#ePrdctn 8 – Schriftarten in ein E-Book einbetten

Da mein Buch noch immer auf einen letzten Beitrag wartet, erkläre ich hier doch in der Zwischenzeit mal wieder etwas zur ePrdctn: nämlich, wie man Schriftarten (auch Fonts oder Font-Familys genannt) in E-Books einbettet und was die verschiedenen Reader dann daraus machen.

Google Web Fonts

Der erste Schritt ist das besorgen der Schriftart. Dabei geht es vorallem darum, rechtliche Hürden zu beachten. Ihr könnt nicht einfach eine Schriftart googlen, downloaden und verwenden, sondern müsst genau beachten, für welche Verwendungszwecke die Schriftart lizenisert ist. Klar: wollt ihr euer E-Book verkaufen, muss die Schriftart kommerziellen Gebrauch mit einschließen. Aber damit noch nicht genug… Denn, wie schon öfter hier mal erwähnt, ist eine ePub-Datei im Grunde nichts anderes als ein Zip-Ordner. Das heißt, dass jeder den Ordner entzippen und die Schriftart extrahieren kann. Ihr müsst also bei der Lizenz der Schriftart auch darauf achten, dass die Weitergabe der Fonts legal ist.

Ich verwende in meinem Buch fast ausschließlich Fonts von den Google Webfonts. Diese sind Open Source und man darf sie verwenden, verändern und weitergeben. Falls Ihr eine andere Quelle wählt, ist die beste und einfachste Methode, dem Font-Designer eine Mail zu schreiben und ihn zu fragen, denn er hat die Schriftart ja ins Netz gestellt, also hat er vielleicht gar nichts dagegen, wenn ihr sie verwendet.

Bei den Google Webfonts müsst ihr noch zweierlei beachten:

  1. Natürlich könntet ihr die Schriftart online einbinden, indem ihr in der CSS einfach die URL angebt (dazu später mehr), aber nicht jeder E-Reader kann das abrufen, vorallem nicht jederzeit. Deshalb ist der Download der Schriftart, der Weg, den ihr gehen wolt.
  2. ePub2 unterstützt offiziell nur Open Type Fonts (OTF), ePub 3 unterstützt OTF und Web Open Font Format (woff) Schriftarten. Ausnahmensweise sind (einige) Reader hier mal etwas offener und unterstützen auch den weit verbreiteten Standard True Type Font (TTF), aber vorsichtshalber solltet ihr eine TTF besser in eine OTF umwandeln.

True Type Font in Open Type Font umwandeln

Ein Grund mehr, sich für Google Webfonts zu entscheiden, denn – wie geschrieben – die darf man auch verändern. Es gibt verschiedene Programme und Online-Dienste, die diesen Schritt für euch übernehmen. Auch hier geht die Preisspanne wieder einmal von kostenlos bis unsäglich teuer. Ich habe gute Erfahrung mit dem kostenlosen Onlinedienst Free Online Font Converter gemacht. Er wandelte meine Schriftarten stets zuverlässig und ohne Makel um.

Die Schriftart ins ePub einbinden

Der nächste Schritt ist dann die Schriftart in euren ePub-Container zu bringen. Im Grunde könnt ihr euer epub entpacken, die Schriftart reinstecken und wieder verpacken. Aber vorsicht! Macht Ihr das mit einem normalen Zip-Programm, wird euer E-Book unleserlich. Für Mac habe ich ein Programm rechts unter „Tools“ verlinkt. Für andere Betriebssysteme suche ich noch. Falls ihr was wisst, sagt bescheid.

Vorerst tut es aber auch mein bevorzugtes Tool Sigil (Obacht: nachher kommt ein Schritt der nicht mit Sigil möglich ist! Ihr braucht also ein Entpackprogrammm). Habt ihr euer ePub mit Sigil erstellt, stellt er euch sogar einen Unterordner für Schriften zur Verfügung. Mit einem Klick auf die rechte Maustaste kann man da schnell Schriftarten reinladen.

Sigil Ordner für Schriftarten

Sigil bietet einen Ordner, in den man mit der rechten Maustaste Schriftarten laden kann

Aber im Grunde ist der Ort, wo ihr die Schriftarten hinpackt egal, ihr müsst nur den Pfad in der CSS angeben.

@font-face in CSS definieren und Schriftart zuweisen

Als nächstes legt ihr ein Stylesheet an, in dem ihr das gesamte Aussehen eures E-Books definiert. In Sigil geht das wieder mit dem REchtsklick auf den Ordner „Styles“.

