ISBN

… steht für Internationale Standardbuchnummer und ohne sie ging nichts im institutionalisierten Buchhandel mit physischen Büchern. Klar konnte man und kann man noch immer ein Buch herausgeben, ohne dass man dafür unbedingt eine ISBN braucht, doch außer es eigenhändig in der Fußgängerzone zu verticken, bleiben nicht mehr viele Vertriebswege übrig. Denn die gesamte Warenwirtschaft des Buchhandels ist auf die ISBN eingeschworen. Sie ist der Personalausweis eines jeden Buches.

Die ISBN von Georg Büchner: Dantons Tod. Reclam. Ditzingen 2002.

Die ISBN von Georg Büchner: Dantons Tod. Reclam. Ditzingen 2002.

Prinzipiell hat jedes Buch, jede Edition des gleichen Textes eine eigene ISBN. So müssen etwa Hardcover und Taschenbuch jeweils eine eigene ISBN zugeteilt sein. Genauso verhält es sich bei überarbeiteten oder erweiterten Neuauflagen eines Buches. Lediglich unveränderte Nachdrucke brauchen keine neue ISBN.

Mit dem E-Book hat sich hier schon wieder etwas geändert. Zwar braucht das E-Book, wenn es mit einer ISBN ausgestattet sein soll, eine eigene ISBN. Es darf also nicht die gleiche ISBN tragen wie ein inhaltsgleiches Printexemplar. Allerdings braucht das E-Book nicht mehr unbedingt eine ISBN.

So verzichtet Amazon gänzlich auf die ISBN und ersetzt sie durch das hausinterne System ASIN und Google bietet zu jedem E-Book gleich eine „Internet ISBN“ an, womit es wohl eine ISBN-A meint. Lediglich der dritte Händler – Apple – besteht bei E-Books weiterhin auf ISBNs.

Die ISBN-A ist laut den Informationen des MVB (Marketing und Verlagsservice des Buchhandels) so etwas wie die Internet-Visistenkarte des Buches. Mit ihr bekommt man eine Webseite, auf der man sein Buch präsentieren kann und sie ist (such)maschinenlesbar. Was genau Letzteres im Unterschied zur klassischen ISBN bedeuten soll, bleibt das Geheimnis des MVB. Jedenfalls habe ich gerade mal eine Stichprobe gemacht und Google liefert mir bei Eingabe einer alten ISBN zuverlässige Ergebnisse.

Interessant wäre die ISBN-A allenfalls, wenn sie die klassische ISBN ablösen würde, man somit einfach die Webseite noch obendrauf bekommt. Aber, ob ISBN und ISBN-A in einem Ersetzungs- oder Ergänzungsverhältnis zueinander stehen, geht aus den Informationen des MVB nicht hervor. Ich habe das per E-Mail angefragt, aber bislang keine Antwort bekommen. Für meine Zwecke ist die ISBN-A bislang sowieso nicht geeignet, denn das Angebot richtet sich an gewerbliche Verlage, während ich im Selbstverlag mit der klassischen ISBN vorlieb nehmen muss, darf und will.

Wie beantrage ich eine ISBN?

Dafür gibt es im Hause des MVB die Agentur für Buchmarktstandards, die in Deutschland das Monopol auf die Vergabe von ISBNs hält.

  • Unter www.german-isbn.de kommt ihr auf eine Webseite, die zeitgleich eine Zeitmaschine in die 90er zu sein scheint in ihrer zeitlosen Eleganz (Ob ich jetzt noch eine E-Mail-Antwort des MVB erhalte?).
  • Hier gibt es links einen Kasten mit dem Titel „ISBN“, den ihr anklickt.
  • Woraufhin ihr vor die Entscheidung gestellt werdet, ob ihr ein Verlag mit fortlaufender Produktion seid oder ein Selbstverlag mit „absehbar einmaliger Verlagsproduktion“. Ich habe mich für letzteres entschieden, da ich ja erst einmal ein E-Book herausgeben möchte, um dann weiterzusehen.
  • Wenn ihr vielleicht noch ein paar E-Books mehr herausgeben wollt, müsst ihr nicht in fingernägelabkauende Panik verfallen, denn mit der „absehbar einmaligen Produktion“ ist das nicht soooo ernst, wie das Bestellformular zeigt, zu dem wir gleich kommen. Dort wird nämlich gefragt, ob ihr schon einmal eine ISBN hattet, ohne dass darauf verwiesen wird, dass dies problematisch sei. Wenn ihr aber vorhabt ins Big Business einzusteigen, dann solltet ihr die Option für Verlage wählen. Denn einerseits bekommt ihr dann die ISBNs günstiger und andererseits wird auch eine eigene Verlagskennung in die Zahlenfolge der ISBN eingearbeitet.

