Zustand des deutschen E-Book-Marktes im Oktober 2014

Ich habe mal wieder versucht, ein E-Book zu kaufen…

Ich möchte Richard Dawkins: Das egoistische Gen* lesen. Und ich möchte es als E-Book lesen. Am liebsten als ePub3 ohne DRM, sodass ich es sowohl auf dem Mac und dem iPad in iBooks lesen kann, als auch auf meinem Android-Handy in Play-Books. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, mal sehen, was am Ende des heutigen Tages von meinen Wünschen übrig bleibt…

Ohne zu wissen, was mich dort erwartet, einfach aus Neugier beginne ich mal meine Suche bei Sobooks, dem neuen Stern am E-Book-Himmel. Sobooks sieht spannend aus, aber mein Buch gibt es da nicht, außerdem hätte ich es nur online lesen können, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Sobooks führt mein Buch nicht

Sobooks führt mein Buch nicht

Mein nächster Anlaufpunkt ist die Seite des Verlages. Das egoistische Gen ist beim Springer Fachverlag erschienen, der sogar einen eigenen E-Book-Shop hat. Die Seite scheint allerdings etwas instabil zu sein, vielleicht hatte sie aber auch nur einen schlechten Tag, jedenfalls konnte sie ständig nicht geladen werden, war dann mal wieder kurz da, anschließend wieder weg.

Daher schaute ich zwischendurch mal bei einem der großen Drei vorbei: im iBook-Store bin ich leider nicht erfolgreich. Das egoistische Gen wird dort nicht angeboten. Nur auf Englisch gibt es das Buch für 10,99 Euro. Der Preis wäre noch okay für mich, aber ich würde das Buch wirklich gerne auf Deutsch lesen.

Nun gut, mal gucken, ob ich bei Google Play mehr Erfolg habe. Dort gibt es das E-Book für 14,99 Euro, doch ein Blick ins Buch verrät, dass es gar kein E-Book ist, sondern ein PDF. Das man nicht wirklich auf dem Handy lesen kann.
Auch bei Amazon gibt es keine Version für den Kindle, sondern nur ein Taschenbuch*, das ich aber immerhin schon ab 16 Euro inklusive Versandkosten bekomme. Auf Englisch kann ich hier übrigens auch das E-Book bekommen und zwar für nur 6,86 Euro. Das verstehe ich nicht: Da heulen die Verlage rum, wie böse Amazon ist, aber dennoch bietet OUP Oxford das E-Book hier für über 4 Euro weniger an als bei Apple. So werdet ihr bestimmt Amazons Dominanz brechen, liebe Verlage!

In der Zwischenzeit hat sich die Seite von Springer gefangen und was ich da lese, lässt mein Herz kurz höher schlagen:

Springer Fachverlag über seine E-Books

Springer Fachverlag über seine E-Books

Springer sagt, das Buch lasse sich auf allen gängigen Readern lesen und sei sogar DRM-frei. Das ist ja top! Dafür bin ich sogar bereit die geforderten 14,99 Euro zu zahlen. Doch auf den zweiten Blick folgt sofort die Ernüchterung…

Erhältliche Formate: PDF

…heißt es da. PDF ist KEIN E-Book, sondern eine Datei, die du zur Druckerei tragen kannst! Und zu behaupten, dass ich ein PDF auf allen Readern lesen kann, ist schon kein Euphemismus mehr sondern kratzt haarscharf an der Lüge. Formal ist das zwar möglich, aber wenn ich versuche das PDF auf einem 4“ Handydisplay zu lesen, bekomme ich am Ende wahrscheinlich eine Sehnenscheidenentzündung vom vielen hin-und-her-scrollen…

Aber noch bin ich mit meinem Latein nicht am Ende. Da gab es doch noch dieses tolle Tolino-Netzwerk. Mal schauen was ebook.de so im Angebot hat. Ich weiß, ich weiß: Das grenzt schon an Verzweiflung. ebook.de führt immerhin auch das PDF, im Gegensatz zu Weltbild, das nur Sekundärliteratur bietet. Die Konkurrenz von ebookS.de bietet neben dem PDF für 14,99 immerhin auch die Möglichkeit, das Buch online zu lesen, auch wenn ich befürchte, dass man sich dafür in die Flash-Hölle begeben müsste.

Das Taschenbuch bekomme ich übrigens bei ZVAB auch ab 14 Euro inklusive Versand und bei Booklooker sogar schon ab 6 Euro! Nun könnte man natürlich einwenden, dass das nicht ganz fair ist, schließlich gibt es keine gebrauchten E-Books zu kaufen. Das wiederum ist aber eines der Hauptargumente, warum die Verlage E-Books dringend günstiger machen sollten…

Und so schade das ist, bevor ich mir jetzt ein PDF für 15 Euro kaufe, dass ich dann halbgar mit Calibre in eine ePub umwandeln muss, von dem ich dann so wenig überzeugt sein werde, dass ich am Ende noch selbst den Texteditor öffne um das E-Book, für das ich bezahlt habe, schön zu machen, bevor ich das also mache und damit wahrscheinlich sogar den Bereich dessen verlasse, was ich legal mit einem E-Book machen darf, da kaufe ich mir doch lieber für 6 Euro ein Taschenbuch.

