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Markenrecht

Willkommen im Labyrinth des Minotaurus. Du möchtest etwas in den öffentlichen Raum stellen? Also etwas publizieren? Da gibt es ein paar rechtliche Dinge, die du beachten musst. Nein, das war Galgenhumor. Es gibt unüberschaubar viele Dinge, die du beachten musst. Es gibt so viele rechtliche Fettnäpfchen, dass du eigentlich einen Anwalt, wenn nicht gar eine ganze Rechtsabteilung bräuchtest.

Wenn es dir aber wie mir geht und du dir das einfach nicht leisten kannst, na dann hast du Pech gehabt und musst dich selbst da irgendwie reinfuchsen. Dieser Artikel soll dir dabei helfen zumindest eine der Untiefen zu umschiffen: das Markenrecht.

Ein weiteres Mal muss ich ‚disclaimen‘

Ich bin kein Anwalt, habe nur selbst mit einem gesprochen (vielen Dank für die Hilfe!) und ein bisschen was dazu gelesen. Alles was ich hier schreibe ist fragwürdig und enthält sicher Fehler, sodass ihr mich auf gar keinen Fall als einzige Quelle nehmen solltet. Statt dessen solltet ihr dringend auch woanders lesen und wenn ihr einen Fehler in meinem Text findet, mich bitte darauf aufmerksam machen.

Die großen Brüder

Es ist zwar weniger bekannt als seine großen Brüder, die Urheber- und Nutzungsrechte, dennoch kann die Nichtbeachtung des Markenrechtes nicht weniger unerfreulich enden, wie uns das Beispiel des Adlerblogs gemahnt.

Die großen Brüder möchte ich mit diesen kurzen, nicht abschließenden Sätzen abhandeln:

Veröffentliche nur deinen eigenen Inhalt. Wenn du Inhalte von jemand anderem veröffentlichst, lass dir schriftlich geben, dass du das darfst und inwieweit. „Creative Commons Lizenzen“ sind kein Freibrief sondern ein feingewobenes Spinnennetz von erlaubten und verbotenen Verwertungsrechten. Mache sämtliches Bildmaterial am besten selbst. Wenn nicht, lass dir wieder alle Nutzungsrechte schriftlich bestätigen. Nimm niemals nicht, unter gar keinen Umständen ein Bild aus dem Internet und packe es in dein Buch, tu es nicht! Wenn doch, lass dir schriftlich geben, dass du es darfst. Du darfst zitieren, aber nur, wenn das Zitat nicht zu lang ist, du natürlich die Quelle nennst und wenn du dich direkt mit diesem Zitat auseinandersetzt. Wie das mit bildlichen oder Filmzitaten aussieht, weiß ich nicht. Am besten liest du alle Artikel auf irights.info, dem Lawblog und auf Internet-Law, bevor du irgendetwas in den öffentlichen Raum stellst. Habe ich noch etwas vergessen? Nein? Gut.

Kommen wir zum Markenrecht

Das Markenrecht ist für uns dahingehend relevant, dass es so etwas wie „Marken“ gibt (und zwar in Bild- und in Wortform), die sich bestimmte Unternehmen beim Deutschen Patent- und Markenamt oder seinen ausländischen oder internationalen Äquivalenten haben schützen lassen. Beispielsweise darfst du keinen Turnschuh verkaufen, den du Adidas genannt hast, weil sich die dreigestreifte Marke eben geschützt ist und zwar in mannigfaltigen Facetten.

Vertrackt ist nun, dass du auch Bildmarken berücksichtigen musst: RUN DMC schreiben ihren Namen auf eine bestimmte Weise, wenn du diese imitierst, vielleicht gerade um auf RUN DMC anzuspielen, verletzt du ihr Recht an dieser Bildmarke. Zu aller Verzweiflung gibt es auch noch geschützte Geschmacksmuster, wie wir alle spätestens seit dem Mem um Apples abgerundete Ecken wissen.

Wieso nun, so werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen, sollte uns das interessieren. Nun, ihr werdet für euer Buch sicher einen Namen haben, obendrein solltet ihr ein Cover gestalten und euch nicht mit den schrecklichen Vorlagen etwa von Amazon begnügen. Vielleicht habt ihr euch bei den Verkaufsportalen auch mit einem bestimmten Namen angemeldet, der nicht euer Geburtsname ist, etwa „Die Undertaker24.COM/YEAH!“. Ihr habt möglicherweise auch ein bestimmtes Design oder Grafiken im Innenleben eures Buches. Bei all dem solltet ihr das Markenrecht nicht außer Acht lassen.

