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100 Tage Kindle – Eine Rezension von Amazons E-Reader

Ich habe zu Weihnachten einen Kindle geschenkt bekommen. Bisher habe ich E-Books immer entweder mit iBooks auf dem iPad gelesen (Was rein ästhetisch nach wie vor mein Favorit bleibt) oder mit Google Play Books auf dem Android Handy (Was vor allem aus Performanz-Gründen wirklich unkomfortabel ist). Nun ist also ein Kindle hinzugekommen und daher wollte ich mal, wie in der Politik üblich, ein 100-Tage-Zwischenfazit ziehen.

Mein Kindle

Mein Kindle

Ich habe einen klassischen Kindle*, nix mit Licht*, Reise* oder Feuer*. Den gibt es bei Amazon ab 59 Zacken. Das Gerät hat ein schwarzes Plastikgehäuse uns einen Infrarot-Touchscreen. Die Rückseite ist etwas angeraut, was verhindert, dass der Kindle zu leicht von etwas schrägen Untergründen rutscht. Das Gerät hat nur einen Knopf an der Unterseite zum Ein- und Ausschalten.

Kommen wir zunächst zu den Stärken des Kindles

Am meisten beeindruckt mich der Touchscreen. Der schwuppt, hat quasi keine Verzögerung, sondern funktioniert immer sofort und fehlerfrei. Fast schon zu gut: Dadurch, dass er anders als ein kapazitiver Touch nicht nur bei stromleitenden Dingen wie Fingern, sondern quasi bei allem reagiert, kann es schon einmal vorkommen, dass versehntlich auch zum Beispiel die Bettdecke toucht. Das ist aber kein Problem, man hat sich schnell daran gewöhnt und vor allem die nächste Stärke des Kindles sorgt dafür, dass versehntliches Vertouchen weitgehend egal ist.

Das Gerät ist wahnsinnig performant. Es blättert enorm schnell. Von älteren Generationen des Kindles und anderer E-Reader war ich es gewohnt, dass es einige Zehntelsekunden dauert, bevor die E-Ink die neue Seite dargestellt hat. Das ist bei meiner Kindlegeneration quasi nicht mehr der Fall, die Verzögerung liegt im Millisekundenbereich und ist somit eigentlich nur feststellbar, wenn man sich darauf konzentriert.

Die dritte große Stärke ist der Zoom der Schriftgröße. Zwischen grotesk groß und Ameisenscheiße-klein lässt die Schriftgröße in acht verschiedenen Stufen einstellen. Das ist ein Feature, das ich je nach Lichtverhältnissen, Lust und Laune ausgiebig nutze. Genauso schön finde ich die Lesestandsanzeige: Neben Prozentzahlen gibt es drei weitere Anzeigen zur Auswahl: Eine für mich komplett undurchschaubare Positionsanzeige. So bin ich bei 14% meines aktuellen Buches Der Name des Windes* bei Position 2158. Was ist das? Seitenzahlen ganz offensichtlich nicht, schließlich haben E-Books keine Seiten. Wenngleich der Kindle diese Option bei manchen Büchern auch anbietet. Ein spannendes Feature, dem ich mich mal ausführlicher widmen muss …Aber die Position ist auch nicht die Wortzahl, was für mich die nächste logische Option gewesen wäre. Keine Ahnung, was dieser kryptische Wert besagen soll.

Aber es gibt außer der Positionsanzeige zum Glück noch zwei andere, die mir sehr gut gefallen: Zum einen wieviel Zeit noch im Kapitel verbleibt. Ein Feature, das ich beim Vorlesen liebe, da es mir oft Diskussionen mit meiner Tochter (7) erspart, ob ich zu kurz vorgelesen habe, indem ich ihr einfach sagen kann: „Okay, das Kapitel heute ist 15 Minuten lang, die lesen wir, dann wird geschlafen.“ Für mich selbst bevorzuge ich die Anzeige, wie viel Zeit noch im Buch verbleibt. Diese muss sich während der ersten 10-20% des Buches langsam einpendeln, ist dann aber ganz nett, wenngleich ich nicht nachgemessen habe, wie präzise sie ist.

Der letzte Punkt, den ich auf der Haben-Seite des Kindles vermerke, ist natürlich die Akkuladezeit. Obwohl ich jeden Tag in dem Gerät lese, muss ich es im Schnitt nur einmal im Monat aufladen. Das ist sehr, sehr schön und ein enormer Vorteil der E-Ink-Technologie, die fast ausschließlich dann Strom verbraucht, wenn das Bild neu aufgebaut wird, beispielsweise beim Umblättern.

Kommen wir zu den neutralen Aspekten des Kindles

Darin werte ich einerseits die Funktion, mit einem Tippen einkaufen zu können. Das ist natürlich enorm komfortabel, birgt aber zugleich auch ein Sicherheitsrisiko. Wenn mir das Gerät geklaut wird, dann kann jemand schön auf meine Kosten shoppen. Allerdings kann ich das über mein Amazon-Konto stornieren, sofern ich es rechtzeitig bemerke.