Fazit: Das E-Book ist im Herbst 2014 noch immer nicht in Deutschland angekommen.

*hinterhältiger Affili-Link: Kauf ihr das Buch, bekomme ich eine winzige Provision und freue mich.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Hintergründe

3 Antworten zu “Zustand des deutschen E-Book-Marktes im Oktober 2014

  1. Alge Bra

    1. Wie kann man sich in einem Absatz darüber aufregen, dass der Verlag das eBook 4 Euro günstiger als Apple anbietet und in einem Folgeabsatz sagen, dass Verlage unbedingt eBooks günstiger machen müssen. Irgendwas habe ich da wohl verpasst. Und was das damit zu tun hat, dass Amazon 40-%0% des Buchpreises von den Verlagen einkassiert, und deshalb alle Verlage „klagen“ erschließt sich mir auch nicht ganz.
    2. Dass Sie einerseits ein eBook kaufen wollen, mehrere Möglichkeiten dafür finden, sich aber andererseits dann doch wieder für das günstige Taschenbuch entscheiden spiegelt die Ambivalnz perfekt wider, mit der sich Verlage auseinandersetzen müssen. Es sind etliche Millionen in die Entwicklung elektronischer Produkte geflossen, weil der Markt das forderte, aber am Ende kauft der Kunde ja doch ein Buch, weil ihm beim eBook die Haptik und der Geruch fehlt oder er es auf seinem Mini-Telefon nicht lesen kann. Das eBooks automatich viel weniger kosten, weil hier keine Herstellungskosten anfallen ist ein Trugschluss.
    3. „PDF ist kein eBook“. Hier muss ich Ihnen leider wiedersprechen, denn ein elektronisches Buch ist nunmal auch das PDF. Das PDF ist ein auf allen Geräten darstellbares Format (außer früher bei Amazon, aber das haben die auch schnell kapiert). PDF wird von Fachverlagen nicht ohne Grund als Publikationsmedium der Wahl genommen, da in Fachbüchern oft starke Strukturierung des Textes, mit vielen Bildern und Sonderelemente zum Einsatz kommen, die das Buch kaum ePubifizierbar machen, oder nur wenn man in Kauf nimmt, dass die Sturktur und Sonderlelemnte wie Boxen zerstört werden, womit die Didaktik der Fachbücher verloren geht. Dass Sie auf Ihrem 4″ Telefon Bücher lesen wollen, ist in erster Linie Ihr Problem. Früher haben Sie auch keine Lesebrille beim Verlag mitgekauft, weil Ihre Augen zu schlecht geworden sind um ein Buch in 50 cm Entfernung zu lesen. Verlage können Ihnen auch heute nicht jedes Buch in jedem Format anbieten, weil das in erster Linie ein technisches Problem ist, das auf Seiten der Gerätehersteller bzw. der Softwarehersteller zu lösen ist. Ich habe auch schon eBooks auf dem Smartphone gelesen und ja es war mit pinch to zoom Gesten verbunden. Punkt. Dessen ist man sich aber bewusst und ich gebe nicht Verlagen die Schuld dafür, dass ich zu geizig war mir ein Tablet zu kaufen, oder es mir gar nicht erst leisten konnte (mitlerweile besitze ich Eines).

    Verlage werden die Probleme des digitalen Zeitalters nicht lösen. Sie sind und waren dazu da, Inhalte und Geschichten zu publizieren. Alles in ePub3 zu publizieren, mit den damit verbundenen Kosten, wird auch nicht ide Lösung sein, wenn 90% der Leute Ihre eBooks bei Amazon kaufen, die ihr ganz eigenes Format anbieten.

    • Na, da habe ich ja anscheinend irgendeinnen sensiblen Knopf bei Ihnen gedrückt.^^ Dann werde ich mal stellungnehmen…
      Zu 1. Ich kritisiere nicht, dass ein Buch auf einer Verlagsseite günstiger ist, sondern dass OUP Oxford das Buch bei Amazon günstiger anbietet als bei Apple. Mein Argument: Einerseits beschweren sich Verlage immer, dass Amazon so böse ist, andererseits treiben sie die Leser mit solchen Aktionen in die Arme von Amazon. Ferner kassiert Amazon nur 31%, wenn Sie es richtig anstellen.
      Zu 2.

      am Ende kauft der Kunde ja doch ein Buch, weil ihm beim eBook die Haptik und der Geruch fehlt oder er es auf seinem Mini-Telefon nicht lesen kann.

      Sie haben meinen Artikel wirklich nicht verstanden, oder? Ich wollte ja gerade ein E-Book kaufen, um es auf einen Smartphone zu lesen. Nix mit Haptik und Geruch.

