Die Zukunft des Buches – Kapitel 2

Viel zu lange habe ich hier schon wieder eine Pause entstehen lassen… Sodass die Debatte rund um E-Books längst schon wieder abgedriftet ist. Die neueste Sau, die durchs digitale Dorf getrieben wird, ist die Onleihe. Aber ich will einen Schritt zurückgehen und noch einmal auf die Diskussion, was E-Books überhaupt sind und wollen, blicken. Und ich bin optimistisch, dass ein wenig Distanz und weniger Aufregung dieser Betrachtung nur gut tun.

Wir erinnern uns: Friedrich Forssman mag keine E-Books. Doch ein solcher Rant bleibt im Internet natürlich nicht unbeantwortet. So möchte ich heute den Post von Zoë Beck hier präsentieren:

„Ich möchte ihn fast so zusammenfassen: Das eBook schmutzt, nässt und ist bissig. Außerdem ist es ständig besoffen und kotzt überall hin. Also: ein betrübliches Ding, dieses eBook. Nicht der Rede wert. Und doch redet man ständig darüber. Schließlich tritt man ja jeden Morgen in seine Kotze. So in etwa.“

Zoë Beck: Das eBook aka „Das Böse“.

Wie wir sehen, konzentriert sich Beck ausschließlich auf die Polemik in Fossmans Schrift. Das hat der Verfasser des Pamphlets natürlich erst einmal selbst zu verantworten, schließlich hatte er sich in diesem Ton an uns gewandt. Fortan kümmert sich Frau Beck um Fossmans Motivation, er als Buchgestalter (dessen Fähigkeiten sie in höchsten Tönen lobt) fürchte um seine Existenz. Hierbei scheint Beck also von der gleichen Prämisse wie Fossman auszugehen, nämlich dass gutes Layout bei E-Books überflüssig sei. Sie dreht das Argument dann aber so, dass das E-Book vor allem das Taschenbuch ersetze, das ja selbst nicht gerade durch schöne Gestaltung glänze.
Der Kern von Zoë Becks Argument lautet dann auch, dass das Trägermedium egal sei, dass es nur auf den Inhalt ankomme. Das ist leider medientheoretisch falsch, denn das Medium beeinflusst immer den Inhalt.

Aber auch inhaltlich ist das Argument falsch, denn es geht eben auch wieder von der falschen Prämisse aus, dass E-Books hässlich sein müssen. Es gibt wunderschön gelayoutete Webseiten, die Grundlage, die das ermöglicht hat, ist HTML 5 in Zusammenspiel mit CSS 3. Und jetzt ratet mal, was hinter der neuesten Version von ePub3 steckt? Rischtisch! Das Problem, dass wir haben, ist, dass wir E-Books mit dem Kindle gleichsetzen, der in der Tat mit einer Minimalästhetik aufwartet. Aber, wenn wir statt dessen uns E-Books mal auf dem iPad angucken, gerät diese Weisheit ins schwanken und Readium bringt sie endgültich zum Zusammenbruch. Es steht nichts als die Marktmacht von Amazon und die Faulheit der Verlage im We, gute E-Books zu machen.

Allerdings ist Zoë Beck noch nicht am Ende mit ihrer Weisheit. Sie fährt ganz richtig fort, dass viele Bücher aus Kostengründen nicht mehr gedruckt werden. Ein Schicksal, dem das E-Book Abhilfe schaffen könnte. Ein Unterfangen, dass die Verlage leisten sollten, die sich ja gerne als die Hüter des Guten, Wahren und Schönen aufspielen, die aber letztlich doch nur Marktinteressen unterliegen. Stattdessen lädt das E-Book zu Experimenten ein, die gedruckt oft zu teuer sind.

Beck fährt fort mit einem Argument zum DRM, das mir rätselhaft bleibt:

„Selbst das Argument, man kaufe nicht, sondern leihe es sich nur aus und könne es nicht weiterverleihen, greift nicht, wenn man sich genau anschaut, wer wie mit dem DRM umgeht.“

Zoë Beck: Das eBook aka „Das Böse“.

Ich verstehe ganz ernsthaft nicht, was sie damit sagen will, wenn Sie, werte Leser, mir das erklären können, bitte ich darum.

Klarer und stärker hingegen ist wieder ihre Kritik an dem eingefahrenen Markt, der beispielsweise Bundles aus Büchern und E-Books anbieten sollte. Den zu hohen Preis vieler E-Books kritisiert sie genauso zu recht, wie mit ihrem Schluss, dass es viel mehr Gründe als die Qualität eines Textes gibt, ob er es schafft, auch gedruckt zu werden, oder, ob er „nur“ digital vorliegt…

Soweit zum Debattenbeitrag von Zoë Beck. Es haben sich noch ein paar andere kluge Menschen in diesem Streit zu Wort gemeldet und so langsam wächst in mir obendrein noch eine Idee: nämlich mal bei Amazon nachfragen, was sie eigentlich gegen Typographie haben… Vielleicht könnte man auch mal ganz allgemein ein paar Sätze zum Thema Typographie verlieren… Ihr seht, es bleibt spannen.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Hintergründe

2 Antworten zu “Die Zukunft des Buches – Kapitel 2

  1. “Selbst das Argument, man kaufe nicht, sondern leihe es sich nur aus und könne es nicht weiterverleihen, greift nicht, wenn man sich genau anschaut, wer wie mit dem DRM umgeht.“
    Nun, ich nehme an, sie meint dass man heute angeblich ganz einfach den Kopierschutz entfernen kann. Mit genau anschauen wäre dann gemeint, dass man das nicht so einfach rausfindet, weil es natürlich illegal ist. Das Argument, man könne es nicht weiterverleihen, hat sich damit natürlich erledigt, es wird in ebenfalls illegalen Tauschbörsen weiterverbreitet, dass es je nach Blickwinkel eine helle Freude oder zum Heulen ist.

  2. Pingback: Die Zukunft des Buches – Kapitel 2 | Privatsprache

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s