Für euch gelesen: Die AGB von Amazon – kindle direct publishing

Der kleine Grammatiknazi in mir kann sich folgenden Vorabkommentar nicht verkneifen: AGB steht für Allgemeine GeschäftsbedingungEN. Plural. Das heißt, dass man niemals nie, nicht, auf keinen Fall AGBs schreibt. Und jeder, der es doch tut, landet später einmal in der Grammatikhölle!
Foto von den AGB des kindle direct publishing
Doch zum Thema: Die häufigste Lüge im Internet ist laut Terms of Service – Didn’t Read „Ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen, verstanden und stimme ihnen zu“. Amerikanische Wissenschaftler™ haben herausgefunden, dass man im Jahr 201 Stunden (also 25 Arbeitstage) damit verbringen müsste, die AGB von all den Webdiensten zu lesen, die man den lieben langen Tag so benutzt. Das ist ja jetzt schlechterdings nicht praktikabel. Allerdings auch kein Grund in Gram zu versinken, denn in den AGB dürfen nach deutschem Recht „keine von der wesentlichen Erwartung abweichenden Regelungen getroffenen werden.“ Will sagen, ihr könnt eure Seele nicht verkaufen, selbst wenn Facebook, Google oder eben Amazon das reinschrieben.

Nichtsdestotrotz habe ich mich mal hingesetzt und mir die AGB vom „kindle direct publisihing“-Programm von Amazon zu Gemüte geführt, um euch im Stile von Terms of Service – Didn’t Read einen Überblick über einige Punkte zu ermöglichen.

Disclaimer!

Ich bin kein Jurist und übernehme entsprechend keinerlei Gewähr, dass das, was ich da herausgelesen habe, stimmt und natürlich ist es nicht vollständig. Ich bin einfach nur ein sprachkompetenter Mensch, der in seinem letzten Job den einen oder anderen Vertrag rund um den E-Book-Vertrieb gelesen hat und fasse hier zusammen, was mir so aufgefallen ist. Ich kann schon allein deswegen nicht garantieren, dass das hier Geschriebene richtig ist, weil sich diese AGB im Laufe der Zeit ändern, ich aber diesen Artikel nicht aktualisieren werde. Wer Rechtssicherheit will, der kann die AGB hier nachlesen.

Los geht’s:

  • Zunächst schreibt Amazon erst einmal, dass die AGB, die sie einem präsentieren, gar nicht gelten, sondern nur die englische Fassung und dass sie einfach aus Nettigkeit auch eine deutsche Version geliefert haben.
  • Klar ist, dass man am KDP nicht teilnehmen kann, wenn man den Bedingungen nicht zustimmt und das man für die Zustimmung gegebenenfalls bevollmächtigt sein muss, wenn man sie für jemand anderen tätigt (Etwa für einen Verlag).
  • Amazon darf die Bestimmungen jederzeit ändern.
  • Amazon darf dein Konto und damit den Vertrag jederzeit kündigen und muss dies nur 5 Tage vorher ankündigen. Ferner dürfen sie dein Konto auch ohne Benachrichtigung nach Lust und Laune sperren.
  • Selbst wenn der Vertrag gekündigt wurde, dürfen die Kunden die E-Books behalten. Logisch.
  • Du darfst nur ein Konto bei KDP führen und musst dafür deine richtigen Daten angeben. Warum letzteres sowieso notwendig ist, habe ich hier erklärt.
  • Amazon sendet keine Dateien zurück, auch wenn der Vertrag beendet wurde. Bei digitalen Gütern ist das ja auch unsinnig.
  • Du musst sicherstellen, dass deine E-Books frei von Malware sind.
  • Amazon darf das E-Book, den „Umschlag“, also die Coverdatei und die Metadaten mehr oder weniger nach eigenem Gusto verändern.
  • Du darfst keine Werbung innerhalb deines E-Books präsentieren.
  • Amazon darf dein E-Book jederzeit ablehnen oder aus dem Vertrieb zurückziehen. Letzteres kündigen sie wieder fünf Tage im Voraus an.
  • Amazon darf Teile des E-Books im Rahmen von Werbung kostenlos anbieten.
  • Kunden dürfen die E-Books verleihen. Wenn man sich für die 35%-Lizenzgebühr-Option entscheidet, kann man das Verleihen verbieten. (Über die Preise und Tantiemen werde ich hier demnächst noch ausführlich schreiben).
  • Wenn andere Händler, die dein E-Book auch führen, das Verleihen erlauben, dann darfst du diese Option nicht bei Amazon verbieten.
  • Wenn man sich nicht an die Inhaltsrichtlinien für E-Books von Amazon hält, verliert man seinen Anspruch auf Tantiemen.
  • Wenn dein Konto gekündigt wurde und du eröffnest einfach ein neues, ohne das Amazon dir das erlaubt hat, erhältst du keine Tantiemen von dem neuen Konto.
  • Du räumst Amazon ein nicht ausschließliches Vertriebsrecht für deine E-Books ein. Das heißt: du darfst deine E-Books auch woanders verkaufen. Ausnahme bildet das Programm KDP-Select. Bei dem räumst du Amazon für 90 Tage exklusive Rechte ein und bekommst dafür tolle Sachen. Da das für mich nicht in Frage kommt, habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt.
  • Amazon kann dir DRM (Digitales Rechte Management), also Kopierschutz, anbieten, muss das aber nicht. Außerdem übernimmt Amazon keine Gewähr, dass der Kopierschutz funktioniert.
  • Du behältst sämtliche Rechte an dem Buch (Urheberrecht etc.) räumst nur das nicht ausschließliche) Vertriebsrecht Amazon ein.
  • Wenn du dein Coverbild automatisiert von Amazon erstellen lässt (bist du schön blöd. Pardon.) dann bleiben sämtliche Rechte für dieses Bild bei Amazon.
  • Es gibt eine Geheimhaltungspflicht für den Vertrag. Die extrem lächerlich ist, da der Vertrag ja hier online steht.
  • Amazon übernimmt quasi überhaupt keine Gewährleistung, dass dein Buch verkauft wird und am Ende auch bei den Kunden landet.
  • Bei Vertragsstreitigkeiten darfst du nicht vor Gericht gehen, sondern musst ein Schiedsverfahren bei einer Organisation in den USA ankurbeln. Die Kontaktdaten stehen in den AGB.
  • Du darfst keine Sammelklagen gegen Amazon betreiben oder daran teilnehmen.
  • Abschließend kommen noch die Bestimmungen zu KDP Select, die hier – wie gesagt – nicht interessieren, die Preisliste, die ich noch gesondert behandeln werde und immer die letzten Änderungen an den AGB noch einmal zusammengefasst.

