Vom Word-Dokument zum E-Book für Apple iBooks #2

#2 mit Calibre

Neulich(tm) fragte mich jemand, wie er am besten aus einem Word-Dokument ein E-Book für Apple machen könne. Im letzten Artikel skizzierte ich schon einmal den Weg, den es zu beschreiten geht, wenn man dafür Apples Textverarbeitungsprogramm Pages nutzen möchte.

Wir sahen, dass das Ergebnis von Pages schon ganz ordentlich ist, aber dass es noch ein Stück weit entfernt ist davon, perfekt zu sein. Heute prüfen wir als nächstes, was die Open-Source-Konkurrenz von Calibre so zu bieten hat. Ich persönlich stehe mit Calibre ja eher auf dem Kriegsfuß. Allerdings wird das kleine Programm von Entwickler Kovid Goyal ja auch weiterentwickelt und so ist es mittlerweile vielleicht brauchbarer oder alternativ ist dies einfach der richtig Anwendungsfall für Calibre. Mal sehen…

Als erstes importieren wir das Word-Dokument in Calibre. Das hat schon mal geklappt, wenngleich Calibre eine komische Cover-Wahl getroffen hat, aber noch sind wir ja nicht fertig.

Calibres Bibliothek

Calibres Bibliothek

Bücher konvertieren mit Calibre

Als nächstes klicken wir auf „Bücher konvertieren“. Im Gegensatz zu den drei Angaben bei Pages, lassen sich in Calibre jede Menge Eigenschaften unseres künftigen E-Books schon vor der Konvertierung angeben. So zeigen wir Calibre ersteinmal unser richtiges Cover und geben eine Hand voll Metadaten wie Titel, Autor usw. an.

Bücher konvertieren in Calibre

Bücher konvertieren in Calibre

Auf der zweiten Seite finden wir eine große Auswahl an Stil-Einstellungen. Ich habe mich mal darauf beschränkt, eine Schriftart einzubetten. Mehr als eine Schriftart konnte ich nicht einbetten, aber vielleicht lag das auch an meinem Unvermögen…

Schriftarten einbinden mittels Calibre

Schriftarten einbinden mittels Calibre und andere Design-Entscheidungen

Auf Seite 3 ermöglicht Calibre, eine Reihe von möglichen Fehlern in der Datei automatisch zu beheben. Da Calibre aber selbst davon abrät, lasse ich lieber die Finger davon… Auf der nächsten Seite können wir Calibre sagen, für welches Ausgabegerät wir unser E-Book basteln. Das ist einerseits schlechter Stil, denn guter Code sollte überall gleich dargestellt werden. Andererseits hat Calibre ja auch nicht ganz unrecht, denn die Reader treffen manchmal schon recht eigenwillige Entscheidungen und da wir eine klare Mission haben – den Weg aufs iPad – entscheide ich mich für diese Option. Calibre bietet noch die Wahl zwischen iPad und iPad 3, was etwas verwirrend ist, da ja auch noch andere Versionen des Tablets existieren. Aber die Erläuterung sagt uns, dass der Unterschied im Retina-Display liegt, das ab der 3. Generation im iPad verbaut wurde.

Ausgabegerät bei Calibre einstellen

Ausgabegerät bei Calibre einstellen

Auf Seite 5 geben wir Calibre Hilfestellungen, wie es die Struktur des E-Books erkennen und aufbauen soll. Da ich mich mit XPath-Ausdrücken nicht auskenne, belasse ich es erst einmal bei den Grundeinstellungen und schaue, was anschließend dabei herauskommt… Bei den Inhaltsverzeichnisoptionen auf Seite 6 habe ich lediglich den Haken bei manuelle Feineinstellungen gesetzt und schau dann mal, was ich da noch machen kann…

Suchen und Ersetzen (Seite 7) wollte ich nicht, dafür habe ich bei der DOCX-Eingabe (Seite 8) gesagt, dass Calibre kein Cover automatisch erkennen soll, denn ich habe ja schon eines von Hand angegeben. Und bei der ePub-Augabe (Seite 9) wählte ich, dass Calibre die Seitenverhältnisse des Covers beibehalten soll.

