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100 Tage Kindle – Eine Rezension von Amazons E-Reader

Ich habe zu Weihnachten einen Kindle geschenkt bekommen. Bisher habe ich E-Books immer entweder mit iBooks auf dem iPad gelesen (Was rein ästhetisch nach wie vor mein Favorit bleibt) oder mit Google Play Books auf dem Android Handy (Was vor allem aus Performanz-Gründen wirklich unkomfortabel ist). Nun ist also ein Kindle hinzugekommen und daher wollte ich mal, wie in der Politik üblich, ein 100-Tage-Zwischenfazit ziehen.

Mein Kindle

Mein Kindle

Ich habe einen klassischen Kindle*, nix mit Licht*, Reise* oder Feuer*. Den gibt es bei Amazon ab 59 Zacken. Das Gerät hat ein schwarzes Plastikgehäuse uns einen Infrarot-Touchscreen. Die Rückseite ist etwas angeraut, was verhindert, dass der Kindle zu leicht von etwas schrägen Untergründen rutscht. Das Gerät hat nur einen Knopf an der Unterseite zum Ein- und Ausschalten.

Kommen wir zunächst zu den Stärken des Kindles

Am meisten beeindruckt mich der Touchscreen. Der schwuppt, hat quasi keine Verzögerung, sondern funktioniert immer sofort und fehlerfrei. Fast schon zu gut: Dadurch, dass er anders als ein kapazitiver Touch nicht nur bei stromleitenden Dingen wie Fingern, sondern quasi bei allem reagiert, kann es schon einmal vorkommen, dass versehntlich auch zum Beispiel die Bettdecke toucht. Das ist aber kein Problem, man hat sich schnell daran gewöhnt und vor allem die nächste Stärke des Kindles sorgt dafür, dass versehntliches Vertouchen weitgehend egal ist.

Das Gerät ist wahnsinnig performant. Es blättert enorm schnell. Von älteren Generationen des Kindles und anderer E-Reader war ich es gewohnt, dass es einige Zehntelsekunden dauert, bevor die E-Ink die neue Seite dargestellt hat. Das ist bei meiner Kindlegeneration quasi nicht mehr der Fall, die Verzögerung liegt im Millisekundenbereich und ist somit eigentlich nur feststellbar, wenn man sich darauf konzentriert.

Die dritte große Stärke ist der Zoom der Schriftgröße. Zwischen grotesk groß und Ameisenscheiße-klein lässt die Schriftgröße in acht verschiedenen Stufen einstellen. Das ist ein Feature, das ich je nach Lichtverhältnissen, Lust und Laune ausgiebig nutze. Genauso schön finde ich die Lesestandsanzeige: Neben Prozentzahlen gibt es drei weitere Anzeigen zur Auswahl: Eine für mich komplett undurchschaubare Positionsanzeige. So bin ich bei 14% meines aktuellen Buches Der Name des Windes* bei Position 2158. Was ist das? Seitenzahlen ganz offensichtlich nicht, schließlich haben E-Books keine Seiten. Wenngleich der Kindle diese Option bei manchen Büchern auch anbietet. Ein spannendes Feature, dem ich mich mal ausführlicher widmen muss …Aber die Position ist auch nicht die Wortzahl, was für mich die nächste logische Option gewesen wäre. Keine Ahnung, was dieser kryptische Wert besagen soll.

Aber es gibt außer der Positionsanzeige zum Glück noch zwei andere, die mir sehr gut gefallen: Zum einen wieviel Zeit noch im Kapitel verbleibt. Ein Feature, das ich beim Vorlesen liebe, da es mir oft Diskussionen mit meiner Tochter (7) erspart, ob ich zu kurz vorgelesen habe, indem ich ihr einfach sagen kann: „Okay, das Kapitel heute ist 15 Minuten lang, die lesen wir, dann wird geschlafen.“ Für mich selbst bevorzuge ich die Anzeige, wie viel Zeit noch im Buch verbleibt. Diese muss sich während der ersten 10-20% des Buches langsam einpendeln, ist dann aber ganz nett, wenngleich ich nicht nachgemessen habe, wie präzise sie ist.

Der letzte Punkt, den ich auf der Haben-Seite des Kindles vermerke, ist natürlich die Akkuladezeit. Obwohl ich jeden Tag in dem Gerät lese, muss ich es im Schnitt nur einmal im Monat aufladen. Das ist sehr, sehr schön und ein enormer Vorteil der E-Ink-Technologie, die fast ausschließlich dann Strom verbraucht, wenn das Bild neu aufgebaut wird, beispielsweise beim Umblättern.