Der zweite neutrale Aspekt sind Größe und Gewicht des Geräts. Es ist 193g leicht bei einem 6 Zoll Display. Mein Luxusproblem dabei ist: Wenn ich beim Stehen oder Gehen lese, was ich relativ oft tue, weiß ich nicht, wie ich das Gerät halten soll … Wenn ich den Kindle von hinten umgreife, dann komme ich nicht mehr an den Touchscreen zum umblättern (Zum Glück habe ich noch eine Nase …) Als Linkshänder kann ich ihn auch nicht wie ein Smartphone halten (drei Finger hinter dem Gerät, kleiner Finger als Stütze und Daumen zum Touchen), denn die linke Seite des Gerätes blättert zurück. Zwar kann ich auch per Swipe von links nach rechts vorwärts umblättern, aber das birgt die Gefahr, dass ich mir den Kindle buchstäblich aus der Hand wische, was tatsächlich schon passiert ist, zumal der Daumen auch so weit am Unteren Rand ist, dass statt Umblättern ich zwischen den Lesestandanzeigen wechsle. Schließlich bleibt mir nur, den Kindle von unten zu greifen, indem ich ihn auf den Ringfinger und zwischen Daumen und Zeigefinger ablege, hinten mit Zeige- und Mittelfinger stütze und den Daumen zum touchen benutze. Das ist aber ziemlich unbequem, ermüdend und birgt die Gefahr, dass das Gerät über meine Fingerspitzen kippt (auch das ist mir schon passiert …) Tja, das Beste ist einfach, wenn das Gerät beim Lesen liegt.

Die dunkle Seite des Kindles

Während ich die verbaute Touchtechnologie noch lobte, so muss ich die Bedienung kritisieren. Blättern und Zoomen funktionieren gut, das hatte ich ja schon gesagt. Aber der Kindle setzt eben auf eine ausschließliche Touchbedienung bei zeitgleichen Verzicht auf ein dauerhaft eingeblendetes Menü. Konkret heißt das, dass ich beim Tippen in die linke untere Ecke zwischen den Lesestandsanzeigen wechseln kann, beim Tippen in die rechte obere Ecke kann ich Lesezeichen setzen und zwischen Lesezeichen wechseln und beim Tippen in die linke obere Ecke öffne ich das Hauptmenü, in dem ich zum Beispiel zwischen Büchern wechseln kann. Das Problem ist aber, dass der Kindle diese Optionen nicht dauerhaft anzeigt, sondern erst nach Antippen. Was gut gemeint ist, da es zu mehr Platz für den Text führt, ist aber schlecht ausgeführt, da ich oft den richtigen Punkt nicht auf anhieb treffe und im besten Fall mehrfach tippen muss, um die entsprechende Funktion aufzurufen und im schlechtesten Fall mit einem Tippen versehentlich umblättere. Ein Knopf, wie der Home-Button bei iOS-Geräten oder die Menütaste bei den Androidgeräten wäre hier wirklich hilfreich.

Während das Menü nur etwas unkomfortabel ist, ist mein nächster Kritikpunkt ein echtes Ärgernis: Mein Kindle zeigt mir im Ruhestand beständig Werbung an für Bücher, die ich doch gefälligst kaufen soll. Das macht das Gerät OBWOHL ich ihm gesagt habe, dass es das gefälligst lassen soll. Was sollte man sonst auch in der COVERansicht anzeigen … Mmmh … Genauso habe ich in den Optionen gewählt, dass ich KEINE Kaufempfehlungen über den Text geblendet haben möchte, wenn ich mich dem Ende nähere, DENNOCH zeigt mir mein Kindle die regelmäßig an. Ich habe mittlerweile herausgefunden, dass ich bei Amazon auch eine Variante des Kindles hätte kaufen kaufen, die auf dieses „Feature“ verzichtet, das kostet dann 20 Euro mehr. Warum mein Kindle dennoch in den Optionen so tut, als könnte ich die Funktion deaktivieren, bleibt ein Rätsel …

Doch am meisten stört mich die Standardschrift des Kindles. Die ist unglaublich hässlich. Amazon tritt die 2000 Jahre alte Geschichte der Typographie mit Füßen, denn Amazon erlaubt nicht einmal, dass E-Book-Designer eigene Schriftarten in ihren E-Book-Dateien einbinden.Ich habe sogar mal Amazon angeschrieben, warum das so ist. Hier die nichtssagende Antwort, die ich erhielt:

„Der Kindle verfügt über drei neue und eigens für Kindle entwickelte Schriftarten, welche für noch bessere Lesbarkeit sorgen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, aus acht Schriftgrößen zu wählen und diese nach den persönlichen Präferenzen einzustellen.“

Tja, solange Amazon eine derartig starke Markmacht hat, wie derzeit, wird sich an dieser Einstellung wohl auch nichts ändern.

Update 14.4.2015: Ich wurde auf Twitter darauf hingewiesen, dass ich tatsächlich zwischen verschiedenen, bereits im Kindle hinterlegten Schriftarten wechseln kann. Links oben tippen, dann auf die beiden Buchstaben „Aa“ tippen. Das hatte ich immer für einen anderen Zugriff auf’s Zoom-Menü (2 Finger Zoom) gehalten.

Fazit

Das war mein 100-Tage-Test. Alles in allem bin ich mit meinem E-Reader zufrieden und er hat schon jetzt bewirkt, dass ich wieder mehr Bücher lese, was einer meiner guten Vorsätze war. Denn als neues technisches Spielzeug ist er für mich Motivation und obendrein lenkt er mich nicht mit dem Internet ab, wie es Tablet oder Handy tun. Auch den Preis von 59 Euro finde ich recht überzeugend. Denn, sollte er mir im Sommerurlaub vom Handtuch geklaut werden, dann wird das nicht so ärgerlich sein, wie ein geklautes iPad oder Handy für mehrere hundert Euro.