So das waren die Voreinstellungen, mal sehen, was Calibre daraus macht…

Das von Calibre generierte E-Book

Das eher bescheidene Inhaltsverzeichnis von Calibre

Das eher bescheidene Inhaltsverzeichnis von Calibre

Beim Inhaltsverzeichnis die erste Enttäuschung: Calibre hat nur ein Kapitel mit dem Titel „Anmerkungen“ erstellt. Aber es lässt sich ja von Hand korrigieren… dachte ich mir, doch woher soll ich denn wissen, welchem Kapitel „Index Split 000“ etc entsprechen? Also vorerst kein Inhaltsverzeichnis, mal schauen was sonst so nicht geklappt hat…
Bildschirmfoto 2014-07-07 um 17.04.33
Das mit dem Cover hat zumindest besser geklappt als bei Pages (das braune Nicht-Cover).

Doch dann die Ernüchterung: Das komplette E-Book ist leer. Gut, da werden jetzt sicher einige meckern, dass ich an den falschen Stellschrauben gedreht habe. Aber, sorry, zumindest Text hätte Calibre schon erkennen können. Was auch immer ich falsch eingestellt habe.

Spitzen-E-Book ohne Text!

Spitzen-E-Book ohne Text!

Ein Blick in den Code offenbart, dass der Text da ist, auch wenn der Code so dreckig ist, wie ich es von Calibre seit jeher gewohnt bin…

Von Calibre generiertes HTML

Von Calibre generiertes HTML

Also muss da im CSS irgendetwas kolossal schief gegangen sein. Ich könnte mich jetzt auf die Fehlersuche begeben, aber ehrlich gesagt habe ich nicht das geringste Interesse daran. Calibre ist ein solcher Rohrkrepierer, dass ich mich lieber dem nächsten Kandidaten im Test zuwende und meine Zeit mit dem verschwende. Zumal Pages ja schon passable Ergebnisse lieferte…

Falls jemand von euch sachdienliche Hinweise hat, was da schiefgelaufen ist, bitte ich um einen Kommentar!

Fazit

Durchgefallen! Calibre ist für unseren Zweck (mal wieder) schlichtweg ungeeignet. Calibre ist quasi der König Joffrey unter der E-Book-Software…

König Joffrey

König Joffrey

Und zum Abschluss noch einmal Werbung

  1. Den ersten Teil meines großen Tests findet ihr hier
  2. Wenn ihr sehen wollt, was am Ende aus meinem E-Book wurde, dann könnt ihr es für nur 99 Cent kaufen. Hier erfahrt ihr mehr
  3. Hat Calibre euer E-Book kaputt gemacht? Ich helfe euch weiter. Erste Hilfe gibt es sogar kostenlos. Eine E-Mail an mich und ihr bekommt weitere Infos…
  4. Verpasst nicht den dritten Teil unseres großen Tests um den besten Weg in den iBook-Store zu finden…

tl;dr

Zahnseide sollte man vor dem Zähneputzen benutzen und nicht danach, da sie besser zur Vorreinigung geeignet ist…

3 Kommentare

Eingeordnet unter #ePrdctn

Vom Word-Dokument zum E-Book für Apple iBooks #1

#1 mit Apple Pages

Schon vor einem halben Jahr erreichte mich die Frage, was denn der beste Weg ist, aus einem Word-Dokument ein E-Book für Apples Plattform iBooks zu machen. Damals antwortete ich, dass ich erst einmal darüber nachdenken müsste und damit bin ich jetzt, 182 Tage später, fertig. Ich hätte sicher auch schneller antworten können, aber ihr kennt das: Es kommt einfach immer etwas dazwischen. Zum Beispiel vier Staffeln Louie am Stück gucken

Ich präsentiere euch jedenfalls den großen Test für den besten Weg aufs iPad!