Am besten sucht ihr nach bestimmten Wörtern, die ihr im Titel etc. verwenden wollt in der Datenbank des Deutschen Patent- und Markenamtes. Wenn sich diese Wörter jemand als Marke hat eintragen lassen, dann lasst die Finger davon. Schaut euch auch die Details an, denn da steht, von wann bis wann die Marke geschützt ist und aus welcher Warengruppe sie stammt. Jetzt werdet ihr vielleicht feststellen, dass sich Unternehmen merkwürdige Sachen schützen lassen, wie die Redensart „Friede, Freude, Eierkuchen“. Sollte beispielsweise euer Buchtitel Wörter der normalen Sprache, wie eben „Friede, Freude, Eierkuchen“ enthalten, und dieser Begriff nicht gerade ausgerechnet für Bücher (falls das überhaupt möglich ist) geschützt sein, dürft ihr sie dennoch in euren Titel einbauen, eben weil sie aus der normalen Sprache stammen. Die Verwendung von „und“ kann euch keiner krumm nehmen, die von „Adidas“ schon.

Richtig problematisch wird es jetzt, wenn ihr ein Buch über eine Marke schreiben wollt. Bis vor drei Tagen hätte ich aus dem Bauch heraus gesagt, dass das durch Meinungsfreiheit und Zitatrecht abgedeckt ist. Wenn ihr also ein Buch über die Geschichte von Adidas schreibt, dass ihr es dann auch „Die Geschichte von Adidas“ nennen dürft. Doch jetzt würde ich euch erst einmal raten, abzuwarten, wie die Richter diesen Fall entscheiden, in dem die „Hells Angels“ genau das abgemahnt haben…

Ich für meinen Teil habe zumindest klären können, dass mein geplanter Titel kein Problem darstellt und ich diesen verwenden darf. Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig helfen und ihr lasst euch durch diese Stolperfallen nicht entmutigen.

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Nachtrag ISBN

Eine nette Frau Mirjam Glaser hat jetzt doch noch auf meine E-Mail reagiert und erklärt, dass die ISBN-A eine MArketingmaßnahme ist, die die ISBN ergänzt. Es handele sich um ein „Werbemittel, das es dem Verlag erlaubt, die ISBN mit anderen Websites zu verlinken“. Sie gestand ein, dass der Name „nicht so glücklich gewählt“ sei.

Es bleibt also festzuhalten, dass die klassische ISBN der Buchmarktstandard bleibt. Ferner wird für mich rätselhaft, was Google mit „Internet-ISBN“ meint. Letzteres werde ich dann mal bei Zeiten eroieren.

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ISBN

… steht für Internationale Standardbuchnummer und ohne sie ging nichts im institutionalisierten Buchhandel mit physischen Büchern. Klar konnte man und kann man noch immer ein Buch herausgeben, ohne dass man dafür unbedingt eine ISBN braucht, doch außer es eigenhändig in der Fußgängerzone zu verticken, bleiben nicht mehr viele Vertriebswege übrig. Denn die gesamte Warenwirtschaft des Buchhandels ist auf die ISBN eingeschworen. Sie ist der Personalausweis eines jeden Buches.

Die ISBN von Georg Büchner: Dantons Tod. Reclam. Ditzingen 2002.

Die ISBN von Georg Büchner: Dantons Tod. Reclam. Ditzingen 2002.

Prinzipiell hat jedes Buch, jede Edition des gleichen Textes eine eigene ISBN. So müssen etwa Hardcover und Taschenbuch jeweils eine eigene ISBN zugeteilt sein. Genauso verhält es sich bei überarbeiteten oder erweiterten Neuauflagen eines Buches. Lediglich unveränderte Nachdrucke brauchen keine neue ISBN.

Mit dem E-Book hat sich hier schon wieder etwas geändert. Zwar braucht das E-Book, wenn es mit einer ISBN ausgestattet sein soll, eine eigene ISBN. Es darf also nicht die gleiche ISBN tragen wie ein inhaltsgleiches Printexemplar. Allerdings braucht das E-Book nicht mehr unbedingt eine ISBN.