 

* Hinterhältiger Afilliate-Link: Kauft ihr den Kindle, dann bekomme ich eine winzige Provision und freue mich.

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Ein Pamphlet gegen Verlagswesen und Buchhandel

7 Gründe, warum das Verlagswesen und der Buchhandel mit Hochgeschwindigkeit in die Krise schlittern

Das Bücherverlegen, so wie wir es jetzt kennen, ist eine sehr alte Kulturtechnik, die in Anschluss an den Buchdruck entstand. Der Büchervertrieb basiert größtenteils auf Notwendigkeiten die im Zuge der Entstehung liberaler Märkte im 18. und 19. Jahrhundert ergaben. Doch jetzt steht dieser Branche eine Umwälzung ins Haus, die sie noch immer nicht begriffen hat. Ein schmerzhafter Wandel, den die Musikbranche schon vor zehn Jahren zu spüren bekam und in dem sich auch die Filmindustrie gerade befindet. Und obwohl der relative Niedergang der Musikbranche – gemessen an den Verkaufszahlen der 90er Jahre – der Bücherwelt als mahnendes Beispiel vor Augen steht. Macht sie sich nicht daran, aus den Fehlern der anderen zu lernen, sondern rennt laut schreiend und mit aufgerissenen Augen dem Abgrund entgegen. Dabei könnten Verlage und Buchhandel es viel besser machen und am Ende als große Gewinner aus dem Spiel hervorgehen, wenn sie nur auf die Zeichen der Zeit erkennen würden.

Abgrund

Casares Abgrund. Urheber: Horst Goertz. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Ich möchte hier mal die sieben wichtigsten Fehler zusammenfassen, die ihr, liebes Verlagswesen und lieber Buchhandel fast unisono macht.

1. Formate

ePub2, ePub3, iBooks, Mobi und PDF. Das sind die gängigsten Formate, die derzeit auf dem Markt sind. Ich vereinfache hier stark, denn iBooks ist eigentlich nur eine Variante von ePub2 und ePub3 ist nicht wirklich auf dem Markt. Aber, worauf ich hinaus will: Das sind zu viele. Wenn ich mir ein Buch bei Apple kaufe, kann ich es auf dem Kindle nicht lesen. PDF ist sowieso komplett ungeeignet für E-Reader oder Tablets und der klägliche Rest eurer Bücher-Online-Shops außer Apple iBooks und Amazon verramscht fröhlich schlecht gecodetes ePub2, obwohl seit eineinhalb Jahren mit ePub3 der Nachfolger schon in den Startlöchern verstaubt.

Ja klar, kann man jetzt klagen, dass die großen Bosse im Handel – Amazon und Apple – sich eh nie auf ein Format einigen werden, aber man kann auch die Frage stellen, warum die beiden sich das erlauben können… Ganz einfach: Weil sie einfach keine ernstzunehmende Konkurrenz haben. Wenn 80% aller E-Books bei Amazon über den virtuellen Tresen gehen, dann wird Amazon bestimmt nicht auf ePub wechseln, klar. Hingegen sieht es bei Apple schon anders aus, da das Fallobst nur zehn bis fünfzehn Prozent Marktanteil hat, heißt es auch ePub2 willkommen.

Wenn ihr, liebe Verlage, euch einfach mal auf den freien, offenen Standard ePub3 einigen würdet, währet ihr in einer viel besseren Ausgangssituation. Wenn ihr begreifen würdet, welche Chance dieser gewaltige Quantensprung zwischen dem was in ePub2 und dem, was in ePub3 möglich ist, für euch bedeutet, wäre das die halbe Miete eurer Zukunftswohnung. Wenn ihr anfinget, gute Bücher zu layouten, die von Weltbild über Thalia bis zum kleinen Online-Shop um die Ecke überall in ePub3 zu bekommen sind, dann würden sich die Machtverhältnisse langsam wieder beginnen zurückzuschieben. Das geht nicht von heute auf morgen, nachdem ihr jahrelang geschlafen habt, aber das geht allmählich.

Allerdings gibt es ein Hindernis: Wenn ePub3 als von allen akzeptierter Standard der Jedi ist, dann ist DRM die dunkle Seite der Macht.

2. DRM

DRM ist eine Pest. DRM schützt nicht, denn jeder, der Google bedienen kann, kann auch E-Books von DRM befreien. Aber dennoch klammert ihr, liebe Verlage, euch an das digitale Rechtemanagement wie der Ertrinkende an die letzte Planke. Was ihr dabei aber überseht, ist, wie unglaublich unattraktiv euer Angebot dadurch wird. Und dass ihr dadurch die Leser in Scharen zu Amazon hintreibt. Denn, wie sieht die Realität derzeit aus? Wenn ich mein E-Book in einem deiner Shops kaufe, lieber Buchhandel, kann ich es nur auf einer kleinen Anzahl an Plattformen lesen. Ich kann in der Regel keinen Text kopieren, teilen, keine Bücher ausleihen, geschweige denn kopieren oder so etwas abwegiges wie verschenken. Aber, wenn ich sowieso nur die Wahl zwischen verschiedenen Käfigen habe, dann wähle ich doch den goldenen und den bietet mir Amazon.