Wir alle haben einen anderen Workflow beim Erstellen unserer Texte. Ich zum Beispiel schreibe mittlerweile fast alles in Evernote. Andere bevorzugen Google Docs, doch der am weitesten verbreitete Weg, Texte zu erstellen, sind noch immer klassische Textverarbeitungsprogramm wie Microsoft Word* oder Open Office. Wenn Euer Buch dann fertig geschrieben ist, habt ihr aber ein Problem: Das Dokument, das ihr erstellt hab,,t ist kein E-Book, die meisten E-Book-Reader können es nicht öffnen und ihr könnt es quasi nirgendwo verkaufen. Bei Amazon könnt ihr theoretisch euer Word-Dokument direkt in der kdp-Plattform hochladen, allerdings würde ich das niemandem empfehlen. Ihr solltet möglichst immer versuchen, die maximale Kontrolle über euer E-Book zu behalten und das bedeutet, dass ihr es erst in das Format ePub umwandeln solltet, von dem ihr dann weitgehend verlustfrei in Amazons Format kf8 umwandeln könnt. Zudem eröffnet ePub euch auch die Möglichkeit direkt in Apples iBooks zu gelangen, denn Apple bietet euch nicht die Möglichkeit, eure Word-Dokumente auf der Plattform automatisch umwandeln zu lassen.

Ihr könnt das Umwandeln natürlich auch kommerziellen Anbietern überlassen. Auch ich übernehme das gerne für euch, gegen eine kleine Gebühr, die euch nicht in den Ruin treiben wird. Fragt mich einfach per E-Mail. Wenn ihr aber lieber kein Geld dafür ausgeben möchtet, dann könnt ihr es eben auch selbst machen.

Also wie kommen wir vom Word-Dokument in den iBooks-Store?

Als Kandidaten treten an:

  1. Apple Pages
  2. Apple iBooks Author
  3. Calibre
  4. Sigil (Und andere Texteditoren)

Als ersten Kandidaten wähle ich Apples eigenes Textverarbeitungsprogramm Pages. Pages gibt es für 17,99 € für den Mac. Einen Mac braucht ihr nämlich auf jeden Fall, wenn ihr E-Books in Apples Store anbieten wollt. Denn am Ende einer langen Kette von Arbeitsschritten müsst ihr eure E-Books nämlich mit iTunes Producer auch iBooks hochladen. Und iTunes Producer gibt es nur für den Mac.
Pages hat einige Nachteile gegenüber dem Platzhirsch Word, aber es bietet eine nette kleine Exportfunktion für E-Books.

Der E-Book-Export von Pages

Der E-Book-Export von Pages

Falls ihr euer Buch schon in Word erstellt habt,  könnt ihr das Dokument dann mit Pages öffnen und im nächsten Schritt als ePub exportieren…

Zu Testzwecken habe ich mal ein komplettes Buch in Pages formatiert und zwar mit einigen Herausforderungen… Diese waren etwa:

  • ein Deckblatt
  • Links
  • Fußnoten
  • verschiedene Schriftarten
  • Einrückungen
  • sowie Aufzählungen.

Bei einer Sache ging Pages schon vor dem Export in die Knie. Das Programm kann Hyperlinks zwar auf Text, jedoch nicht auf Bilder legen…

Doch kommen wir zum E-Book-Export von Pages

Exportoptionen von Pages

Exportoptionen von Pages

Mit zwei Klicks kann ich Titel des E-Books, Autor und Kategorie bestimmen. Nachdem ich den Speicherort bestimmt habe, ist die Sache auch schon geritzt und ich bekomme sogar noch Fehlermeldungen angezeigt.

Fehlermeldungen des E-Book-Export

Fehlermeldungen des E-Book-Export

Fußzeilen sind mir egal, das waren nur Seitenzahlen und da ein ePub ja nicht seitenbasiert ist, benötige ich auch keine Seitenzahlen. Nicht so nett ist hingegen, dass mir Hintergrundobjekte verweigert wurden, denn das dürfte mein Deckblatt zerfetzt haben. Doch werfen wir mal einen Blick in das E-Book. Da wir es ja für iBooks gemacht haben, soll uns auch iBooks zeigen, wie es geworden ist.

Okay, beim Deckblatt wurde mir also nicht nur das Bild sondern alles entfernt. Das ist jetzt eher suboptimal… Auch im Impressum hat Pages Fehler gemacht, die zu breite Fußzeile, die auf die nächste Seite umbricht, könnte ich mir noch selbst ankreiden, allerdings war vor dem Flattr-Button definitiv ein Zeilenumbruch.

