DRM knacken – ein paar Fakten zum Entfernen von Kopierschutz

Auf dieses Blog schickt Google immer wieder Menschen, die wissen möchten, wie man DRM entfernt. Gelegentlich erreichen mich sogar entsprechende Anfragen per Mail. Um es gleich zu sagen: Ihr seid hier falsch. Googelt weiter, ihr solltet schnell zu einer Quelle gelangen, die Euch weiterhilft. Warum ich euch nicht helfe? Weil das Umgehen von DRM verboten ist. Halt, stopp. Das stimmt so nicht ganz. Ich sollte einen Schritt zurücktreten…

Rusty padlock

„Rusty padlock“ von Oxfordian. Lizenz: CC BY-ND 2.0

Amazon, der dunkle Lord des DRMs

Zunächst: was ist DRM? DRM steht für Digital Rights Management oder Digitales Rechte Management und bezeichnet eine bestimmte Form von Kopierschutz. Ausführlich habe ich das hier beschrieben. Ich verachte DRM! DRM ist falsch und schädlich, weil es die falschen, nämlich die ehrlichen Kunden bestraft. Die Tendenz von Autoren, Verlagen und Händlern, Kunden immer mehr als Feinde und potentielle Gegner zu betrachten, ist eine katastrophale Entwicklung, die uns allen noch einmal leid tun wird. Auch das habe ich schon einmal behandelt. Der jüngste Fall, der zeigt, wie absurd DRM ist, geht natürlich wieder einmal auf das Konto von Amazon.

Amazon hatte Kundenkonten von Käufern gesperrt, die zu oft Produkte zurückgeschickt haben. Das ist Amazons gutes Recht. Ein Händler ist keine Wohltätigkeitsorganisation, er will Gewinn machen und wenn ein Vertragspartner durch zu häufige Retouren mehr kostet als einbringt, kann Amazon eben sagen: gut, dann handele ich eben nicht mehr mit dir! Das Problem ist aber, dass Amazon mittlerweile nicht mehr nur Händler ist, sondern auch Anbieter von digitaler Infrastruktur. In Bezug auf E-Books zeigt sich das so, dass mit der Kontosperrung sämtliche E-Books auf dem Kindle, die mit DRM versehen waren, auch futsch waren. Auch das ist rechtlich in Ordnung, denn in den AGB hat Amazon das festgelegt. DRM räumt eben nur ein Nutzungsrecht ein, keinen Besitz. Aber es ist moralisch falsch! Daher muss ich sagen, wer E-Books von DRM befreit, um Sicherheitskopien zu machen, handelt zwar rechtlich falsch, hat aber meines Erachtens die Moral auf seiner Seite.

Nebenbei führt diese Praxis von Amazon zu der ihnen sicherlich nicht genehmen Nebenwirkung, dass ich, der ich selbst über kdp und das Afilliate-Programm Geld mit Amazon verdiene, mir mittlerweile zweimal überlege, ob ich selbst auch bei Amazon einkaufen soll. Denn angenommen, ich muss ein paar mal hintereinander Produkte zurückschicken, nicht aus bösem Willen, sondern weil tatsächlich unglückliche Umstände dazu führten. Das könnte mich dennoch, quasi als Kollateralschaden, auf die rote Liste von Amazon führen und  – schwupp – wären auch mein kdp-Konto und das Partner-Konto weg. Doch zurück zum DRM…

Urheberrecht, Kopierschutz und die Digital-Analog-Schranke

DRM zählt, wie gesagt, zu den Kopierschutzmethoden. Und diese zu knacken ist in Deutschland seit dem sogenannten „ersten Korb“ der Urheberrechtsreform im Jahre 2003 verboten. Davor war es erlaubt, solange man sich im Rahmen der Privatkopie bewegte. Also wenn man eine Kopie etwa zum Zwecke einer Sicherheitskopie macht oder um sie an einige wenige Freunde oder Verwandte weiterzugeben. Wer sich für diese Thematik interessiert, dem empfehle ich natürlich (wieder einmal) Blackbox Urheberrecht… 😉

Aber, es gibt einen Ausweg! Eine Gesetzeslücke gewissermaßen erlaubt das Umgehen eines Kopierschutzes, sofern man die sogenannte „Digital-Analog-Schranke“ dabei durchschreitet. Bei Musik ist das relativ einfach: ihr müsst einfach nur ein kopiergeschütztes Lied während des Abspielens wieder aufnehmen. Also einmal die Umwandlungskette Code -> Schallwellen -> Code hinter euch bringen und schon habt ihr eine legale Privatkopie.

Bei Büchern ist das schon etwas komplizierter: Ihr müsst jede Seite eures Buches vom Kindle oder einem äquivalenten Reader abfotografieren und anschließend mittels eines Spracherkennungsprogramms wieder digitalisieren. Das ist natürlich sehr zeitaufwändig. Es sei denn ihr habt so etwas:

DIY kindle scanner from peter purgathofer on Vimeo.

Oder ihr googelt einfach noch einmal 😉

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Google-Suche, Hintergründe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s