Vom Word-Dokument zum E-Book für Apple iBooks #1

#1 mit Apple Pages

Schon vor einem halben Jahr erreichte mich die Frage, was denn der beste Weg ist, aus einem Word-Dokument ein E-Book für Apples Plattform iBooks zu machen. Damals antwortete ich, dass ich erst einmal darüber nachdenken müsste und damit bin ich jetzt, 182 Tage später, fertig. Ich hätte sicher auch schneller antworten können, aber ihr kennt das: Es kommt einfach immer etwas dazwischen. Zum Beispiel vier Staffeln Louie am Stück gucken

Ich präsentiere euch jedenfalls den großen Test für den besten Weg aufs iPad!

Wir alle haben einen anderen Workflow beim Erstellen unserer Texte. Ich zum Beispiel schreibe mittlerweile fast alles in Evernote. Andere bevorzugen Google Docs, doch der am weitesten verbreitete Weg, Texte zu erstellen, sind noch immer klassische Textverarbeitungsprogramm wie Microsoft Word* oder Open Office. Wenn Euer Buch dann fertig geschrieben ist, habt ihr aber ein Problem: Das Dokument, das ihr erstellt hab,,t ist kein E-Book, die meisten E-Book-Reader können es nicht öffnen und ihr könnt es quasi nirgendwo verkaufen. Bei Amazon könnt ihr theoretisch euer Word-Dokument direkt in der kdp-Plattform hochladen, allerdings würde ich das niemandem empfehlen. Ihr solltet möglichst immer versuchen, die maximale Kontrolle über euer E-Book zu behalten und das bedeutet, dass ihr es erst in das Format ePub umwandeln solltet, von dem ihr dann weitgehend verlustfrei in Amazons Format kf8 umwandeln könnt. Zudem eröffnet ePub euch auch die Möglichkeit direkt in Apples iBooks zu gelangen, denn Apple bietet euch nicht die Möglichkeit, eure Word-Dokumente auf der Plattform automatisch umwandeln zu lassen.

Ihr könnt das Umwandeln natürlich auch kommerziellen Anbietern überlassen. Auch ich übernehme das gerne für euch, gegen eine kleine Gebühr, die euch nicht in den Ruin treiben wird. Fragt mich einfach per E-Mail. Wenn ihr aber lieber kein Geld dafür ausgeben möchtet, dann könnt ihr es eben auch selbst machen.

Also wie kommen wir vom Word-Dokument in den iBooks-Store?

Als Kandidaten treten an:

  1. Apple Pages
  2. Apple iBooks Author
  3. Calibre
  4. Sigil (Und andere Texteditoren)

Als ersten Kandidaten wähle ich Apples eigenes Textverarbeitungsprogramm Pages. Pages gibt es für 17,99 € für den Mac. Einen Mac braucht ihr nämlich auf jeden Fall, wenn ihr E-Books in Apples Store anbieten wollt. Denn am Ende einer langen Kette von Arbeitsschritten müsst ihr eure E-Books nämlich mit iTunes Producer auch iBooks hochladen. Und iTunes Producer gibt es nur für den Mac.
Pages hat einige Nachteile gegenüber dem Platzhirsch Word, aber es bietet eine nette kleine Exportfunktion für E-Books.

Der E-Book-Export von Pages

Der E-Book-Export von Pages

Falls ihr euer Buch schon in Word erstellt habt,  könnt ihr das Dokument dann mit Pages öffnen und im nächsten Schritt als ePub exportieren…

Zu Testzwecken habe ich mal ein komplettes Buch in Pages formatiert und zwar mit einigen Herausforderungen… Diese waren etwa:

  • ein Deckblatt
  • Links
  • Fußnoten
  • verschiedene Schriftarten
  • Einrückungen
  • sowie Aufzählungen.

Bei einer Sache ging Pages schon vor dem Export in die Knie. Das Programm kann Hyperlinks zwar auf Text, jedoch nicht auf Bilder legen…

Doch kommen wir zum E-Book-Export von Pages

Exportoptionen von Pages

Exportoptionen von Pages

Mit zwei Klicks kann ich Titel des E-Books, Autor und Kategorie bestimmen. Nachdem ich den Speicherort bestimmt habe, ist die Sache auch schon geritzt und ich bekomme sogar noch Fehlermeldungen angezeigt.

Fehlermeldungen des E-Book-Export

Fehlermeldungen des E-Book-Export

Fußzeilen sind mir egal, das waren nur Seitenzahlen und da ein ePub ja nicht seitenbasiert ist, benötige ich auch keine Seitenzahlen. Nicht so nett ist hingegen, dass mir Hintergrundobjekte verweigert wurden, denn das dürfte mein Deckblatt zerfetzt haben. Doch werfen wir mal einen Blick in das E-Book. Da wir es ja für iBooks gemacht haben, soll uns auch iBooks zeigen, wie es geworden ist.

Okay, beim Deckblatt wurde mir also nicht nur das Bild sondern alles entfernt. Das ist jetzt eher suboptimal… Auch im Impressum hat Pages Fehler gemacht, die zu breite Fußzeile, die auf die nächste Seite umbricht, könnte ich mir noch selbst ankreiden, allerdings war vor dem Flattr-Button definitiv ein Zeilenumbruch.

