DRM – Digitales Rechte Management

Ich habe schon öfter das Thema DRM hier angerissen, mich dabei stets despektierlich geäußert und klar gemacht, dass ich bei meinem E-Book, soweit möglich, darauf verzichten möchte. Das ist natürlich eine provokante Ankündigung, wenn ich zugleich gerade dabei bin, Autoren für das Buch zu suchen. Man könnte mich so verstehen, als würde ich nichts dafür tun, die Werke der Autoren zu schützen, sondern sie den Löwen zum Fraß vorwerfen. Also, wie komme ich dazu?

Ganz einfach: DRM schützt nicht.

Ein unleserlicher Codeschnipsel

Auch das ist wieder eine steile These, die ich aber mit diesem Link untermauern kann. Adobe ist einer der größten Anbieter von DRM und mit einer einfachen Suchanfrage, finde ich auf Google 2,6 Millionen Seiten, die sich damit beschäftigen diesen „Kopierschutz“ zu knacken (Immerhin hat Adobe an seiner Suchmaschinenoptimierung gearbeitet oder Google den Index putzen lassen, denn vor einem halben Jahr fand man unter dem Stichwort „Adobe DRM“ erst fünf bis sechs Entschlüsselungsmethoden, bevor dann die eigentliche Webseite von Adobe zu diesem Thema angezeigt wurde. Mittlerweile kommen die „Befreiungsmethoden“ erst auf Seite 2).

Ein Kopierschutz, der so leicht zu knacken ist, ist aber kein Kopierschutz, sondern eine Schikane. Denn mit anderen Worten: der Dumme ist der ehrliche Kunde, der eine ganze Menge Komfortverlust in Kauf nehmen muss. Während diejenigen, die sich das Buch kostenlos besorgen oder es verbreiten möchten, dies mit nur geringem Aufwand können. Erst kürzlich berichtete ich darüber, wie Amazon eine Kundin von ihrer Bibliothek befreit hat. Mittlerweile hat Amazon zwar aufgrund des Shitstorms eingelenkt, aber vor ein paar Jahren rief das Kaufhaus sämtliche verkauften Exemplare von Orwells „Farm der Tiere“ zurück. „Ausgerechnet Orwell“, möchte man sagen.

Wie funktioniert DRM überhaupt?

Zunächst ist klarzustellen, dass DRM eine ganze Reihe verschiedener Kopierschutzmethoden umfasst, die sich teilweise stark unterscheiden. Ich erwähnte schon Adobe im Bereich der E-Books hinzu kommen Amazon und Apple mit eigenen Methoden.
Primärer Zweck des DRMs ist es immer, die Weitergabe von Dateien zu verhindern oder wenigstens einzuschränken. Ausgenommen hiervon sind die sogenannten digitalen Wasserzeichen, die das Kopieren zwar erlauben, aber innerhalb jeder Kopie einen Codeschnipsel verstecken, der aussagt, von wem das Original stammte, wer somit für die illegale Verbreitung verantwortlich gemacht werden kann.

Digitale Wasserzeichen wären entsprechend kein Mechanismus, der den Komfort des Kundens einschränkt, und kämen für mich in Frage, wenn da nicht auch ein Denkfehler hinter stecken würde: nämlich was, wenn ich meine Datei verleihe und ein Freund sie dann kopiert und ins Netz stellt? Verantwortlich gemacht würde ich. Noch vertrackter: wenn mein Computer gehackt wird.

Abgesehen vom digitalen Wasserzeichen funktionieren DRM-Methoden meist so, dass der Kunde eine verschlüsselte Datei kauft, eine gültige Lizenz vorzeigen muss und dann die Datei entschlüsselt bekommt. Wird die Datei kopiert, muss die Lizenz erneut vorgezeigt werden und der Händler entscheidet dann, ob es sich um eine legale Kopie handelt oder nicht.

Und diese Entscheidung ist eben vollkommen der Willkür des Händlers ausgesetzt. Kommt er aus irgendeinem Grund zu dem Schluss, dass deine Lizenz nicht gültig ist, versagt er dir die Entschlüsselung und du sitzt auf einem unbrauchbaren Datensatz. Der Kunde kauft also in Wirklichkeit gar keine E-Books, er kauft Lizenzen, Entschlüsselungsmethoden.

Ferner gibt es Modelle, bei denen der Nutzer die Zugriffsrechte auf sein E-Book nur für einen gewissen Zeitraum gewährt bekommt. Nach Ablauf prüft der Händler, ob die Lizenz seines Erachtens noch gültig ist, sollte dies nicht der Fall sein, macht er die E-Books unleserlich, ohne dass sie kopiert wurden.

Letzteres ist in etwa das, was Amazon nun schon wiederholt gemacht hat. Amazon hat den Kindle und die Kindle-Apps jeweils an einen Account gekoppelt. Die Software fragt regelmäßig, ob mit dem Account alles okay ist, wenn sie dann von Amazon ein Problem gemeldet bekommt, reagiert sie. Wobei ich nicht weiß, ob sie die E-Books wirklich löscht oder „nur“ unleserlich macht. Das habe ich nicht recherchieren können. Wenn ihr mehr wisst, schreibt es doch bitte in die Kommentare.

Ein anderes Problem tritt bei Adobe auf. Zum Abrufen meiner Lizenz benötige ich einen Account auf dem Adobe Content Server, dieser ist an eine E-Mail-Adresse gekoppelt. Zu dumm nur, wenn ich diese E-Mail-Adresse verliere. Etwa weil mein Provider insolvent ist. Soll ja vorkommen. Dann bin ich plötzlich in der misslichen Lage, dass ich Adobe beweisen muss, dass ich ich bin.

Abschließend möchte ich Amazon danken, denn durch seine wiederholten willkürlichen Löschaktionen hat es gezeigt, dass die Probleme rund um DRM, die ich hier skizziert habe, keine Paranoia sind, sondern real existieren. Und genau das ist der Grund, warum ich auf DRM verzichten möchte, wo es geht.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Hintergründe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s