So verzichtet Amazon gänzlich auf die ISBN und ersetzt sie durch das hausinterne System ASIN und Google bietet zu jedem E-Book gleich eine „Internet ISBN“ an, womit es wohl eine ISBN-A meint. Lediglich der dritte Händler – Apple – besteht bei E-Books weiterhin auf ISBNs.

Die ISBN-A ist laut den Informationen des MVB (Marketing und Verlagsservice des Buchhandels) so etwas wie die Internet-Visistenkarte des Buches. Mit ihr bekommt man eine Webseite, auf der man sein Buch präsentieren kann und sie ist (such)maschinenlesbar. Was genau Letzteres im Unterschied zur klassischen ISBN bedeuten soll, bleibt das Geheimnis des MVB. Jedenfalls habe ich gerade mal eine Stichprobe gemacht und Google liefert mir bei Eingabe einer alten ISBN zuverlässige Ergebnisse.

Interessant wäre die ISBN-A allenfalls, wenn sie die klassische ISBN ablösen würde, man somit einfach die Webseite noch obendrauf bekommt. Aber, ob ISBN und ISBN-A in einem Ersetzungs- oder Ergänzungsverhältnis zueinander stehen, geht aus den Informationen des MVB nicht hervor. Ich habe das per E-Mail angefragt, aber bislang keine Antwort bekommen. Für meine Zwecke ist die ISBN-A bislang sowieso nicht geeignet, denn das Angebot richtet sich an gewerbliche Verlage, während ich im Selbstverlag mit der klassischen ISBN vorlieb nehmen muss, darf und will.

Wie beantrage ich eine ISBN?

Dafür gibt es im Hause des MVB die Agentur für Buchmarktstandards, die in Deutschland das Monopol auf die Vergabe von ISBNs hält.

  • Unter www.german-isbn.de kommt ihr auf eine Webseite, die zeitgleich eine Zeitmaschine in die 90er zu sein scheint in ihrer zeitlosen Eleganz (Ob ich jetzt noch eine E-Mail-Antwort des MVB erhalte?).
  • Hier gibt es links einen Kasten mit dem Titel „ISBN“, den ihr anklickt.
  • Woraufhin ihr vor die Entscheidung gestellt werdet, ob ihr ein Verlag mit fortlaufender Produktion seid oder ein Selbstverlag mit „absehbar einmaliger Verlagsproduktion“. Ich habe mich für letzteres entschieden, da ich ja erst einmal ein E-Book herausgeben möchte, um dann weiterzusehen.
  • Wenn ihr vielleicht noch ein paar E-Books mehr herausgeben wollt, müsst ihr nicht in fingernägelabkauende Panik verfallen, denn mit der „absehbar einmaligen Produktion“ ist das nicht soooo ernst, wie das Bestellformular zeigt, zu dem wir gleich kommen. Dort wird nämlich gefragt, ob ihr schon einmal eine ISBN hattet, ohne dass darauf verwiesen wird, dass dies problematisch sei. Wenn ihr aber vorhabt ins Big Business einzusteigen, dann solltet ihr die Option für Verlage wählen. Denn einerseits bekommt ihr dann die ISBNs günstiger und andererseits wird auch eine eigene Verlagskennung in die Zahlenfolge der ISBN eingearbeitet.

    „Warum dann nicht gleich die Verlagsoption wählen?“, könnte man jetzt natürlich fragen. Nun, ganz einfach, weil damit fortlaufende Kosten verbunden sind. Als Voraussetzung bedarf es erst einmal eines Handelsregistereintrages, für den eine jährliche Gebühr fällig ist, ferner muss auch die Verlagskennung innerhalb eurer ISBNs mit einer jährlichen Gebühr abgegolten werden. Da ich mit meinem Projekt erst einmal ins Blaue marschiere, bin ich noch nicht bereit, diese Investitionen zu stemmen.

