Schlagwort-Archive: DRM

Die Zukunft des Buches – Kapitel 2

Viel zu lange habe ich hier schon wieder eine Pause entstehen lassen… Sodass die Debatte rund um E-Books längst schon wieder abgedriftet ist. Die neueste Sau, die durchs digitale Dorf getrieben wird, ist die Onleihe. Aber ich will einen Schritt zurückgehen und noch einmal auf die Diskussion, was E-Books überhaupt sind und wollen, blicken. Und ich bin optimistisch, dass ein wenig Distanz und weniger Aufregung dieser Betrachtung nur gut tun.

Wir erinnern uns: Friedrich Forssman mag keine E-Books. Doch ein solcher Rant bleibt im Internet natürlich nicht unbeantwortet. So möchte ich heute den Post von Zoë Beck hier präsentieren:

„Ich möchte ihn fast so zusammenfassen: Das eBook schmutzt, nässt und ist bissig. Außerdem ist es ständig besoffen und kotzt überall hin. Also: ein betrübliches Ding, dieses eBook. Nicht der Rede wert. Und doch redet man ständig darüber. Schließlich tritt man ja jeden Morgen in seine Kotze. So in etwa.“

Zoë Beck: Das eBook aka „Das Böse“.

Wie wir sehen, konzentriert sich Beck ausschließlich auf die Polemik in Fossmans Schrift. Das hat der Verfasser des Pamphlets natürlich erst einmal selbst zu verantworten, schließlich hatte er sich in diesem Ton an uns gewandt. Fortan kümmert sich Frau Beck um Fossmans Motivation, er als Buchgestalter (dessen Fähigkeiten sie in höchsten Tönen lobt) fürchte um seine Existenz. Hierbei scheint Beck also von der gleichen Prämisse wie Fossman auszugehen, nämlich dass gutes Layout bei E-Books überflüssig sei. Sie dreht das Argument dann aber so, dass das E-Book vor allem das Taschenbuch ersetze, das ja selbst nicht gerade durch schöne Gestaltung glänze.
Der Kern von Zoë Becks Argument lautet dann auch, dass das Trägermedium egal sei, dass es nur auf den Inhalt ankomme. Das ist leider medientheoretisch falsch, denn das Medium beeinflusst immer den Inhalt.

Aber auch inhaltlich ist das Argument falsch, denn es geht eben auch wieder von der falschen Prämisse aus, dass E-Books hässlich sein müssen. Es gibt wunderschön gelayoutete Webseiten, die Grundlage, die das ermöglicht hat, ist HTML 5 in Zusammenspiel mit CSS 3. Und jetzt ratet mal, was hinter der neuesten Version von ePub3 steckt? Rischtisch! Das Problem, dass wir haben, ist, dass wir E-Books mit dem Kindle gleichsetzen, der in der Tat mit einer Minimalästhetik aufwartet. Aber, wenn wir statt dessen uns E-Books mal auf dem iPad angucken, gerät diese Weisheit ins schwanken und Readium bringt sie endgültich zum Zusammenbruch. Es steht nichts als die Marktmacht von Amazon und die Faulheit der Verlage im We, gute E-Books zu machen.

Allerdings ist Zoë Beck noch nicht am Ende mit ihrer Weisheit. Sie fährt ganz richtig fort, dass viele Bücher aus Kostengründen nicht mehr gedruckt werden. Ein Schicksal, dem das E-Book Abhilfe schaffen könnte. Ein Unterfangen, dass die Verlage leisten sollten, die sich ja gerne als die Hüter des Guten, Wahren und Schönen aufspielen, die aber letztlich doch nur Marktinteressen unterliegen. Stattdessen lädt das E-Book zu Experimenten ein, die gedruckt oft zu teuer sind.

Beck fährt fort mit einem Argument zum DRM, das mir rätselhaft bleibt:

„Selbst das Argument, man kaufe nicht, sondern leihe es sich nur aus und könne es nicht weiterverleihen, greift nicht, wenn man sich genau anschaut, wer wie mit dem DRM umgeht.“

Zoë Beck: Das eBook aka „Das Böse“.

Ich verstehe ganz ernsthaft nicht, was sie damit sagen will, wenn Sie, werte Leser, mir das erklären können, bitte ich darum.

Klarer und stärker hingegen ist wieder ihre Kritik an dem eingefahrenen Markt, der beispielsweise Bundles aus Büchern und E-Books anbieten sollte. Den zu hohen Preis vieler E-Books kritisiert sie genauso zu recht, wie mit ihrem Schluss, dass es viel mehr Gründe als die Qualität eines Textes gibt, ob er es schafft, auch gedruckt zu werden, oder, ob er „nur“ digital vorliegt…

Soweit zum Debattenbeitrag von Zoë Beck. Es haben sich noch ein paar andere kluge Menschen in diesem Streit zu Wort gemeldet und so langsam wächst in mir obendrein noch eine Idee: nämlich mal bei Amazon nachfragen, was sie eigentlich gegen Typographie haben… Vielleicht könnte man auch mal ganz allgemein ein paar Sätze zum Thema Typographie verlieren… Ihr seht, es bleibt spannen.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Hintergründe

DRM ist nur ein Workaround der Digitalisierung – Ein Interview

[Edit: Ich habe den Text sprachlich noch einmal etwas geglättet. Inhaltlich habe ich keine meiner Aussagen verändert. db]

Ich wurde vor geraumer Zeit von Jan Bahnemann für seine Masterarbeit „Digitales Rechtemanagement im Spannungsfeld von Verbraucher- und Unternehmensinteressen“ interviewt. Mit seiner freundlichen Genehmigung darf ich dieses Interview auch hier einstellen.

Jan Bahnemann: Warum gibt es deiner Meinung nach immer wieder Spannungen zwischen Verbrauchern und Unternehmen, wenn es um Digitales Rechtemanagement geht?

Ich (Daniel Brockmeier): Das ist eine gute Frage. Ich denke, das hängt mit dem Grundproblem zusammen, dass daraus entsteht, dass ich digitale Dateien verlustfrei kopieren kann. Im Gegensatz zu einem klassischen Buch haben wir bei einem E-Book den Fall, dass ich die E-Book-Datei ohne Einsatz von vielen Ressourcen kopieren kann und dadurch eine komplett identische Datei erhalte. Somit ist der ganze finanzielle Aufwand, der noch beim Kopieren von Print-Büchern existierte, weggefallen.  Der Endverbraucher kann jederzeit ein Buch problemlos an alle Welt weitergeben.  Dagegen hat natürlich der Handel etwas, weil seine sämtlichen Geschäftsmodelle darauf basieren, dass Ressourcen begrenzt sind und nur derjenige an das Buch kommt, der dafür Geld bezahlt. Aus diesem Interessenwiderspruch, dass der Handel möglichst beschränkte Ressourcen haben möchte, was der potentiellen Unbeschränktheit der digitalen Ressource entgegensteht, entstehen dann diese Spannungen.

Alle haben das mahnende Beispiel der Musikindustrie vor Augen

Warum setzen die Unternehmen denn DRM-Maßnahmen ein? Wenn man von dem Basisgrund absieht – Was sind da die entscheidenden Faktoren?

Es ist im Grunde die Angst, dass sie aufgrund von Raubkopien danieder gehen. Alle haben das mahnende Beispiel der Musikindustrie vor Augen, die Ende der 90er-Jahre auf dem Höhepunkt ihres Erfolges war, dann kamen Tauschbörsen auf. Die MP3 hatte ihren Durchbruch und heute hat die Musikindustrie nur noch einen Bruchteil der Umsätze aus den 90ern. Davor haben alle anderen Branchen natürlich Angst, seien es die Computerspielbranche oder die Verlage. Und diese Angst ist auch nicht aus der Luft gegriffen, es gibt ja Tauschbörsen, Torrents und die Möglichkeiten, auch immer noch mit relativ geringem Risiko – wenn man weiß, wie man es macht – umsonst an die entsprechenden Dateien zu kommen.

der Konsument gibt sich mit den Einschränkungen zufrieden, wenn das Produkt gut genug ist

Ich nehme immer gern das Beispiel von der XBox One, hast du davon gehört? Da hatte Microsoft ja gesagt, dass sie viele DRM-Maßnahmen einführen wollen, etwa Always-Online oder eine Kamera, die zählen sollte, wie viele Leute sich einen Film über die Konsole angucken wollen. Meine Frage in dem Zusammenhang: Warum denkst du, dass es zu solchen Fehleinschätzungen bei den Unternehmen kommt? Microsoft musste dann ja sagen, nachdem der Protest kam, dass sie das alles lassen. Warum denkst du, haben die das so falsch eingeschätzt?