Kommen wir zu den neutralen Aspekten des Kindles

Darin werte ich einerseits die Funktion, mit einem Tippen einkaufen zu können. Das ist natürlich enorm komfortabel, birgt aber zugleich auch ein Sicherheitsrisiko. Wenn mir das Gerät geklaut wird, dann kann jemand schön auf meine Kosten shoppen. Allerdings kann ich das über mein Amazon-Konto stornieren, sofern ich es rechtzeitig bemerke.

Der zweite neutrale Aspekt sind Größe und Gewicht des Geräts. Es ist 193g leicht bei einem 6 Zoll Display. Mein Luxusproblem dabei ist: Wenn ich beim Stehen oder Gehen lese, was ich relativ oft tue, weiß ich nicht, wie ich das Gerät halten soll … Wenn ich den Kindle von hinten umgreife, dann komme ich nicht mehr an den Touchscreen zum umblättern (Zum Glück habe ich noch eine Nase …) Als Linkshänder kann ich ihn auch nicht wie ein Smartphone halten (drei Finger hinter dem Gerät, kleiner Finger als Stütze und Daumen zum Touchen), denn die linke Seite des Gerätes blättert zurück. Zwar kann ich auch per Swipe von links nach rechts vorwärts umblättern, aber das birgt die Gefahr, dass ich mir den Kindle buchstäblich aus der Hand wische, was tatsächlich schon passiert ist, zumal der Daumen auch so weit am Unteren Rand ist, dass statt Umblättern ich zwischen den Lesestandanzeigen wechsle. Schließlich bleibt mir nur, den Kindle von unten zu greifen, indem ich ihn auf den Ringfinger und zwischen Daumen und Zeigefinger ablege, hinten mit Zeige- und Mittelfinger stütze und den Daumen zum touchen benutze. Das ist aber ziemlich unbequem, ermüdend und birgt die Gefahr, dass das Gerät über meine Fingerspitzen kippt (auch das ist mir schon passiert …) Tja, das Beste ist einfach, wenn das Gerät beim Lesen liegt.

Die dunkle Seite des Kindles

Während ich die verbaute Touchtechnologie noch lobte, so muss ich die Bedienung kritisieren. Blättern und Zoomen funktionieren gut, das hatte ich ja schon gesagt. Aber der Kindle setzt eben auf eine ausschließliche Touchbedienung bei zeitgleichen Verzicht auf ein dauerhaft eingeblendetes Menü. Konkret heißt das, dass ich beim Tippen in die linke untere Ecke zwischen den Lesestandsanzeigen wechseln kann, beim Tippen in die rechte obere Ecke kann ich Lesezeichen setzen und zwischen Lesezeichen wechseln und beim Tippen in die linke obere Ecke öffne ich das Hauptmenü, in dem ich zum Beispiel zwischen Büchern wechseln kann. Das Problem ist aber, dass der Kindle diese Optionen nicht dauerhaft anzeigt, sondern erst nach Antippen. Was gut gemeint ist, da es zu mehr Platz für den Text führt, ist aber schlecht ausgeführt, da ich oft den richtigen Punkt nicht auf anhieb treffe und im besten Fall mehrfach tippen muss, um die entsprechende Funktion aufzurufen und im schlechtesten Fall mit einem Tippen versehentlich umblättere. Ein Knopf, wie der Home-Button bei iOS-Geräten oder die Menütaste bei den Androidgeräten wäre hier wirklich hilfreich.

Während das Menü nur etwas unkomfortabel ist, ist mein nächster Kritikpunkt ein echtes Ärgernis: Mein Kindle zeigt mir im Ruhestand beständig Werbung an für Bücher, die ich doch gefälligst kaufen soll. Das macht das Gerät OBWOHL ich ihm gesagt habe, dass es das gefälligst lassen soll. Was sollte man sonst auch in der COVERansicht anzeigen … Mmmh … Genauso habe ich in den Optionen gewählt, dass ich KEINE Kaufempfehlungen über den Text geblendet haben möchte, wenn ich mich dem Ende nähere, DENNOCH zeigt mir mein Kindle die regelmäßig an. Ich habe mittlerweile herausgefunden, dass ich bei Amazon auch eine Variante des Kindles hätte kaufen kaufen, die auf dieses „Feature“ verzichtet, das kostet dann 20 Euro mehr. Warum mein Kindle dennoch in den Optionen so tut, als könnte ich die Funktion deaktivieren, bleibt ein Rätsel …