    Stattdessen habe ich mich für die Einzel-ISBN entschieden. Womit wir nun bei deren Kosten sind. Eine einzelne ISBN für Selbstverlage kostet 85 Euro. Diese setzen sich folgendermaßen zusammen:

    70 Euro Bearbeitungsgebühr
    1,43 Euro Versandkosten
    13,57 Euro Mehrwertsteuer

    Über die 1,43 Euro Versandkosten für eine Nummer möchte ich den Mantel des Schweigens breiten. Nein, doch nicht: ihr bezahlt damit, dass ihr vom MVB noch schöne Werbeprospekte mitgesandt bekommt.
    Was hingegen die 70 Euro Bearbeitungsgebühr betrifft, so spricht daraus, was ich vorhin nur so am Rande fallen ließ: Monopol. In meinem letzten Job hatte ich das Glück, auch ein wenig in der Datenbankverwaltung zu arbeiten. Wenn die Datenbank der Agentur für Buchmarktstandards jetzt nicht kompletter Murks ist, dürfte die Bearbeitung des Vorgangs in etwa so aussehen:
    Ich frage in meiner Datenbank die offenen ISBNs für Selbstverlage ab, wähle eine davon aus (mutmaßlich die erste), trage sie im kompliziertesten Fall von Hand in ein Formular, das diese ISBN fortan mit dem Namen eines bestimmten Selbstverlages verbindet und aus der Datenbank für offene ISBNs löscht (geschätzte Arbeitszeit: 5 Minuten), anschließend trage ich sie gemeinsam mit den Kontaktdaten und der Anrede in einen vorliegenden Standardbrief an den Selbstverlag ein, drucke den aus, lege ein paar Werbeflyer bei, stecke alles in einen Umschlag, lecke die Gummierung an, klebe zu, adressiere und frankiere, gebe den Brief auf. Voilà: 70 Euro (Jetzt erhalte ich sicher keine E-Mail-Antwort des MVB mehr).

    Da ist es wirklich ein Segen, dass die beiden Internetriesen Amazon und Google dieses Monopol aufbrechen. Und es ist zugleich wieder traurig, dass erst zwei marktbeherrschende Kräfte aus Kalifornien dafür auf den deutschen Markt dringen müssen und alle Welt in Wehklagen um die kleinen Verlage ausbricht.

    Na ja, wie dem auch sei. Ich will eben auch mit Apple Geschäfte machen und die passen sich den bestehenden Strukturen an und verlangen eine ISBN. Daher klicke ich mich zu diesem PDF durch, das leider nicht interaktiv ist, sondern ausgedruckt und von Hand ausgefüllt werden muss. Ich trage dort alle Daten (auch meinen supergeheimen Buchtitel, den ich jetzt schon kenne) ein, wähle die Option Vorabüberweisung, überweise das Geld, gebe den Brief auf und warte, ob und wann mir dann die ISBN ins Haus flattert.

    Fertig.

    Eigentlich dachte ich, ich hätte jetzt alles für Apple zusammen, habe mich da aber geirrt. Denn man braucht, um mit Apple Geschäfte machen zu können, eine Kreditkartennummer (warum auch immer), die ist bei meiner Bank bestellt (darüber werde ich nicht schreiben, das schafft ihr schon) und ich warte so lange. Deshalb gibt es hier demnächst mal wieder den Erklärbären.

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    Buchpreisbindung

    Zurück zum eigentlichen Thema. Der Erklärbär ist mal wieder an der Reihe: Was ist eigentlich diese Buchpreisbindung?

    Buddy Bear: SI Bär (former Air Bär). Standort/Location: in front of Best Western Hotel Steglitz International, Albrechtstr. 2, Berlin-Steglitz. Urheber: Wikimedia Commons User: BLueFiSH.as.

    Buddy Bear: SI Bär (former Air Bär). Standort/Location: in front of Best Western Hotel Steglitz International, Albrechtstr. 2, Berlin-Steglitz. Urheber: Wikimedia Commons User: BLueFiSH.as.

    In Deutschland gibt es die gute alte Buchpreisbindung. Wir, vertreten durch unseren Gesetzgeber waren und sind offenbar immer noch der Ansicht, dass Bücher ein schützenswertes Gut sind, das einer besonderen Behandlung bedarf. Das schlägt sich in der Buchpreisbindung nieder und gestaltet sich so aus:

    Ein Verlag bringt ein Buch heraus und legt seinen Preis als sogenannten Listenpreis fest. Er kommuniziert diesen – gewöhnlich über das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) – und durch Titelmeldung bei den Barsortimenten, also den Zwischenhändlern (KNV, Libri und Umbreit). Und fortan darf kein Buchhändler in Deutschland, ob nun der kleine Buchladen um die Ecke, oder der große böse Internetverramscher, das Buch zu einem anderen Preis anbieten.