Das Problem besteht darin, dass die Unternehmen in ihren alten Marktstrukturen gefangen sind. Der Verkauf von Einzelexemplaren, das ist etwas, was z. B. im Buchbereich 200 Jahre alt ist und auch im Computerspielebereich seit den 80er-Jahren hervorragend funktioniert hat. Doch jetzt haben wir Breitbandanbindungen, durch die das Geschäftsmodell eigentlich weggebrochen ist. Auf der anderen Seite geht mit dem Internet ein enormer Komfort einher für den Konsumenten, der alles sofort und immer zur Verfügung hat. Dennoch versuchen die Unternehmen, den Einzelstückverkauf weiter aufrecht zu erhalten. Und das geht eben nur mit massiven Komforteinschränkungen, doch darauf haben die Konsumenten keine Lust. Die Unternehmen sitzen da noch dem Irrtum auf, dass sie glauben, der Konsument gibt sich mit den Einschränkungen zufrieden. Teilweise stimmt das ja auch, wenn das Produkt gut genug ist. Das sieht man zum Beispiel an Spotify, das eigentlich auch ein sehr striktes DRM hat. Man kriegt die MP3s ja nicht raus aus Spotify. Aber weil das Produkt so gut ist, stört sich da keiner dran. Ich habe noch nirgendwo Protest gehört, dass man die Musik bei Spotify nur so lange hat, wie man Geld an Spotify zahlt oder den Account besitzt. Ich glaube, dass Microsoft hingegen die Situation falsch eingeschätzt hat. Sie dachten, ihr Produkt wäre gut genug, sodass sie sich die ganzen DRM-Maßnahmen erlauben können, aber es hat sich herausgestellt, dass diese Komforteinschränkungen dann doch zu krass und das Produkt doch nicht gut genug waren, als dass die Kunden das alles mit sich haben machen lassen. Zumal Microsoft dann auch noch das Pech hatte, dass sie mit Sony einen starken Konkurrenten haben, der die Debatte angeheizt hat, dahingehend, dass Sony gesagt hat, dass sie diese ganzen Einschränkungen nicht machen, sondern viel liberaler sein werden.

DRM wird irgendwann abgelöst von pauschalen Bezahlmodellen

Siehst du eine Weiterentwicklung bei den Unternehmen, was die DRM-Entscheidungen angeht? Oder läuft das immer noch so ab wie in der Vergangenheit? 

Nein, es gibt durchaus positive Entwicklungen. Ich glaube wir werden da noch einen harten und langen Kampf führen, Adobe hat ja gerade diese Woche einen neuen Kopierschutz angekündigt, der unknackbar sein soll.

Das ist ja aber eigentlich auch eine Illusion.

Das wird so laufen wie mit dem Fingerabdruckscanner von Apple. Ich würde dem auch etwa eine Woche geben, während der er dann „unknackbar“ ist.

Es gibt aber auch andere Entwicklungen, zumindest was Musik angeht, die bekommt man auf iTunes DRM-frei, weil Apple gemerkt hat, dass das effizienter ist. Apple kann ja einfach die Statistiken auslesen, wie viele Lieder in der durchschnittlichen iTunes-Bibliothek sind und wie viele davon auch auf iTunes gekauft wurden. Da hat Apple ganz einfach gemerkt, dass, wenn sie mp3s DRM-frei machen, dann mehr Leute kaufen, eben weil der Komfort dann wesentlich größer ist.

Von daher glaube ich zwar schon, dass weiter versucht wird DRM durchzusetzen, es gibt ja auch Bestrebungen, DRM-Maßnahmen im HTML-Code zu verankern. Aber ich denke, dass DRM irgendwann einfach abgelöst wird von pauschalen Bezahlmodellen, sodass DRM in der heutigen Form keine Rolle mehr spielt.

DRM bewirkt, dass alle Kunden zu Amazon laufen

Das ist eine gute Überleitung zur nächsten und auch schwersten Frage, und zwar: Wie denkst du denn, sieht die Kosten-Nutzen-Rechnung von DRM-Systemen aus? Du hattest das ja eben schon angesprochen mit iTunes, dass die nachvollziehen können, dass sie ohne DRM mehr verkaufen. Wie ist das den in den anderen Branchen? Wenn du damit besonders gut auskennst auch in der Buchbranche? Hindern die DRM-Systeme mehr Käufer als letztendlich nutzt?

In der Buchbranche gibt es ein großes Problem, dass der deutsche Buchhandel und die Verlage noch gar nicht erkannt haben: DRM bewirkt, dass alle Kunden zu Amazon laufen. Die Leute sagen sich, dass, wenn sie mit ihren Büchern sowieso nicht machen können, was sie wollen, sondern nur ganz einschränkte Rechte haben, sie eben zu dem Anbieter gehen, der die meisten Bücher bietet. Das heißt dann, dass sich alles massiv auf Amazon fokussiert. Ca. 90% des E-Book-Handels laufen über Amazon. Die Kunden fragen sich zu Recht, warum sie einen drittklassigen E-Reader kaufen sollen, wenn sie bei zum Beispiel bei Weltbild [Disclaimer: Das ist ein Beispiel, ich habe den E-Reader von Weltbild nicht persönlich getestet und vielleicht ist der total knorke; db] genau dieselben Einschränkungen haben wie bei Amazon, aber dafür ein viel kleineres Angebot und viel weniger Komfort.

Es kommt immer auf die Ausgewogenheit an: Wie viel Komfort bieten mir die Unternehmen, wie stark sind die Einschränkungen für den Kunden. Wenn Amazon weiter fortfährt, öfter mal ziemlich willkürlich Konten zu sperren, sodass alle Bücher auf dem Kindle futsch sind, dann kann ich mir vorstellen, dass es da auch irgendwann einen Fallback geben wird. Sodass die Leute aufhören zu Amazon zu gehen, weil sie sich das nicht länger bieten lassen. Aber solange Amazon noch so ein komfortables System hat, den besten Reader und One-Klick-Buys, läuft das für die ganz gut.

Digitale Dateien werden nicht mehr verkauft, es wird nur noch ein Nutzungsrecht erteilt

Sind dir noch andere Fälle bekannt von solchen Accountsperrungen von anderen Anbietern? Mal abgesehen von Amazon, ich weiß das Steam das auch macht? Kennst du noch andere Fälle, wo das tatsächlich gemacht wurde?

Nein, ich habe mich nur mit Amazon auseinandergesetzt… Es gab ja mehrere Beispiele dort. Zum Beispiel die Geschichte, die auch zu einem großen Aufschrei führte, als Amazon einer Frau gar nicht gesagt hat, warum ihr Account gesperrrt wurde, sondern nur „sie wissen schon warum“. Und dann gab es noch einen zweiten spektakulären Fall, als von Kunden, die zu oft Produkte zurückgeschickt haben, die Kundenkonten gesperrt wurden, was dann auch dazu führte, dass alle E-Books weg waren, die sie auf dem Kindle hatten.

Aber sonst… Es gibt ein großes Problem bei Adobes DRM-Mechanismus für E-Books, dass dieser an E-Mail-Adressen gekoppelt ist. Und wenn ich meine E-Mail-Adresse wechsle, muss ich erst mal Adobe beweisen, dass ich ich bin. Das ist aber nicht unbedingt das gleiche, wie zu sagen „dein Content ist futsch“.

Ansonsten habe ich kein konkretes Beispiel, weiß aber, dass in vielen AGB steht, dass digitale Dateien nicht mehr wirklich verkauft werden, sondern dass du nur noch ein Nutzungsrecht hast und dass das Unternehmen sich vorbehält, dich von der Nutzung auszuschließen, wenn du irgendwie gegen seine Regeln verstößt.

