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Lohnen sich E-Books?

Ein Leser stellte mir per Mail die Frage, ob sich der E-Book-Verkauf lohne. Die Antwort darauf ist ein ganz klares: Kommt darauf an.

Ernüchternde Zahlen

Zunächst einmal knochentrockene Fakten: Je nach Zählweise und/oder Rangliste und/oder Jahreszeit gilt ein gedrucktes Buch in Deutschland „schon“ ab 10.000 verkauften Exemplaren als Bestseller. Charlotte Roche oder Dan Brown bilden da die ganz großen Ausreißer, aber ein Buch von irgendeiner mittelbekannten Autorin, das in der Buchhandlung mit dem Prädikatsaufkleber „Bestseller“ versehen wurde, hat wahrscheinlich so um die 10.000 Brüder und Schwestern gehabt.

Der E-Book-Mark in Deutschland macht nach neueren Zahlen (2013) 2,6% des Gesamtmarktes aus. So weit so wenig… Das heißt, unser Bestseller, der 10.000 Mal auf Papier verkauft wurde, wurde etwa 260 Mal als E-Book verkauft. Fragt euch also selbst, ob Ihr davon leben könntet…

Klar gibt es auch im elektronischen Lesen Ausreißer. Aber wieder: fragt euch, ob Ihr wirklich glaubt, dass euer Buch dazugehört. Und wichtiger noch: fragt euch, ob ihr auch damit rechnen könnt.

Bücher schreibt man nicht wegen des Geldes

Solltet Ihr das ganze deswegen gleich aufgeben? Wieder: Kommt darauf an! Wenn Ihr mit dem Verkaufen von Büchern Geld verdienen wollt, dann ist das E-Book vielleicht nicht euer bestes Pferd im Stall aber euer erstes. Das Beste, was euch passieren kann, ist das, was mir derzeit widerfährt: Ein Verlag — in meinem Fall der JMB Verlag — findet eure Idee so gut, dass er sie auf Papier herausbringen will. Denn dann könnt ihr wahrscheinlich mit ein paar Euro mehr rechnen.

Aber Bücher schreibt man sowieso nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Namens. Angenommen, ihr habt ein Forum oder ein Blog über Bohrmaschinen. Dann seid ihr wahrscheinlich eine der Koryphäen auf eurem Gebiet, aber in unserer noch ach zu analogen Welt wird das gerne übersehen. Anders, wenn ihr ein Buch zum Thema veröffentlicht habt, dann wird man euch zitieren, vielleicht interviewen, wenn es eine internationale Bohrmaschinenkrise gibt oder euch zur internationalen Bohrmaschinenconvention einladen, wo ihr dann einen Vortrag über die neuesten Entwicklungen des Bohrhammers halten dürft. Mit anderen Worten: selbst wenn ihr mit eurem (E-)Buch nicht wirklich viel verdient, könnt ihr vielleicht mit dem Rattenschwanz, der hintendran kommt, etwas verdienen.

Was sind die Voraussetzungen?

Eine starke Community und viel Geduld. Wenn ihr 10.000 Follower auf Twitter habt, dann werdet ihr sich mehr Bücher verkaufen, als wenn ihr 449 habt. Wenn eure Seite täglich 10.000 Mal aufgerufen wird, werdet ihr mehr verkaufen, als wenn alle 14 Tage mal jemand euren Blog mit der Bildersuche von Google findet.

Ich habe bei „Blackbox Urheberrecht“ mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Frank Schirrmacher und Julia Schramm (um nur einige zu nennen) ja durchaus ein paar prominente Kontributoren zusammenbekommen. Und so langsam tröpfeln bei mir die ersten reliablen Zahlen rein, an denen ich erkennen kann, dass mein Sammelband sich verglichen mit dem Markt ganz achtsam schlägt, dass aber dieser Teilmarkt eben nur 2,6% ausmacht.

Daher  solltet ihr das ganze als Langzeitentwicklung sehen. Ihr werdet euer Buch vielleicht fünf Mal im ersten Monat an alle eure Omas verkaufen. Aber vielleicht, vor allem, wenn der E-Book-Markt weiter so schnell wächst, wie bisher, werdet ihr im Laufe der Zeit das ein oder andere Buch hinterher schieben können. Dafür solltet Ihr natürlich ein geeignetes Thema haben und nicht z. B. über die Milchpreise am 12. August 2013 schreiben. Dann aber bietet das elektronische Buch einen großen Vorteil gegenüber dem papiernen: es ist viel leichter patchable: Ihr könnt immer wieder Updates und Erweiterungen, Sondereditionen und Auszüge veröffentlichen, ohne dass es so viel Aufwand bereitet, wie ein Gang in die Druckerei.