    Natürlich gibt es Ausnahmen von der Regel. Wir alle kennen den schönen Mängelexemplar-Stempel. Genauso darf man bei einem Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe für maximal 30 Tage den gebundenen Buchpreis unterschreiten. Außerdem darf der Verlag den Preis ändern und sogar die Bindung aufheben. Letzteres aber frühestens nach 18 Monaten oder wenn bei einer periodischen Ausgabe der Nachfolgeband erschienen ist.

    Die Frage, die uns jetzt interessiert, ist natürlich: Gilt die Buchpreisbindung auch für E-Books? Prinzipiell schon, ABER …

    Im Buchpreisbindungsgesetz steht folgender lustiger Zusatz, nämlich dass die Preisbindung auch für Folgendes gilt:

    „Produkte, die Bücher, Musiknoten oder kartographische Produkte reproduzieren oder substituieren.”[1]

    Und darunter fallen nach Auffassung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels auch E-Books. Aber was heißt das jetzt? Muss ein E-Book so teuer sein wie ein gedrucktes Buch? Müssen alle E-Books in unterschiedlichen Formaten (PDF, ePUB, Mobipocket) den gleichen Preis tragen, oder was?

    Hier herrscht bislang noch keine Rechtssicherheit, soweit ich das weiß. Was aber feststeht, ist zumindest folgendes: E-Books müssen nicht den gleichen Preis tragen wie Printausgaben. Das ist ja bisher auch nicht so bei Hardcovern und Taschenbüchern. Genauso sicher ist: Jedes E-Book, das die gleiche ISBN trägt, muss den gleichen Preis haben. Wobei es aber so ist, dass ihr für Amazon (Mobipocket) gar keine ISBN braucht und für ePUB und PDF jeweils eine eigene.

    Wenn ihr also stur seid und einen guten Anwalt habt, könnt ihr euch auf den Standpunkt stellen, dass es sich jeweils um ein anderes Buch handelt, für das ihr dann auch jeweils einen anderen Preis ansetzt. Dann könnt ihr auf die erste Abmahnung durch den Börsenverein warten und das ganze ausfechten, bis wir alle endlich Rechtssicherheit haben.

    Andererseits sind E-Books aber auch keine gedruckten Bücher, die Produktion ist nicht so aufwändig und dauert nicht so lang. Das heißt, wenn ihr also unbedingt in allen drei Formaten veröffentlichen wollt und genauso unbedingt für alle drei Formate einen anderen Preis ansetzen wollt, dann macht halt jeweils eine eigene Edition daraus und schreibt in der Amazonausgabe noch ein schönes Vorwort, in der ePUB-Ausgabe ein lustiges Nachwort und packt in die PDF-Variante ein paar anschauliche Grafiken und Statistiken und schon bewegt ihr euch ganz konform im Rahmen der Regeln des deutschen Buchhandels und könnt eure Preise individuell festlegen.

    Viel Spaß.

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    Eingeordnet unter E-Book Vertrieb, Voraussetzungen

    Wie beantrage ich eine amerikanische Steuernummer?

    Entgegen meiner Ankündigung gestern werde ich heute nicht berichten, wie man sich bei Google Play anmeldet, denn dafür fehlt uns noch etwas Wichtiges, das wir auch noch für Apples iBooks brauchen werden:

    Bayh Tax Cut.jpg von Wikimedia Commons User: Rushadthomas

    Bayh Tax Cut.jpg von Wikimedia Commons User: Rushadthomas

    die Amerikanische Steuernummer.

    Genauer gesagt, müssen wir uns eine EIN (Employer Identification Number) besorgen, also eine Arbeitgebernummer. Aber – keine Sorge – die bekommt man auch, wenn man keine Angestellten hat und sogar als kleiner Ottonormaluser wie ich.
    Die schlechte Nachricht: ihr dürft nur eine Nummer pro Tag beantragen… ja, ja, so ist das.

    Ich habe die EIN jetzt schon zum zweiten Mal beantragt und meine Englisch-Kenntnisse im Lebenslauf entsprechend erst einmal auf „verhandlungssicher“ geändert.

    Was braucht ihr?