Davon wissen die meisten Nutzer wahrscheinlich gar nicht, oder?

Nein, wer liest schon die AGB? Das ist weitgehend unbekannt. Bei Amazon wird es langsam bekannt durch die erwähnten Fälle.

Ich hab das auch erst im Rahmen meiner Arbeit rausgefunden, dass ich an den Sachen, die ich bei Steam gekauft habe eigentlich nicht so viele Rechte habe.

Die können dich jederzeit rausschmeißen, das stimmt schon. Man müsste das auch mal durchklagen. Die Frage ist nur, wer die Mittel und Wege dafür hat. Es gibt im deutschen BGB eine Unerwartbarkeitsklausel, dass eigentlich nichts in den AGB stehen darf, von dem du nicht annehmen konntest, dass es da drin steht. Bei Twitter, ICQ oder auch bei Skype steht etwa in den AGB drinnen, dass sämtlicher Content, den du generiest, dann Skype, ICQ oder Twitter gehört. Das hat vor dem deutschen Recht aber keinen Bestand, weil das nicht zu erwarten ist für dich als Endverbraucher. Möglicherweise könnte man das mit den Lizenzen auch mal durchklagen, aber es bräuchte eben jemanden, der auch den Mut besitzt und das entsprechende Geld hat, durch die Instanzen zu gehen.

Der Verzicht auf DRM ist sinnvoll und realistisch, wenn es alternative Geschäftsmodelle gibt

Ich komme auf das Lizenzthema auf jeden Fall nochmal zurück. Davor habe ich, weil das ein wesentlicher Teil meiner Arbeit ist, drei Modelle die letztendlich als Alternativen im Raum stehen. Denkst du, dass ein Verzicht auf DRM-Maßnahmen langfristig einmal realistisch und zum anderen sinnvoll ist?

Sinnvoll halte ich es auf jeden Fall. Es hängt aber letztlich, und das ist dann auch die Frage, wie realistisch ist es, mit den Geschäftsmodellen zusammen. Die Unternehmen werden überhaupt kein Problem haben, auf DRM zu verzichten, wenn sie auch in Zukunft genug Einnahmen generieren können. Es gibt, nicht direkt im Bezug auf DRM, aber im Bezug auf Kopien und Raubkopien, das Buch von Dirk von Gehlen: Mashup: Lob der Kopie*, in dem unter anderem schreibt, dass es sowohl bei der Einführung des Radios als auch bei den Leerkassetten in der Musikindustrie den gleichen Aufschrei gab wie beim Internet. Man prophezeite den Untergang des Abendlandes. Dann kristallisierten sich aber ziemlich schnell alternative Geschäftsmodelle heraus: Lizensierungen, Livemusik und die Leermedienabgabe, wodurch die Unternehmen weiter Geld verdienen konnten. Und wenn man solche pauschalen Bezahlmethoden für das Internet realistisch einführen könnte, oder generell für digitale Medien, dann würden die Unternehmen auch sofort sagen, dass sie kein DRM brauchen. Das Problem ist im Augenblick, dass die Perspektiven und die Studien, die sich damit beschäftigen, den Unternehmen keine höheren Gewinne bei solchen pauschalen Abgaben versprechen, als wenn sie versuchen, mit Rechtmitteln und Kopierschutz ihr Urheberrecht durchzudrücken. Sodass wir, bis sich da irgendwie ein Wandel einstellt, weiter mit DRM leben und rechnen müssen.

die dem Internet zugrunde liegende Technik ist das Kopieren

Was denkst du über Maßnahmen, die erlauben, Urheberrechtsverletzungen zu verfolgen? Also was unter dem Titel „Social DRM“ läuft?

Du meinst digitale Wasserzeichen, Soft-DRM? Prinzipiell finde ich das besser. Du musst immer daran denken, dass die dem Internet zugrunde liegende Technik das Kopieren ist. Das heißt, jede Technik, die du einsetzt, die dagegen operiert, ist erst einmal kontraproduktiv gegenüber der Digitalisierung. Aber wenn du schon versuchst, eine künstliche Verknappung herzustellen, dann mach es eben nur so, dass du den Komfort gar nicht groß einschränkst.  Sodass du weiter Privatkopien erlaubst und nur, wenn sich jemand aus dem rechtlichen Spielraum herausbewegt, hast du ein Mittel, das zu verfolgen. Das finde ich wesentlich angenehmer, als von vornherein den anständigen Bürger zu bestrafen. Denn DRM lässt sich ja im Grunde leicht knacken, und im Endeffekt werden nur die Kunden bestraft, die es nicht machen, weil die mit den ganzen Einschränkungen zu rechnen haben. Auf einem ganz anderen Blatt steht geschrieben, dass meines Wissens kein weiches DRM existiert, das wirklich gut funktioniert, das nicht auch entfernt werden kann.

Komfort ist das A und O

Du hattest das auch schon angesprochen, dass es ja auch Geschäftsmodelle gibt, die ohne DRM gar nicht funktionieren. Wenn man diese Geschäftsmodelle hat, dann schaffen die ja andere Voraussetzungen. Wenn man z.B. Spotify sieht, erwecken die beim Kunden ja gar nicht die Illusion, dass er irgendwas kaufen würde, sondern es liegt für den Kunden näher, dass er das benutzen darf, aber nur solange wie er zahlt. Könnte das letztendlich das Spannungsfeld zwischen Verbrauchern und Unternehmen ein bisschen auflösen, sodass die Verbraucher sich weit weniger dadurch eingeschränkt fühlen?

Ja, ich denke, genau das ist der Weg, wohin sich der Markt entwickeln sollte und auch wird. Das ist das, was ich meinte mit „pauschalen Bezahlmodellen“. Spotify bei Musik oder Netflix in Amerika bei Filmen. In Deutschland fängt das bei Filmen auch langsam an mit z.B. Watchever. Da zahle ich einfach pauschal meine zehn Euro im Monat oder sowas und ich kann dann jederzeit Musik hören oder Filme gucken. Komfort ist das A und O: Mir ist doch total egal, ob mir zum Beispiel sämtliche Lost-Staffeln gehören, ob ich die im Schrank oder auf der Festplatte habe, oder ob ich einfach nur bei Watchever die Möglichkeit habe, die jederzeit zu gucken. Wenn mir das gegeben ist, dann brauche ich auch keine Kopien mehr. Klar: es wird immer irgendwie Sammler geben, aber ich denke, das wird dann eine vernachlässigbare Zahl sein. Es wird auch immer Raubkopierer geben, aber ich glaube, die würden den Markt nicht kaputt machen, wenn wir weiter zu pauschalen Bezahlmodellen hingehen. Das ist, denke ich, die Lösung.

Denkst du, dass das auch für Computerspiele eine ernstzunehmende Alternative ist? Es gibt ja schon Modelle wie Free-to-Play, dass man nur für bestimmte Inhalte bezahlt, ich weiß nicht inwiefern du dich damit auskennst…

Wenig. Ich kenne z.B. die Freemium-Modelle auf dem iPad oder so, wo ich das Grundspiel kostenlos habe und wenn ich dann irgendwie bei meinem Aufbaustrategiespiel will, dass die Häuser schneller gebaut werden, dann zahle ich Geld. Meinst du sowas?

Da gibt es das schon. Das funktioniert ja auch ganz gut bei Facebook oder so. Es gibt dann ja auch Vollpreistitel, z. B. GTA oder sowas, für die man je nach System 40 bis 70 Euro bezahlt. Denkst du, dass das für sowas auch denkbar ist, dass man solche Pauschalmodelle einführt, dass man sagt, dass man monatlich einen angemessenen Betrag zahlt, um das Spiel spielen zu können oder denkst du, dass das eher unrealistisch ist?

