass Amazon im E-Book-Geschäft der Marktführer ist und es auch bleiben will. So setzt Amazon alles daran, dass die Leser ihre Bücher auch nur über die Amazon-Webseite kaufen. Am liebsten wäre es dem Internetkaufhaus daher, wenn man Nur-Text-Dateien auf ihren Server laden würde und diese dann von Amazon selbst direkt in azw umwandeln ließe.

Da dies nun aber für jeden Mediengestalter äußerst unzufriedenstellend ist und auch beim Leser oft nicht so gut ankommt, muss man einen anderen Weg gehen, den ich später noch en detail erklären werde. Der in der Kurzform aber so aussieht. Man erstellt eine HTML-Datei oder ein ePUB, konvertiert dieses dann in das neueste Format kf8, das wird aber mit einem Mobipocket (dem alten Format) ummantelt. Anschließend lädt man es auf den Amazonserver, wo es in ein azw umgewandelt wird. Und das Ergebnis hat dann entfernte Ähnlichkeit mit dem Buch, das man mal irgendwann gelayoutet hat.

So sieht es derzeit aus. Als nächstes erzähle ich an dieser Stelle, wie man sich bei Amazon anmeldet und welche Nettigkeiten in ihren AGB stehen.

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