Fehler im Impressums-Layout

Fehler im Impressums-Layout

Die nächste Enttäuschung ist das von Pages selbst generierte Inhaltsverzeichnis. Beim E-Book-Export ist es kurzerhand aus dem Dokument geworfen worden. Allerdings hat Pages (offensichtlich) aus den Überschriften ein neues, ePub-konformes Inhaltsverzeichnis erstellt.

ePup-Inhaltsverzeichnis

ePup-Inhaltsverzeichnis

Bei den Links hat Pages hingegen fein gearbeitet, sie wurden sauber übernommen und auch die Fußnoten wurden in Endnoten umgewandelt. Meine Einrückungen hat Pages aber nicht sauber exportiert, dennoch sind die Zitate nach dem Export noch immer gut vom restlichen Text abgehoben.

Zitat-Format nach dem Pages-Export

Zitat-Format nach dem Pages-Export

Auch die verschiedenen Schriftarten wurden nicht übernommen, allerdings stellt sich hier die Frage, ob das ein Bug oder ein Feature ist. Werfen wir dafür doch mal einen Blick auf den Code:

Der Blick verrät uns, dass die Schriftaten tatsächlich nicht exportiert wurden. Das dürfte vorsorglich wegen der Copyright-Problematik geschehen sein. Ein ePub ist ja nichts weiter als eine Container-Datei, ähnlich einer ZIP-Datei. Entsprechend kann man sie auch entpacken und kommt so an integrierte Schriftarten. Hier habe ich schon einmal beschrieben, wie ihr vorgehen solltet, wenn ihr euer E-Book um Schriften bereichern wollt.

Der Blick in den Code hat noch ein weiteres Schmankerl offenbart: Pages wandelt in ePub3 um. Das ist der aktuelle Standard des IDPF, allerdings ist es bei weitem noch keine Selbstverständlichkeit, dass dieser auch befolgt wird. Viele Programme sind immer noch auf dem 2er Niveau …

Von Pages generiertes HTML

Von Pages generiertes HTML

Insgesamt wirkt das HTML recht aufgeräumt. Sicher, man kann sich fragen, ob man wirklich für jeden Paragrafen eine eigene Klasse anlegen muss und warum Pages einerseits eine CSS-Datei angelegt hat, andererseits aber CSS-Befehle inline in das div-Tag schreibt, genauso kann man fragen, wie sinnvoll der Befehl „line-break:strict“ ist, aber das mögen andere entsheiden. Ich für meinen Teil, habe da schon weitaus schlimmeres gesehen.

Auch die eigentliche CSS-Datei sieht ganz ordentlich aus, wenngleich sie etwas aufgebläht ist einerseits wegen der vielen Klassen, die Pages angelegt hat, andererseits, weil dort sehr viel Werte mit „0“ aufgeführt sind, die auch einfach weggelassen werden könnten.

CSS von Pages

CSS von Pages

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Hier sehen wir auch, dass Pages die Schriftarten ins CSS geschrieben hat. Falls der E-Reader also von Hause aus Schriftsätze mitbringt, kann er sie auch anzeigen. Wünschenswert wäre in diesem Fall allerdings gewesen, dass als Fall-Back-Option auch noch im CSS steht, ob es sich um eine Schrift mit Serifen handelt oder nicht. So wird in iBooks alles gandenlos mit Serifen angezeigt.

Was sagt der ePub-Checker?

Alles im grünen Bereich: Lediglich zwei Namen von Bildern enthalten Leezeichen, aber das könnt ihr ja berücksichtigen, bevor ihr Bilder in Pages einbindet.

Test in einem anderen E-Reader

Zur Kontrolle habe ich das E-Book auch noch einmal in Adobe Digital Editions geöffnet. Dort offenbarte sich noch ein Anzeigefehler, der darauf hindeutet, dass der Code nicht durchweg sauber ist, sondern noch nachbearbeitet werden muss.