Ich glaube schon. Wenn du eine Plattform schaffst – Du brauchst eine Plattform die das geräteübergreifend macht, sodass ich das Spiel auf allen Endgeräten spielen kann. Sie muss leicht zu handhaben sein, in wenigen Klicks, und sie muss ein großes Angebot haben für den Konsumenten. Wenn das erfüllt ist, dann wirst du damit auch leicht eine kritische Masse erreichen, sodass dies es auch für Softwareentwickler lohnen wird, wenn sie ihre Spiele in dieses Portal einstellen. Für die geht es ja nur um Geld. Ist die Ausschüttung hoch genug, lohnt sich das für sie. Das geht aber nur, wenn du genug Abonnenten hast. Und die kommen, wenn das Angebot groß, die Plattform leicht und komfortabel zu bedienen ist und von möglichst vielen Orten zugänglich. Aber ich sehe nichts, was dagegen sprechen würde. Außer vielleicht, dass bei Computerspielen die Systemvoraussetzungen viel größere Unterschiede darstellen als bei Musik oder Büchern oder Filmen. Einen Film kann ich auf jeder Plattform schauen, aber GTA kann ich jetzt nicht unbedingt auf dem iPhone spielen, genauso wie auf einem guten High-End-PC. Das könnte vielleicht ein Problem werden, aber prinzipiell spricht da nichts gegen.

Durch Lobbydruck werden sich eher die Gesetze verschärfen

Dann geht es jetzt ein bisschen um die Zukunftsaussichten. Der Aufhänger ist da ein EU-Urteil gegen Steam, dass die ihren Kunden ermöglichen müssen, die Nutzungslizenzen, da tauchen die wieder auf, auch weiterzuverkaufen. Und dann gibt es zwei Fragen: Denkst du, dass das auch auf andere Branchen übertragbar ist, vielleicht auch gerade die Buchbranche? Und dann die zweite Frage: Wenn das tatsächlich übertragbar ist, welche Auswirkung könnte das dann auf die DRM-Gestaltung haben?

Ich bin kein Jurist, von daher kann ich das schwer beurteilen, ob sich das übertragen lässt. Es wurde von den einschlägigen Journalisten und Bloggern immer so kolportiert, dass das auch Auswirkungen auf E-Books hätte. Aber inwieweit das der Fall ist, weiß ich nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich mit Lobbydruck eher die Gesetze ändern, die im Augenblick den Weiterverkauf ermöglichen, als dass der Verkauf zugelassen wird. Ich kann mir hingegen schlecht vorstellen, dass Weiterverkauf leicht möglich gemacht wird, weil das ja im Grunde dem Geschäftsmodell der Verlage zuwider läuft. Es sei denn, die Verlage schaffen es, eine gute Form von Soft-DRM zu implementieren, mit der du eine History in der Datei hast, die belegt, wer was besessen und an wen verkauft hat. Aber solange das nicht existiert, werden die Unternehmen alles daran setzen, Weiterverkauf zu verhindern und entsprechend auf Gesetzesänderungen hinwirken. Aber da ich kein Jurist bin, ist das bloße Spekulation.

Es ist eine Errungenschaft, dass wir keine Ressourcenbegrenzung mehr haben

Du hattest das ja auch schon angesprochen, dass das Wesen der Digitalisierung ist, dass du verlustfrei Kopien von allem erstellen kannst, ohne dass dich das viel kostet. Wäre das eine Variante, wenn man diese Kopien kennzeichnen könnte, sodass nachvollziehbar wäre, dass es Kopien sind? Und dass man dann unter Umständen Systeme hat, die erkennen, dass es eine Kopie ist und dass sie das nicht nutzen können oder sollen?

Das wäre wieder nur ein Workaround. Es ist doch gerade das Tolle an der Digitalisierung, eine absolute Errungenschaft, dass wir keine Ressourcenbegrenzung mehr haben. Es ist doch nicht so, dass wir Bücher nur in einer Auflage von 1.000 Stück gedruckt haben, weil wir da Spaß dran hatten, sondern weil das schweineteuer war und irgendein LKW die Dinger auch tragen musste. Das alles ist jetzt weggefallen durch das Internet! Alles, was wir noch brauchen, ist eine Telefonleitung und Strom und damit können wir das Wissen der Welt ohne Einschränkung kopieren und weiterverteilen. Alles was dagegen spricht ist, dass jemand damit Geld verdienen will. Sich jetzt immer neue Wege auszudenken, wie man die Errungenschaft wieder kaputt macht, nur damit Leute weiter damit Geld verdienen können, halte ich nicht für den richtigen Weg. Stattdessen denke ich, dass man zu anderen Bezahlmodellen greifen muss, wie z.B. Radiosender ja auch GEMA-Gebühren zahlen, warum soll es das nicht auch für das Internet geben? Wie diese berühmt-berüchtigte Kulturpauschale oder sowas. Dass man einfach sagt: „ja, kopieren ist jetzt technisch möglich, es kostet uns nichts mehr, dann sollen die Leute halt kopieren und sich alles Wissen der Welt und alle Unterhaltung der Welt beschaffen. Und sie zahlen dann im Monat oder auf ihre Hardware oder auf ihren Internetanschluss entsprechende Pauschalen, die dann an die Produzenten weitergereicht werden“. Ich glaube nicht, dass irgendeine Form von künstlicher Verknappung der Ressourcen die Zukunft sein wird. Ich glaube es wird noch ewig dauern, bis wir das erreicht haben. Der Trend, dass die DRM-Maßnahmen immer strenger werden und der Rechtsweg bestritten wird, wird noch 20, 30 Jahre weiter gehen. Aber letzten Endes glaube ich, wenn wir es ernst meinen mit der Digitalisierung, dann müssen wir Kopieren erlauben, weil das einfach das Wesen dieser Digitalisierung ist. Und wenn man dagegen kämpft, kann man die Digitalisierung auch gleich ganz sein lassen kann.

Wenn du Verantwortlicher wärst, in einem Unternehmen, und ihr vertreibt ein beliebiges digitales Produkt, meinetwegen gerne Bücher, welche Lösung würdest du dann DRM-bezogen umsetzen?

Ich mache ja E-Books auch, und die mache ich, soweit es mir die Händler erlauben, komplett DRM-frei. Ich halte nichts davon. Bei Blackbox Urheberrecht* habe ich statt DRM  ins Vorwort geschrieben „Ich habe eine Menge Geld in dieses Buch gesteckt, und wenn du es dir umsonst kopiert hast und mich trotzdem unterstützen willst: Hier ist mein Flattr-Button.“ Speziell bei E-Books ist DRM einfach ein Witz. Du kannst einmal googeln und schon hast du eine Anleitung, wie du in fünf Minuten das DRM geknackt hast. Daher würde ich nur die ehrlichen Kunden bestrafen, denn genau die können dann nicht kopieren, ausleihen usw. Ich hingegen gehe lieber hin und sage: „Okay, ich mache hier keine Einschränkungen und freue mich, wenn das ein Filesharer dann per Flattr honoriert.“ Und ich weiß, dass es bestimmt ein paar Raubkopierer geben wird. Aber vielleicht gibt es auch jemanden der denkt, dass mein Ansatz eine coole Sache ist und ein bisschen Geld spendet.

 

*Hinterhältiger Affili-Link

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Hintergründe

Neue Wege #9 DRM ist noch immer böse

So, die Party ist zu Ende, mein Buch erschienen, also mache ich hier mal wieder weiter mit Business as usual, schließlich lag dieses Blog abseits von PR etwas brach, während ich mit meinen anderen Projekten beschäftigt war. Als Einstieg habe ich mal wieder nach wirklich langer Pause ein paar News rund ums digitale Publizieren gesammelt.

DRM ist noch immer böse

Glaubt ihr nicht? Ist aber so. Und hier ist der Beweis:

Ich für meinen Teil werde jedenfalls nicht aufhören, meiner Tochter Geschichten vorzulesen, nur weil irgend ein bekloppter Verlag mein, das würde sein Copyright verletzen…

Wer bezahlt’s? Die Crowd!

Crowdfunding ist nichts neues, diese Plattform schon: 100 Fans. Sie hat sich nämlich komplett auf Bücher spezialisiert. Mit einer großen Community kannst du dir dein eigenes Buch alternativ finanzieren lassen. Wenn ich mir den Finanzierungsstand der verschiedenen Projekte ansehe, fehlt der Seite im Augenblick vor allem eines: Aufmerksamkeit. Also geht hin, schaut es euch an und finanziert ein spannendes Buch.

Via Digitale Notizen.

