Kein Kindlekiller in Sicht

Freitag, 17:30. Die gemeinsame Pressekonferenz von Bertelsmann, Hugendubel, Thalia, Weltbild und der Telekom ist noch keine 6 Stunden her. Wurde auf dieser Pressekonferenz nicht die Zukunft des Buches vorgestellt … Mal wieder? Der Kindlekiller?
Eigentlich sollten die sozialen Medien also voll sein mit dieser Meldung. Doch … nichts da. Auf Rivva muss ich lange suchen, bis ich die Meldung ganz unten, ganz klein, fast schon in einer Fußnote finde. Gut, das ist nicht allein Fehler der 4 1/2 Buchhändler, sondern zum größten Teil darauf zurückzuführen, dass der Bundestag just heute das Internet mit dem schönen neuen Leistungsschutzrecht trollt. Und da die Zielgruppen sich hier wohl überschneiden dürften, und das LSR alle anderen Nachrichten frisst, bleibt nicht viel Aufmerksamkeit für diese Pressekonferenz.

Allerdings hätten sich das WelHuThaBerTel erstens auch vorher mal überlegen können und zweitens wäre sicher noch genug Aufmerksamkeit für sie abgefallen, wenn ihre Botschaft nur spektakulär genug gewesen wäre. Doch der Reihe nach: Was hat WelHuThaBerTel denn da jetzt eigentlich vorgestellt?

Tolino

Tolino soll die neue Marke heißen, unter der die Kunden in Zukunft auf dem E-Reader Tolino shine E-Books lesen können. Den Reader wird es in den Buchhandlungen der Partner geben, die Telekom bietet ihre W-LAN-Versorgung für den Download der E-Books an. Man kann dann alle E-Books, die man in einem der angeschlossenen Onlineshops gekauft hat, in der Telekom-Wolke dauerhaft speichern und über Telekom W-Lan herunterladen. Der Tolino shine ist ein E-Ink-Reader mit integrierter Beleuchtung, wie der Paperwhite des großen Konkurrenten. Der interne Speicher beträgt 2 Gig, womit die Telekom optimistisch „bis zu“ 2.000 E-Books speichern will. Der Speicherplatz ist außerdem mit Micro SD erweiterbar. Das Format, auf das WelHuThaBerTel setzt wird ePub sein.

Laut buchreport soll der Tolino shine ab 7. März in den Läden stehen und 99,99 Euro kosten.

So weit, so gut

Aber, warum ruft das keine Begeisterungsstürme hervor? Warum wird es wohl keine Fanboyswarteschlangen vor den Buchhandlungen geben?

Es fehlt einfach an der Innovation: gut die Telekom-Cloud und der Rückgriff auf ihr W-Lan sind schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, aber was ist mit einer Indie-Publishing-Plattform, wie Amazon sie bietet? Wieso nur ein Reader und nicht auch ein Tablet, wo doch Amazon diesen Schritt mit dem Kindle Fire erst jüngst auch in Deutschland wagte? Und zu guter Letzt schweigt sich das Konsortium darüber aus, ob es ePub 2 oder 3 unterstützen wird, was nur heißen kann, dass sie sich mit ePub 2 zufrieden geben werden. Wie geil wäre aber eine ePub3-Reader gewesen? Das wäre eine Nachricht wert gewesen!

Das, was WelHuThaBerTel da ankündigt, jagt mir jedenfalls keine Schauer über den Rücken, sondern verbleibt in der Rubrik: egal.

P.S.: Lesen.net bietet einen ersten Test des Tolino shine an.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Kein Kindlekiller in Sicht

  1. Pingback: Tolino shine – Fussnote im eBook-Markt oder Kindle-Killer? | smart digits

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