Konkrete Fragen

Zum Schluss will ich noch ein paar Detailfragen meines Fragenstellers beantworten:

„Ein paar regelmäßige Euros nebenbei wären kein Fehler nicht.“

Mit „regelmäßigen“ Euros können Sie eher nicht rechnen, wie Sie meinen Ausführungen entnehmen können.

„Als Preis habe ich mir knapp 10.- € vorgestellt, billiger nicht. Mehr auch nicht unbedingt, die Leute sollen es ja schließlich kaufen.
Und bei einem knappen 10er könnte ich mir einige Spontankäufe vorstellen.“

Das halte ich für zu teuer. Hier habe ich mal aufgezeigt, dass der Durchschnittspreis bei 5,99 liegt. Das kann sich geändert haben und unterliegt natürlich auch Schwankungen, aber 10 Euro sind dann halt doch mal mehr als 1/3. über dem Durchschnittspreis. Mit Spontankäufen ist wohl eher zu rechnen, wenn der Preis unter den 5,99 liegt…

„Mein Problem besteht eigentlich darin, daß ich den eBooks nicht so recht traue.
Wer mag schon ein Buch auf so einem Ding lesen? Lesen die Leute nicht nach wie vor lieber ein richtiges Buch?“

Das ist kompliziert. Klar sprechen die oben erwähnten 2,6% eine eindeutige Sprache. Aber meines Erachtens liegt das nicht am Medium oder den Readern (man kann ein E-Book schließlich genauso auf Smartphones, Tablets und zur Not auch Laptops oder Desktoprechnern lesen). Und wenn man sich die Leserzahlen von SpOn und Co. anschaut, ist das Lesen am Display schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Ich habe in den vergangenen Wochen viel mit potentiellen Lesern gesprochen, die mein Buch lesen wollten, aber es dann doch nicht taten. Das Argument: „Ich will es auf Papier haben“ habe ich nur ein einziges Mal gehört. Das viel eklatantere Problem, das ich unzählige Male gehört habe, war, dass die Vertriebswege noch viel zu kompliziert sind. vom spontanen 1-Click-Buy sind wir noch weit entfernt. Selbst bei Apple, wo der Weg noch am bequemsten ist, waren manche Menschen schon damit überfordert, dass das Buch nicht im Appstore war, sondern dass sie erst die iBooks-App downloaden sollten, um „Blackbox Urheberrecht“ dann als In-App-Buy zu kaufen. Aber, wenn es dann in Richtung Amazon und Google geht, ist das alles wirklich noch immer eine DRM-Hölle, wo viele (technisch nicht so versierten) Leser sagten, dass sie es versucht haben, zu kaufen, aber es ihnen nicht gelungen ist.

Daher wird mit meiner Blackbox neben dem Printbuch  demnächst auch ein weiterer (elektronischer) Weg eingeschlagen, der wesentlich kundenfreundlicher ist…

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E-Taubenpost oder E-Book-News #4

Nach der sensationell hohen Beteiligung der Umfrage in der vergangenen Woche, hat sich der Name dieser kleinen Kolumne auf zwei heiße Kandidaten eingependelt. Ich halte die Umfrage aber weiter offen, sodass ihr am Ende dieses Posts nachwievor abstimmen könnt.

Was geschah so in letzter Zeit rund um elektronische Bücher?

10.11.12
Auf Carta wagt sich Torsten Larbig an eine Phänomenologie der Medialen Unterschiede zwischen Print- und elektronischem Buch. Das ist spannend zu lesen, wenn auch nicht umfassend, wie Larbig selbst einräumt. In der zweiten Hälfte des Artikels setzt er sich mit den Defiziten des Handels auseinander und fordert offenere Strukturen. Im Raum steht die Frage, ob der deutsche Buchhandel in der Lage sein wird, eine Antwort auf die marktbeherrschende Stellung der amerikanischen Händler zu finden und wie diese aussehen könnte.

08.11.12
Amazon und kein Ende. Das Unternehmen verschickt mal wieder kryptische E-Mails. Diesmal an Herausgeber zum Thema „Hochrisikopublikationen“. The Digital Reader berichtet. Soweit man das berichten nennen kann, denn wie immer bei Amazon ist alles nebulös.

05.11.2012
Walrus ist eine ziemlich innovative E-Book-Schmiede aus Frankreich, die uns in dieser Woche präsentiert, wie sie mit Hilfe von CSS3 ein animiertes Cover für iBooks optimierte E-Books erzeugt haben. Ganz im Sinne eines freien Netzes stellen Sie den Code zur Verfügung und erlauben explizit, ihn zu verwenden.