Redende Bücherpiraten

Netzpolitik.org hat etwas ziemlich gutes gemacht. Sie haben sich nämlich nicht von bekloppten Verlagen einschüchtern lassen, die neben dem Vorlesen auch die Pressefreiheit verbieten wollen, sondern sie haben Qualitätsjournalismus (TM) gemacht und sich mal mit drei Betreibern von Tauschbörsen für E-Books unterhalten um zu erfahren, was deren Motivation ist.

CC NC my ass

Für mich sind freie Lizenzen das Salz in der Suppe des Indie Publishings. CC (=Creative Commons) ist nicht bloß das bekannteste Projekt, sondern wohl auch das wichtigste. Auf iRights.info findet ihr einen Vortrag, der nicht nur die verschiedenen CC-Lizenzen erklärt, sondern auch sich explizit mit der „Noncomercial“-Option der CC-Lizenzen auseinandersetzt. Meines Erachtens ist die NC-Einschränkung Bullshit, besonders wenn man bedenkt, dass ein Blog mit ein bisschen Webung, Affili-Links und/oder Flattr-Button schon als kommerziell angesehen werden kann. Daher verzichtet doch bitte auf das NC Tag.

Diesen Beitrag stelle ich unter CC0 – Wenn ihr mich nennt, freue ich mich, aber hauptsachte ihr verbreitet die Botschaft!

3 Kommentare

Eingeordnet unter Nachrichten

DRM knacken – ein paar Fakten zum Entfernen von Kopierschutz

Auf dieses Blog schickt Google immer wieder Menschen, die wissen möchten, wie man DRM entfernt. Gelegentlich erreichen mich sogar entsprechende Anfragen per Mail. Um es gleich zu sagen: Ihr seid hier falsch. Googelt weiter, ihr solltet schnell zu einer Quelle gelangen, die Euch weiterhilft. Warum ich euch nicht helfe? Weil das Umgehen von DRM verboten ist. Halt, stopp. Das stimmt so nicht ganz. Ich sollte einen Schritt zurücktreten…

Rusty padlock

„Rusty padlock“ von Oxfordian. Lizenz: CC BY-ND 2.0

Amazon, der dunkle Lord des DRMs

Zunächst: was ist DRM? DRM steht für Digital Rights Management oder Digitales Rechte Management und bezeichnet eine bestimmte Form von Kopierschutz. Ausführlich habe ich das hier beschrieben. Ich verachte DRM! DRM ist falsch und schädlich, weil es die falschen, nämlich die ehrlichen Kunden bestraft. Die Tendenz von Autoren, Verlagen und Händlern, Kunden immer mehr als Feinde und potentielle Gegner zu betrachten, ist eine katastrophale Entwicklung, die uns allen noch einmal leid tun wird. Auch das habe ich schon einmal behandelt. Der jüngste Fall, der zeigt, wie absurd DRM ist, geht natürlich wieder einmal auf das Konto von Amazon.

Amazon hatte Kundenkonten von Käufern gesperrt, die zu oft Produkte zurückgeschickt haben. Das ist Amazons gutes Recht. Ein Händler ist keine Wohltätigkeitsorganisation, er will Gewinn machen und wenn ein Vertragspartner durch zu häufige Retouren mehr kostet als einbringt, kann Amazon eben sagen: gut, dann handele ich eben nicht mehr mit dir! Das Problem ist aber, dass Amazon mittlerweile nicht mehr nur Händler ist, sondern auch Anbieter von digitaler Infrastruktur. In Bezug auf E-Books zeigt sich das so, dass mit der Kontosperrung sämtliche E-Books auf dem Kindle, die mit DRM versehen waren, auch futsch waren. Auch das ist rechtlich in Ordnung, denn in den AGB hat Amazon das festgelegt. DRM räumt eben nur ein Nutzungsrecht ein, keinen Besitz. Aber es ist moralisch falsch! Daher muss ich sagen, wer E-Books von DRM befreit, um Sicherheitskopien zu machen, handelt zwar rechtlich falsch, hat aber meines Erachtens die Moral auf seiner Seite.

Nebenbei führt diese Praxis von Amazon zu der ihnen sicherlich nicht genehmen Nebenwirkung, dass ich, der ich selbst über kdp und das Afilliate-Programm Geld mit Amazon verdiene, mir mittlerweile zweimal überlege, ob ich selbst auch bei Amazon einkaufen soll. Denn angenommen, ich muss ein paar mal hintereinander Produkte zurückschicken, nicht aus bösem Willen, sondern weil tatsächlich unglückliche Umstände dazu führten. Das könnte mich dennoch, quasi als Kollateralschaden, auf die rote Liste von Amazon führen und  – schwupp – wären auch mein kdp-Konto und das Partner-Konto weg. Doch zurück zum DRM…

Urheberrecht, Kopierschutz und die Digital-Analog-Schranke

DRM zählt, wie gesagt, zu den Kopierschutzmethoden. Und diese zu knacken ist in Deutschland seit dem sogenannten „ersten Korb“ der Urheberrechtsreform im Jahre 2003 verboten. Davor war es erlaubt, solange man sich im Rahmen der Privatkopie bewegte. Also wenn man eine Kopie etwa zum Zwecke einer Sicherheitskopie macht oder um sie an einige wenige Freunde oder Verwandte weiterzugeben. Wer sich für diese Thematik interessiert, dem empfehle ich natürlich (wieder einmal) Blackbox Urheberrecht… 😉

Aber, es gibt einen Ausweg! Eine Gesetzeslücke gewissermaßen erlaubt das Umgehen eines Kopierschutzes, sofern man die sogenannte „Digital-Analog-Schranke“ dabei durchschreitet. Bei Musik ist das relativ einfach: ihr müsst einfach nur ein kopiergeschütztes Lied während des Abspielens wieder aufnehmen. Also einmal die Umwandlungskette Code -> Schallwellen -> Code hinter euch bringen und schon habt ihr eine legale Privatkopie.

Bei Büchern ist das schon etwas komplizierter: Ihr müsst jede Seite eures Buches vom Kindle oder einem äquivalenten Reader abfotografieren und anschließend mittels eines Spracherkennungsprogramms wieder digitalisieren. Das ist natürlich sehr zeitaufwändig. Es sei denn ihr habt so etwas:

DIY kindle scanner from peter purgathofer on Vimeo.

Oder ihr googelt einfach noch einmal 😉

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Google-Suche, Hintergründe

Ein Pamphlet gegen Verlagswesen und Buchhandel

7 Gründe, warum das Verlagswesen und der Buchhandel mit Hochgeschwindigkeit in die Krise schlittern

Das Bücherverlegen, so wie wir es jetzt kennen, ist eine sehr alte Kulturtechnik, die in Anschluss an den Buchdruck entstand. Der Büchervertrieb basiert größtenteils auf Notwendigkeiten die im Zuge der Entstehung liberaler Märkte im 18. und 19. Jahrhundert ergaben. Doch jetzt steht dieser Branche eine Umwälzung ins Haus, die sie noch immer nicht begriffen hat. Ein schmerzhafter Wandel, den die Musikbranche schon vor zehn Jahren zu spüren bekam und in dem sich auch die Filmindustrie gerade befindet. Und obwohl der relative Niedergang der Musikbranche – gemessen an den Verkaufszahlen der 90er Jahre – der Bücherwelt als mahnendes Beispiel vor Augen steht. Macht sie sich nicht daran, aus den Fehlern der anderen zu lernen, sondern rennt laut schreiend und mit aufgerissenen Augen dem Abgrund entgegen. Dabei könnten Verlage und Buchhandel es viel besser machen und am Ende als große Gewinner aus dem Spiel hervorgehen, wenn sie nur auf die Zeichen der Zeit erkennen würden.

Abgrund

Casares Abgrund. Urheber: Horst Goertz. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Ich möchte hier mal die sieben wichtigsten Fehler zusammenfassen, die ihr, liebes Verlagswesen und lieber Buchhandel fast unisono macht.