Hier müsst ihr jetzt die Schriftart definieren. Die Auszeichnun dafür heißt
@font-face
und die zulässigen Werte findet ihr hier.

Wenn ihr fertig seid, sieht das in etwa so aus:

Font-Face in einem Stylesheet

Die Auszeichnung font-face und einige Werte

  • font-family bestimmt den Namen der Schriftart. Er ist frei wählbar könnte also auch kleineBlaueElefantenSindAnarchisten lauten, selbst wenn die Datei der Schriftart einen anderen namen trägt.
  • font-weight bestimmt, wie der name schon sagt, das Gewicht der Schrift, normal, bold, bolder, lighter oder Werte von 100 bis 900 können bestimmt werden.
  • font-style bestimmt das Aussehen in Bezug auf italic (kursiv) oder normal
  • und src bestimmt die Source, die Quelle, wo die Datei liegt.

Jetzt habt ihr eurem ePub mitgeteilt, dass die Schriftart existiert, anschließend müsst ihr sie noch verwenden. Das ist auch kein Voodo, sondern Standard-CSS:

p element in css

Definition des Paragraph-Elements in CSS

  • p deklariert das Paragraph-Element. Natürlich könnt ihr auch Unterkategorien nach dem bekannten Muster p.MeinLieblingsAbsatz und p.AbsatzDenIchGarNichtMag vergeben. (Das Highlightning ist nur für euch, CSS ist nicht Case-Sensitive.
  • font-family legt jetzt fest, dass p in diesem Fall mit der Schriftart librebaskervilleregular dargestellt werden soll. Für den Fall, dass mit dieser Probleme auftauchen, ist noch die Fallbackoption serif angegeben. Also soll eine Serifenschrift verwendet werden.
  • Die andern beiden Auszeichnungen sind hier nicht so wichtig: text-align : jusify sagt, dass Blocksatz verwendet werden soll, line-height : 140% bestimmt die Zeilenhöhe, in Word wäre das der Zeilenabstand. Hier habe ich 140% gewählt, weil bei einfachem Abstand die Schriftart zu gedrängt aussah.

Stylesheet in HTML einbinden

Abschließend müsst ihr noch das Stylesheet in die HTML-Datei, in der euer eigentlicher Buchtext steht, einbinden.

Stylesheet in HTML einbinden

Mit der grünen Zeile bindet ihr eure CSS-Datei in die HTML-Datei ein.

Wieder gebt ihr an, wo das Stylesheet liegt, dass es ein Stylsheet ist und dass es vom Typ CSS ist. Und fertig ist der Trabi…

Schriftarten in Apple iBooks einbinden

…haste dir gedacht. Aber hier kommt wieder unser Problem mit den zersplitterten Formaten. Denn, wollt ihr iBooks bedienen, dann müsst ihr noch einen weiteren Schritt machen, der nicht ePub-Standard ist, sondern eine Apple-Spezialität. Ihr müsst die Schriftart nämlich noch einmal einbinden.

  1. Ihr erstellt ein Textdokument.
  2. fügt dort den Text:
    <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
    <display_options>
    <platform name="*">
    <option name="specified-fonts">true</option>
    </platform>
    </display_options>

    ein.
  3. Benennt die Text-Datei in com.apple.ibooks.display-options.xml um
  4. Ihr entpackt euer ePub, wenn ihr es nicht schon gemacht habt und packt die Datei in den Ordner „META-INF“

Jetzt schafft es auch iBooks die Schriftarten anzuzeigen.

Und was ist mit dem Kindle?

Der Kindle ist so eine Sache. Habt ihr die Schritte oben vollzogen, könnt ihr euer ePub in ein mobi umwandeln und der Kindle Fire zeigt euern Text so an, wie ihr das vorgesehen habt. Nicht aber die Kindles mit E-Ink (man sagte mir, mit einem Jailbreak könne man sie dazu bringen, aber das ist bloßes Hörensagen und ich will hier niemanden dazu animieren seine Garantie zu verlieren).

Und während man bei den E-Ink-Readern das vielleicht noch irgendwie halbwegs verstehen kann, wird es total gaga bei den Kindle-Apps: denn die unterstützen auch keine eingebetteten Schriften. Während also nur einen Fingertipp in iOS die iBooks App mit der vollen Schönheit von Typographie aufwartet, kann man in der Kindle App nur in der ekeligen Standardschrift lesen.

O Tempora, o mores!

