Notiz zum Zustand des E-Book-Marktes in Deutschland 2014

Ich will eigentlich wieder mehr lesen. Also Bücher, denn ich lese den ganzen Tag, aber in letzter Zeit fast immer Texte im Internet. Das Buch, das auf meinem Nachttisch liegt, ist „Die offene Gesellschaft und Ihre Feinde I„* von Karl Popper. Nach anfänglichen Schwierigkeitem hat es mich mitlerweile durchaus gefesselt. Aber dennoch lese ich eher selten darin.

Einer der Gründe dafür ist ganz klar, dass es sich um ein dickes Hardcover handelt, das gefühlt 93,5 Kg wiegt. Wenn ich morgens das Haus verlasse, trage ich neben meinem Smartphone immer auch die ca. 294 Kg schwere illustrierte Version von Michael Endes „Momo„* mit mir herum, um diese in der Bahn auf dem Weg zur Kita meiner Tochter vorzulesen.

Daher hatte ich eine knorke Idee: Das ist der Paradefall, um mir die offene Gesellschaft als E-Book zu ziehen und dann immer auf dem Smartphone zu lesen. Ich also rein in den Google Play Store und gesucht: Fehlanzeige. Keine Gesellschaft, weder offen noch geschlossen, weit und breit.

Also gut, dann eben doch die Kindle-App mit ihrer Minimalästhetik. Geklickt, gewartet, gestaunt: Auch hier nur der Hinweis: Informieren Sie den Verlag, dass Sie das Buch gerne als E-Book lesen wollen.

Hmm, krass. Als Probe aufs Exempel habe ich auch noch in iBooks vorbeigeschaut, obwohl das iPad von der Dame benutzt wird: Nix, auch hier nicht zu finden, das Buch.

Das kann doch nicht sein, denke ich so bei mir und befrage als nächstes dir große Suchmaschine nach „Die offene Gesellschaft E-Book“ – 414.000 Treffer. Davon gefühlte 413.949 Hausarbeiten beim Grin Verlag über die offene Gesellschaft aber nicht der Text im Original.

„Fündig“ werde ich schließlich bei Weltbild. Dort bietet man mir „Karl Raimund Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (eBook / PDF)“ für 12,99 Euro an.

*Riesenseufzer hier einfügen*

Was mich daran stört? Zum ersten: PDF IST KEIN BESCHISSENES E-BOOK SONDERN EINE DATEI, DIE IHR ZUR DRUCKEREI TRAGEN KÖNNNT!!!!! Wie soll ich denn bitte ein seitenbasiertes PDF auf einem 4-Zoll-Bildschirm lesen? Bevor ich mit einer Seite fertig bin, sind mir die Finger vom hinundherscrollen abgefallen.

Und zum zweiten: dafür verlangt ihr 12,99? Ich kenne ja eure Argumente, dass E-Books nicht aus Luft und Liebe gemacht werden. Aber dieses PDF habt ihr ÜBERHAUPT NICHT GEMACHT! Das PDF liegt bei euch rum, seit ihr es an eure Druckerei ausgeliefert habt. Es war 0,00 Euro wert, bis jemand erklärte: „Eigentlich sind PDFs doch auch E-Books“ und schwupp, habt ihr eine extra Einnahmequelle zum maßlosen abkassieren.

Ich weiß, dass dies nur eine Einzelfallbeschreibung ist. Aber so wie ich das beobachtet habe, ist sie symptomatisch für den Zustand des deutschen E-Book-Marktes und einer der Gründe, warum euch euer unflexibles Gebahren in nicht allzu ferner Zukunft um die Ohren fliegen wird und das Verlagswesen in die Krise stürzen wird!

*hinterhältige Affili-Links.

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