1. Formate

ePub2, ePub3, iBooks, Mobi und PDF. Das sind die gängigsten Formate, die derzeit auf dem Markt sind. Ich vereinfache hier stark, denn iBooks ist eigentlich nur eine Variante von ePub2 und ePub3 ist nicht wirklich auf dem Markt. Aber, worauf ich hinaus will: Das sind zu viele. Wenn ich mir ein Buch bei Apple kaufe, kann ich es auf dem Kindle nicht lesen. PDF ist sowieso komplett ungeeignet für E-Reader oder Tablets und der klägliche Rest eurer Bücher-Online-Shops außer Apple iBooks und Amazon verramscht fröhlich schlecht gecodetes ePub2, obwohl seit eineinhalb Jahren mit ePub3 der Nachfolger schon in den Startlöchern verstaubt.

Ja klar, kann man jetzt klagen, dass die großen Bosse im Handel – Amazon und Apple – sich eh nie auf ein Format einigen werden, aber man kann auch die Frage stellen, warum die beiden sich das erlauben können… Ganz einfach: Weil sie einfach keine ernstzunehmende Konkurrenz haben. Wenn 80% aller E-Books bei Amazon über den virtuellen Tresen gehen, dann wird Amazon bestimmt nicht auf ePub wechseln, klar. Hingegen sieht es bei Apple schon anders aus, da das Fallobst nur zehn bis fünfzehn Prozent Marktanteil hat, heißt es auch ePub2 willkommen.

Wenn ihr, liebe Verlage, euch einfach mal auf den freien, offenen Standard ePub3 einigen würdet, währet ihr in einer viel besseren Ausgangssituation. Wenn ihr begreifen würdet, welche Chance dieser gewaltige Quantensprung zwischen dem was in ePub2 und dem, was in ePub3 möglich ist, für euch bedeutet, wäre das die halbe Miete eurer Zukunftswohnung. Wenn ihr anfinget, gute Bücher zu layouten, die von Weltbild über Thalia bis zum kleinen Online-Shop um die Ecke überall in ePub3 zu bekommen sind, dann würden sich die Machtverhältnisse langsam wieder beginnen zurückzuschieben. Das geht nicht von heute auf morgen, nachdem ihr jahrelang geschlafen habt, aber das geht allmählich.

Allerdings gibt es ein Hindernis: Wenn ePub3 als von allen akzeptierter Standard der Jedi ist, dann ist DRM die dunkle Seite der Macht.

2. DRM

DRM ist eine Pest. DRM schützt nicht, denn jeder, der Google bedienen kann, kann auch E-Books von DRM befreien. Aber dennoch klammert ihr, liebe Verlage, euch an das digitale Rechtemanagement wie der Ertrinkende an die letzte Planke. Was ihr dabei aber überseht, ist, wie unglaublich unattraktiv euer Angebot dadurch wird. Und dass ihr dadurch die Leser in Scharen zu Amazon hintreibt. Denn, wie sieht die Realität derzeit aus? Wenn ich mein E-Book in einem deiner Shops kaufe, lieber Buchhandel, kann ich es nur auf einer kleinen Anzahl an Plattformen lesen. Ich kann in der Regel keinen Text kopieren, teilen, keine Bücher ausleihen, geschweige denn kopieren oder so etwas abwegiges wie verschenken. Aber, wenn ich sowieso nur die Wahl zwischen verschiedenen Käfigen habe, dann wähle ich doch den goldenen und den bietet mir Amazon.

„Aber wenn wir die E-Books ohne DRM verkaufen, dann verbreiten die bösen Leser mit ihrer Kostenloskultur die doch einfach im Netz!!!!!1!11einself“

So what? Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass DRM ja, wie gesagt, sowieso nicht hilft und ihr, liebe Verlage, nichts anderes tut, als die ehrlichen Leser zu bestrafen. Ja, abgesehen davon müssen eure Bücher nicht mehr mit 100qm Verkaufsfläche anderer Bücher konkurrieren, sondern mit dem ganzen großen World Wide Web. Und da kommen wir gleich zum nächsten Punkt:

3. Preise

Ihr könnt doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich 20 Euro für ein E-Book zahle, wenn das nächste Blog, die Wikipedia oder YouTube nur einen Klick entfernt sind. Ja, ja, ich weiß, E-Books werden auch nicht aus Luft und Liebe gemacht, aber erstens gibt es da schon einen ordentlichen Spielraum, der bislang noch allzu oft ungenutzt bleibt. Und zweitens habe ich mal irgendwann in der Schule gelernt, dass in diesem ekeligen Kapitalismus sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergibt. Das Angebot ist so groß da draußen, dass E-Books billiger werden müssen, sonst wird halt einfach die nächste kostenlose App aus dem Store gezogen, anstatt das neue Buch von Charlotte Roche gelesen. Und wo ich schon bei der Konkurrenzsituation bin, komme ich doch gleich zum nächsten Punkt:

4. Die Reader

Die Zukunft des Buches ist nicht der E-Reader sondern das Tablet. Warum? Wegen ePub3. ePub3 kann so ziemlich all das, was das Internet kann. Aber auf einem schwarz-weißen E-Ink-Display wird das nichts bringen. Klar wird das das Medium Buch verändern, aber anstatt jetzt mal wieder den Untergang des Abendlandes anzuprangern, wären mutige Konzepte, wie man Video, Audio, Interaktivität und Social Media sinnvoll in ein Buch integrieren kann, angebracht. Ich habe die und neben mir noch viele andere, die noch viel mehr können als ich. Und wenn ihr die nicht umsetzt, dann werden es andere tun, während ihr dann irgendwann den Insolvenzvertrag unterschreibt.

Dennoch können E-Reader sinnvoll sein und bleiben. Die lange Akkulaufzeit und der gute Kontrast sind schon ziemlich cool, aber wenn E-Reader überleben sollen, müssen sie zwei Dinge beherzigen:

Erstens müssen die Dinger billiger werden. Ihr werbt immer damit, dass ich auf dem E-Reader auch ganz toll am Strand lesen kann, während das iPad da nur noch spiegelt. Stimmt. Aber was bringt mir das, wenn der Reader mir geklaut wird, während ich in den Wellen plansche? Was bringen mir 1000 abgespeicherte Bücher, wenn sie mir im Schwimmbad vom Handtuch geklaut werden, während mein Taschenbuch dort unbehelligt liegen bleibt. Doch genau dort ist der zukünftige Einsatzort für E-Reader: wo mir das Tablet zu teuer ist.

Zweitens müssen E-Reader langsam mal anfangen, den Code, den der Setzer geschrieben hat, auch genauso zu interpretieren, wie es das IDPF vorgesehen hatte. Und ich meine damit zu 100%. Nicht zu 70, 80 oder 90%. Denn auch ein einzelner Absatz, der sich total verschoben hat oder ein einziges Bild, das nicht richtig angezeigt wird, nervt eure Leser. Womit wir bei Punkt Nummer fünf währen…

5. Die Wertschätzung des Mediums

Ich sehe Leser, die sich über Rechtschreib- und Formatfehler beschweren. Ich sehe Verlage, die mir ihr Druck-PDF als E-Book andrehen wollen, ich sehe E-Books, in denen Fußnoten mitten im Text stehen, anstatt anständig in Endnoten umgewandelt worden zu sein. Und ich sehe Setzer, die bei HilfDirSelbst.ch über Witwen und Waisen jammern, anstatt sich über die vielen neuen Möglichkeiten zu freuen.

Was ich vermisse, ist einfach etwas mehr Wertschätzung dem Medium gegenüber! Ein kleines Beispiel: Ich habe mein E-Book auch in ePub2 gesetzt, weil es in ePub3 ja niemand hätte lesen können. Aber erstens habe ich mein E-Book nicht dreckig mit Calibre aus einer Worddatei heraus konvertiert, sondern habe mir jede Codezeile im Texteditor angesehen, damit möglichst wenig Fehler am Ende im Dokument stehen. Zweitens habe ich alles aus dem Medium herausgequetscht, was möglich war. Ich habe ein halbes Dutzend Schriften eingebettet, auch wenn ich manche nur an einer Stelle im Buch verwende, ich habe mit Drop Caps gearbeitet, ich habe unsorted Lists mit eigens erstellten Grafiken als Aufzählungszeichen verwendet und dergleichen mehr. Warum? Weil es mein Buch für die Leser schöner macht.