So, jetzt wisst ihr, worauf ihr euch da einlasst. Viel Spaß. Mein nächster Artikel widmet sich der Anmeldung bei Google, die schon wesentlich vertrackter ist als das KDP.

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8 Kommentare

Eingeordnet unter E-Book Vertrieb

8 Antworten zu “Für euch gelesen: Die AGB von Amazon – kindle direct publishing

  1. Mara

    Danke dass du dir die Arbeit gemacht hast, die AGB (!!!!!!!!!!!!!) von Amazon KPD aufzudröseln. Das macht einen ja fertig. Und da wird immer gesagt, es sei so toll, seine Bücher bei Amazon zu veröffentlichen, denn man hat die volle Kontrolle und viele Möglichkeiten. Weit gefehlt, wenn man sich das hier mal genau durchliest. Ich habe hin und her überlegt, wo ich meinen Text hochlade und bin auf XinXii gestoßen. Der Vorteil ist dort, dass die meine Text automatisch weiterdistribuieren und ich keine Arbeit mehr habe. Die AGB scheinen auch in Ordnung zu sein, die habe ich hier gefunden: http://www.xinxii.com/gd_cms.php?page=agb

    • Vielen Dank für deine Rückmeldung und die Lorbeeren. Für mich käme Xinxii allerdings aus zwei Gründen nicht in Frage:
      1. Wenn sie dein Buch über Amazon vertreiben, sind sie ja ihrerseits an Amazons AGB gebunden und somit entkommst du dem nicht.
      2. Gibt es viele Drittanbieter, die für dich in die großen Stores gehen (ich mache das auch für euch, wenn ihr möchtet. Die Konditionen können wir individuell aushandeln. einfach eine Mail an info@privatsprache.de 😉 ) die wollen dann einerseits natürlich ein Stück vom Kuchen ab und andererseits ist es ja gerade das Schöne am Indiepublishing, dass man die volle Kontrolle hat.

  2. Pingback: Für euch gelesen: die Google Play AGB | Privatsprache – Projekt: Blackbox

  3. Pingback: Ein eigenes E-Book veröffentlichen – Teil 2: Die Veröffentlichung

  4. andreas

    toll deine Seiten
    kann man die amerikanische steuernr auch an dich delegieren?

    • Können und dürfen könnte ich das schon. Allerdings habe ich kein Fax. Und ich bin mir nicht sicher, ob sich die Investition in eines für mich lohnt. Wenn größeres Interesse an so einem Service besteht, würde ich mir das mal überlegen. Wie sieht’s aus, werte Leserschaft?

  5. Pingback: Ein eigenes E-Book veröffentlichen – Teil II: Die Veröffentlichung - Bilkon.deBilkon.de

  6. Danke für den sehr guten Überblick.

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