Fehler im Impressums-Layout

Fehler im Impressums-Layout

Die nächste Enttäuschung ist das von Pages selbst generierte Inhaltsverzeichnis. Beim E-Book-Export ist es kurzerhand aus dem Dokument geworfen worden. Allerdings hat Pages (offensichtlich) aus den Überschriften ein neues, ePub-konformes Inhaltsverzeichnis erstellt.

ePup-Inhaltsverzeichnis

ePup-Inhaltsverzeichnis

Bei den Links hat Pages hingegen fein gearbeitet, sie wurden sauber übernommen und auch die Fußnoten wurden in Endnoten umgewandelt. Meine Einrückungen hat Pages aber nicht sauber exportiert, dennoch sind die Zitate nach dem Export noch immer gut vom restlichen Text abgehoben.

Zitat-Format nach dem Pages-Export

Zitat-Format nach dem Pages-Export

Auch die verschiedenen Schriftarten wurden nicht übernommen, allerdings stellt sich hier die Frage, ob das ein Bug oder ein Feature ist. Werfen wir dafür doch mal einen Blick auf den Code:

Der Blick verrät uns, dass die Schriftaten tatsächlich nicht exportiert wurden. Das dürfte vorsorglich wegen der Copyright-Problematik geschehen sein. Ein ePub ist ja nichts weiter als eine Container-Datei, ähnlich einer ZIP-Datei. Entsprechend kann man sie auch entpacken und kommt so an integrierte Schriftarten. Hier habe ich schon einmal beschrieben, wie ihr vorgehen solltet, wenn ihr euer E-Book um Schriften bereichern wollt.

Der Blick in den Code hat noch ein weiteres Schmankerl offenbart: Pages wandelt in ePub3 um. Das ist der aktuelle Standard des IDPF, allerdings ist es bei weitem noch keine Selbstverständlichkeit, dass dieser auch befolgt wird. Viele Programme sind immer noch auf dem 2er Niveau …

Von Pages generiertes HTML

Von Pages generiertes HTML

Insgesamt wirkt das HTML recht aufgeräumt. Sicher, man kann sich fragen, ob man wirklich für jeden Paragrafen eine eigene Klasse anlegen muss und warum Pages einerseits eine CSS-Datei angelegt hat, andererseits aber CSS-Befehle inline in das div-Tag schreibt, genauso kann man fragen, wie sinnvoll der Befehl „line-break:strict“ ist, aber das mögen andere entsheiden. Ich für meinen Teil, habe da schon weitaus schlimmeres gesehen.

Auch die eigentliche CSS-Datei sieht ganz ordentlich aus, wenngleich sie etwas aufgebläht ist einerseits wegen der vielen Klassen, die Pages angelegt hat, andererseits, weil dort sehr viel Werte mit „0“ aufgeführt sind, die auch einfach weggelassen werden könnten.

CSS von Pages

CSS von Pages

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Hier sehen wir auch, dass Pages die Schriftarten ins CSS geschrieben hat. Falls der E-Reader also von Hause aus Schriftsätze mitbringt, kann er sie auch anzeigen. Wünschenswert wäre in diesem Fall allerdings gewesen, dass als Fall-Back-Option auch noch im CSS steht, ob es sich um eine Schrift mit Serifen handelt oder nicht. So wird in iBooks alles gandenlos mit Serifen angezeigt.

Was sagt der ePub-Checker?

Alles im grünen Bereich: Lediglich zwei Namen von Bildern enthalten Leezeichen, aber das könnt ihr ja berücksichtigen, bevor ihr Bilder in Pages einbindet.

Test in einem anderen E-Reader

Zur Kontrolle habe ich das E-Book auch noch einmal in Adobe Digital Editions geöffnet. Dort offenbarte sich noch ein Anzeigefehler, der darauf hindeutet, dass der Code nicht durchweg sauber ist, sondern noch nachbearbeitet werden muss.

Anzeigefehler in Digital Editions

Anzeigefehler in Digital Editions

Okay, eines fiel mir noch auf: Pages schreibt sich selbst als Autor in die Metadaten. Das ist dann doch etwas größenwahnsinnig und sollte korrigiert werden…

Fazit

Das E-Book, das von Pages exportiert wurde, ist ziemlich ordentlich, muss jedoch in einem Texteditor ein wenig nachbearbeitet werden. Ein paar Kleinigkeiten kann man schon vor dem Export beachten: Das Cover direkt als Bilddatei einfügen, Dateinamen ohne Leerzeichen und kein Inhaltsverzeichnis erstellen. Der Nachteil von Pages ist sein Preis. Als einziger Kandidat in diesem Test kostet das Programm etwas. Alles in allem bietet es für seinen Preis aber eine solide Leistung.

Zum Schluss noch ein bisschen Werbung:

  1. Falls Ihr übrigens neugierig auf mein E-Book geworden seid, könnt ihr es für nicht einmal einen Euro bekommen.
  2. Falls ihr Probleme mit eurem exportierten E-Book habt, werfe ich gerne einen Blick darauf. Der erste Blick mitsamt guten Tipps ist sogar kostenlos! Eine E-Mail an mich reicht.
  3. Verpasst auch nicht den zweiten Teil meines großen Tests, wenn ich mich mit Apple iBooks Author auseinandersetzen werde!

tl;dr

Pfannekuchen kann man schön fluffig machen, wenn man das Eigelb vom Eiweis trennt, das Eiweis steif schlägt und dann unter den fertigen Pfannekuchenteig hebt…

*hinterhältiger Affili-Link: Wenn ihr das Produkt kauft, bekomme ich eine winzige Prämie und freue mich.

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