Interactive Cover for eBooks #1 from Walrus Books on Vimeo.

04.11.2012
Das Tumblr Life in Publishing zeigt den typischen Gesichtsausdruck, wenn man einen kleinen Formatfehler nur mal eben beheben will.

02.11.2012
Wer E-Books produzieren will, muss sich Gedanken über Größenangaben im Layout machen. Die CSS-Datei, die maßgeblich für das Layout in ePUBs und in Mobipocket-E-Books verantwortlich ist, erlaubt dabei als Maßeinheiten Pixel, Em und Prozent. Steve Hickey erklärt auf .net-magazine die Unterschiede. Er tut dies zwar anhand von Webseiten, aber das Gesagte ist ohne Probleme auf E-Books übertragbar.

31.10.2012
APEX@IGP bietet Beispiele von Fixed Layout E-Books im ePUB3-Standard zum Download an. Sodass man sich angucken kann, wie die Auszeichnung auszusehen hat, wenn man sein E-Book in Portrait (Hochformat), in Landscape (Querformat), in 16:9 oder 4:3 (sowie in weiteren Varianten) schreiben will.

08.10.2003
Etwas älter ist dieses Stück, das diese Woche durch meine Timeline schwappte, aber nichtsdestotrotz noch immer aktuell. Joel on Software brüllt auf amüsante Weise Basiswissen über Zeichensätze und Unicode in HTML in die Welt. Und wenn wir mal von PDF absehen, so sind HTML-Dokumente das Herzstück von E-Books, weshalb jeder, der in die E-Production einsteigen will, sich Gedanken machen sollte, wie er verhindern kann, dass beim Leser nur ??? ???? ????‪‪‪‪‪‪‪‪‪‪ ankommt.

Und zum Schluss noch ein schönes Tool, das ebenfalls diese Woche durch meine Timeline wehte. EpubCrawler ist ein InDesign-Plugin für den Export von Fixed Layout ePUBs aus InDesign heraus.

Hier, wie versprochen, noch einmal die Umfrage.

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Exkursion: Das Vier-Liter-Auto der Buchbranche

Ich unterbreche mein kleines Tutorial hier, um euch von einer Sensation zu berichten. Schon vor einer Woche erreichten mich Gerüchte, dass die Firma Txtr. aus Berlin, die einen eigenen E-Book-Shop betreibt, einen eigenen E-Reader herausbringen wird. Das wäre bis hierhin noch keine Sensation, wäre da nicht der Preis, den man munkelte. Ein Kampfpreis von sagenumwobenen 20 Euro sollte es sein, tickerte durch meine Timeline.

Jetzt ist es so weit. Txtr hat seinen „Beagle“ vorgestellt und sie haben den Preis sogar noch weiter gedrückt: 10 Euro, so lautet sie also, die magische Zahl. Die günstigsten Reader kosteten bislang mindestens 50 Euro. In Txtr.s Produktpräsentation lassen sich dafür vorallem zwei Gründe ausmachen: zum einen hat man sich W-Lan oder gar Handynetz gespart und setzt ausschließlich auf Bluetooth mit Hilfe dessen das E-Book auf den Reader kommt. Der zweite große Enspaarfaktor ist der Akku: er ist nicht vorhanden. Statt dessen läuft der Reader mit AAA-Batterien. Dennoch oder gerade deswegen verspricht Txtr eine Laufzeit von einem Jahr! Das wäre schon sensationell, muss sich aber in der Praxis erst einmal beweisen.

Wo genau Txtr. noch Abstriche gemacht hat, wird sich zeigen (The Digital Reader hat hier eine erste Rezension veröffentlicht). Denn ich werde mir den Reader natürlich nicht entgehen lassen. Mein Verdacht ist aber folgender: dass der Reader ein „Closed Garden“ ist und mit E-Book-Verkäufen über den Txtr.-Shop quersubventioniert wird. Auf ihrer Seite schreiben sie zumindest, dass man die Bücher über die Txtr-Android-App bezieht (von iOS schreiben sie übrigens nichts, liebe iPhone-Nutzer).

Spannend ist der Beagle aber vor allem als „Game Changer“. Der noch relativ junge E-Reader-Markt war zuletzt selbst durch immer günstigere aber dennoch qualitativ hochwertige Tablets wie dem Google Nexus 7 oder dem Kindle Fire unter Druck geraten (Gibt es eigentlich Neuigkeiten vom Mini-iPad?). Der Beagle könnte zeigen, wohin sich der Markt entwickeln wird.

Ich bleibe da auf alle Fälle am Ball.

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