„Aber wenn wir die E-Books ohne DRM verkaufen, dann verbreiten die bösen Leser mit ihrer Kostenloskultur die doch einfach im Netz!!!!!1!11einself“

So what? Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass DRM ja, wie gesagt, sowieso nicht hilft und ihr, liebe Verlage, nichts anderes tut, als die ehrlichen Leser zu bestrafen. Ja, abgesehen davon müssen eure Bücher nicht mehr mit 100qm Verkaufsfläche anderer Bücher konkurrieren, sondern mit dem ganzen großen World Wide Web. Und da kommen wir gleich zum nächsten Punkt:

3. Preise

Ihr könnt doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich 20 Euro für ein E-Book zahle, wenn das nächste Blog, die Wikipedia oder YouTube nur einen Klick entfernt sind. Ja, ja, ich weiß, E-Books werden auch nicht aus Luft und Liebe gemacht, aber erstens gibt es da schon einen ordentlichen Spielraum, der bislang noch allzu oft ungenutzt bleibt. Und zweitens habe ich mal irgendwann in der Schule gelernt, dass in diesem ekeligen Kapitalismus sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergibt. Das Angebot ist so groß da draußen, dass E-Books billiger werden müssen, sonst wird halt einfach die nächste kostenlose App aus dem Store gezogen, anstatt das neue Buch von Charlotte Roche gelesen. Und wo ich schon bei der Konkurrenzsituation bin, komme ich doch gleich zum nächsten Punkt:

4. Die Reader

Die Zukunft des Buches ist nicht der E-Reader sondern das Tablet. Warum? Wegen ePub3. ePub3 kann so ziemlich all das, was das Internet kann. Aber auf einem schwarz-weißen E-Ink-Display wird das nichts bringen. Klar wird das das Medium Buch verändern, aber anstatt jetzt mal wieder den Untergang des Abendlandes anzuprangern, wären mutige Konzepte, wie man Video, Audio, Interaktivität und Social Media sinnvoll in ein Buch integrieren kann, angebracht. Ich habe die und neben mir noch viele andere, die noch viel mehr können als ich. Und wenn ihr die nicht umsetzt, dann werden es andere tun, während ihr dann irgendwann den Insolvenzvertrag unterschreibt.

Dennoch können E-Reader sinnvoll sein und bleiben. Die lange Akkulaufzeit und der gute Kontrast sind schon ziemlich cool, aber wenn E-Reader überleben sollen, müssen sie zwei Dinge beherzigen:

Erstens müssen die Dinger billiger werden. Ihr werbt immer damit, dass ich auf dem E-Reader auch ganz toll am Strand lesen kann, während das iPad da nur noch spiegelt. Stimmt. Aber was bringt mir das, wenn der Reader mir geklaut wird, während ich in den Wellen plansche? Was bringen mir 1000 abgespeicherte Bücher, wenn sie mir im Schwimmbad vom Handtuch geklaut werden, während mein Taschenbuch dort unbehelligt liegen bleibt. Doch genau dort ist der zukünftige Einsatzort für E-Reader: wo mir das Tablet zu teuer ist.

Zweitens müssen E-Reader langsam mal anfangen, den Code, den der Setzer geschrieben hat, auch genauso zu interpretieren, wie es das IDPF vorgesehen hatte. Und ich meine damit zu 100%. Nicht zu 70, 80 oder 90%. Denn auch ein einzelner Absatz, der sich total verschoben hat oder ein einziges Bild, das nicht richtig angezeigt wird, nervt eure Leser. Womit wir bei Punkt Nummer fünf währen…

5. Die Wertschätzung des Mediums

Ich sehe Leser, die sich über Rechtschreib- und Formatfehler beschweren. Ich sehe Verlage, die mir ihr Druck-PDF als E-Book andrehen wollen, ich sehe E-Books, in denen Fußnoten mitten im Text stehen, anstatt anständig in Endnoten umgewandelt worden zu sein. Und ich sehe Setzer, die bei HilfDirSelbst.ch über Witwen und Waisen jammern, anstatt sich über die vielen neuen Möglichkeiten zu freuen.

Was ich vermisse, ist einfach etwas mehr Wertschätzung dem Medium gegenüber! Ein kleines Beispiel: Ich habe mein E-Book auch in ePub2 gesetzt, weil es in ePub3 ja niemand hätte lesen können. Aber erstens habe ich mein E-Book nicht dreckig mit Calibre aus einer Worddatei heraus konvertiert, sondern habe mir jede Codezeile im Texteditor angesehen, damit möglichst wenig Fehler am Ende im Dokument stehen. Zweitens habe ich alles aus dem Medium herausgequetscht, was möglich war. Ich habe ein halbes Dutzend Schriften eingebettet, auch wenn ich manche nur an einer Stelle im Buch verwende, ich habe mit Drop Caps gearbeitet, ich habe unsorted Lists mit eigens erstellten Grafiken als Aufzählungszeichen verwendet und dergleichen mehr. Warum? Weil es mein Buch für die Leser schöner macht.

Aber zugleich wusste ich, dass da draußen jede Menge schlechter E-Reader kursieren, die das alles nicht anzeigen können. Deshalb habe ich das Buch noch ein zweites Mal gesetzt ohne den ganzen Firlefanz und in die Ausgabe mit dem schicken Layout habe ich ins Impressum geschrieben, dass sich jeder Leser bei mir melden kann, wenn er oder sie Anzeigeschwierigkeiten hat, und sie oder er bekommt dann das Simple Layout.