Anzeigefehler in Digital Editions

Anzeigefehler in Digital Editions

Okay, eines fiel mir noch auf: Pages schreibt sich selbst als Autor in die Metadaten. Das ist dann doch etwas größenwahnsinnig und sollte korrigiert werden…

Fazit

Das E-Book, das von Pages exportiert wurde, ist ziemlich ordentlich, muss jedoch in einem Texteditor ein wenig nachbearbeitet werden. Ein paar Kleinigkeiten kann man schon vor dem Export beachten: Das Cover direkt als Bilddatei einfügen, Dateinamen ohne Leerzeichen und kein Inhaltsverzeichnis erstellen. Der Nachteil von Pages ist sein Preis. Als einziger Kandidat in diesem Test kostet das Programm etwas. Alles in allem bietet es für seinen Preis aber eine solide Leistung.

Zum Schluss noch ein bisschen Werbung:

  1. Falls Ihr übrigens neugierig auf mein E-Book geworden seid, könnt ihr es für nicht einmal einen Euro bekommen.
  2. Falls ihr Probleme mit eurem exportierten E-Book habt, werfe ich gerne einen Blick darauf. Der erste Blick mitsamt guten Tipps ist sogar kostenlos! Eine E-Mail an mich reicht.
  3. Verpasst auch nicht den zweiten Teil meines großen Tests, wenn ich mich mit Apple iBooks Author auseinandersetzen werde!

tl;dr

Pfannekuchen kann man schön fluffig machen, wenn man das Eigelb vom Eiweis trennt, das Eiweis steif schlägt und dann unter den fertigen Pfannekuchenteig hebt…

*hinterhältiger Affili-Link: Wenn ihr das Produkt kauft, bekomme ich eine winzige Prämie und freue mich.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter #ePrdctn

Big Data, Amazon und der Hawking-Index

Spannender Artikel über die Auswertung von Leseverhalten mittels des Kindles. Was sie kann und was nicht.

http://www.scilogs.de/relativ-einfach/big-data-fail-amazon-hawking/

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Interview mit Christoph Kappes zu Sobooks

 ich habe ja 20 Jahre Internetagentur hinter mir, da würde ich meine Untaten im Online-Publishing gern mit einer guten Tat aufwiegen

http://blog.buchmesse.de/2014/06/26/das-lesen-neu-denken-christoph-kappes-zum-aktuellen-stand-bei-sobooks/

 

hihi…

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Notiz zum Zustand des E-Book-Marktes in Deutschland 2014

Ich will eigentlich wieder mehr lesen. Also Bücher, denn ich lese den ganzen Tag, aber in letzter Zeit fast immer Texte im Internet. Das Buch, das auf meinem Nachttisch liegt, ist „Die offene Gesellschaft und Ihre Feinde I„* von Karl Popper. Nach anfänglichen Schwierigkeitem hat es mich mitlerweile durchaus gefesselt. Aber dennoch lese ich eher selten darin.

Einer der Gründe dafür ist ganz klar, dass es sich um ein dickes Hardcover handelt, das gefühlt 93,5 Kg wiegt. Wenn ich morgens das Haus verlasse, trage ich neben meinem Smartphone immer auch die ca. 294 Kg schwere illustrierte Version von Michael Endes „Momo„* mit mir herum, um diese in der Bahn auf dem Weg zur Kita meiner Tochter vorzulesen.

Daher hatte ich eine knorke Idee: Das ist der Paradefall, um mir die offene Gesellschaft als E-Book zu ziehen und dann immer auf dem Smartphone zu lesen. Ich also rein in den Google Play Store und gesucht: Fehlanzeige. Keine Gesellschaft, weder offen noch geschlossen, weit und breit.

Also gut, dann eben doch die Kindle-App mit ihrer Minimalästhetik. Geklickt, gewartet, gestaunt: Auch hier nur der Hinweis: Informieren Sie den Verlag, dass Sie das Buch gerne als E-Book lesen wollen.

Hmm, krass. Als Probe aufs Exempel habe ich auch noch in iBooks vorbeigeschaut, obwohl das iPad von der Dame benutzt wird: Nix, auch hier nicht zu finden, das Buch.