Aber zugleich wusste ich, dass da draußen jede Menge schlechter E-Reader kursieren, die das alles nicht anzeigen können. Deshalb habe ich das Buch noch ein zweites Mal gesetzt ohne den ganzen Firlefanz und in die Ausgabe mit dem schicken Layout habe ich ins Impressum geschrieben, dass sich jeder Leser bei mir melden kann, wenn er oder sie Anzeigeschwierigkeiten hat, und sie oder er bekommt dann das Simple Layout.

Das ist Wertschätzung. Und die fehlt mir bei euch leider komplett. Ihr macht das alles schnell und dreckig, möglichst ohne zusätzliche Arbeit. Aber Hauptsache möglichst viel Gewinn rauspressen. Womit wir zu Punkt sechs kommen.

6. Der Handel

Es ist eine unbequeme und bittere Wahrheit, aber in zehn, spätestens in zwanzig Jahren wird der Großteil des heutigen Buchhandels schlichtweg nicht mehr existieren. Aber statt zu überlegen, wie man neue Perspektiven schaffen kann, klammert ihr euch an alte Modelle. Ein Beispiel: Ich habe mal mit einer Angestellten von Libri verhandelt, ob sie nicht ein E-Book von mir vertreiben wollen. Libri bekommt beim Vertrieb von Printbüchern 50% Rabatt. Diesen forderten sie auch bei E-Books ein. Als ich fragte, wie sie den gleichen Rabatt rechtfertigen, da ihnen ja ihre Hauptkosten: Lager und Transport wegfallen, entgegnete mir die Dame, man habe „andere Kosten“. Interessiert fragte ich nach, welche Kosten das seien. Woraufhin sie sagte: Auf dem Niveau werde sie nicht weiterverhandeln. Ich bin dann zu Apple und Amazon gegangen und schau mir mal an, wie lange Libri es noch machen wird.

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten um die Kunden auch in Zukunft in den stationären Buchhandel zu locken: Beispielsweise das Hauptproblem, dass man E-Books nicht anständig verschenken kann, ließe sich toll lösen, wenn ich in der Buchhandlung einen Gutschein für ein ganz bestimmtes Buch kaufen könnte. Noch besser währe es, wenn ich wie beim Vinyl zum Printbuch den Downloadcode fürs E-Book dazu bekäme. Jeder Buchladen sollte außerdem nebenher noch einen Online-Shop betreiben, so wie es in anderen Branchen schon Gang und Gebe ist. Das wären Ansätze, dem Untergang zu entgehen. Aber all das wird (in erster Linie) durch Buchpreisbindung und DRM aktiv verhindert. Doch so wird das nichts, liebe Verleger und Händler. Womit ich zum letzten Punkt komme

7. Die Wertschätzung der Leser

Ja, eure Leser können sich eure Bücher auch illegal dafür aber ganz umsonst besorgen. Doch das werdet ihr nicht verhindern können! Denn immer, wenn für euch eine Firma einen neuen, teuren Kopierschutz geschrieben hat, setzt sich da draußen ein Schwarm hin und zerlegt diesen. Und da die Manpower des Schwarms jene eurer Programmierer ums tausend- oder gar millionenfache übersteigt, könnt ihr den Wettlauf nicht gewinnen.

Ja, ihr könnt jetzt Armeen von Anwälten aussenden, die jeden abmahnen, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Aber trotzdem werdet ihr immer nur die Spitze des Eisberges erwischen. Denn da draußen sind, wie gesagt, Millionen, die gegen euch arbeiten.

Und jetzt könnt ihr natürlich eure Leser als Diebe und Piraten, als unsolidarisch und was weiß ich beschimpfen, aber das wird euch nicht ein Buch mehr verkaufen. Im Gegenteil: Jedes mal, wenn ihr eure Leser beschimpft, zeigen die weniger Bereitschaft, sich für euch zu entscheiden, wenn sie vor der Wahl stehen, ob sie jetzt Geld für euer Buch bezahlen sollen oder nicht. Statt dessen wäre der gegenteilige Weg der Richtige: Zeigt euren Lesern, dass ihr sie wertschätzt. Bittet sie darum, euer Buch zu kaufen, statt es zu sharen und macht das Kaufen ihnen so einfach und so komfortabel wie möglich: eben niederschwellig. Denn da könnt ihr euch auf den Kopf stellen: eure Leser werden euch nur ihr Geld geben, wenn ihr sie darum bittet. Aber dann machen sie es gerne! Denn eure Leser lesen eure Bücher gerne, sie lieben und verehren euch und eure Autoren und wenn ihr ihnen sagt: Seht her, wir haben viel Geld und Zeit investiert, um dieses Buch zu produzieren. Damit wir von unserer Arbeit leben können und euch auch in Zukunft gute Bücher machen können, wäre es echt toll, wenn ihr uns ein paar Euro für eine Kopie geben könntet.

Und wisst ihr was? Sie werden! Glaubt ihr nicht? Dann schaut euch mal Flattr, Kickstarter, und Betterplace.org an. Da passiert das schon jetzt. Jeden Tag.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Hintergründe

E-Depesche, New Book, Check this out, fuck off and read, Nachrichten rund um E-Books, E-Book-News, E-Postkutsche, E-Taubenpost #3

Jedenfalls ist Folgendes in letzter Zeit passiert.

03.11.2012
heise hat ein Pamphlet ins Netz gestellt. Wonach die Welt schöne E-Books braucht. heise analysiert zutreffend, dass E-Books in Sachen Layout und Typographie noch in der tiefsten Steinzeit stecken. Über heise hinausgehend kann ich euch sogar drei Gründe dafür nennen:
1. Die zerklüfteten Formate. Es ist ja nicht einmal so, dass nur verschiedene Formate auf dem Markt sind, zudem wird der am weitesten verbreitete Standard ePUB von jedem Reader anders interpretiert. Sodass die Setzer lieber wenige Features einbauen als viele, um auf Nummer sicher zu gehen.
2. Die Setzer. Wenn man sich mal in einschlägigen Foren wie mediengestalter.info oder HilfDirSelbst.ch umschaut, findet man noch immer weitverbreitet die Klage, E-Books könne man gar nicht layouten. Dieses Vorurteil ist auf den fließenden Text zurückzuführen. Die Verlage setzen ihre Layouter an die E-Production, die seit Jahrzehnten für statische Buchseiten produziert haben. Doch die Regeln rund um Witwen und Waisen haben in einem variablen Text keine Bedeutung mehr. Statt dessen kann man mit Hilfe von CSS neue tolle Sachen anstellen. Aber das ist ein Wissen, das erst langsam von den Webdesignern rübergeschaufelt wird.
3. Das liebe Geld. Speziell in deutschen Verlagen gibt es derzeit zwei Paradigmen: ‚E-Books muss man haben‘ und ‚mit E-Books kann man kein Geld verdienen‘. Eine fatale Kombination, die dazu führt, dass alle E-Books quick and dirty konvertiert werden und das sieht man ihnen eben auch an.
Einen ersten Schritt, um dies zu ändern, finden wir bei Google, das Open-Source-Fonts, die weboptimiert sind, anbietet. Gewiss, letztlich kommt es wieder auf den Reader an, ob er die Schrift auch unterstützt. Technisch ist dies eigentlich kein Problem, da der Schriftsatz in der E-Book-Datei mitgegeben wird, aber gerade Apple ziert sich diesbezüglich öfter mal und möchte seinen Lesern nicht jede Schrift gönnen.

02.11.2012
ebooks-lesen.net berichtet, dass Thalia einen beleuchteten E-Reader auf den Markt bringen will mit dem unglaublich griffigen Namen „Cybook Odyssey HD FrontLight von Bookeen“. Der Reader soll 130 Euro kosten und dem beleuchteten Kindle Paperwhite Konkurrenz machen, der laut ebooks-lesen.net bis nächstes Jahr ausverkauft sein wird.

02.11.2012
Auf CARTA berichten Pia Ziefle und Vera Bunse mal wieder über Amazons merkwürdigen Umgang mit seinen Kunden und seinem DRM. Sie versuchen der Frage auf den Grund zu gehen, was denn eigentlich mit den Büchern auf dem Kindle passiert, wenn man sein Konto kündigt. Bislang ergebnislos, da Amazon auskunftsfreudig wie eh und je ist.