Das ist Wertschätzung. Und die fehlt mir bei euch leider komplett. Ihr macht das alles schnell und dreckig, möglichst ohne zusätzliche Arbeit. Aber Hauptsache möglichst viel Gewinn rauspressen. Womit wir zu Punkt sechs kommen.

6. Der Handel

Es ist eine unbequeme und bittere Wahrheit, aber in zehn, spätestens in zwanzig Jahren wird der Großteil des heutigen Buchhandels schlichtweg nicht mehr existieren. Aber statt zu überlegen, wie man neue Perspektiven schaffen kann, klammert ihr euch an alte Modelle. Ein Beispiel: Ich habe mal mit einer Angestellten von Libri verhandelt, ob sie nicht ein E-Book von mir vertreiben wollen. Libri bekommt beim Vertrieb von Printbüchern 50% Rabatt. Diesen forderten sie auch bei E-Books ein. Als ich fragte, wie sie den gleichen Rabatt rechtfertigen, da ihnen ja ihre Hauptkosten: Lager und Transport wegfallen, entgegnete mir die Dame, man habe „andere Kosten“. Interessiert fragte ich nach, welche Kosten das seien. Woraufhin sie sagte: Auf dem Niveau werde sie nicht weiterverhandeln. Ich bin dann zu Apple und Amazon gegangen und schau mir mal an, wie lange Libri es noch machen wird.

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten um die Kunden auch in Zukunft in den stationären Buchhandel zu locken: Beispielsweise das Hauptproblem, dass man E-Books nicht anständig verschenken kann, ließe sich toll lösen, wenn ich in der Buchhandlung einen Gutschein für ein ganz bestimmtes Buch kaufen könnte. Noch besser währe es, wenn ich wie beim Vinyl zum Printbuch den Downloadcode fürs E-Book dazu bekäme. Jeder Buchladen sollte außerdem nebenher noch einen Online-Shop betreiben, so wie es in anderen Branchen schon Gang und Gebe ist. Das wären Ansätze, dem Untergang zu entgehen. Aber all das wird (in erster Linie) durch Buchpreisbindung und DRM aktiv verhindert. Doch so wird das nichts, liebe Verleger und Händler. Womit ich zum letzten Punkt komme

7. Die Wertschätzung der Leser

Ja, eure Leser können sich eure Bücher auch illegal dafür aber ganz umsonst besorgen. Doch das werdet ihr nicht verhindern können! Denn immer, wenn für euch eine Firma einen neuen, teuren Kopierschutz geschrieben hat, setzt sich da draußen ein Schwarm hin und zerlegt diesen. Und da die Manpower des Schwarms jene eurer Programmierer ums tausend- oder gar millionenfache übersteigt, könnt ihr den Wettlauf nicht gewinnen.

Ja, ihr könnt jetzt Armeen von Anwälten aussenden, die jeden abmahnen, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Aber trotzdem werdet ihr immer nur die Spitze des Eisberges erwischen. Denn da draußen sind, wie gesagt, Millionen, die gegen euch arbeiten.

Und jetzt könnt ihr natürlich eure Leser als Diebe und Piraten, als unsolidarisch und was weiß ich beschimpfen, aber das wird euch nicht ein Buch mehr verkaufen. Im Gegenteil: Jedes mal, wenn ihr eure Leser beschimpft, zeigen die weniger Bereitschaft, sich für euch zu entscheiden, wenn sie vor der Wahl stehen, ob sie jetzt Geld für euer Buch bezahlen sollen oder nicht. Statt dessen wäre der gegenteilige Weg der Richtige: Zeigt euren Lesern, dass ihr sie wertschätzt. Bittet sie darum, euer Buch zu kaufen, statt es zu sharen und macht das Kaufen ihnen so einfach und so komfortabel wie möglich: eben niederschwellig. Denn da könnt ihr euch auf den Kopf stellen: eure Leser werden euch nur ihr Geld geben, wenn ihr sie darum bittet. Aber dann machen sie es gerne! Denn eure Leser lesen eure Bücher gerne, sie lieben und verehren euch und eure Autoren und wenn ihr ihnen sagt: Seht her, wir haben viel Geld und Zeit investiert, um dieses Buch zu produzieren. Damit wir von unserer Arbeit leben können und euch auch in Zukunft gute Bücher machen können, wäre es echt toll, wenn ihr uns ein paar Euro für eine Kopie geben könntet.

Und wisst ihr was? Sie werden! Glaubt ihr nicht? Dann schaut euch mal Flattr, Kickstarter, und Betterplace.org an. Da passiert das schon jetzt. Jeden Tag.

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Satz mit X – txtr Beagle jetzt erhätlich

Wir erinnern uns zurück an den Oktober des Jahres 2012. Damals, auf der Frankfurter Buchmesse hatte uns txtr eine magische Zahl genannt: 10€. Für zehn Euro sollte ihr neuer E-Reader auf den Markt kommen. Ich hatte damals hier geschrieben, „Das Vier-Liter-Auto der Buchbranche„.

Jetzt ist er da, der Beagle. Und auch die 10 Euro tauchen wieder auf. Allerdings nicht in der Rubrik Preis, sondern als beigelegter Buchgutschein. Denn txtr hat kurzerhand vergessen, welchen Preis sie uns dereinst ankündigten und verlangt nun 59 Euro für den Beagle.