    „Warum dann nicht gleich die Verlagsoption wählen?“, könnte man jetzt natürlich fragen. Nun, ganz einfach, weil damit fortlaufende Kosten verbunden sind. Als Voraussetzung bedarf es erst einmal eines Handelsregistereintrages, für den eine jährliche Gebühr fällig ist, ferner muss auch die Verlagskennung innerhalb eurer ISBNs mit einer jährlichen Gebühr abgegolten werden. Da ich mit meinem Projekt erst einmal ins Blaue marschiere, bin ich noch nicht bereit, diese Investitionen zu stemmen.

    Stattdessen habe ich mich für die Einzel-ISBN entschieden. Womit wir nun bei deren Kosten sind. Eine einzelne ISBN für Selbstverlage kostet 85 Euro. Diese setzen sich folgendermaßen zusammen:

    70 Euro Bearbeitungsgebühr
    1,43 Euro Versandkosten
    13,57 Euro Mehrwertsteuer

    Über die 1,43 Euro Versandkosten für eine Nummer möchte ich den Mantel des Schweigens breiten. Nein, doch nicht: ihr bezahlt damit, dass ihr vom MVB noch schöne Werbeprospekte mitgesandt bekommt.
    Was hingegen die 70 Euro Bearbeitungsgebühr betrifft, so spricht daraus, was ich vorhin nur so am Rande fallen ließ: Monopol. In meinem letzten Job hatte ich das Glück, auch ein wenig in der Datenbankverwaltung zu arbeiten. Wenn die Datenbank der Agentur für Buchmarktstandards jetzt nicht kompletter Murks ist, dürfte die Bearbeitung des Vorgangs in etwa so aussehen:
    Ich frage in meiner Datenbank die offenen ISBNs für Selbstverlage ab, wähle eine davon aus (mutmaßlich die erste), trage sie im kompliziertesten Fall von Hand in ein Formular, das diese ISBN fortan mit dem Namen eines bestimmten Selbstverlages verbindet und aus der Datenbank für offene ISBNs löscht (geschätzte Arbeitszeit: 5 Minuten), anschließend trage ich sie gemeinsam mit den Kontaktdaten und der Anrede in einen vorliegenden Standardbrief an den Selbstverlag ein, drucke den aus, lege ein paar Werbeflyer bei, stecke alles in einen Umschlag, lecke die Gummierung an, klebe zu, adressiere und frankiere, gebe den Brief auf. Voilà: 70 Euro (Jetzt erhalte ich sicher keine E-Mail-Antwort des MVB mehr).

    Da ist es wirklich ein Segen, dass die beiden Internetriesen Amazon und Google dieses Monopol aufbrechen. Und es ist zugleich wieder traurig, dass erst zwei marktbeherrschende Kräfte aus Kalifornien dafür auf den deutschen Markt dringen müssen und alle Welt in Wehklagen um die kleinen Verlage ausbricht.

    Na ja, wie dem auch sei. Ich will eben auch mit Apple Geschäfte machen und die passen sich den bestehenden Strukturen an und verlangen eine ISBN. Daher klicke ich mich zu diesem PDF durch, das leider nicht interaktiv ist, sondern ausgedruckt und von Hand ausgefüllt werden muss. Ich trage dort alle Daten (auch meinen supergeheimen Buchtitel, den ich jetzt schon kenne) ein, wähle die Option Vorabüberweisung, überweise das Geld, gebe den Brief auf und warte, ob und wann mir dann die ISBN ins Haus flattert.

    Fertig.

    Eigentlich dachte ich, ich hätte jetzt alles für Apple zusammen, habe mich da aber geirrt. Denn man braucht, um mit Apple Geschäfte machen zu können, eine Kreditkartennummer (warum auch immer), die ist bei meiner Bank bestellt (darüber werde ich nicht schreiben, das schafft ihr schon) und ich warte so lange. Deshalb gibt es hier demnächst mal wieder den Erklärbären.

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