    • Englischkenntnisse
    • Ein Telefon, mit dem ihr in den USA anrufen könnt.
    • Eventuell ein Fax
    • Ein SS-4-Formular
    • Ein bisschen Mut und Hartnäckigkeit

    Der IRS – die Behörde, die die Nummer vergibt – hat Montags bis Freitags von 13 Uhr bis 1 Uhr nachts unserer Zeit geöffnet. Die Telefonnummer lautet:

    001 – 267 – 941-1099

      Um an so eine EIN zu gelangen, habt ihr prinzipiell drei Möglichkeiten:

    1. Wenn ihr innerhalb der USA wohnt, könnt ihr das Onlineformular ausfüllen.
    Da ihr aber dies hier auf Deutsch lest, bleiben euch wahrscheinlich nur die anderen beiden Wege.

    2. Ihr füllt das Formular SS-4 aus, ruft in den USA an und nachdem die nette Person am anderen Ende der Welt ihren Begrüßungsspruch aufgesagt hat, erklärt ihr, dass ihr eine EIN beantragen wollt, ihr ein SS-4-Formular habt und das gerne faxen wollt. Daraufhin nennt man euch eine Faxnummer und ihr müsst das Fax schicken, während ihr am Telefon seid. Wenn der Versand erfolgreich war, fragt die Person am anderen Ende der Welt noch einmal alle Daten ab und diktiert euch am Ende die EIN. Nach vier Wochen bekommt ihr sie dann auch noch einmal ganz offiziell als Brief zugeschickt.

    3. Wenn ihr kein Fax habt, müsst ihr alles am Telefon diktieren. Es ist auch hier sinnvoll, vorher die SS-4-Form ausgefüllt zu haben, denn dann könnt ihr euch besser im Beamten-US-Englisch zurechtfinden. Denn meinen Erfahrungen nach wird da kein Oxford-English, sondern mitunter breiter Dialekt gesprochen. Ihr könnt dann einfach sagen, dass ihr in Line 8 XYZ eingetragen habt, das vereinfacht vieles. Am Ende bekommt ihr hier auch wieder die EIN am Telefon diktiert und nach vier Wochen per Post.

    Achtung: Dieser letzte Weg steht euch nur offen, wenn ihr die EIN für euch selbst beantragt. Solltet ihr nur als Bevollmächtigter den Antrag stellen. Etwa als Angestellter für eure Firma (wenn ihr nicht Geschäftsführer seid), müsst ihr den Weg mit dem Fax wählen und dort angeben, dass ihr bevollmächtigt seid.

    Das SS-4-Formular

    … gibt es hier als interaktives PDF, in das ihr alle Daten eintragen könnt. Trotzdem müsst ihr es am Ende ausdrucken und unterschreiben. Achtung: der IRS (also die Behörde) akzeptiert natürlich keine Umlaute, aber auch keine Sonderzeichen. Enthält eure Firma Punkt-Komma-Strich, müsst ihr sie weglassen.
    Gehen wir das Dokument kurz durch, denn ich musste mitunter lange recherchieren, bis ich alles verstanden habe. Auch hier gilt wieder: ich übernehme keine Gewähr. Ich kann lediglich Englisch auf nicht ganz schlechtem Niveau und weiß wie man Wörterbücher und Google benutzt, bin aber weder anglistischer Philologe noch Jurist.

    Oben rechts könnt ihr am Ende erfolgreich eure EIN eintragen.
    Und das kommt in die einzelnen Felder:

    1. Euer Name, respektive der Name eurer Firma oder Organisation

    2. Falls es noch einen anderen, von 1. Abweichenden Namen gibt, kommt der hier hin. Wenn ihr bspw. Eine Personengesellschaft seid, würdet ihr euren Namen in erstens und den inoffiziellen Firmennamen, z.B. „Die Undertaker24.COM/YEAH!“ in Feld 2 schreiben.

    3. Falls es einen Geschäftsführer oder Vorstand gibt, kommt sein Name hier hin.

    4a. Eure Postanschrift (Straße, Nr., oder Postfach)

    4b. Postleitzahl und Ort

    5a. Eure richtige Anschrift, falls von 4a abweichend.

    5b. Postleitzahl und Ort von 5a.

    6. Das Land

    7a. Der Name des Verantwortlichen. Mir ist nicht ganz klar, worin der Unterschied zu 3. Liegt, aber wenn ihr die Nummer für euch selbst beantragt, könnt ihr 3. frei lassen und nur hier euren Namen erneut eintragen. Falls ihr die Nummer für eine Firma beantragt, kommt hier der Geschäftsführer wieder rein.