Gut, da könnte man sagen, das ist noch immer ein ordentlicher Preis für einen E-Reader. Das stimmt auch, aber nicht für den Beagle. Denn, lassen wir mal die Tatsache außer Acht, dass er keinen Akku hat, sondern mit handelsüblichen Batterien zu betreiben ist.

Entscheidender ist, dass der Beagel nur ein Buch abspeichern kann. In Zahlen: 1. Das war ein Kompromiss, mit dem man leben konnte, solange die magischen 10 Euro als Preis ausgerufen waren. Aber für 59 Euro? Are you kidding me?

Selbst der Platzhirsch Kindle kostet nur 79 Euro und du kannst mehr Bücher darauf speichern, als du in einem Leben lesen kannst. Ein weiteres Mal bin ich sehr enttäuscht, was das deutsche Verlagswesen in Sachen E-Publishing getan hat…

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Kein Kindlekiller in Sicht

Freitag, 17:30. Die gemeinsame Pressekonferenz von Bertelsmann, Hugendubel, Thalia, Weltbild und der Telekom ist noch keine 6 Stunden her. Wurde auf dieser Pressekonferenz nicht die Zukunft des Buches vorgestellt … Mal wieder? Der Kindlekiller?
Eigentlich sollten die sozialen Medien also voll sein mit dieser Meldung. Doch … nichts da. Auf Rivva muss ich lange suchen, bis ich die Meldung ganz unten, ganz klein, fast schon in einer Fußnote finde. Gut, das ist nicht allein Fehler der 4 1/2 Buchhändler, sondern zum größten Teil darauf zurückzuführen, dass der Bundestag just heute das Internet mit dem schönen neuen Leistungsschutzrecht trollt. Und da die Zielgruppen sich hier wohl überschneiden dürften, und das LSR alle anderen Nachrichten frisst, bleibt nicht viel Aufmerksamkeit für diese Pressekonferenz.

Allerdings hätten sich das WelHuThaBerTel erstens auch vorher mal überlegen können und zweitens wäre sicher noch genug Aufmerksamkeit für sie abgefallen, wenn ihre Botschaft nur spektakulär genug gewesen wäre. Doch der Reihe nach: Was hat WelHuThaBerTel denn da jetzt eigentlich vorgestellt?

Tolino

Tolino soll die neue Marke heißen, unter der die Kunden in Zukunft auf dem E-Reader Tolino shine E-Books lesen können. Den Reader wird es in den Buchhandlungen der Partner geben, die Telekom bietet ihre W-LAN-Versorgung für den Download der E-Books an. Man kann dann alle E-Books, die man in einem der angeschlossenen Onlineshops gekauft hat, in der Telekom-Wolke dauerhaft speichern und über Telekom W-Lan herunterladen. Der Tolino shine ist ein E-Ink-Reader mit integrierter Beleuchtung, wie der Paperwhite des großen Konkurrenten. Der interne Speicher beträgt 2 Gig, womit die Telekom optimistisch „bis zu“ 2.000 E-Books speichern will. Der Speicherplatz ist außerdem mit Micro SD erweiterbar. Das Format, auf das WelHuThaBerTel setzt wird ePub sein.

Laut buchreport soll der Tolino shine ab 7. März in den Läden stehen und 99,99 Euro kosten.

So weit, so gut

Aber, warum ruft das keine Begeisterungsstürme hervor? Warum wird es wohl keine Fanboyswarteschlangen vor den Buchhandlungen geben?

Es fehlt einfach an der Innovation: gut die Telekom-Cloud und der Rückgriff auf ihr W-Lan sind schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, aber was ist mit einer Indie-Publishing-Plattform, wie Amazon sie bietet? Wieso nur ein Reader und nicht auch ein Tablet, wo doch Amazon diesen Schritt mit dem Kindle Fire erst jüngst auch in Deutschland wagte? Und zu guter Letzt schweigt sich das Konsortium darüber aus, ob es ePub 2 oder 3 unterstützen wird, was nur heißen kann, dass sie sich mit ePub 2 zufrieden geben werden. Wie geil wäre aber eine ePub3-Reader gewesen? Das wäre eine Nachricht wert gewesen!

Das, was WelHuThaBerTel da ankündigt, jagt mir jedenfalls keine Schauer über den Rücken, sondern verbleibt in der Rubrik: egal.

P.S.: Lesen.net bietet einen ersten Test des Tolino shine an.

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Antwort auf die Google-Suche: „wie findet man isbn von ebooks heraus“?

Jemand gelangte mit der Google-Suchanfrage: „wie findet man isbn von ebooks heraus“ auf dieses Blog. Das kann ich ihm oder ihr beantworten: In der Regel findet man die ISBN im Impressum eines Buches ausgeschrieben. Sollte dies bei deinem E-Book widererwartend nicht der Fall sein, nicht verzagen, denn in jedem ePub gibt es eine Datei mit dem Namen content.opf. In dieser content.opf werden unter anderem die Metadaten definiert. und eine notwendige Angabe ist der Book-Identifier. Das sieht dann ungefähr so aus:

<dc:identifier id="BookId" opf:scheme="ISBN">1234xyz</dc:identifier>

Die Frage, die sich jetzt nur noch stellt, lautet: wie kann ich die Book-ID auslesen. Die einfachste Lösung ist: Datei.epub kopieren, Kopie umbenennen in Datei.zip, entpacken, die Datei content.opf suchen, mit einem Texteditor öffnen, die Info auslesen.