      Das eBooks automatich viel weniger kosten, weil hier keine Herstellungskosten anfallen ist ein Trugschluss.

      Die Produktionskosten sind bei E-Books im Schnitt 30% geringer als bei Printbüchern, da Druck, Lager und Transport wegfallen. Demgegenüber sind die Händleranteile (zumindest bei Amazon und Apple) geringer mit nur 31% bzw. 30%. KNV und Libri kassieren in der Regel 50%.

      . Es sind etliche Millionen in die Entwicklung elektronischer Produkte geflossen

      Wenn Sie wirklich Millionen für die E-Book-Gestaltung bezahlen, werden Sie gewaltig über den Tisch gezogen. Gerne können Sie eine E-Mail an info@privatsprache.de schreiben, dann unterbreite ich Ihnen ein vernünftiges Angebot.

      Zu 3.

      ein elektronisches Buch ist nunmal auch das PDF

      Nein, ein Dateiformat, das entwickelt wurde um Daten an eine Druckerei anzuliefern. Als dann das Thema E-Books aufs Tapet kam, nahm Adobe das zum Anlass für den Marketing-Clou, dass PDF auch ein E-Book sei.

      Das PDF ist ein auf allen Geräten darstellbares Format

      Technisch stimmt das, sieht aber halt kacke aus, weil Ihre Leserinnen ständig hin- und herscrollen müssen. Haben Sie etwa für PDFs Millionen gezahlt? Da wuren Sie wirklich abgezockt!

      PDF wird von Fachverlagen nicht ohne Grund als Publikationsmedium der Wahl genommen, da in Fachbüchern oft starke Strukturierung des Textes, mit vielen Bildern und Sonderelemente zum Einsatz kommen, die das Buch kaum ePubifizierbar machen, oder nur wenn man in Kauf nimmt, dass die Sturktur und Sonderlelemnte wie Boxen zerstört werden, womit die Didaktik der Fachbücher verloren geht.

      Das ist schlichtweg falsch und zeigt, dass Sie einfach keine Ahnung von ePub3 haben, wie gesagt, gerne berate ich Sie zu komplexen Layouts. Nur weil das nicht hinten aus Ihrem InDesign rausfällt, sollten Sie nicht davon ausgehen, dass schönes Layout unmöglich ist. Ferner ist das für diesen Artikel vollkommen irrelevant, da ich ein Buch im FLießtext kaufen wollte.

      Dass Sie auf Ihrem 4″ Telefon Bücher lesen wollen, ist in erster Linie Ihr Problem.

      Das ist schon fast süß. Ersteinmal: Sie haben mein Argument ja doch verstanden, warum schreiben Sie dann oben, es ginge mir um Haptik. Dann: Natürlich ist das mein Problem. Aber wissen Sie was? Ich bin Ihr (potentieller) Kunde und wenn Sie mir nicht bieten, was ich will, dann gehe ich eben zu jemandem anderen. Setzen Sie sich mal zur Rush-Hour in eine Bahn. 90% der Pendler dort geben keinen Cent auf Haptik oder Geruch, sondern lesen auf ihren Smartphones. Wenn Sie jetzt meinen, dass das deren Problem ist, dann lesen die eben Texte im Internet und von der Konkurrenz, die auf ihren kleinen Displays optimal dargestellt werden. Und während Sie sich noch darüber aufregen, dass das deren Problem ist, unterschreiben Sie schon den Insolvenzvertrag.

      Verlage können Ihnen auch heute nicht jedes Buch in jedem Format anbieten

      Sie zahlen Millionen und bekommen Ihre E-Books nicht einmal in verschiedene Formate konvertiert? Srsly, Sie sollten mir eine E-Mail schreiben, ich mache Ihnen ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können…

      Verlage werden die Probleme des digitalen Zeitalters nicht lösen. Sie sind und waren dazu da, Inhalte und Geschichten zu publizieren.

      Diese Probleme lassen sich viel leichter lösen, als Sie glauben. Und wenn Sie den Kopf in den Sand stecken, wird die Digitalisierung nicht weggehen, sondern Sie in die Pleite…

      Alles in ePub3 zu publizieren, mit den damit verbundenen Kosten, wird auch nicht ide Lösung sein, wenn 90% der Leute Ihre eBooks bei Amazon kaufen, die ihr ganz eigenes Format anbieten.

      Okay, den Tipp bekommen Sie umsonst, quasi als Vorschuss: Mit dem Kindle Previewer können Sie auf Knopfdruck Ihr ePub in eine Mobi-Datei umwandeln, die Sie dann im Gegensatz zum PDF bei Amazon verkaufen können. Für mehr kostenlose Tipps lesen Sie einfach dieses Blog und bei wieteren Fragen reicht, wie gesagt die E-Mail. Ich helfe Ihnen gerne weiter. Ach ja, außerdem: Fröhliche Weihnachten!

  2. Alge Bra

    *40-50% sollte das heißen

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