Doch am meisten stört mich die Standardschrift des Kindles. Die ist unglaublich hässlich. Amazon tritt die 2000 Jahre alte Geschichte der Typographie mit Füßen, denn Amazon erlaubt nicht einmal, dass E-Book-Designer eigene Schriftarten in ihren E-Book-Dateien einbinden.Ich habe sogar mal Amazon angeschrieben, warum das so ist. Hier die nichtssagende Antwort, die ich erhielt:

„Der Kindle verfügt über drei neue und eigens für Kindle entwickelte Schriftarten, welche für noch bessere Lesbarkeit sorgen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, aus acht Schriftgrößen zu wählen und diese nach den persönlichen Präferenzen einzustellen.“

Tja, solange Amazon eine derartig starke Markmacht hat, wie derzeit, wird sich an dieser Einstellung wohl auch nichts ändern.

Update 14.4.2015: Ich wurde auf Twitter darauf hingewiesen, dass ich tatsächlich zwischen verschiedenen, bereits im Kindle hinterlegten Schriftarten wechseln kann. Links oben tippen, dann auf die beiden Buchstaben „Aa“ tippen. Das hatte ich immer für einen anderen Zugriff auf’s Zoom-Menü (2 Finger Zoom) gehalten.

Fazit

Das war mein 100-Tage-Test. Alles in allem bin ich mit meinem E-Reader zufrieden und er hat schon jetzt bewirkt, dass ich wieder mehr Bücher lese, was einer meiner guten Vorsätze war. Denn als neues technisches Spielzeug ist er für mich Motivation und obendrein lenkt er mich nicht mit dem Internet ab, wie es Tablet oder Handy tun. Auch den Preis von 59 Euro finde ich recht überzeugend. Denn, sollte er mir im Sommerurlaub vom Handtuch geklaut werden, dann wird das nicht so ärgerlich sein, wie ein geklautes iPad oder Handy für mehrere hundert Euro.

 

* Hinterhältiger Afilliate-Link: Kauft ihr den Kindle, dann bekomme ich eine winzige Provision und freue mich.

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Satz mit X – txtr Beagle jetzt erhätlich

Wir erinnern uns zurück an den Oktober des Jahres 2012. Damals, auf der Frankfurter Buchmesse hatte uns txtr eine magische Zahl genannt: 10€. Für zehn Euro sollte ihr neuer E-Reader auf den Markt kommen. Ich hatte damals hier geschrieben, „Das Vier-Liter-Auto der Buchbranche„.

Jetzt ist er da, der Beagle. Und auch die 10 Euro tauchen wieder auf. Allerdings nicht in der Rubrik Preis, sondern als beigelegter Buchgutschein. Denn txtr hat kurzerhand vergessen, welchen Preis sie uns dereinst ankündigten und verlangt nun 59 Euro für den Beagle.

Gut, da könnte man sagen, das ist noch immer ein ordentlicher Preis für einen E-Reader. Das stimmt auch, aber nicht für den Beagle. Denn, lassen wir mal die Tatsache außer Acht, dass er keinen Akku hat, sondern mit handelsüblichen Batterien zu betreiben ist.

Entscheidender ist, dass der Beagel nur ein Buch abspeichern kann. In Zahlen: 1. Das war ein Kompromiss, mit dem man leben konnte, solange die magischen 10 Euro als Preis ausgerufen waren. Aber für 59 Euro? Are you kidding me?

Selbst der Platzhirsch Kindle kostet nur 79 Euro und du kannst mehr Bücher darauf speichern, als du in einem Leben lesen kannst. Ein weiteres Mal bin ich sehr enttäuscht, was das deutsche Verlagswesen in Sachen E-Publishing getan hat…

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Kein Kindlekiller in Sicht

Freitag, 17:30. Die gemeinsame Pressekonferenz von Bertelsmann, Hugendubel, Thalia, Weltbild und der Telekom ist noch keine 6 Stunden her. Wurde auf dieser Pressekonferenz nicht die Zukunft des Buches vorgestellt … Mal wieder? Der Kindlekiller?
Eigentlich sollten die sozialen Medien also voll sein mit dieser Meldung. Doch … nichts da. Auf Rivva muss ich lange suchen, bis ich die Meldung ganz unten, ganz klein, fast schon in einer Fußnote finde. Gut, das ist nicht allein Fehler der 4 1/2 Buchhändler, sondern zum größten Teil darauf zurückzuführen, dass der Bundestag just heute das Internet mit dem schönen neuen Leistungsschutzrecht trollt. Und da die Zielgruppen sich hier wohl überschneiden dürften, und das LSR alle anderen Nachrichten frisst, bleibt nicht viel Aufmerksamkeit für diese Pressekonferenz.