Das kann doch nicht sein, denke ich so bei mir und befrage als nächstes dir große Suchmaschine nach „Die offene Gesellschaft E-Book“ – 414.000 Treffer. Davon gefühlte 413.949 Hausarbeiten beim Grin Verlag über die offene Gesellschaft aber nicht der Text im Original.

„Fündig“ werde ich schließlich bei Weltbild. Dort bietet man mir „Karl Raimund Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (eBook / PDF)“ für 12,99 Euro an.

*Riesenseufzer hier einfügen*

Was mich daran stört? Zum ersten: PDF IST KEIN BESCHISSENES E-BOOK SONDERN EINE DATEI, DIE IHR ZUR DRUCKEREI TRAGEN KÖNNNT!!!!! Wie soll ich denn bitte ein seitenbasiertes PDF auf einem 4-Zoll-Bildschirm lesen? Bevor ich mit einer Seite fertig bin, sind mir die Finger vom hinundherscrollen abgefallen.

Und zum zweiten: dafür verlangt ihr 12,99? Ich kenne ja eure Argumente, dass E-Books nicht aus Luft und Liebe gemacht werden. Aber dieses PDF habt ihr ÜBERHAUPT NICHT GEMACHT! Das PDF liegt bei euch rum, seit ihr es an eure Druckerei ausgeliefert habt. Es war 0,00 Euro wert, bis jemand erklärte: „Eigentlich sind PDFs doch auch E-Books“ und schwupp, habt ihr eine extra Einnahmequelle zum maßlosen abkassieren.

Ich weiß, dass dies nur eine Einzelfallbeschreibung ist. Aber so wie ich das beobachtet habe, ist sie symptomatisch für den Zustand des deutschen E-Book-Marktes und einer der Gründe, warum euch euer unflexibles Gebahren in nicht allzu ferner Zukunft um die Ohren fliegen wird und das Verlagswesen in die Krise stürzen wird!

*hinterhältige Affili-Links.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter E-Book Vertrieb

Neue Wege #10 – E-Books, SoBooks, CSS

Sobooks

Sascha Lobo verkündet auf dem Projektblog von Sobooks… ja… was eigentlich? Zum einen, dass E-Books in der aktuellen Ausgestaltung scheiße sind. Da hat er vollkommen recht, aber die Analyse ist ja nicht neu. Dennoch lustig ist diese Passage:

E-Book-Welt wäre eine bessere, wenn EPUB-Dateien nicht vom sehr begabten Sohn der Nachbarin des Cheflektors für 27 Euro pro Stück zusammengedängelt würden.

Sascha Lobo: Über E-Books und Sobooks

Hihi…

Zum anderen erklärt Lobo, dass er mit SoBooks alles besser machen wird und deshalb den Starttermin ersteinmal in den Juni verschieben wird. Ich bleibe trotzdem gespannt!

CSS

Ich habe die „Dokumentationen“ Linkliste um diese schöne Doku erweitert: CSS Paged Media Module Level 3. Ist zwar schon ein Jahr alt, bin ich aber erst gestern drüber gestolpert. ePub3 sollte alle diese Auszeichnungen unterstützen. Aber ihr kennt das ja… Die Reader tun’s dann halt doch meistens nicht. Vielleicht wird ja mit SoBooks alles besser…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter #ePrdctn, Nachrichten

Sigil ist tot, es lebe Calibri?

John Schember hat auf seinem Blog angekündigt, Sigil nicht weiterzuentwickeln. Das ist für mich ein Schlag ins Kontor. Zwar hatte sich der ersehnte ePub3-Support von Sigil schon so lange auf sich warten lassen, dass er immer unwahrscheinlicher schien, aber andererseits war Sigil meines erachtens und mit meinem schlanken Budget das beste Tool zur ePrdctn, das es bis dato gibt.

Schmeber selbst empfiehlt zu Calibre zu wechseln, aber meine Vorbehalte gegen Calibre scheinen in der Mobileread-Diskussion zu diesem Topic bestätigt zu werden. Daher meine Frage an euch da draußen, welche Tools zur ePrdctn nutzt ihr?

2 Kommentare

Eingeordnet unter #ePrdctn