    7b. Könnt ihr frei lassen, es sei denn ihr/euer Geschäftsführer ha(b)t eine amerikanische Sozialversicherungsnummer (SSN), bereits eine EIN für andere Zwecke oder eine ITIN (was auch immer das sein möge).

    8a. Müsst ihr ankreuzen, wenn eure Firma haftungsbeschränkt ist (also eine GmbH, eine UG o. ä.)

    8b. Hier müsst ihr (wenn ihr 8a. angekreuzt habt) die Zahl eurer Gesellschafter angeben.

    8c. Müsst ihr ankreuzen, wenn ihr 8a angekreuzt habt und die Firma ihren Sitz in den USA hat.

    9a An dieser Stelle müsst ihr angeben, welche Rechtsform derjenige hat, der die EIN beantragt. Wenn ihr sie für euch selbst beantragt, kreuzt ihr „Sole proprietor“ an, könnt aber das Feld für die SSN frei lassen, wenn ihr keine habt. Ansonsten gibt es noch viele andere Möglichkeiten, wobei „Corporation“ nicht in der weiten Bedeutung, also Firma, sondern in der engen US-amerikanischen Bedeutung, also Aktiengesellschaft zu verstehen ist. Im Zweifel könnt ihr immer „Other“ ankreuzen und dann dort erläutern. Bei meinem „ersten Mal“ habe ich die EIN für eine GmbH beantragt, „other“ angekreuzt und dann dahinter geschrieben: German GmbH, a sort of German LLC

    9b Wenn ihr eine AG seid, müsst ihr hier das Land, in dem ihr euren Sitz habt, eintragen.

    10 Hier kommt der Grund eures Antrags hin. Bei mir hat jetzt 2x hervorragend funktioniert: Other – to trade with an American company.

    11. Der Tag, an dem ihr eure Geschäfte in den USA aufnehmen wollt. Im Zweifel der aktuelle Tag oder eben der Tag, wenn ihr plant, euch bei Apple oder Google anzumelden. Denkt an das richtige Datumsformat: Monat-Tag-Jahr

    12. Der Monat, in dem euer Geschäftsjahr endet. Als Privatpersonen also Dezember, bei Firmen müsst ihr das selbst wissen.

    13. fragt, wie viele Beschäftigte in den USA ihr haben werdet. Sollte das nicht anders sein, wird in alle drei Kategorien eine 0 geschrieben.

    14. könnt ihr frei lassen, interessiert in unserem Falle nicht.

    15. ebenfalls frei lassen.

    16. Hier kommt die Art des Unternehmens hin. Für unseren Zweck eignen sich: book publishing, ebook publishing oder book company.

    17. Hier kommt eure Ware hin. In unseren Fall also: ebooks.

    18. Schließlich noch die Frage, ob ihr schon einmal eine EIN beantragt habt. Und gegebenenfalls die Aufforderung diese anzugeben.

    Solltet ihr die EIN nicht für euch persönlich beantragen/nicht der Geschäftsführer sein müssst ihr euren Namen und eure Daten in die Felder für den „Third Party Designee“ eintragen.

    Abschließend Kontaktdaten, Name und Unterschrift desjenigen, für den die EIN ist und das Datum (Monat-Tag-Jahr) .

    Alles in allem dauert das Telefonat 30-60 Minuten. Wie gesagt, bekommt ihr die EIN sofort mitgeteilt und etwa noch einmal 4 Wochen später per Post. Es dauert – so meine Erfahrung – etwa 2-3 Wochen bis Apple die EIN in der entsprechenden Datenbank abfragen kann und ihr euer iBooks-Lieferanten-Konto oder alternativ euren Developer-Account einrichten könnt.
    Das war’s.

    Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich hier morgen schon den ersten Teil der Anmeldung bei Google beschreibe, oder ob ich noch warte, bis ich alle Voraussetzungen vervollständigt habe (etwa meine EIN schon offiziell funktioniert). Wahrscheinlich beschreibe ich morgen erstmal wieder etwas grundsätzliches rund um E-Books. Wenn ihr Wünsche oder Fragen habt, könnt ihr sie gerne äußern.

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