Allerdings hätten sich das WelHuThaBerTel erstens auch vorher mal überlegen können und zweitens wäre sicher noch genug Aufmerksamkeit für sie abgefallen, wenn ihre Botschaft nur spektakulär genug gewesen wäre. Doch der Reihe nach: Was hat WelHuThaBerTel denn da jetzt eigentlich vorgestellt?

Tolino

Tolino soll die neue Marke heißen, unter der die Kunden in Zukunft auf dem E-Reader Tolino shine E-Books lesen können. Den Reader wird es in den Buchhandlungen der Partner geben, die Telekom bietet ihre W-LAN-Versorgung für den Download der E-Books an. Man kann dann alle E-Books, die man in einem der angeschlossenen Onlineshops gekauft hat, in der Telekom-Wolke dauerhaft speichern und über Telekom W-Lan herunterladen. Der Tolino shine ist ein E-Ink-Reader mit integrierter Beleuchtung, wie der Paperwhite des großen Konkurrenten. Der interne Speicher beträgt 2 Gig, womit die Telekom optimistisch „bis zu“ 2.000 E-Books speichern will. Der Speicherplatz ist außerdem mit Micro SD erweiterbar. Das Format, auf das WelHuThaBerTel setzt wird ePub sein.

Laut buchreport soll der Tolino shine ab 7. März in den Läden stehen und 99,99 Euro kosten.

So weit, so gut

Aber, warum ruft das keine Begeisterungsstürme hervor? Warum wird es wohl keine Fanboyswarteschlangen vor den Buchhandlungen geben?

Es fehlt einfach an der Innovation: gut die Telekom-Cloud und der Rückgriff auf ihr W-Lan sind schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, aber was ist mit einer Indie-Publishing-Plattform, wie Amazon sie bietet? Wieso nur ein Reader und nicht auch ein Tablet, wo doch Amazon diesen Schritt mit dem Kindle Fire erst jüngst auch in Deutschland wagte? Und zu guter Letzt schweigt sich das Konsortium darüber aus, ob es ePub 2 oder 3 unterstützen wird, was nur heißen kann, dass sie sich mit ePub 2 zufrieden geben werden. Wie geil wäre aber eine ePub3-Reader gewesen? Das wäre eine Nachricht wert gewesen!

Das, was WelHuThaBerTel da ankündigt, jagt mir jedenfalls keine Schauer über den Rücken, sondern verbleibt in der Rubrik: egal.

P.S.: Lesen.net bietet einen ersten Test des Tolino shine an.

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Antwort auf die Google-Suche: „wie findet man isbn von ebooks heraus“?

Jemand gelangte mit der Google-Suchanfrage: „wie findet man isbn von ebooks heraus“ auf dieses Blog. Das kann ich ihm oder ihr beantworten: In der Regel findet man die ISBN im Impressum eines Buches ausgeschrieben. Sollte dies bei deinem E-Book widererwartend nicht der Fall sein, nicht verzagen, denn in jedem ePub gibt es eine Datei mit dem Namen content.opf. In dieser content.opf werden unter anderem die Metadaten definiert. und eine notwendige Angabe ist der Book-Identifier. Das sieht dann ungefähr so aus:

<dc:identifier id="BookId" opf:scheme="ISBN">1234xyz</dc:identifier>

Die Frage, die sich jetzt nur noch stellt, lautet: wie kann ich die Book-ID auslesen. Die einfachste Lösung ist: Datei.epub kopieren, Kopie umbenennen in Datei.zip, entpacken, die Datei content.opf suchen, mit einem Texteditor öffnen, die Info auslesen.