31.10.2012
Book To The Future meldet, dass der sehr gute Open Source ePUB-Editor Sigil mit der neuen Version 0.6 am Start ist. Sigil behauptet von sich selbst ein „What You See Is What You Get“-Editor zu sein, jedoch das ist reine Hybris. Aber wenn man in den Syntaxmodus umschaltet und in den Code abtaucht, ist es ein sehr gutes Tool. Das Besondere an Sigil ist, dass man ePUBs, die auf bestimmte Art gezippte Ordner sind, nicht entpacken muss, sondern direkt editieren kann. Leider unterstützt auch die neueste Version unverständlicherweise noch immer nicht ePUB3. Man muss sich also mit der Version 2 begnügen.
Ein weiteres Tool zur E-Production wanderte diese Woche durch meine Timeline. myebookmaker.com ist ein E-Book-Layout-Programm, das sich direkt aus dem Browser (chrome) heraus bedienen lässt. Leider sind die Infos, welche Formate unterstützt werden, ziemlich spärlich. Nur, dass E-Books für die großen Plattformen gemacht werden können, steht dort. Aber nicht, ob ePUB 2 oder 3 unterstützt wird und ob bereits Amazons kf8 oder noch den Vorgängerstandard unterstützt wird. myebookmaker.com behauptet zudem, einen ePUB-Validator anzubieten, jedoch der Link endet im Nirvana.
Doch ein solches Programm zur Syntaxprüfung von ePUBs (ePUBcheck) gibt es auch bei der IDPF online für nicht kommerzielle Zwecke oder zum Download als vertracktes Kommandozeilen-Tool. Wie man letzteres auf einem Server installiert, kann man seit einiger Zeit auf meBooks nachlesen.
Zudem bietet meBooks den Validator auch online an, solange die Bücher nicht größer als 10 MB sind und man nicht mehr als drei Bücher in 24h checkt.

31.10.2012
Außerdem fand noch die Konferenz ‚Books in Browsers statt‘. Deren Ergebnisse Publishers Weekly gut zusammenfasst.

Zu guter Letzt noch ein schönes Fundstück. Da ich mich hier ja schon öfter mit AGB auseinandergesetzt habe, präsentiere ich euch die besten AGB aller Zeiten!

P.S.: Seifenblasen!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Nachrichten

DRM – Digitales Rechte Management

Ich habe schon öfter das Thema DRM hier angerissen, mich dabei stets despektierlich geäußert und klar gemacht, dass ich bei meinem E-Book, soweit möglich, darauf verzichten möchte. Das ist natürlich eine provokante Ankündigung, wenn ich zugleich gerade dabei bin, Autoren für das Buch zu suchen. Man könnte mich so verstehen, als würde ich nichts dafür tun, die Werke der Autoren zu schützen, sondern sie den Löwen zum Fraß vorwerfen. Also, wie komme ich dazu?

Ganz einfach: DRM schützt nicht.

Ein unleserlicher Codeschnipsel

Auch das ist wieder eine steile These, die ich aber mit diesem Link untermauern kann. Adobe ist einer der größten Anbieter von DRM und mit einer einfachen Suchanfrage, finde ich auf Google 2,6 Millionen Seiten, die sich damit beschäftigen diesen „Kopierschutz“ zu knacken (Immerhin hat Adobe an seiner Suchmaschinenoptimierung gearbeitet oder Google den Index putzen lassen, denn vor einem halben Jahr fand man unter dem Stichwort „Adobe DRM“ erst fünf bis sechs Entschlüsselungsmethoden, bevor dann die eigentliche Webseite von Adobe zu diesem Thema angezeigt wurde. Mittlerweile kommen die „Befreiungsmethoden“ erst auf Seite 2).

Ein Kopierschutz, der so leicht zu knacken ist, ist aber kein Kopierschutz, sondern eine Schikane. Denn mit anderen Worten: der Dumme ist der ehrliche Kunde, der eine ganze Menge Komfortverlust in Kauf nehmen muss. Während diejenigen, die sich das Buch kostenlos besorgen oder es verbreiten möchten, dies mit nur geringem Aufwand können. Erst kürzlich berichtete ich darüber, wie Amazon eine Kundin von ihrer Bibliothek befreit hat. Mittlerweile hat Amazon zwar aufgrund des Shitstorms eingelenkt, aber vor ein paar Jahren rief das Kaufhaus sämtliche verkauften Exemplare von Orwells „Farm der Tiere“ zurück. „Ausgerechnet Orwell“, möchte man sagen.

Wie funktioniert DRM überhaupt?

Zunächst ist klarzustellen, dass DRM eine ganze Reihe verschiedener Kopierschutzmethoden umfasst, die sich teilweise stark unterscheiden. Ich erwähnte schon Adobe im Bereich der E-Books hinzu kommen Amazon und Apple mit eigenen Methoden.
Primärer Zweck des DRMs ist es immer, die Weitergabe von Dateien zu verhindern oder wenigstens einzuschränken. Ausgenommen hiervon sind die sogenannten digitalen Wasserzeichen, die das Kopieren zwar erlauben, aber innerhalb jeder Kopie einen Codeschnipsel verstecken, der aussagt, von wem das Original stammte, wer somit für die illegale Verbreitung verantwortlich gemacht werden kann.

Digitale Wasserzeichen wären entsprechend kein Mechanismus, der den Komfort des Kundens einschränkt, und kämen für mich in Frage, wenn da nicht auch ein Denkfehler hinter stecken würde: nämlich was, wenn ich meine Datei verleihe und ein Freund sie dann kopiert und ins Netz stellt? Verantwortlich gemacht würde ich. Noch vertrackter: wenn mein Computer gehackt wird.

Abgesehen vom digitalen Wasserzeichen funktionieren DRM-Methoden meist so, dass der Kunde eine verschlüsselte Datei kauft, eine gültige Lizenz vorzeigen muss und dann die Datei entschlüsselt bekommt. Wird die Datei kopiert, muss die Lizenz erneut vorgezeigt werden und der Händler entscheidet dann, ob es sich um eine legale Kopie handelt oder nicht.

Und diese Entscheidung ist eben vollkommen der Willkür des Händlers ausgesetzt. Kommt er aus irgendeinem Grund zu dem Schluss, dass deine Lizenz nicht gültig ist, versagt er dir die Entschlüsselung und du sitzt auf einem unbrauchbaren Datensatz. Der Kunde kauft also in Wirklichkeit gar keine E-Books, er kauft Lizenzen, Entschlüsselungsmethoden.

Ferner gibt es Modelle, bei denen der Nutzer die Zugriffsrechte auf sein E-Book nur für einen gewissen Zeitraum gewährt bekommt. Nach Ablauf prüft der Händler, ob die Lizenz seines Erachtens noch gültig ist, sollte dies nicht der Fall sein, macht er die E-Books unleserlich, ohne dass sie kopiert wurden.

Letzteres ist in etwa das, was Amazon nun schon wiederholt gemacht hat. Amazon hat den Kindle und die Kindle-Apps jeweils an einen Account gekoppelt. Die Software fragt regelmäßig, ob mit dem Account alles okay ist, wenn sie dann von Amazon ein Problem gemeldet bekommt, reagiert sie. Wobei ich nicht weiß, ob sie die E-Books wirklich löscht oder „nur“ unleserlich macht. Das habe ich nicht recherchieren können. Wenn ihr mehr wisst, schreibt es doch bitte in die Kommentare.

Ein anderes Problem tritt bei Adobe auf. Zum Abrufen meiner Lizenz benötige ich einen Account auf dem Adobe Content Server, dieser ist an eine E-Mail-Adresse gekoppelt. Zu dumm nur, wenn ich diese E-Mail-Adresse verliere. Etwa weil mein Provider insolvent ist. Soll ja vorkommen. Dann bin ich plötzlich in der misslichen Lage, dass ich Adobe beweisen muss, dass ich ich bin.

Abschließend möchte ich Amazon danken, denn durch seine wiederholten willkürlichen Löschaktionen hat es gezeigt, dass die Probleme rund um DRM, die ich hier skizziert habe, keine Paranoia sind, sondern real existieren. Und genau das ist der Grund, warum ich auf DRM verzichten möchte, wo es geht.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Hintergründe