Für euch gelesen: die Google Play AGB

Also eigentlich: Die AGB zum Google Buch Partner-Programm und die Google E-Books Ergänzungsvereinbarung, aber, da man die Überschrift eines Textes immer zuerst liest, habe ich das mal etwas griffiger formuliert.

Bild der AGB von Google Play

Vorneweg wieder der Hinweis: natürlich übernehme ich keine Gewähr. Google wird die Vereinbarungen beliebig im Laufe der Zeit ändern, außerdem habe ich nicht Jura studiert, mich nur schon ein paar Mal mit E-Book-Vertriebsverträgen beschäftigt (etwa hier) und das ganze ist natürlich nicht vollständig. Wollt ihr Rechtssicherheit, dann meldet euch bei Google Books an und lest selbst nach. Jetzt aber los!

Um bei Google Play E-Books zu verkaufen, muss man zunächst den AGB für das „Google Buch Partner-Programm“ zustimmen. Dieses Programm beschäftigt sich weitgehend mit dem – so komisch das klingt – klassischen Google Books. Das heißt, mit der damals hochumstrittenen Aktion von Google, Bücher einzuscannen und so für die Suchmaschine indizierbar zu machen. Entsprechend haben die ganzen AGB ziemlich wenig mit unserem Anliegen zu tun, weswegen ich sie hier lakonisch zusammenfasse mit:

Der Verlag muss Google seine Bücher schicken, Google scannt die ein, präsentiert sie dann auf Google Books und beteiligt den Verlag an den Werbeeinnahmen. Google schickt die eingescannten Bücher nicht zurück und darf im Übrigen so ziemlich alles damit machen, garantiert aber für nichts und der Verlag bekommt Kohle nach Googles Gutdünken dafür.

Damit kommen wir zur Ergänzungsvereinbarung für E-Books und bleiben bei den Zahlungen. Denn eines fiel mir als erstes auf. Google schweigt sich darüber weitgehend aus. Die einzige Zahl, die ich finden konnte ist folgende: Wenn Google Bücher über Drittanbieter verkauft, erhält der Verlag einen Anteil von 45% des Nettopreises. Auch im Netz, mit Hilfe einer gewissen Suchmaschine, findet man nur sehr mühsam Informationen. Ich hatte schließlich bei buchreport Glück, der behauptet mehr zu wissen, nämlich dass Verlage beim Direktverkauf über Google Play 52% des Nettopreises bekommen. Wenn man allerdings sieht, was buchreport zu Amazons Tantiemen schreibt, ist diese Zahl mit Vorsicht zu genießen, denn was da über Amazon steht, ist schlichtweg falsch. Ich berichtete über die wahren Zahlen.

Gehen wir davon aus, dass die Zahlen stimmen, dann sind das extrem schlechte Zahlen. Schlechter als die Bedingungen, die die Großhändler im Printbereich gewähren, die liegen nämlich üblicherweise bei 50-60% des Bruttopreises für den Verlag. Ich werde mich mit der Preisgestaltung für E-Books noch eingehender beschäftigen, aber außer mit Marktmacht (die Google jedoch noch gar nicht hat) lassen sich die Zahlen der Kalifornier nicht begründen, denn schließlich fallen die Kosten für Lager und Transport, die die Printbuchhändler zu stemmen haben, weg. Klar muss Google Server betreiben und eine Shopinfrastruktur liefern, aber beides machen sie einerseits sowieso und bekommt andererseits die Konkurrenz von Amazon und Apple, die den Markt wirklich beherrscht, günstiger hin. Der einzige Vorteil Googles gegenüber Apple und Amazon ist die Bereitstellung dieser „elektronischen ISBN“, von der ich immer noch nicht genau weiß, was sie eigentlich sein soll. (Aber noch immer am recherchieren bin).

Nun gut, kommen wir zum Rest der Ergänzungsvereinbarung. Die ist zwar wesentlich knorriger geschrieben als die von Amazon, welche sich dagegen las wie ein leichter, grau schattierter Roman, enthält aber letztlich nur wenige Überraschungen, soweit sie mir auffielen.