Wem das zu umständlich ist, der kann mit manchem Reader auf die Info zurückgreifen. Leider sind die E-Reader sehr wählerisch, welche Metadaten sie anzeigen. (Ernsthaft: wer programmiert die Dinger? Und warum kommt er/sie nicht auf die Idee, dass ein E-Reader ALLE Metadaten auslesen können soll?)
Bei BookReaderLite und ADE habe ich überhaupt keine Anzeige der Metadaten gefunden. Calibre zeigt zwar jede Menge Kladeradatsch an, den man auch editieren kann, man kann sogar nach ISBNs suchen, aber mir ist es nicht gelungen, mir die ISBN anzeigen zu lassen. Statt dessen kam ich mit Stanza zum Erfolg. Stanza ist sonst zwar eher… Na, ja. Aber hier bietet es eine einfache Lösung. Beim MAc unter Ansicht->Book Info findet man ein Feld, in dem die ISBN steht.

Ach ja, bei Mobi gibt es keine ISBNs sondern nur die ASIN (Amazon Standard Identification Number) und bei PDF könnt ihr die Metadaten – wenn sie angegeben sind und das ist eher selten der Fall – mit Hilfe von Acrobat (ganz sicher mir Pro, beim Reader bin ich mir nicht sicher) auslesen.

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E-Books lesen an Mac und PC

Wenn ihr in die E-Production einsteigt, wird euch nichts anderes übrig bleiben, als eure E-Books immer wieder zu checken. Die Interpretation des Quelltextes durch die Reader ist einfach zu unterschiedlich, als dass ihr euch darauf verlassen könntet, dass ihr die Matrix durch den Code hindurchsehen könnt.

E-Books sind natürlich in erster Linie für mobile Devices gemacht. Und wann immer möglich, solltet ihr euer Buch an euren Reader, das Tablet oder Smartphone senden und gucken, wie es wirkt. Allerdings ist das nicht immer praktikabel, denn oft müsst ihr Kleinigkeiten im Code mit „Trial and Error“ flicken. Ich bastele gerade an meinem Lebenslauf im ePub-Format. Durch die Zeugnisse, die ich als Bilddateien eingebunden habe, ist das gute Stück schon 30 MB groß. Mal eben per Mail ans Tablet schicken ist da keine Option. Hier helfen natürlich Clouddienste weiter, auf die ich später mal eingehen kann, aber auch Reader, die ihr direkt am Desktop einsehen könnt.

Ich habe mich mal umgeschaut, was es zur Zeit gibt und werde die Reader nach und nach für euch testen.

Die Liste ist erstaunlich lang. Testen werde ich für euch:

  • Adobe Digital Editions
  • Azardi
  • booki.sh
  • BookReaderLite
  • Bookshelf
  • calibre
  • die Firefox-Erweiterung ePubreader (gibt es auch für Google Chrome, glaube ich)
  • die „ePub eReader Platform“ von publiwide
  • FBReader
  • Die Kindle App
  • den Kindle Previewer
  • Kobo Desktop
  • Nook for Mac
  • Readium Plugin für Chrome
  • Sigil
  • Sony Reader for PC & Mac
  • Stanza

Wenn ihr noch weitere Reader kennt, die ich vergessen habe, schreibt sie doch in die Kommentare.
Die ausführlichste Liste von Reader-Software für die verschiedensten Plattformen habe ich hier gefunden.

Fangen wir an mit Adobe Digital Editions

ADE ist mit etwas über 40 MB ein relativ kleines Programm. Es unterstützt PDF (klar bei Adobe), ePub2 und ePub3 „in Teilen“ ̶ was auch immer das bedeuten soll. Fixed Layout mit Text vor Bildern habe ich ausprobiert: Fehlanzeige.

ADE verfügt über eine interne Bibliothek und legt viel Wert auf schickes Design. Insgesamt ist das komplette Programm ausgelegt für das Lesen von ausschließlich Text in ePub2. Denn immer, wenn Bilder in ePub ins Spiel kommen, beginnt ADE zu zicken. So verfügt das Programm über keinerlei Möglichkeiten Bilder zu zoomen oder zu scrollen. Was oft dazu führt, dass zu kleine Details in Bildern schlichtweg unerkennbar bleiben und zu große Bilder einfach abgeschnitten werden.

Ein Cover, das zu groß ist, schneidet ADE gnadenlos ab.

Merkwürdig ist das besonders, weil ADE mit Zoom und scrollen keinerlei Problem hat, sobald man ein PDF betrachtet. Einzige Schlussfolgerung, die ich dafür habe, ist, dass Adobe weiter gegen Windmühlen kämpfen will und versucht sein PDF als E-Book-Standard durchzudrücken, was nicht passieren wird, da Adobe das Rad der Zeit nicht zurückdrehen kann und PDF einfach nicht mit mobilen Devices zusammengeht.