Wem das zu umständlich ist, der kann mit manchem Reader auf die Info zurückgreifen. Leider sind die E-Reader sehr wählerisch, welche Metadaten sie anzeigen. (Ernsthaft: wer programmiert die Dinger? Und warum kommt er/sie nicht auf die Idee, dass ein E-Reader ALLE Metadaten auslesen können soll?)
Bei BookReaderLite und ADE habe ich überhaupt keine Anzeige der Metadaten gefunden. Calibre zeigt zwar jede Menge Kladeradatsch an, den man auch editieren kann, man kann sogar nach ISBNs suchen, aber mir ist es nicht gelungen, mir die ISBN anzeigen zu lassen. Statt dessen kam ich mit Stanza zum Erfolg. Stanza ist sonst zwar eher… Na, ja. Aber hier bietet es eine einfache Lösung. Beim MAc unter Ansicht->Book Info findet man ein Feld, in dem die ISBN steht.

Ach ja, bei Mobi gibt es keine ISBNs sondern nur die ASIN (Amazon Standard Identification Number) und bei PDF könnt ihr die Metadaten – wenn sie angegeben sind und das ist eher selten der Fall – mit Hilfe von Acrobat (ganz sicher mir Pro, beim Reader bin ich mir nicht sicher) auslesen.

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E-Books lesen an Mac und PC

Wenn ihr in die E-Production einsteigt, wird euch nichts anderes übrig bleiben, als eure E-Books immer wieder zu checken. Die Interpretation des Quelltextes durch die Reader ist einfach zu unterschiedlich, als dass ihr euch darauf verlassen könntet, dass ihr die Matrix durch den Code hindurchsehen könnt.

E-Books sind natürlich in erster Linie für mobile Devices gemacht. Und wann immer möglich, solltet ihr euer Buch an euren Reader, das Tablet oder Smartphone senden und gucken, wie es wirkt. Allerdings ist das nicht immer praktikabel, denn oft müsst ihr Kleinigkeiten im Code mit „Trial and Error“ flicken. Ich bastele gerade an meinem Lebenslauf im ePub-Format. Durch die Zeugnisse, die ich als Bilddateien eingebunden habe, ist das gute Stück schon 30 MB groß. Mal eben per Mail ans Tablet schicken ist da keine Option. Hier helfen natürlich Clouddienste weiter, auf die ich später mal eingehen kann, aber auch Reader, die ihr direkt am Desktop einsehen könnt.

Ich habe mich mal umgeschaut, was es zur Zeit gibt und werde die Reader nach und nach für euch testen.

Die Liste ist erstaunlich lang. Testen werde ich für euch:

  • Adobe Digital Editions
  • Azardi
  • booki.sh
  • BookReaderLite
  • Bookshelf
  • calibre
  • die Firefox-Erweiterung ePubreader (gibt es auch für Google Chrome, glaube ich)
  • die „ePub eReader Platform“ von publiwide
  • FBReader
  • Die Kindle App
  • den Kindle Previewer
  • Kobo Desktop
  • Nook for Mac
  • Readium Plugin für Chrome
  • Sigil
  • Sony Reader for PC & Mac
  • Stanza

Wenn ihr noch weitere Reader kennt, die ich vergessen habe, schreibt sie doch in die Kommentare.
Die ausführlichste Liste von Reader-Software für die verschiedensten Plattformen habe ich hier gefunden.

Fangen wir an mit Adobe Digital Editions

ADE ist mit etwas über 40 MB ein relativ kleines Programm. Es unterstützt PDF (klar bei Adobe), ePub2 und ePub3 „in Teilen“ ̶ was auch immer das bedeuten soll. Fixed Layout mit Text vor Bildern habe ich ausprobiert: Fehlanzeige.

ADE verfügt über eine interne Bibliothek und legt viel Wert auf schickes Design. Insgesamt ist das komplette Programm ausgelegt für das Lesen von ausschließlich Text in ePub2. Denn immer, wenn Bilder in ePub ins Spiel kommen, beginnt ADE zu zicken. So verfügt das Programm über keinerlei Möglichkeiten Bilder zu zoomen oder zu scrollen. Was oft dazu führt, dass zu kleine Details in Bildern schlichtweg unerkennbar bleiben und zu große Bilder einfach abgeschnitten werden.

Ein Cover, das zu groß ist, schneidet ADE gnadenlos ab.

Merkwürdig ist das besonders, weil ADE mit Zoom und scrollen keinerlei Problem hat, sobald man ein PDF betrachtet. Einzige Schlussfolgerung, die ich dafür habe, ist, dass Adobe weiter gegen Windmühlen kämpfen will und versucht sein PDF als E-Book-Standard durchzudrücken, was nicht passieren wird, da Adobe das Rad der Zeit nicht zurückdrehen kann und PDF einfach nicht mit mobilen Devices zusammengeht.

Screenshot der Bibliothek von Adobe Digital Editions

Ein weiteres Manko ist die Bibliothek, erst einmal legt diese auf dem Rechner (sowohl in Windows als auch im Mac OS) im Dokumentenordner eine eigene Ordnerstruktur an, was ich persönlich hasse wie die Pest. Ich habe ein dezidiertes Ablagesystem für meine Dokumente und kann es nicht leiden, wenn Software sich nicht nach mir richtet, sondern mir Vorschriften macht, wie ich Dateien zu speichern habe. Diese eigene Ordnerstruktur führt zum zweiten Problem von ADE, das speziell uns in der E-Production betrifft. ADE rafft es nicht, wenn man ein Dokument geändert hat. Denn einmal importiert, legt es eine Kopie des Dokuments an. Das heißt, man muss das E-Book bei jedem neuen Check erst aus der Bibliothek löschen und es dann erneut importieren, bevor man die Fortschritte betrachten kann.