Dennoch wünsche ich euch viel Spaß und bis zum nächsten Mal!

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4 Kommentare

Eingeordnet unter #ePrdctn

4 Antworten zu “#ePrdctn 8 – Schriftarten in ein E-Book einbetten

  1. Kay Fretwurst

    Hallo Daniel,
    ich quäle mich zum ersten Mal durch die EBook Produktion und dieser Beitrag war einer der hilfreichsten, die ich gefunden habe, – auch für Neulinge wie mich detailliert und nachvollziehbar erklärt – ganz herzlichen Dank! Ich finde es so wunderbar und ganz gar nicht selbstverständlich, dass es Menschen gibt, die sich die Zeit nehmen, ihr Wissen der Allgemeinheit zugänglich zu machen.
    Trotzdem habe ich noch eine Frage: Aus Indesign CS 5.5 wird im META-INF Ordner automatisch eine encryption.xml-Datei angelegt und ich bekomme die Fehlermeldung: „WARNING: resource OEBPS / Fonts / TimesNRMTPro.otf cannot be decrypted“ für alle Schriften, obwohl die Schriften im Fonts Ordner unter Sigil liegen. Muss ich die Datei encryption.xml vollständig löschen, wenn ich die com.apple.ibooks.display-options.xml Datei in den META-INF-Ordner packe? In diesem encryption.xml Ordner wird als erstes jeweils auf eine Internetseite verwiesen und dann erst auf die Quelle im Ordner OEBPS:

    Die Schrift ist ordnungsgemäß erworben und ja auch eine .otf.
    Können Sie mir da weiterhelfen?

    Mit herzlichen Dank
    Kay Fretwurst

    • Puuh, ich habe echt lange nicht mehr mit InDesign gearbeitet, daher ist alles, was gleich folgt, so ein bisschen gefährliches Halbwissen….

      Zunächst einmal legt InDesign dir zwar die Schriftarten an, aber scheint sie zu verschlüsseln. In der encryption.xml sollte dann stehen, wie die Schriftarten zu entschlüsseln sind. Allerdings muss dann die E-Book-Plattform natürlich auch verstehen, wie die Schriftarten zu entschlüsseln sind. Ich habe das mal schnell gegoogelt und zum Beispiel Nook hat einige Probleme, die Datei zu lesen und/oder zu akzeptieren.

      Eine spannende Frage ist: Warum macht Adobe das? Das habe ich ja shcon erklärt: dadurch, dass die epub-Datei im Grunde ein Zip-Container ist, kann halt jeder die Schriften extrahieren und Adobe möchte dich davor „beschützen“. Wenn du dir aber sicher bist, dass du alle nötigen Rechte (inklusive dem der Weitergabe) innehast, würde ich folgendermaßen vorgehen:

      Wenn ich mich recht entsinne, werden für jedes Absatzformat, dass du in InDesign verwendest, eigene CSS-Klassen im epub angelegt. Ich würde Die Datei ohne Schriftarten aus InDesign herausexportieren, aber für jede Stelle, an der du die Schriftart verwenden willst, ein entsprechendes Absatzformat verwenden mit einem eindeutigen Namen.

      Wenn du das gemacht hast, kannst anschließend dein ePub in Sigil öffnen und die Schriftarten reinpacken. Dann öffnest du deine CSS und bindest die Schriften so ein, wie ich es beschrieben habe. Deine Absatzformate sollten sich jetzt anhand der Namen leicht erkennen lassen und du kannst ihnen die Schrift schnell zuordnen.

      Falls du dabei Hilfe brauchst, kannst du dich gerne per E-Mail an info@privatsprache.de wenden… Oder hier weiterfragen, vielleicht melden sich noch andere zu Wort, die Ahnung haben…

  2. Gabi

    Guten Tag, könnten Sie das auch für einen Laien erklären?
    Ich habe eine Bild,zusammen mit einem Text/ Titel in einer bestimmten lizenzfreien Schriftart als pdf. Ich lade die Datei bei amazon als ebook hoch. Dann erscheint es auf dem Endkundengerät ( kindle, PC, Tablet….) so wie ich es in meiner pdf ürsprünglich festgehalten habe. Ja oder Nein??? (Mit dem Nachteil, das der Endkunde als Einstellmöglichkeit nur zoomen kann, einen Tod muß ich sterben.) Bin für jede verständlich Erklärung dankbar, bitte keine html Anweisungen oder so geben, das schaffe ich nicht, mich da so eben einzuarbeiten.

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