Screenshot der Bibliothek von Adobe Digital Editions

Ein weiteres Manko ist die Bibliothek, erst einmal legt diese auf dem Rechner (sowohl in Windows als auch im Mac OS) im Dokumentenordner eine eigene Ordnerstruktur an, was ich persönlich hasse wie die Pest. Ich habe ein dezidiertes Ablagesystem für meine Dokumente und kann es nicht leiden, wenn Software sich nicht nach mir richtet, sondern mir Vorschriften macht, wie ich Dateien zu speichern habe. Diese eigene Ordnerstruktur führt zum zweiten Problem von ADE, das speziell uns in der E-Production betrifft. ADE rafft es nicht, wenn man ein Dokument geändert hat. Denn einmal importiert, legt es eine Kopie des Dokuments an. Das heißt, man muss das E-Book bei jedem neuen Check erst aus der Bibliothek löschen und es dann erneut importieren, bevor man die Fortschritte betrachten kann.

Dennoch kommt man an ADE leider nicht vorbei. Denn das DRM von Adobe, das viele deutsche Händler von Libri bis Weltbild benutzen, ist an ADE gekoppelt. Das heißt, dieses Programm ist Pflicht für jeden E-Book-Designer, denn es ist auf deutschen Rechnern zu weit verbreitet, um es zu ignorieren, sonst passiert am Ende so etwas:

Ein Fehler in der ePub-Datei führt bei diesem E-Book dazu, dass das Cover in ADE doppelt angezeigt wird.

Quellenangabe: Alle Screenshots von Adobe Digital Editions. E-Book: Platon: Des Sokrates Verteidigung. Apologie. (Apologia Sôkratous). (395-390 v. Chr.).

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Exkursion: Das Vier-Liter-Auto der Buchbranche

Ich unterbreche mein kleines Tutorial hier, um euch von einer Sensation zu berichten. Schon vor einer Woche erreichten mich Gerüchte, dass die Firma Txtr. aus Berlin, die einen eigenen E-Book-Shop betreibt, einen eigenen E-Reader herausbringen wird. Das wäre bis hierhin noch keine Sensation, wäre da nicht der Preis, den man munkelte. Ein Kampfpreis von sagenumwobenen 20 Euro sollte es sein, tickerte durch meine Timeline.

Jetzt ist es so weit. Txtr hat seinen „Beagle“ vorgestellt und sie haben den Preis sogar noch weiter gedrückt: 10 Euro, so lautet sie also, die magische Zahl. Die günstigsten Reader kosteten bislang mindestens 50 Euro. In Txtr.s Produktpräsentation lassen sich dafür vorallem zwei Gründe ausmachen: zum einen hat man sich W-Lan oder gar Handynetz gespart und setzt ausschließlich auf Bluetooth mit Hilfe dessen das E-Book auf den Reader kommt. Der zweite große Enspaarfaktor ist der Akku: er ist nicht vorhanden. Statt dessen läuft der Reader mit AAA-Batterien. Dennoch oder gerade deswegen verspricht Txtr eine Laufzeit von einem Jahr! Das wäre schon sensationell, muss sich aber in der Praxis erst einmal beweisen.

Wo genau Txtr. noch Abstriche gemacht hat, wird sich zeigen (The Digital Reader hat hier eine erste Rezension veröffentlicht). Denn ich werde mir den Reader natürlich nicht entgehen lassen. Mein Verdacht ist aber folgender: dass der Reader ein „Closed Garden“ ist und mit E-Book-Verkäufen über den Txtr.-Shop quersubventioniert wird. Auf ihrer Seite schreiben sie zumindest, dass man die Bücher über die Txtr-Android-App bezieht (von iOS schreiben sie übrigens nichts, liebe iPhone-Nutzer).

Spannend ist der Beagle aber vor allem als „Game Changer“. Der noch relativ junge E-Reader-Markt war zuletzt selbst durch immer günstigere aber dennoch qualitativ hochwertige Tablets wie dem Google Nexus 7 oder dem Kindle Fire unter Druck geraten (Gibt es eigentlich Neuigkeiten vom Mini-iPad?). Der Beagle könnte zeigen, wohin sich der Markt entwickeln wird.

Ich bleibe da auf alle Fälle am Ball.

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