Dennoch kommt man an ADE leider nicht vorbei. Denn das DRM von Adobe, das viele deutsche Händler von Libri bis Weltbild benutzen, ist an ADE gekoppelt. Das heißt, dieses Programm ist Pflicht für jeden E-Book-Designer, denn es ist auf deutschen Rechnern zu weit verbreitet, um es zu ignorieren, sonst passiert am Ende so etwas:

Ein Fehler in der ePub-Datei führt bei diesem E-Book dazu, dass das Cover in ADE doppelt angezeigt wird.

Quellenangabe: Alle Screenshots von Adobe Digital Editions. E-Book: Platon: Des Sokrates Verteidigung. Apologie. (Apologia Sôkratous). (395-390 v. Chr.).

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Neue Wege #6

Was geschah rund um neue Wege des Publizierens in letzter Zeit?

24.11.2012
Nachdem uns in den letzten Wochen eher Amazon mit seinen DRM-Possen erfreute, darf mal wieder Kollege Apple ran, der sich selbst das schöne Wörtchen ‚Zensur‘ immer mal wieder groß auf die Fahnen schreibt.
Die Süddeutsche berichtet nun von einem Fall, da zwei dänische Sachbücher über die dortige Hippiebewegung aus iBooks verbannt wurden, weil sie zu viel nackte Haut zeigten. Der Autor, gar nicht dumm, bedeckte primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale via Photoshop mit leckeren roten Äpfeln. Zwischenzeitlich war dies genug für Apple, bis jemandem die Ironie auffiel und wenn Apple etwas weniger mag als Sex, dann ist es Ironie. Ergo sind die E-Books wieder gesperrt.

23.11.2012
Die FAZ bemüht mal wieder das Bild vom gläsernen Leser und macht das so, wie man es von der FAZ nicht anders erwartet: Natürlich steht uns der Untergang des Abendlandes bevor, aber das auf höchstem Niveau. Worum es geht? Im Grunde um eine triviale Wahrheit: Sobald Bücher digital sind, kann man das Leseverhalten tracken. Genau wie Milliarden von Webseiten dies bereits via Google Analytics und Co. tun und nicht viel anders wie es seit Jahrzehnten mit den Einschaltquoten im Fernsehen abläuft. Die FAZ mahnt allerdings an, dass dadurch Autoren unter Druck gesetzt würden, für den Massengeschmack kompatible Werke zu schaffen. Hmmm, wenn ich die Mischung der Bestsellerlisten aus skandinavischen Thrillern, Young-Adult-Fantasy und neuerdings Softpornos mit Haue anschaue, dann kann nur sagen: Gnade uns Gott, vor einer bösen E-Book-Welt, in der nicht mehr die Hochkultur des nur seinem Gewissen verpflichteten Autors über das Gute, Wahre und Schöne entscheidet!

22.11.2012
Science Daily stellt uns den Klassenraum der Zukunft vor und weissagt, dass star-trek-eske Multi-Touch-Tische unseren Kindern zukünftig besser Mathe beibringen werden, als es die abgegriffenen Bücher taten, die wir noch rituell in der ersten Woche eines jeden Schuljahres mit Schutzumschlag versehen mussten und wo immer irgendwo drinstand, dass Olaf Caro liebt und Frank doof ist.

22.11.2012
e-book-news.de berichtet über einen Aspekt der Buchpreisbindung, der mir bislang unbekannt war: E-Books von Selbstverlegern unterliegen dieser anscheinend nicht. E-book-news.de schreibt aber auch, warum sich das bald ändern könnte.

18.11.2012
Tja, mit der Financial Times Deutschland ist es jetzt wohl auch vorbei. Richard Gutjahr gibt dafür „5 cent“ und konstatiert die unbequeme Wahrheit „Natürlich wird es in Zukunft noch gedruckte Zeitungen geben, genauso wie es im Central Park von Manhattan heute auch noch Pferdekutschen gibt.“ Richard Gutjahr belässt es aber nicht dabei, sondern analysiert ziemlich treffend, was bei den Zeitungsverlagen im Argen liegt.
An Gutjahr anschließend analysiert die Titanic am 19.11.2012 wie es um die anderen großen Zeitungen in Deutschland steht.

11.10.2012
Schon etwas älter, stieß ich diese Woche auf den E-Reader-Test von Chip.de. Wer also ein Weihnachtsgeschenk sucht, der wird hier fündig. Wenig überraschend gewinnt der Kindle. Allerdings möchte ich diesem Ergebnis all die Probleme mit Amazon und dem Format Mobi entgegenstellen, die ich oft schon angesprochen habe. Lest einfach dieses Blog.

Zum Schluss mal wieder ein E-Production-Tool
BlueGriffon bietet sowohl einen WYSIWYG-Editor für ePub2 und ePub3 an, als auch einen Validator für ePub3. Das ganze gibt es nicht umsonst, der Editor kostet 195 € und ist somit zumindest wesentlich günstiger als InDesign. Man kann ihn in einer „read-only“-Variante herunterladen und sich so schon einmal überzeugen, ob er etwas taugt. Der Validator kostet als Firefox add-on 35 €.

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