Die Stolperfallen der Google Play AGB

  • Google behält sich das Recht vor, die E-Books zu verändern.
  • Google wird die E-Books auch an lizenzierte Händler weiterverkaufen.
  • Wenn ihr euren Vertrag mit Google kündigt, dürfen die Kunden die E-Books natürlich behalten.
  • Google darf bis zu 20% der Bücher umsonst präsentieren.
  • Ihr könnt zwar angeben für welche Regionen der Welt ihr die Rechte an den E-Books haltet, Google übernimmt aber keine Gewähr, dass die Bücher nicht sonst wo verkauft werden können. Können sie nämlich nicht, wie ihr feststellen werdet, wenn ihr mal „VPN-Tunnel“ googelt.
  • Google und seine Freunde dürfen nach eigenem Ermessen den Verkauf eurer E-Books wieder einstellen.
  • Google darf im Rahmen von Marketingmaßnahmen Marken nutzen, auf die ihr die Rechte haltet, etwa euer Logo.
  • Der Verlag ist für die Einhaltung der Buchpreisbindung verantwortlich. Sind die Bücher nicht preisgebunden, kommt ein langer Rattenschwanz an Bestimmungen, wie Google den Preis gestalten darf, der uns aber nicht interessiert, wie ich ja schon erläutert habe.
  • Interessant ist dabei lediglich, dass Google einen Paketpreis für die Kombination Print und E-Book ermöglicht, „sofern der mit der Buchpreisbindung vereinbar ist“. Da das eine spannende Marketingmaßnahme wäre, werde ich da noch einmal beim Börsenverein nachhaken.
  • Google wird eure Tantiemen spätestens 60 Tage nach Abrechnungsmonatsende überweisen, sofern der Betrag höher als 100$ liegt, anderenfalls darf Google warten, bis der Hunderter erreicht ist. Solltet ihr oder Google den Vertrag kündigen, wird Google den Restbetrag innerhalb von 90 Tagen auszahlen, es sei denn, er liegt unter 1$.
  • Google muss euch natürlich keine Tantiemen zahlen, wenn die Käufer die E-Books zurückgegeben haben, in Deutschland zum Beispiel darf man ja über das Internet gekaufte Waren innerhalb von 14 Tagen zurückgeben. Google zahlt auch nichts aus, wenn das E-Book „betrügerisch“ von einem Kunden erworben wurde, etwa mit einer geklauten Kreditkarte.
  • Ihr dürft Google E-Books nicht missbrauchen, etwa als Spamschleudern, Viren-, Trojaner- oder allgemein Mallware-Lieferanten.
  • Google behält sich das Recht vor, Den Preis des E-Books an den Käufer „nach eigenem Ermessen“ zurückzuerstatten.
  • „Mit Google verbundene Unternehmen“ dürfen Kreditauskünfte über euch einholen.
  • Sowohl ihr als auch Google dürfen den Vertrag mit einer Frist von 30 Tagen kündigen. Es gibt ferner noch diverse Möglichkeiten der außerordentlichen Kündigung.
  • Ihr könnt Google schriftlich auffordern eines oder mehrere Bücher aus dem Verkauf zurückzuziehen.
  • Auch nach Kündigung des Vertrages dürfen die Endnutzer bereits gekaufte Bücher behalten.
  • Ihr habt zu gewährleisten, dass alle Infos, die ihr Google übermittelt, korrekt und aktuell sind, ihr über alle Rechte und Genehmigungen an euren E-Books verfügt, ihr nicht gegen geltendes Recht verstößt, ihr keine Malware in eure E-Books gepackt habt und eure Bücher von zufrieden stellender Qualität sind.
  • Ferner – und das ist vielleicht der problematischste Punkt – gewährleistet ihr, dass die Autoren eurer E-Books auf ihre „Urheberpersönlichkeitsrechte“ verzichten, respektive diese nicht gegen Google durchsetzen. Ich habe das mal gegoogelt 🙂 und zu den Urheberpersönlichkeitsrechten gehören: das Veröffentlichungsrecht, also dass der Urheber bestimmen darf, was veröffentlicht wird. Gut, das ist nicht problematisch, aber es geht weiter: Das Benennungsrecht. Der Urheber darf dem Werk den Namen geben. Das heißt mit anderen Worten: Google darf eure Bücher umbenennen. Schließlich gehört zu den Urheberpersönlichkeitsrechten auch das Beeinträchtigungsverbot: dass der Urheber bestimmen darf, welche Änderungen am Werk vorgenommen werden dürfen. Womit wir wieder bei dem Punkt von oben wären, dass Google die E-Books quasi umschreiben darf. Ich frage mich, in wie weit dieser Verzicht im Namen Dritter nach deutschem Recht überhaupt zulässig ist, glaube allerdings nicht, dass er letztlich weitgehend angewendet wird. Zumindest in Bezug auf das Beeinträchtigungsverbot habe ich beim Kauf von E-Books im Play-Store gesehen, was Google damit meint: sie packen nämlich Screenshots des Seitenlayouts im „Standardzoom“ in die Datei. Aufgrund des flexiblen Textflusses in der ePUB-Datei kann ein aufwändiges Layout auf einem kleinen Handydisplay schon einmal zerschossen werden. Dann sieht man mit dem Screenshot zumindest, wie sich das der Setzer eigentlich gedacht hatte. Allerdings weiß ich natürlich nicht, ob dies die einzige Veränderung ist, die Google jemals an E-Books vornehmen wird.
  • Ihr stellt Google von sämtlicher Haftung frei.
  • Schön finde ich: keine Partei ist berechtigt, Rechten oder Verpflichtungen ohne vorherige schriftliche Zustimmung des anderen an Dritte abzutreten. Ausgenommen sind „mit Google verbundene Unternehmen“. Mit anderen Worten: Google darf das, ihr nicht.
  • Gleiches gilt für das Entstehen von Rechten oder Vorteilen.
  • Die Egänzungsvereinbarung unterliegt deutschem Recht.
  • Wenn es Stress zwischen euch und Google gibt, soll zunächst eine Mediation einberufen werden.

Das war es.

Solltet ihr noch Fragen haben, empfehle ich die Lektüre des entsprechenden Hilfethemas bei Google selbst: Support zum Google Books Partnerprogramm

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2 Kommentare

Eingeordnet unter E-Book Vertrieb

2 Antworten zu “Für euch gelesen: die Google Play AGB

  1. Pingback: Reden wir über Geld – E-Book-Preisgestaltung | Privatsprache – Projekt: Blackbox

  2. Thomas

    Danke! Die Zusammenfassung hat mir gefallen – der Inhalt natürlich nicht. Werde wohl zu LeanPub gehen.

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